Wings (Kapitel 11 Teil 3)

Tom versteifte und nahm rasch seine Hände von mir, als er die wütende Gestalt erblickte, die in unsere Richtung eilte. Alex blieb neben mir stehen, beugte sich zu mir und küsste mich lang und verlangend. Schnell hatte ich Tom vergessen und nahm nur noch Alex’ weiche Lippen wahr.
»Wenn du sie noch einmal anfasst, packe ich dich und schicke dich per Post nach Hause, hast du verstanden?!«
Ich kuschelte mich zu ihm und genoss seine drohenden Worte, die er an meinen Exfreund richtete.
»Ich dachte, du liebst mich noch« Toms Stimme war starr vor Schreck. Sein Gesicht wurde kreidebleich, das war wohl der Moment der Erkenntnis.
»Und ich dachte, es ist offensichtlich genug, dass das nicht der Fall ist.«
»Ist es nur seinetwegen?« er blickte eifersüchtig zu Alex. »Glaub mir, ich bin viel besser als er…«
Tom war schon immer ein Kämpfer. Auch diesmal wollte er nicht einsehen, dass es zwischen uns längst aus war. Würde auch noch Raimund auftauchen, wäre hier die Hölle los.
»Verzieh dich, Tom« sagte Alex hart.
»Blanka…«
»Gehen wir« beendete ich den Streit. Hätte Tom noch was gesagt, hätte ich ihm eine Ohrfeige verpasst. Um dies zu verhindern, drehte ich ihm den Rücken zu und verließ den Raum.
»Blanka, warte!« rief mir Alex nach.
Ich blieb beim Ausgang stehen. Alex umarmte mich, ich drückte mein Gesicht gegen seine Brust.
»Vergiss ihn einfach.«
»Bist du böse auf mich?« fragte ich.
»Nein, natürlich nicht. Weshalb sollte ich dir böse sein?«
»Vielleicht, weil ich mit ihm getanzt habe. Mit meinem Exfreund« antwortete ich. »Ich wollte ihm unbedingt zeigen, wie man auf einer Party richtig tanzt.«
»Du kannst nichts dafür, dass er ein Volltrottel ist« beruhigte er mich mit seiner Samtstimme und drückte mich fester zu sich. »Möchtest du was trinken?«
»Ja, eine Cola wäre trostreich.«
»Wartest du hier auf mich? Ich bin gleich zurück« sagte Alex.
»Klar.«
Ich lehnte mich an die Wand und blickte Alex nach, wie er zum Büfett tanzte. Nachdem er verschwand, betrachtete ich die Tanzfläche. Mein Zorn legte sich in den nächsten Minuten, in denen Alex weg war.
»Trink, Kleines.« Er übergab mir einen großen Becher Cola.
»Danke.«
»Möchtest du gehen?« wollte er wissen.
»Noch nicht. Ich will tanzen. Mit dir.«
Alex lächelte und gab mir einen Kuss. Stella kam plötzlich angerannt.
»Blanka! Ich habe dich schon überall gesucht« sie umarmte mich. »Was hast du Tom gesagt? Er wirkte so bleich, nachdem du verschwunden warst.«
»Er wollte mich küssen und Alex hat ihn daran gehindert« erklärte ich ihr. »Er hat mich gerettet.«
»Hätte er Blanka geküsst, hätte ich ihn als Diskolicht an die Decke gehängt« betonte Alex.
Stella schüttelte verwirrt den Kopf.
»Geht ihr?« wollte sie wissen.
»Nein, wir bleiben noch eine Weile« sagte ich.
»Okay, aber schick mir eine Nachricht, wenn ihr geht. Ich muss jetzt zurück, die Jungs warten auf mich« Stella lächelte mich schief an. »Meine Eltern wissen Bescheid, sie halten dir den Rücken. Wir sehen uns morgen am Bahnhof. Ich kann’s kaum erwarten!«
»Danke Stella! Du bist die Beste« ich war froh, mit ihr und ihren Eltern so gut klarzukommen.
Sie grinste uns beide mit einem unmissverständlichen Blick an. Dann umarmte sie uns und ging wieder auf die Tanzfläche.
»Jetzt gehörst du nur noch mir« Alex’ Stimme streichelte meine Ohren, sein Mund meinen Hals.
Er lehnte sich mit beiden Händen gegen die Wand und hielt mich zwischen seinen Armen gefangen. Diesmal war ich für jede einzelne Sekunde dieser Gefangenschaft dankbar. Sein Kuss erinnerte mich an den ersten Tag. An den Tag, an dem wir uns im Regen geküsst hatten… Wir mischten uns tanzend in die Menge. Sein Duft machte mich verrückt, mein Herz konnte kaum mit der feurigen Leidenschaft zwischen uns mithalten.

Wir kamen vor Alex’ Wohnung an. Ich starrte durch die Windschutzscheibe auf die leere Straße. Im Wagen war es dunkel, nur das Licht der Scheinwerfer hellte die Umgebung ein wenig auf. Ich richtete mein Top und schaute zu Alex. Sein Blick war nach vorne gerichtet und er hielt sich mit beiden Händen am Lenkrad fest, obwohl das Auto schon stillstand. Als er bemerkte, dass ich ihn beobachte, drehte er sich zu mir. Ich erhoffte sein schiefes Lächeln, sah aber nur eine steife Miene, die meine Augen musterte. Ich erschrak und traute mich nicht zu lächeln. Alex machte mir wieder Angst, ich verspürte den unbegründeten Drang, wegzurennen.
Dann sah ich sein Lächeln und das ungute Gefühl löste sich in Luft auf. Alex entspannte seine Hände, danach ließ er das Lenkrad los.
»Dann schläfst du heute bei mir« sagte er flüsternd.
»Ja« bestätigte ich leise und drehte den Kopf wieder nach vorne.
Draußen wurde es plötzlich ganz finster. Alex hatte die Lichter ausgemacht. Seine warmen Hände griffen nach meinen nervösen, kalten Händen.
Wenn ich nur seine Gedanken lesen könnte… Dann wäre alles viel leichter.
Alex schaute mich an und zog mich nah zu sich. Seine Lippen streichelten meine Lippen, bevor er mich innig küsste. Gänsehaut umhüllte meinen ganzen Körper, als sein Kuss immer verlangender und härter wurde. Ich wollte nicht an die bevorstehende Nacht denken…
»Komm, Süße« hauchte er und zog sich zurück.
Alex stieg aus, spazierte auf die Beifahrerseite und öffnete mir die Tür.
Ich war nervös, sehr nervös. So nervös, dass ich mich nicht rühren konnte. Meine Beine waren taub, mein Magen zuckte. Er half mir aus dem Wagen. Ich klammerte mich an ihm fest, damit ich nicht hinfiel. Vor der Tür blieb er stehen und umarmte mich. Es war mir schwindlig, als wäre ich leicht angetrunken.
»Alex?«
»Ja?«
»War noch was in meiner Cola?« erkundigte ich mich.
»Nein, wieso?« er ließ mich los und musterte mein Gesicht.
»Nur so… Es ist mir recht schwindlig. Ich weiß nicht, was los ist.«
»Mach dir keine Sorgen, dir wird nichts passieren« Alex zog mich wieder zu seiner Brust.
Sein Duft war süß… So süß wie die Nacht.
Ich schlang meine Arme um seinen Hals. Ich wollte ihn nicht verlieren. Ich wollte seine Nähe und seine Liebe bis zum Ende unserer Tage fühlen, sein Lächeln und seine wunderschönen grünen Augen sehen. Ich wünschte, er würde mich nie verlassen.
Sein Herz schlug rhythmisch, wie er atmete. Ich zählte die Schläge, wir standen eine ganze Ewigkeit vor der Tür.
Wir gingen in seine Wohnung, ließen das Gepäck aber im Kofferraum. Alex packte mich und trug mich zum Sofa. Ich lachte und trommelte mit den Händen gegen seinen Rücken. Er legte mich auf den weichen Stoff und lehnte sich mit seinem ganzen Körper über mich. Ich konnte mich nicht rühren, da er meine Arme über meinem Kopf festhielt. Zwei schöne, grüne Augen schauten in mein unbedeutendes, braunes Augenpaar. Zwar lächelte er mich an, jedoch war es nicht das gewohnte Lächeln. Seine Mundwinkel zeigten nach oben, doch seine Augen blieben starr. Alex’ Miene war anders als sonst. Oder bildete ich es mir nur ein?
»Alles Ok?« fragte ich.
Er sagte nichts, sondern stieg von mir runter und setzte sich hin. Ich setzte mich auch auf und umarmte ihn. Er vergrub sein Gesicht in die Hände und seufzte.
»Was ist los, Alex?«
»Blanka« sagte er leise. »Hör zu… Wie soll ich dir das bloß erklären? Weißt du noch, was ich dir heute gesagt habe, bevor wir losgefahren sind?«
»Ja« sagte ich zitternd. Die Angst vor dem Unbekannten machte mich nervös.
»Vergiss das bitte nicht« bat er.
»Du machst mir wieder Angst, Alex.«
»Das tut mir leid.«
Es machte wohl keinen Sinn, ihn auszufragen, was vor sich ging. Früher oder später würde ich es sowieso erfahren. Das Einzige, was mich beruhigen könnte, waren Alex’ sanfte Lippen, deshalb warf ich ein Bein auf seine andere Seite, so, dass ich in seinem Schoss saß. Ich zog seine Hände weg und küsste ihn. Alex stöhnte lustvoll auf, umschlang meine Taille und erwiderte den Kuss. Ich hätte gedacht, nichts könnte meine Gefühle für ihn übertreffen, doch ich hatte mich geirrt. Meine Sehnsucht nach ihm war größer denn je, ich wollte ihn näher spüren und hatte das Bedürfnis, unserer Liebe freien Lauf zu lassen. Ich begehrte seinen Kuss, seine Berührungen, seinen Duft. Mein Herz klopfte wild gegen meinen Brustkorb, ich war aufgeregt und nervös zugleich.
Alex befreite sich aus meiner Umarmung und stand auf.
»Was möchtest du trinken?« fragte er mich.
Ich war erst enttäuscht, doch das Lächeln war wieder sein eigenes, das ich so sehr liebte. Das mich seit der ersten Begegnung faszinierte. Und wenn der perfekteste Mensch dich mit dem perfektesten Lächeln anschaut, ist es unmöglich, die Geste nicht zu erwidern.
»Was gibt es zur Auswahl?«
»Cola, Orangensaft, Apfelsaft und Wasser.«
»Orangensaft klingt gut.«
»Ist schon auf dem Weg« Alex eilte in die Küche.
Während er weg war, zupfte ich meine verrutschten Flügel unter dem Korsett wieder zurecht. Ich krempelte das Oberteil hoch, um alle Stellen zu erreichen.
»Schön« erschien Alex in der Tür.
Ich blickte zu ihm und spürte, wie meine Wangen glühten. Ich ließ das Oberteil sofort wieder runterrollen. Alex kam mit zwei Gläsern Orangensaft und einer Packung Salzgebäck zum Sofa.

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