Wolfgang Kremer

Wolfgang Kremer lenkte den Abschleppwagen mit der gleichen Präzision, mit der er einen Panzer oder einen Sportwagen gelenkt hätte. Er konnte sogar einen Hubschrauber fliegen. Er hatte einen beachtlichen Intelligenzquotienten und war in unzähligen Dingen ausgebildet. Einzig sein Ego hatte ihm schon oft im Weg gestanden. Er war ein Heißsporn. Er wäre der perfekte Agent gewesen, hätte es ihm nicht an Disziplin gemangelt. Beleidigungen wie die von Peter in Salzburg hätte er einfach ignorieren müssen! Den Alleingang hätte er sich sowieso nicht erlauben dürfen. Er ärgerte sich, dass er sich mit seiner blöden Rachsucht Probleme beschert hatte. Dieser Einsatz, hätte das Gesellenstück, ja Meisterstück seiner nun abgeschlossenen Ausbildung sein sollen. Man hatte ihm die Aufgabe zugewiesen, mit falschen Papieren die österreichischen Behörden zur Kooperation zu bringen und die beiden Fahrzeuge zu "bergen". Das hatte er dank des perfekt gefälschten Einsatzbefehls noch hingekriegt. Das in Salzburg war auch noch tragbar, aber dass er zu Peter nach Hause gefahren war, ohne sich vorher mit der hiesigen Polizei abzusprechen und dann auch noch eine Festnahme abgezogen hat, war mehr als grenzwertig und hatte seine Glaubwürdigkeit stark beschädigt. Nur, weil er sich von Peter beleidigt gefühlt hatte, hatte er den gesamten Einsatz hochgradig gefährdet! Ursprünglich war geplant gewesen, die Fahrzeuge zu kassieren und die Aktion den Deutschen Behörden unterzuschieben. Bis man bei den Deutschen die Fahrzeuge zurückfordern würde, wäre er damit längst über alle Berge. Das Fahrzeug vom Letzten Fall, hatten die Amerikaner mit Hilfe der Deutschen schon beschlagnahmt, mit den Fahrzeugen des zweiten Falles war er für die Russen unterwegs. Er war der perfekte russische Agent für diesen Einsatz, denn kein wirklicher deutscher Soldat hätte so Deutsch gewirkt, wie er.
Er fuhr mittlerweile schon bei Salzburg Mitte und würde bald über den Walserberg nach Bayern kommen. Er hätte nicht im Traum daran gedacht, den Abschleppwagen zurück zu bringen, aber nachdem ihn Major Skovec bei seinem unseeligen Alleingang erwischt hatte, konnte er sich nicht erlauben, durch den Diebstahl des Lasters auf sich aufmerksam zu machen. Wenn er den Wagen nicht zurückbrächte, würde man bei der deutschen Behörde nachfragen. Die Russische "Initiative" würde auffliegen und Major Skovec würde ihn in Moskau denunzieren. Er habe ihr nach Ausführung des Auftrages zu berichten, hatte sie angeordnet. Er solle sich wie ein Profi verhalten, sie wolle ihn nicht Verheizen müssen, hatte sie gesagt. Ob er ihr trauen konnte? Wenn sie ihn nicht verriet, hatte er gute Chancen seinen Auftrag erfolgreich zu beenden und befördert zu werden. Es hing also von ihr ab. Er hatte nicht damit gerechnet, es einmal zu erleben, was man in der Ausbildung gemunkelt hatte...Passwort Donau... Er war tatsächlich einem Schläfer ins Netz gegangen. Für Kremer gab es nur eine Möglichkeit: Den Auftrag ohne Zwischenfälle und Aufsehen zu Ende zu führen. Also würde er den Wagen in die angemietete Lagerhalle zu Ricardas Golf stellen und anschließend den Abschleppwagen wieder zurückbringen. Dann würde er an Major Skovec berichten. Normalerweise müsste sie froh sein, wenn sie ihn nicht melden musste. Wenn er seine Sache gut machte, hatte er gute Chancen, seinen ersten, von ihm geleiteten Auslandseinsatz gut abzuschließen.
Gernot hatte kein gutes Gefühl dabei, seinen Abschleppwagen doch vermietet zu haben. Der Typ war ihm zutiefst unsympathisch gewesen, aber er wollte endlich Ruhe haben. Er war gerade auf Probefahrt mit einem Volvo und war ganz in der Nähe von Peters Haus. Das war eine gute Gelegenheit, ihn zu besuchen und zu fragen, wie ihm denn der Neue gefiele. Als er ankam, sah er Leonhards Auto stehen. Er stieg aus und läutete. Ricarda ließ ihn ein. "Das war vielleicht ein Kotzbrocken, dieser Kremer! so ein unsympathischer Kerl und ich hab ihm dann auch noch meinen Schleppi vermietet!" Erzählte er Peter. "Sei froh, dass er ihn nicht beschlagnahmt hat!" - "Du wirst lachen, das wollte er, aber der Franzl hat ihm das gleich abgeblasen. Ich hab ihm aber doppelten Tarif abgeschwafelt und er verbürgte sich, dass der Wagen am Abend wieder hier ist." -  "Ob du den wiedersiehst?" - "Den bringt er ganz sicher wieder! Und wahrscheinlich wird er dann sogar bar bezahlen, Gernot." Meldete sich Irina zu Wort. "Er wird versuchen diese Sache so ruhig und anständig, wie nur irgend möglich zu beenden." - "Das wäre mir nur recht!"

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