Zone 1, die Firma

"Lass mich los", flehte Sassy und spürte die Klinge der Machete an ihrer Kehle. "Damit du uns dann abschlachtest wie John?", fauchte der Mann, welcher sie gefangen hielt, dann deutete er auf Chruch, "Und dir Freak würde ich raten, dich keinen Millimeter zu rühren oder ich schneide ihr die Kehle durch!"
Chruch, der sich auf die Oberarme stützen musste, um nicht rücklings wieder in den Schacht zurück ins Treppenhaus zu stürzen, nickte widerwillig: "Können wir reden? Euer Freund hat auf uns geschossen, wir waren nur auf der Durchreise!" 
Der maskierte Mann zu seiner linken blickte den Mann, der Sassy in Gewahrsam hatte, fragend an: "Alpha, was sollen wir tun?"
"Halt die Klappe Rufus!", schnauzte der Mann zu seiner rechten, der ihm bei seiner Ankunft auf dem Dach mit einem Baseballschläger einen Schlag verpasst hatte. 
"Alpha, ich bin Sassy!", sie bemühte sich freundlich und gelassen zu wirken. Church merkte sofort, wie sie versuchte über die Namen eine Verbindung zu schaffen. "Du kannst mich los lassen, ich verspreche brav zu sein! Wir wollten euch nie etwas tun..." 
Alpha winkte Rufus zu sich: "Durchsuche sie und nimm ihr alle Waffen ab! Und der Rucksack, wirf ihn weg, wer weiß was da drinnen ist." Rufus tat wie ihm befohlen und nahm Sassy den Rucksack, welcher in hohem Bogen vom Dach flog, dann die Schlagringe ab, zuletzt wollte er zu den Dolchen greifen. "Wenn er sie berührt wird er sterben!", warnte Church die beiden. Alpha winkte ungläubig ab und deutete Rufus sie trotzdem an sich zu nehmen. Dieser wirkte zwar verunsichert, nahm sie aber dann nach kurzem zögern von Sassys Gürtel. Im selben Moment ließ er diese fallen. Klirrend landeten sie auf dem Boden des Dachs. Die schwarzen Klingen glänzten unheimlich. Seine Hände wurden schwarz und rauchten an den Stellen, an denen sie mit den Dolchen in Berührung gekommen waren. Er ließ einen kurzen Schrei los und brach dann tot zusammen. 
Alpha versetzte den Klingen mit seinem Stiefel einen Tritt, sodass sie außer Sassys Reichweite flogen. Dann ließ er sie los und deutete Church nach oben zu kommen. 
"Jetzt habt ihr zwei unserer Männer auf dem Gewissen", stellte er genervt fest. Sassy drehte sich zu ihn um und ging sofort auf ihn los. Sie versuchte ihn auf den Boden zu ringen, stieß aber auf mehr Kraft und vor allem Gegenwehr als erwartet. Alpha riss sie zu Boden, kniete sich über sie und drückte ihr seinen Ellbogen gegen den Hals: "Dummes Ding!" Sassy grinste ihn unverschämt an: "Luft ist nicht was ich brauche! Und du solltest deinen Jungs beibringen, dass sie nicht nur nach offensichtlichen Waffen suchen sollten!" 
Sassys rechter Arm schnellte um seinen Hals, sodass er den eiskalten Stahl der Klinge ihres Messers direkt auf seiner Halsschlagader spüren konnte. 
Der übriggebliebene Mann wollte ihm zur Hilfe eilen, wurde aber von schwarzen Fäden, welche durch das Loch in Churchs Pullover geschossen kamen, an beiden Beinen gepackt und zu Boden gerissen. Alpha beobachtete das aus dem Augenwinkel: "Was bist du für ein Freak!?" Der leichte Druck der Klinge lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf Sassy, die ihn nun angrinste und ihre spitzen Eckzähne entblößte: "Hier spielt die Musik, Schätzchen! Du kannst entscheiden wie das für euch ausgeht: Ihr könnt jetzt beide aufstehen, mir eure Waffen aushändigen und ein paar Fragen beantworten, oder du genießt es noch eine Sekunde länger auf mir zu liegen und ich bade in deinem Blut!" Nach dieser Ansage ließ Sassy ihren Arm mit der Klinge wieder sinken, Alpha sprang auf und stolperte noch ein paar Schritte zurück: "Was zum Teufel seid ihr? Und was wollt ihr von uns?" Sassy erhob sich und klopfte sich übertrieben theatralisch den Schmutz von den Klamotten: "Ich wollte mir hier einen Überblick verschaffen. Ihr hättet euch bloß ruhig verhalten müssen, dann würden alle noch leben!" Churchs Fäden zogen sich wieder in seine Brust zurück: "Manieren habt ihr hier ja gar keine. Sogar schlimmer als die junge Dame hier! Ist ja frech wie ihr euch aufführt, dummes Menschenpack!" 
Alpha ging noch einen Schritt zurück. Er sah sich nach einem Fluchtweg um, aber außer einem Sprung vom Dach gab es kein Entkommen. Sein Kollege schien weniger Hoffnung in ein Gespräch zu setzen. Er rannte los und versuchte an Sassy vorbei zu gelangen, doch diese packte ihn an der Schulter und schleuderte ihn mit unglaublicher Kraft zurück auf den Platz, von dem er sich gerade noch erhoben hatte. "Magnus, hör auf!", schrie Alpha ihn an, "Das bringt doch nichts!" 
Magnus zog plötzlich eine Pistole und zielte auf Sassy, diese hob erschrocken die Hände, wollte nicht das die Situation weiter eskalieren würde. 
Church allerdings hatte genug. Noch bevor Magnus die Waffe entsichern konnte hatten sich drei schwarze Fäden von hinten durch seine Augen und den Mund gebohrt. Sassy verzog angewidert das Gesicht. Der Mann wurde von den Fäden in die Luft gehoben, zuckte noch kurz unkontrolliert bevor sein Leichnam vom Dach geschleudert wurde. "Das tut mir Leid. Er war zu nervös", Alpha behielt die Fäden, welche sich in Chruch Brust zurückzogen genau im Auge "Das Mädchen ist also eine Unsterbliche, und du?" Church lachte hämisch: "Vampire sind sehr wohl sterblich, füttere sie nicht, oder spieß sie auf und sie machen keinen Mucks mehr. Ich würde sie ja lieber verbrennen, nachdem ich ihr natürlich die Zunge entfernt hätte!" Alpha starrte ihn zutiefst verstört an. Die beiden waren wohl das schrägste Team, welches ihm je unter gekommen war. "Also bist du eine Limbuskreatur?", fragte er, rechnete aber nicht mit einer sinnvolleren Antwort als der letzten. Sassy gesellte sich zu den beiden, nachdem sie ihre Dolche aufgehoben und diese sicher wieder an ihrem Gürtel verstaut hatte.
"Kreatur ist eine zu nette Bezeichnung für diesen Misthaufen", erklärte sie, "Du wirst jetzt einmal deinen guten Willen beweisen und uns erklären was hier vorgeht. Und wage es nicht weg zu laufen, ich finde dich, glaub mir!"
Alpha starrte sie verwirrt an, er glaubte ihr nur zu gerne, dass sie in der Lage wäre ihn aufzuspüren und rücklings zu töten.
"Der hat mir zu wenig Angst", merkte Chruch an, "Ich weiß nicht, wir sollten ihn lieber auch töten."
Sassy warf ihm einen strengen Blick zu, worauf Church die Augen verdrehte. Auch er selbst konnte nicht genau definieren, was sein Problem mit diesem Mann war. Fakt war, dass seine Instinkte ihn in Alarmbereitschaft versetzt hatten.

"Wir wissen was ihr getan habt!"
"Wir finden euch!"
"Wir kommen um euch zu holen!"

Sassy schauderte, solch düsteres Wispern hatte sie seit Jahren nicht mehr vernommen.
"Wir müssen hier verschwinden, sie kommen!", Alpha schien auf einmal hektisch zu werden und blickte sich nervös um, als würde er nach einem Fluchtweg vom Dach suchen. "Du hast das gehört?", fragte Chruch. Sein Misstrauen Alpha gegenüber schien nun endgültig durch die Decke zu gehen, "Wie kann ein Mensch..." Church wurde von den Ereignissen unterbrochen. Sassy war in unsagbarer Geschwindigkeit, die selbst Chruch kaum mehr wahrnehmen konnte, hinter Alpha aufgetaucht und  hatte ihm von hinten in den Hals gebissen. Dieser war perplex, aber noch bevor er Sassy zu fassen bekam, war sie schon wieder neben Church, an welchen sich Alpha beim besten Willen nicht heran traute.
"Er ist kein Mensch!", sie leckte sich die Lippen, dann verzog sie das Gesicht "er ist... bah!" Verstört beobachtete Church wie Sassy sich plötzlich heftig übergeben musste. Alpha hielt sich die Stelle an seinem Hals mit der Bisswunde und funkelte schadenfroh zu ihnen hinüber: "Nein, bin ich nicht. Ich hoffe, es ist schwer verdaubar, Miststück!" Sassys Augen weiteten sich und sie musste sich wieder übergeben. "Ein Teufel, ein verdammter Teufel!", presste sie hervor, "Töte ihn!" Church behielt beide im Auge. Er hatte kein Problem damit, den Störenfried zu beseitigen, aber irgendetwas an Sassys Zustand gefiel ihm überhaupt nicht. 
"Was passiert hier?", fragte er. Das Whispern war auch ihm nicht entgangen und falls ihnen ein Angriff bevor stand, wollte er nicht gegen zwei Fronten kämpfen müssen.
"Die Verstoßenen!", Alpha deutete auf die Klappe, "Mach sie schnell zu. Sie kommen um uns zu holen!" Church sah keinen Fehler darin die Klappe zum Treppenhaus zu schließen, also tat er was Alpha sagte. 
Sassy schien sich wieder zu fangen. Der Schwindel, der sie befallen hatte, hallte noch ein wenig nach, aber langsam setzte sich das verschwommene Bild vor ihren Augen wieder zusammen und gewann an Schärfe.  Vor ihr, an der Stelle, an der sie Alpha vermutet hatte, stand Finn. Sein Lächeln, seine ganze Gestalt schien zu strahlen. Seine Augen waren eigenartig, statt dem ihr bekannten Türkis funkelten sie gelb. Aber das war ihr in dem Moment egal. Sie hatte ihn gefunden, und er war wohl auf. 
"Finn!", sie stolperte auf ihn zu, steckte ihre Hand aus um ihn zu berühren, um ihn auf seine Echtheit zu untersuchen. Ihre Hand landete auf seiner Schulter, er schien gewachsen zu sein, schließlich viel sie ihm einfach in die Arme.
"Kannst du mir bitte erklären", Alpha starrte Church verwirrt an als er Sassy in den Armen hielt, "was ihr von Finn wollt?"
Church war ebenso verstört wie er. Er konnte sich nur verstellen, dass Sassy möglicherweise unter Wahnvorstellungen litt. 
Sassy hingegen gewann das letzte bisschen fehlender Klarheit zurück und entfernte sich sofort von Alpha: "Du warst... Was zum... Was passiert hier?" 
Church hörte ein Rumpeln unter ihnen, er vermutete, dass das, was Alpha als die "Verstoßenen" vezeichnet hatte, sich gerade einen Weg durch die Blockaden aus Möbeln im Treppenhaus schlug.
"Wir haben keine Zeit mehr!", Alpha blickte sich gestresst um, "Wir müssen hier weg!" Chruch lachte verächtlich: "Ich springe sicher nicht vom Dach wie dein schwachsinniger Kollege. Ich sehe mir diese Verstoßenen erst einmal an!"
Sassy schüttelte sich: "Nein, Church. Ich spüre eine finstere Präsenz da unten, wirklich stark, es sind zu viele!"
Alpha verdrehte die Augen: "Ich werde nicht hier warten bis sie mich holen kommen! An der Seite ist eine Feuertreppe. Sie ist beschädigt, aber wir sollten es bis runter zum vierten Stock schaffen. Sie sind fast oben. Uns bleibt nur wenig Zeit, um durch das Treppenhaus zum Ausgang zu fliehen!"
Am nördlichen Ende des Dachs befand sich wirklich eine Feuertreppe. Church war bis zum Schluss nicht sicher gewesen, ob Alpha nicht einfach versuchen würde sie vom Dach zu stoßen. Er und Sassy ließen ihn gerne vorausgehen. Wie versprochen befand sich die Wendeltreppe aus Metall in einem desolaten, äußerst rostigen Zustand. Man wollte den Fuß nicht zu lange auf einer Stelle lassen, aus Angst doch noch durchzubrechen und in die Tiefe zu stürzen. Ab dem fünften Stock wurde es beinahe unmöglich. Viele Glieder der Treppe fehlten bereits und die noch übrigen schwankten beim Darauftreten. Das Geländer fehlte nun vollständig. "Wir müssen durch eines der Fenster!", erklärte Alpha, und deutete einen Meter an der zerstörten Fassade des Hauses hoch, "Die Scheiben sind ohnehin alle kaputt!" 
Sassy stieß sich, so gut es auf der kaputten Treppe möglich war, ab und hievte sich an dem Fenster hoch. Lautlos verschwand sie darin. "Sie checkt ob die Luft rein ist!", erläuterte Church Alpha ihr Fernbleiben vom Fenster. Ihm fiel auf, dass er und Sassy wirklich ein eingespieltes Team in Notsituationen waren, auch wenn sie sich in jeder ruhigen Minute am liebsten zerfleischen würden. Vielleicht hatte Finn sie genau deswegen immer zusammenarbeiten lassen. Ein schriller Pfiff ertönte und Church folgte Sassy als Erster durch das zerstörte Fenster. Alpha tat sich sichtlich schwerer, was Chruch genüsslich beobachtete. Sassy erbarmte sich und reichte ihm die Hand, um ihn hochzuziehen.
Als sie sich berührten, schoss eine starke Energie durch Sassys ganzen Körper und sie fühlte sich, als hätte sie ein Blitz getroffen. 
Die Energie durchströmte sie, und knipste ihr nach kurzer Zeit die Lichter aus. 

Zone 1, gesperrt durch die Firma, ein Schild vor einem zerstörten Ort, in deren Mitte etwas glänzte. Sassy wurde förmlich zu diesem Glanz gesogen und fand sich vor dicken Stahltüren und Betonmauern wieder. Stacheldraht, ein elektrischer Zaun, noch in Betrieb. 
Aber warum, in einer verlassenen Stadt.
Ein Gang, steril, kalt, einsam. Keine Bilder an den weißen Wänden, nackte Glühbirnen, ein alter hellblauer Plastikboden. "Ich hab dich! Du bist dran!", die Stimme eines kleinen Jungen hallte durch den Gang. "Hey, das ist unfair! Du bist viel größer als ich!", die deutlich jüngere Stimme eines zweiten Jungen folgte. "Dann musst du mehr Schritte machen!", forderte der Erste, "In kürzerer Zeit!" Der Jüngere lachte ausgelassen, bis er plötzlich verstummte. Die Stimme eines Mannes kam hinzu und ihr Klang ließ Sassy erschaudern: "Es wird am Gang nicht gelaufen! Hört mit diesen Spielerein auf! Ihr sollt euch auf eure Bestimmung konzentrieren!" 

"Na Miststück?", Sassy öffnete die Augen. Alphas Stimme hatte die eigenartige Vision beendet, "Schon der zweite Ausfall heute!" Church kniete neben ihr auf dem Boden, während Alpha an der Holztüre der kleinen Wohnung, in die sie über die Treppe gelangt waren. "Ihr habt viele Fragen!", stellte Alpha fest, "Ich werde sie beantworten wenn wir in Sicherheit sind!" 
Sassy erhob sich und rieb sich ihren dröhnenden Kopf: "Bring uns in die Zone 1! Du weißt wo das ist, oder? Du bist dort aufgewachsen!" Alpha kniff seine gelben Augen zusammen und musterte sie kritisch: "Das habe ich befürchtet, aber Finn werdet ihr dort nicht finden!"
Church wurde es zu bunt. Sie schienen von einem Rätsel ins andere zu stolpern: "Woher kennst du Finn?"
Alpha grinste verächtlich: "Ich glaube kaum das wir denselben meinen. Ich hatte einmal einen Bruder mit diesem Namen, aber er starb vor vielen Jahren!" Sassy schauderte. Wahrscheinlich hatte die bloße Präsenz dieses Namens ihren Anfall ausgelöst.
"Was hofft ihr in Zone 1 zu finden?", fragte Alpha weiter.
Sassy überlegte, sie konnte das Gefühl, dass diese Zone eine Bedeutung hatte nicht abstreifen: "Antworten!"

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    Ich finde keine anderen Worte außer: Ich liebe es und ich freue mich so sehr, dass wir wieder mehr gemeinsam machen. Es ist wie damals in Omas Stube, als wir die Anfänge durchmachten. Ich hoffe, ich werde Maris Geschichte noch mal gerecht.

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