Ärger

Mit leisen Schritten ging ich die Treppe herunter. Hinter mir war Olivia. In meinem Nacken konnte ich ihren Blick spüren. Als ich unten ankam, stand Holly überraschenderweise im Flur und unterhielt sich mit Daphne. Cassidy war nirgendwo zu sehen.
Die letzten Stufen übersprang ich einfach und ging zu den beiden herüber. Olivia ging an uns vorbei und verschwand in der Küche. Nach dem merkwürdigen Gespräch war ich froh, dass sie erstmal nicht in meiner Nähe war.
„Ist mit deiner Hand wieder alles in Ordnung?“, fragte mich Daphne besorgt, bevor Holly überhaupt den Mund aufgemacht hatte.
„Ja, ein paar Splitter sind auch nichts Weltbewegendes“, meinte ich gelassen.
Ohne zu Zögern nahm Daphne meine verbundene Hand und legte sie behutsam in ihre.  
Auf einen Schlag hatte ich ein komisches Gefühl in der Magengegend. Daphne grinste und hob ihren Blick. Tief sah ich ihr in die grünen Augen, die hell leuchteten. Atemlos stand ich vor ihr.
Aus den Augenwinkeln nahm ich wahr, dass Holly die Kinnlade herunterklappte und sie Daphne entrüstet ansah.
„Können wir uns mal kurz unterhalten, James?“, fragte Holly scheinheilig, obwohl sie ihre Wut kaum im Zaum halten konnte.
„Sicher“, antwortete ich. Daphne ließ traurig meine Hand los und ging in die Küche.
„Was sollte das denn?“, zischte sie und schob verärgert ihre Augenbrauen zusammen.
„Was meinst du?“
„Die Tatsache, dass Daphne dich mit ihren Augen ausgezogen hat und du das sichtlich genossen hast“, blaffte sie mich an. Mich überrumpelte ihr Ausraster so sehr, dass ich kein Wort herausbekam.
„Willst du denn gar nichts dazu sagen?“, kreischte sie. Ihre Schreierei ging mir langsam gehörig auf die Nerven.
„Wieso sollen wir etwas diskutieren, was du dir nur einbildest?“ Meine Stimme war unglaublich ruhig, dafür, dass sie mich gerade ohne Grund anbrüllte.
„Ich bilde mir nichts ein, klar?“ Empört schnaubte sie.
„Jetzt hör mir mal zu, Holly. Ich weiß nicht, wie Daphne mich findet oder ob sie mehr von mir will, aber das interessiert mich auch nicht. Ich liebe dich und keine Frau auf dieser Welt wird mir jemals so viel bedeuten, wie du“, erklärte ich ihr und nahm zärtlich ihr Gesicht in meine Hände.
Ich strich mit meinen Daumen über ihre Wangen und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Du brauchst wirklich nicht eifersüchtig zu sein.“
„Ich bin gar nicht eifersüchtig“, schmollte sie. Ich schmunzelte und zog sie an mich. Ich roch ihren verführerischen Duft, der meinen Verstand vernebelte.
„Tut mir leid, dass ich ausgeflippt bin“, flüsterte sie und schaute beschämt zu Boden.
„Kein Problem. Ich finde deine Eifersucht ziemlich süß“, neckte ich sie und küsste sie auf den Mund. Holly wurde rot, doch plötzlich wurde ihre Miene traurig.
„Ich glaube, ich sollte auch mal mit Daphne reden.“
„Das wäre wohl das Beste“, stimmte ich zu und ließ meine Hände sinken…

Seit ich in Hollys Zimmer war, lag ich auf dem Bett und starrte an die schneeweiße Decke. Holly war noch unten und redete mit Daphne. Verträumt hing ich meinen Gedanken nach.
Der heutige Tag hatte es in sich, dabei hatte er nicht mal richtig angefangen. Meine Gefühle waren ordentlich durcheinander gewirbelt worden.
Zuerst war da die Sache mit Holly gewesen, dann meine Wut gegen Cassidy und das unangenehme Gespräch mit Olivia hatte mir den Rest gegeben.
Ich massierte mir die Schläfen und atmete tief durch.
Meinem Gefühl nach waren erst wenige Sekunden vergangen, als die Tür langsam geöffnet wurde und Holly hereinkam.
Mit der rechten Hand schlug sie mit einigem Kraftaufwand die Tür zu, die mit einem lauten Knall ins Schloss fiel. Holly kam zu mir herüber, blieb vor mir stehen und schaute auf mich herab. Müde lächelte ich sie an.
„Und wie war´s?“, erkundigte ich mich.
Als ich in ihre blauen Augen sah, erkannte ich, wie traurig sie war.
„Nicht so gut“, gab sie enttäuscht zu und mit einem lauten Seufzer ließ sie sich neben mir aufs Bett fallen.
Ich setzte mich auf und umarmte sie. Holly legte ihre Stirn gegen meine Brust und war ganz still. Ich konnte sie nicht mal atmen hören.
„Was hast du Daphne denn gesagt?“, wollte ich interessiert von ihr wissen.
Holly hob ihren Kopf und durchbohrte mich mit einem leeren Blick.
„Ich habe sie gefragt, warum sie dich so angestarrt hat. Sie meinte bloß, dass sie dich süß findet. Als ich jedoch wissen wollte, ob sie mehr von dir will, da ist sie wütend geworden und meinte ich hätte den Verstand verloren. Dann ist sie rausgestürmt und Cassidy gleich mit.“
Nachdem sie mich aufgeklärt hatte, senkte sie ihren Blick und vergrub ihr Gesicht in den Händen.
„Ich habs total vermasselt“, jammerte sie.
„Ja“, stimmte ich Holly zu und fing an zu grinsen. Ich wusste nicht mal, wieso ich lachte.
Als sie das hörte, hob sie ruckartig wieder ihren Kopf. Jetzt sah sie mich vorwurfsvoll an.
„Du bist mein Freund, James. Eigentlich ist es deine Aufgabe mir zu sagen, dass ich nichts falsch gemacht habe“, meinte sie empört und stemmte die Hände in die Hüften.
Aus meinem breiten Grinsen wurde schallendes Gelächter. Verwirrt runzelte Holly die Stirn.
„Du lachst doch nicht über mich, oder?“
Obwohl mir klar war, dass sie sauer auf mich werden würde, nickte ich.
Überrascht riss sie den Mund auf, bevor sie mir einen kräftigen Schlag in den Nacken versetzte.
„Aua, das hat weh getan“, beschwerte ich mich und fasste in meinen pochenden Nacken.
„Das hast du davon, wenn du dich über mich lustig machst.“
„Tschuldigung, aber ich kann nicht anders. Ich verstehe einfach nicht, warum ich dir sagen solle, dass du alles richtig gemacht hast, obwohl das gar nicht stimmt.“ Beinahe hätte ich schon wieder losgelacht, wenn ich mich nicht zusammengerissen hätte.
„Wie meinst du das?“, fragte sie irritiert.
„Wie bist du denn auf die Idee gekommen Daphne zu fragen, ob sie etwas von mir will? Sie ist deine Freundin, die dich besucht hat und wissen wollte, wie es dir geht und du hast nichts besseres zu tun, als ihr irgendetwas vorzuwerfen?“ Ich lächelte und schüttelte dabei den Kopf.
„Aber…aber…“, stammelte sie.
„Aber du warst so eifersüchtig, dass du gleich durchgedreht bist“, vollendete ich ihren Satz.
Holly presste ihre Lippen zusammen und dachte angestrengt nach. Es vergingen ein paar Minuten, ehe sie etwas sagte.
„Wahrscheinlich hätte ich es anders ausgedrückt, aber du hast Recht.“ Sie stöhnte gequält.
„Aber ich konnte einfach nicht anders, als ich gesehen habe, wie Daphne dich angestarrt hat.“
„Tja, jetzt weißt du jedenfalls, wie es mir geht, wenn Cassidy dich so ansieht“, entgegnete ich unverdrossen und meine Miene verfinsterte sich augenblicklich. Ich sah auf meine verbundene, rechte Hand.
„Macht er das immer noch? Ich habe ihm doch gesagt, dass er das lassen soll“, meinte Holly aufgebracht.
„Ich kann nicht mit ihm befreundet sein, wenn er nicht damit aufhört.“ Sie schien mehr mit sich selbst zu reden.
Danach hing sie ihren Gedanken nach. Dabei musterte ich sie eingehend und fragte mich, ob das Thema damit abgeschlossen war.
Holly fuhr sich geistesabwesend durch die langen Haare, während ihre Augen geheimnisvoll funkelten.
„Weißt du, was wir machen sollten?“, fragte sie urplötzlich. Ihr Gesicht zierte ein freudiges Lächeln. Mir gefiel dieser Gesichtsausdruck ganz und gar nicht.
„Wir alle sollten etwas gemeinsam unternehmen. So kannst du meine Freunde besser kennenlernen und sie dich“, sprudelte es begeistert aus Holly heraus.
Wie auf Knopfdruck wanderten meine Mundwinkel nach unten, denn ich war alles andere, als begeistert.
„Hast du den Verstand verloren?“, blaffte ich.
„Was ist dein Problem, James?“
„Hmm“, meinte ich und dachte gespielt nach. „Vielleicht stört mich der Großteil deiner Freunde, der mich hasst oder auch Cassidy, der in dich verliebt ist.“
Ich machte eine kurze Pause.
„Ich kann mich einfach nicht entscheiden“, sagte ich sarkastisch und zuckte mit den Achseln.
„Den Sarkasmus kannst du schön bleiben lassen“, meckerte sie. „Ich dachte nur, dass es eine nette Idee wäre. Wenn wir alle mehr Zeit miteinander verbringen, dann werden du und meine Freunde vielleicht sehen, dass ihr euch doch mögt“, flötete sie fröhlich.
Ich hielt ihre Idee für naiv. Es war pures Wunschdenken, dass ich mich jemals mit ihren Freunden verstand
„Bitte, James. Tu mir den Gefallen und sag, dass du mit meinem Vorschlag einverstanden bist“, bettelte Holly mich förmlich an und schob ihre Unterlippe vor.
Ich verdrehte die Augen und seufzte. In mir kam der Verdacht auf, dass ich keine andere Wahl hatte, als ihrem Vorschlag zuzustimmen.
„Auch wenn ich jetzt ja sage, da wären noch deine Freunde. Ich glaube ihnen wird dein Vorschlag genauso wenig gefallen, wie mir. Willst du sie dann auch zwingen?“
Holly wirkte auf einmal fassungslos.
„Aber ich zwinge doch niemanden. Ich will bloß, dass ihr euch alle besser versteht. Ich habe keine Lust mehr auf die ewigen Streitereien“, erklärte sie mir mit ruhiger Stimme.
„Verstehe,“ murmelte ich. „Von mir aus kannst du deine Freunde fragen, ob sie etwas mit uns beiden unternehmen wollen. Ich bin zwar immer noch skeptisch, aber ich versuche alles Mögliche, um mich mit ihnen anzufreunden. Dir zuliebe, wohlgemerkt.“ Ich zwang mich zu einem kurzen Lächeln.
„Mir bedeutet es sehr viel, dass du das für mich tust“, gab sie verlegen zu. Dann beugte sie sich vor und küsste mich.

Die nächsten Tage waren nervenaufreibend und aufregend für mich. Seit Dienstag ging Holly wieder zur Schule. Da Holly nicht Auto fahren konnte, hatte Linda ihr angeboten sie mitzunehmen.
Natürlich hatte sich Holly sehr über den Vorschlag gefreut. Ich dagegen war nicht gerade glücklich mit dieser Abmachung.
Linda kam jeden Tag um acht Uhr vorbei, dabei vermied sie es mich anzusehen oder mit mir zu reden. Mir konnte es recht sein. Nur Holly machte es verrückt, dass wir beide uns ignorierten. Doch ich hatte ihr gesagt, dass es besser wäre sich zu ignorieren, als sich zu streiten. Dagegen hatte sie nichts mehr sagen können.
Das, was Linda, aber auch mir, zu schaffen machte, war eine dringende Bitte, die ich an Holly gerichtet hatte. Ich hatte darauf bestanden, dass ich jeden Tag mit zur Schule fuhr, um dort auf Holly aufzupassen. Ich wollte die Umgebung im Auge behalten und sehen, ob einer meiner Ex-Kollegen auftauchte.
Wenn ich Glück hatte, dann würde niemand von ihnen kommen. Dann hätte ich die Gewissheit, dass meine Vermutung, dass sie Holly für tot hielten, richtig war. Aber was war, wenn sie zur Schule fuhren und sie stundenlang beobachteten, um sicherzugehen, dass Holly wirklich nicht mehr am Leben war?
Diese und tausend andere quälende Fragen wollten mir in letzter Zeit einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Um einen Teil dieser Fragen beantworten zu können, war es unbedingt notwendig, dass ich mit den beiden mitfuhr. Daher sollte Holly ihre beste Freundin fragen, ob es in Ordnung wäre, wenn ich mitkäme.
Holly hatte Linda ein paar Tage zuvor dann angerufen und sie gefragt. Nach ihrer Frage hatte ich Linda wütend brüllen hören. Ihre Reaktion war keine Überraschung für mich gewesen.
Zuerst schien es so, als könne Linda nichts umstimmen, doch dann hatte Holly sie angefleht und ihr sogar gebeichtet, warum ich mitfahren sollte.
Als sie dies ihrer Freundin offenbart hatte, war ich blitzschnell aufgesprungen.
Ich hatte mich gefragt, warum sie Linda dies sagte. Das ging sie absolut nichts an und außerdem war es schon schlimm genug, dass sie beinahe alles über mich und die vergangenen Vorkommnisse wusste, da musste Holly ihr nicht noch mehr erzählen.
Sie hatte wohl vergessen, dass es gefährlich für Linda war, wenn sie über alles informiert wurde.
Verärgert hatte ich vor Holly gestanden, die sich mit dem Handy in der Hand auf ihren Schreibtischstuhl gesetzt hatte. Sie hatte irritiert gewirkt, als sie meine zornige Miene gesehen hatte.
Aber Hollys Ehrlichkeit schien gewirkt zu haben, denn Linda hatte zugestimmt und den Tag darauf hatten wir alle drei schon in ihrem blauen Mini gesessen und waren auf dem Weg zur High School gewesen.
Während Holly und Linda fröhlich geplaudert hatten, hatte ich entnervt auf der Rückbank gehockt. Gelangweilt hatte ich unablässig aus dem Fenster gesehen, denn für meine beiden Mitfahrerinnen war ich bloß Luft gewesen.
Kaum war Linda auf den Parkplatz gefahren und hatte in der Nähe des Eingangs geparkt, da war mein Blick auf ihre Freunde gefallen, die zusammen auf den Mini zugekommen waren.
Was für ein Begrüßungskomitee, hatte ich gedacht und laut geschnaubt. Dies hatte mir einen warnenden Blick von Holly eingebracht.
Zunächst hatte ich überhaupt keine Lust und auch keine Nerven dazu gehabt, auszusteigen und mich mit Hollys Freunden auseinanderzusetzen, doch dann hatte ich es mir anders überlegt.
Schließlich hatte ich meiner Freundin versprochen, nett zu ihnen zu sein und zu versuchen, mich mit ihnen anzufreunden.
Also hatte ich gewartet, bis Linda ausgestiegen und Holly geholfen hatte, bevor ich mich aus dem kleinen Auto gequält und mich neben Holly gestellt hatte.
Es hatte noch nicht einmal zwei Sekunden gedauert, bis sich die Gesichter von Zack und Cassidy in pures Eis verwandelt hatten. Das Mädchen mit den kurzen, braunen Haaren und Daphne dagegen hatten über das gesamte Gesicht gestrahlt. Da brauchte man kein Genie zu sein, um zu erkennen, wer mich hasste und wer nicht.
Als sie bei uns dreien angekommen waren, hatte Holly natürlich gleich die ganze Aufmerksamkeit bekommen. Der Streit zwischen ihr und Daphne war vergessen gewesen, nachdem Holly sie angerufen und sich aufrichtig bei ihr entschuldigt hatte.
Ich hatte mit verschränkten Armen wie angewurzelt an der gleichen Stelle gestanden und es vermieden irgendeinen von ihnen anzusehen.
Für die meiste Zeit war ich von ihnen nicht beachtet oder auch böswillig ignoriert worden, nur einmal hatte mich Daphne gefragt, warum ich mitgekommen war.
Nach ihrer Frage hatte ich meinen Kopf nach oben gehoben und bemerkt, dass alle Augen auf mich gerichtet gewesen waren.
„Ich bin eben gerne in Hollys Nähe“, hatte ich knapp geantwortet und das in einem Ton, der keine Nachfragen zuließ.
Daphne hatte bloß verzückt gelächelt, ehe sie sich wieder Holly zugewandt hatte.
Die Erlösung für mich war ein paar Minuten später gekommen. Die Schulglocke hatte geschrillt und Hollys Freunde hatten sich auf den Weg zum Schulgebäude gemacht. Nur Holly und Linda hatten sich nicht von der Stelle gerührt. Ich hatte mich zu meiner Freundin gewandt und ihr tief in die Augen gesehen. Es war einige Zeit vergangen, bevor sie angefangen hatte mich anzugrinsen.
„Ich bin froh, dass du hier bist und auf mich aufpasst“, hatte sie gehaucht und mich auf den Hals geküsst.
Darauf hatte ich ihr Gesicht in meine Hände genommen und ihr einen leidenschaftlichen Kuss gegeben.
Der Kuss war jedoch schneller vorbei gewesen, als mir lieb war, denn Linda hatte die Dreistigkeit besessen mich mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, zur Seite zu schubsen. Vor Empörung war mir die Kinnlade heruntergeklappt. Ich hatte nicht gewusst, was ich sagen oder tun sollte.
Holly war nicht weniger von dieser Aktion überrumpelt gewesen. Nur sie hatte ihre Stimme schneller wieder gefunden und hatte gleich damit begonnen ihre Freundin anzufauchen.
Ich hatte mich herausgehalten, denn auf einen weiteren handfesten Streit mit Linda hatte ich getrost verzichten können.
Nach einem hitzigen Wortwechsel hatte Holly dann mit angesäuertem Ton ihrer Freundin vorgeschlagen ins Schulgebäude zu gehen, da der Unterricht bald beginnen würde.
Zur Antwort hatte Holly nur ein kurzes Kopfnicken und ein mürrisches Knurren bekommen.
„Sehen wir uns in der Pause, James?“, hatte Holly mich leise gefragt. Im ersten Moment hatte ich gar nicht antworten können. Ich war noch viel zu sehr mit Lindas Schubser beschäftigt gewesen. Wie hatte sie es wagen können mich anzugreifen?
Ich hatte meine Gedanken unterbrochen, als ich Hollys ungeduldige Miene neben mir bemerkt hatte.
„Nein, es ist besser, wenn ich mich hier draußen versteckt halte und du in der Schule bleibst, bis der Unterricht zu Ende ist“, hatte ich ernst gesagt.
Darauf hatte ich tiefe Enttäuschung in ihren Augen erkennen können. Sie hatte mir leid getan, doch an meiner Entscheidung hatte ich nichts geändert.
So war Holly zum Schulgebäude gegangen und Linda war ihr gefolgt. Natürlich nicht, ohne mir noch einen letzten hasserfüllten Blick zugeworfen zu haben.

Heute würde es genauso ablaufen, wie in den letzten zwei Tagen. Linda würde vorbeikommen, um uns abzuholen. Dann würden wir uns gegenseitig mit abfälligen und bösen Blicken traktieren, so lange, bis wir bei ihrer High School ankämen. Dort müsste ich mich wieder von Holly verabschieden und stundenlang auf der Lauer liegen.
Diese Aussichten veranlassten mich durchaus nicht zu Freudensprüngen, aber ich musste jetzt da durch, schließlich war es mein Vorschlag gewesen, jeden Tag auf sie aufzupassen, auch wenn dies bedeutete, dass ich mich mit ihren nervigen Freunden herumschlagen musste.
Ich saß in der Küche und rührte gelangweilt in einer Schüssel mit Cornflakes herum. Ich war allein, denn wie jeden Morgen, um diese Zeit, war Holly in ihrem Zimmer und machte sich für die Schule fertig. Ich stöhnte und stützte mein Kinn auf die rechte Hand.
Ich schaute aus dem Fenster und beobachtete die dichten Nebelschwaden, die langsam aufstiegen und mir die Sicht nahmen. Die Häuser der Nachbarn und die verdorrten Bäume verschwanden wie durch Zauberhand und es blieb nichts übrig, außer einer gespenstischen Leere.
Ich war dermaßen in Gedanken vertieft, dass mir erst einige Minuten später auffiel, dass Hollys Onkel Jamie die Küche betrat und Kaffe aufsetzte.
Wie üblich sah er mich weder an, noch richtete er ein Wort an mich. Wie angewurzelt stand er vor der Kaffeemaschine und beobachtete, wie der Kaffee in die gläserne Kanne lief.
Unglaublich, er schaute lieber dem Kaffee zu, als sich mit mir zu unterhalten.
Aber wenn ich ehrlich war, dann wunderte mich sein Verhalten nicht.
Es wäre eher ungewöhnlich gewesen, wenn er mich angesprochen hätte. So schaute ich wieder nach draußen und blendete einfach aus, dass Jamie anwesend war.
Doch es gelang mir nicht ihn weiterhin zu ignorieren, weil er mir, zu meiner großen Überraschung, einen Strich durch die Rechnung machte, indem er sich demonstrativ vor mich setzte und sich lautstark räusperte.
Zuerst dachte ich gar nicht daran, dass er dadurch meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte. Warum auch? Sonst war er immer darauf bedacht mir aus dem Weg zu gehen.
Erst, als er ein weiteres Mal ein Räuspern verlauten ließ, drehte ich meinen Kopf und sah ihn an. Seine Stirn hatte er in tiefe Falten gelegt und seine Augen sahen leer aus.
„Ich muss mit dir reden“, murmelte er mit dunkler Stimme. Jedes Wort musste er beinahe herauswürgen. In seinem Gesicht spiegelte sich seine Abscheu, die er für mich hegte, wieder.
„Um was geht es?“, fragte ich emotionslos. Ich hatte es satt nett zu ihm zu sein.
„Es geht um deinen Aufenthalt in diesem Haus“, sagte er. Ich konnte sehen, wie sehr er seine Wut im Zaum halten musste.
„Sie wollen sicherlich, dass ich abhaue.“ Meine Lippen umspielte plötzlich ein amüsiertes Lächeln, was Jamie sichtlich irritierte.
„Ja…“, meinte er leicht überfordert. „Olivia hat mir gesagt, dass du nur ein paar Tage hier bleibst und dass nehme ich wörtlich.“
„Ich verstehe.“
„Ich will nicht, dass du das als Rauswurf verstehst“, entgegnete er schnell.
Bei diesem Kommentar hätte ich fast laut losgelacht.
„Das wäre mir im Traum nicht eingefallen.“ Meine Stimme triefte vor Sarkasmus.
„Gut“, grummelte er. „Es wäre nett, wenn du meiner Frau…“
„…wenn ich ihr und Holly nichts von unserer Unterhaltung erzählen würde“, vollendete ich seinen Satz. „Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Ich werde ihnen sagen, dass es meine eigene Entscheidung ist zu gehen.“
Als er das hörte, entspannte er sich. Ich dagegen fand es lächerlich, dass er nicht einmal den Mumm besaß, Olivia und Holly die Wahrheit zu sagen. Jetzt wurde ich wieder einmal in die Rolle des Lügners hineingedrängt.
Danach herrschte ein unangenehmes Schweigen zwischen uns. Die einzigen Geräusche kamen von der laut gluckernden Kaffeemaschine. Nach unserer kurzen Unterredung wurde ich wieder von Jamie ignoriert. Dass ich für ihn lügen würde, damit er bei seiner Frau und Holly gut da stand, schien ihn nicht wirklich zu interessieren.
Als ich mich erhob und die noch halbvolle Schale in die Spüle stellte, dachte ich darüber nach, wie ich Holly beibringen sollte, dass ich schon heute wieder draußen und nicht bei ihr schlafen würde. Ich wusste genau, dass sie traurig werden und versuchen würde mich umzustimmen. Aber egal, wie gerne ich auch hier geblieben wäre, ich hatte Jamie versprochen noch heute zu verschwinden.
Minuten später standen Holly und ich im Flur und warteten auf Lindas Ankunft. Holly trug einen dicken Parka, Handschuhe und eine Wollmütze, denn heute würde es unter Null Grad werden. Ich war froh, dass ich vor zwei Tagen für eine Stunde in der Stadt gewesen war und mir neue Klamotten gekauft hatte.
Ich hatte mir nämlich auf Hollys Anraten winterfeste Klamotten besorgt. Die könnte ich jetzt gut gebrauchen, schließlich musste ich wieder draußen schlafen. Das melodische Klingeln der Türglocke riss mich aus meinen Gedanken.
Holly, die näher an der Tür stand, öffnete sie und begrüßte ihre Freundin mit einem freundlichen Lächeln. Ich aber seufzte genervt, wie jeden Tag. Als Linda eintrat und ihre braunen Augen zu mir schweiften, verwandelte sich ihr Gesicht in eine starre Maske. Keine Sekunde später wandte sie sich wieder Holly zu und gemeinsam verließen sie das Haus. Mir blieb nichts anderes übrig, als mir Hollys schwer bepackten Rucksack über die Schulter zu werfen und ihnen schweigend zu folgen.
Wenn Holly und Linda zusammen waren, dann war ich die meiste Zeit Luft für meine Freundin. Ich konnte mir nicht erklären, woran das lag. Vielleicht wollte sie Linda nicht verärgern. Falls dies tatsächlich der Grund sein sollte, dann bemerkte Holly jedoch nicht, dass sie mich damit wütend machte.
Ich fragte mich auch schon seit Tagen, ob sie mit Linda und ihren anderen Freunden darüber gesprochen hatte, wie sie mich behandelten. Mich hatte sie schließlich darum gebeten, dass ich mich zusammenreiße und bemühe. Da wäre es doch nur gerecht, wenn ihre Freunde dies auch versuchten.

Die ganze Fahrt, bis zur Schule, sagte ich kein einziges Wort. Ich war viel zu sehr in Gedanken versunken und auch sauer, als dass ich mich an der Unterhaltung zwischen den beiden hätte beteiligen können. Außerdem konnte ich sowieso nicht mitreden. So sah ich wie gebannt aus dem Fenster.
Der Himmel war, wie die letzten Wochen, voll von grauen und schweren Wolken, die nur darauf warteten ihren Regen auf die Welt niederzulassen. Aus der gefrorenen Erde ragten nur noch die dürren und krank aussehende Stämme der Bäume, die die blätterlosen Äste trugen.
Es war deprimierend zu sehen, wie die Natur im Winter ihre Pracht verlor. Ich konnte gar nicht in Worte fassen, wie sehr mir die Helligkeit und die Wärme der Sonne fehlten.
Ich hatte es satt in der Dunkelheit aufzuwachen und in der Dunkelheit schlafen zu gehen. Es wäre aber alles nur halb so schlimm für mich, wenn ich nicht draußen übernachten müsste. Ich stöhnte laut.
Sogleich schnellte Hollys Kopf nach hinten. Fragend sah sie mich an. Mit ihren Lippen formte sie eine Frage: Was ist los?
Zur Antwort schüttelte ich den Kopf, um ihr zu symbolisieren, dass sie sich keine Sorgen machen musste.
Aber wenn ich ehrlich war, dann hätte ich ihr liebend gerne gesagt, dass mir Linda, Zack und Cassidy auf die Nerven gingen und ich niemals etwas mit ihnen unternehmen würde, auch wenn ich es ihr versprochen hatte. Und ich hätte Holly gerne darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihr Onkel mich heute Morgen rausgeschmissen hatte, doch stattdessen hielt ich meinen Mund und machte gute Miene zum bösen Spiel.

Ich saß auf einer kleinen Mauer neben dem Haupteingang der Schule und ließ meinen Blick in regelmäßigen Abständen umherschweifen. Jeder Mensch, der in meinem Sichtfeld auftauchte, wurde von mir genaustens beäugt.
Langsam, aber sicher, bekam ich das Gefühl, dass ich möglicherweise doch Recht hatte. Aber obwohl ich weit und breit keinen meiner durchgeknallten Ex-Kollegen in den vergangenen Tagen gesehen hatte, war es nicht klug, sich jetzt schon sicher zu fühlen.
Doch wenn sich dann jemand sicher fühlen konnte, dann war es Holly; dass war für mich das Wichtigste. Mir war es egal, dass ich noch in Gefahr schwebte.
Gedankenverloren fuhr ich mir mit meinen eiskalten Händen durch die Haare. Es wäre wohl besser gewesen mir noch Handschuhe zu kaufen, aber nun war es zu spät. Angespannt und nervös wartete ich auf die Pause, denn Holly hatte mir gesagt, dass sie unbedingt mit mir reden wollte.
Ich ahnte, dass es um mein Verhalten im Auto ging. Was sollte ich ihr sagen?
Ich legte meinen Kopf in den Nacken und sah in den düsteren Himmel. Nachdenklich runzelte ich die Stirn und atmete tief durch. Was sollte ich ihr nur sagen? Was….
Plötzlich hörte ich Stimmen um mich herum, denn kleinere Gruppen von Schülern kamen heraus und liefen weiter zum Parkplatz. Hin und wieder traf mich ein misstrauischer oder skeptischer Blick. Vermutlich, weil ich hier herumlungerte.
Nach einiger Zeit tauchte auch Holly auf. Mit ihren Krücken hatte sie länger gebraucht, als die anderen Schüler. Als sie mich auf der Mauer erblickte, legte sie ihren Kopf schräg und sah mir tief in die Augen. Dann kam sie auf mich zu und blieb direkt vor mir stehen. Ich konnte sehen, wie sie aufgrund der Kälte zitterte, da sie keine Jacke trug.
Einige Minuten stand sie so da und sah mich einfach an. Sie schien dadurch herausfinden zu wollen, was mit mir los war. Sie sprach kein Wort, auch nicht, als sie sich neben mich auf die Mauer setzte.
Schweigend zog ich sofort meine gut gefütterte Jacke aus und legte sie um ihre schmalen Schultern.
Holly machte ein überraschtes Gesicht. Dieses wandelte sich aber schnell in ein freudestrahlendes Lächeln.
„Danke“, sagte sie nach einer halben Ewigkeit und klemmte sich die Haare hinter die Ohren.
„Worüber wolltest du mit mir reden?“, fragte ich direkt heraus.
„Ich will wissen, was mit dir los ist, James. Während der Autofahrt warst du so still“, entgegnete sie beunruhigt. Aus den Augenwinkeln sah ich ihr dabei zu, wie sie nervös an ihren Nägeln kaute.
Emotionslos zuckte ich mit den Achseln und starrte auf den Boden.
Ich hatte keine große Lust auf diese Unterhaltung, weil ich Holly belügen musste. Neben mir schnaubte meine Freundin und ihre Augen funkelten mich wütend an.
„Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, dass irgendetwas nicht stimmt. Also raus mit der Sprache“, befahl sie streng.
Anstatt ihr eine Antwort zu geben, reckte ich trotzig mein Kinn und verschränkte meine Arme vor der Brust.
„Unglaublich, du benimmst dich wie ein kleines Kind, James“, zischte sie mit erhobener Stimme.
Zwei jüngere Mädchen, die in diesem Moment an uns vorbeigingen, sahen neugierig zu uns herüber.
„Wenn du dich wieder wie ein Erwachsener benimmst und doch noch mit mir reden möchtest, dann kannst du ruhig zu mir kommen.“
Nach ihrer Standpauke erhob sich Holly und gab mir die Jacke zurück. Vor Zorn waren ihre Wangen gerötet.
Sie würdigte mich keines Blickes, als sie sich in Bewegung setzte und zurück in die Schule ging.
Nachdem sie weg war, fühlte ich mich miserabel und bereute es, wie ich mich ihr gegenüber verhalten hatte. Es wäre um einiges besser gewesen, wenn ich doch die Wahrheit gesagt hätte. Jetzt hatte ich Streit mit ihr, obwohl ich dies mit meinen Lügen eigentlich vermeiden wollte.
Mist. Mist. Mist. Ich war ein Idiot, der zu keiner normalen Kommunikation mit seiner Freundin fähig war. Solch eine Unterhaltung zeigte mir erneut, wie verkümmert meine Gefühlswelt, vor allem mein Einfühlungsvermögen war. Entnervt stöhnte ich auf und massierte mir die Schläfen.
Angestrengt dachte ich darüber nach, wie ich das wieder in Ordnung bringen; wie es wiedergutmachen konnte, doch auf die Schnelle wollte mir leider nichts einfallen.
Zwei Stunden später läutete die Schulglocke und verkündete das Unterrichtsende. Die Schüler strömten nach draußen und eilten schnellen Schrittes zu ihren Autos, um nach Hause zu fahren.
Ich musste etwas länger warten, bis Holly herauskam. Linda ging einen halben Meter neben ihr und trug ihren Rucksack. Diesmal war sie nicht die Einzige, die mich böse ansah, denn Holly tat es ihr gleich. Sie war immer noch verärgert und enttäuscht.
Ohne ein Wort gingen die Beiden an mir vorbei. Für sie schien ich in diesem Augenblick unsichtbar zu sein. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihnen hinterher zu trotten. Hollys eiskaltes und knallhartes Ignorieren tat mir unheimlich weh. Ich konnte es kaum ertragen, dass sie mich weder ansah, noch mit mir sprach.  
Ich versuchte mit aller Kraft den Schmerz in meinem Herzen nicht zu beachten, aber das war leichter gesagt, als getan. Mit Absicht blieb ich hinter den Beiden und versuchte erst gar nicht mit Holly zu sprechen. Ich konnte an ihrer angespannten Körperhaltung und ihrer harten Miene ablesen, dass sie mich jetzt nicht in ihrer Nähe haben wollte.
Daher entschied ich mich spontan nicht mit ihnen zurückzufahren, sondern alleine den Weg zu Fuß zu gehen.
Dann hätte ich zumindest genug Zeit zum Nachdenken und Holly hätte genug Zeit, um sich zu beruhigen.    
Ohne den Beiden Bescheid zu sagen, drehte ich mich auf der Stelle um und verließ das Schulgelände. Ich fragte mich, ob ihnen bald auffiel, dass ich nicht mehr da war.
Linda war es vermutlich ziemlich egal. Sie wäre unsagbar froh, wenn ich nach mehreren Tagen einmal nicht in ihrem Auto saß.
Bei Holly war ich mir nicht so sicher, wie sie auf mein plötzliches Verschwinden reagieren würde. Normalerweise hätte ich gesagt, dass sie sich Sorgen um mich machte, aber da sie sauer auf mich war, konnte es gut sein, dass es ihr ebenfalls gleichgültig war.

Es peitschte ein rauer, kalter Wind durch die Straßen. Ich stellte den Kragen meiner Jacke auf und steckte meine Hände in die Taschen.
Eigentlich war ich kein Mensch, der schnell fror, aber in letzter Zeit war das Wetter so unangenehm geworden, dass selbst mir ununterbrochen kalt war.
Auf dem ganzen Weg war mein Kopf angefüllt mit unzähligen Fragen, die mir keine Ruhe ließen. Je mehr Zeit verging, desto heftiger wurde auch mein schlechtes Gewissen, das wenige Minuten nach meinem Verschwinden in mir hochgekrochen war.
Ich machte mir Vorwürfe, weil ich, mir nichts dir nichts, gegangen war und Holly noch zusätzlichen Ärger bereitete. Dabei hatte sie in den vergangenen Wochen und Monaten schon genug durchgemacht. Aber ich hatte ihre Gleichgültigkeit mir gegenüber einfach nicht länger ertragen können.
Nach über einer halben Stunde kam endlich Hollys Haus in Sicht. Ich wunderte mich, dass sie mich nicht auf dem Handy angerufen hatte. Wahrscheinlich war sie doch noch so wütend auf mich, dass es sie nicht interessierte, wo ich mich aufhielt.
Bei dieser Erkenntnis wurde mir schlagartig übel und die Schmerzen meines Herzens überrannten mich. Vor nicht allzu langer Zeit war ich jahrelang einsam gewesen und niemand hatte mir große Beachtung geschenkt. Erst, als Holly in mein Leben getreten war, hatte sich das geändert. Jetzt war ich so sehr an ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung gewöhnt, dass ich völlig vergessen hatte, dass es einmal anders gewesen war.
Es war gleichzeitig ein mir bekanntes, aber auch ein unangenehmes und quälendes Gefühl. Ich hätte alles dafür gegeben, um dieses Gefühl auf der Stelle loszuwerden, denn es brachte mich um den Verstand und ließ mich nicht klar denken.
Mächtig zitternd ging ich die letzten Meter bis zur Haustür. Nach einem tiefen Atemzug klingelte ich.

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beta
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