Überraschende Eindringlinge

Sassy starrte fassungslos auf den Springbrunnen und die Bank, auf der sie vor Jahren selbst gesessen hatte. Ihr Herz fühlte sich beinahe wieder so schwer an wie in diesen Tagen.
Sie hätte nicht bleiben können, aber das hatte er nie verstanden. Sie hatte die Kraft von Allister und Allison gebraucht um wieder heilen zu können, nach all dem was geschehen war.
Das bedeutete nicht, dass sie je aufgehört hatte ihn zu lieben.
Er allem Anschein nach schon, er hatte sich die nächste Blondine gesucht und war nun mit ihr zusammen.
Julopatra, das Miststück war aus falschen Stolz gerade dabei ihn in den Tod ziehen zu lassen.
Sie bereitete in der zerstörten Stadt vor Illutia ein Portal vor, durch das die kleine Armee ziehen sollte.
Es würde nicht einmal bis zum Morgen dauern bis sie abreisen würden. 
"Hast du genau das getan als du damals gegangen bist?", Alphas Stimme überraschte sie nicht.
Sie hatte erwartet, dass er sie aufsuchen würde.
"Du darfst nicht", ihre Stimme klang dünn und weinerlich, "du darfst nicht gehen!"
Sie drehte sich nicht um um ihn anzusehen, er stand so nahe hinter ihr, dass sie seinen Atem auf ihrem Nacken spüren konnte. "Du bist gegangen!", in seiner Stimme lag ein großer Vorwurf und noch mehr Schmerz.
Sassy biss sich auf die Lippe, eine Träne rann ihr über die Wange.
"Und dann kommst du, trotz deines Versprechens fernzubleiben, zurück in Begleitung des Mannes der dich von mir weg geholt hat!", Alpha legte seine Stirn auf Sassys Hinterkopf.
Sassy erstarrte, die Tränen konnte sie nicht mehr zurück halten. Sie hatte nicht geahnt, dass er gewusst hatte wohin sie geht.
"Du dachtest ich wüsste es nicht?", Alphas Stimme wurde zittrig, "Und jetzt kommst du mit ihm zurück, deine Haare anders, nicht einmal ein richtiger Vampir bist du noch! Du hattest wohl recht zu ihm zu laufen, er hat das beste aus dir gemacht!"
Sassy suchte immer noch nach den richtigen Worten für die Situation, aber ihr Kopf fühlte sich leer an.
Auch wenn sie gedacht hatte, es wäre richtig gewesen zu gehen. Nun bereute sie es. Auch wenn sie damals das Gefühl gehabt hatte zu sterben wenn sie bleiben würde.
Vielleicht hätte sie es geschafft, oder sie hätte mit Alpha weg gehen können. Aber Allisters Aura war so heilsam gewesen, sie hatte so viel gelernt und erreicht durch ihn und seine Schwester. "Aber ich habe verstanden!", Alpha entfernte sich von ihr, "Ich und meine Dunkelheit waren zu viel für dich!"
Sassy blieb noch einen Moment wie erstarrt stehen, dann traf es sie wie ein Blitz.
Sie wirbelte herum und sprintete ihm nach. Als sie ihn erreicht hatte schloss sie ihre Arme um seinen Bauch und schmiegte sich an ihn. Alpha blieb zwar stehen, machte aber keine Anstalten der liebevollen Geste zu erwidern.
"Es tut mir so Leid!", ihre Stimme erstickte beinahe an der Flut aus Tränen, die aus ihren Augen schossen.
Alpha hatte mit vielen gerechnet, nicht aber mit einer Entschuldigung.
"Lass mich lieber los", auch seine Stimme wurde von ein paar Tränen noch brüchiger gemacht, "nicht das dein Neuer uns so sieht!"
Sassy schloss ihre Arme noch fester um ihn: "Nein! Nein! Du verstehst nicht! Allister ist wie ein Bruder für mich! Ich hatte nie einen anderen! Im Gegensatz zu dir!"
Alpha befreite sich von ihrem Griff und drehte sich zu ihr um. Seine Augen waren wieder Wasserblau, wie ihre: "Schau mir in die Augen und sag mir das du glaubst ich habe je aufgehört dich zu lieben!" 
Sassy boxte ihm in den Bauch: "Ich will hoffen das ich nicht die einzige war, die immer an den anderen gedacht hat! Und dank dir an so etwas wie Liebe glaubt!"
Fassungslos sah Alpha auf sie herunter. Man konnte förmlich sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete, wie Sassys Wörter ihm durch den Kopf flogen.
Wie Alpha verstand, was es war, dass sie da gerade gesagt hatte. Er fixierte sie förmlich, Unsicherheit lag in seinem Blick: "Wiederhol das bitte für mich. Kann ich das noch einmal hören?" Nervös biss Sassy sich wieder auf die Unterlippe und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Ich glaube, dass du mich schon richtig verstanden hast. Ich liebe dich. Das ist eine Tatsache, das war schon kurz nachdem wir uns kennen gelernt haben so! Es hat sich nicht geändert nur weil wir getrennt waren!"
"Du redest dich um Kopf und Kragen! Du hast keine Vorstellung was das... Wir sollten aufhören zu reden!", Alpha legte ihr den Zeigefinger auf die Lippen, hinderte sie so daran weiterzusprechen.
Sanft zog er sie an sich und hob ihr Kinn an. Sassy spürte förmlich noch einmal Julopatras giftigen Blick auf ihr als sie zu Alpha hoch sah.
Sein Atem streifte ihre Lippen, innerlich brannte sie, war bereit für den verbotenen Kuss.
Kurz bevor sich ihre Lippen berührten spürten sie eine alte Vertrautheit, das ungewohnte und langsame schien in dem Moment als sie sich küssten zu verschwinden. 

"Wow, das war ja so romantisch", schwärmte Shanora als sie mit Allister zurück zum Tempel schlenderte.
Dieser lachte und klopfte ihr auf die Schulter: "Hast du etwa an meiner Einschätzung gezweifelt?"
Shanora schüttelte energisch den Kopf: "Natürlich nicht! Ich würde es nicht wagen!"
Allister deutete ihr plötzlich still zu sein, sich zurück zu ziehen. Shanora konnte nun auch hören, dass ihnen jemand gefolgt war. Sie konnte nicht erkennen woher das Knacksen gekommen war, aber es schien als hätte jemand im Gebüsch hinter ihnen einen Ast zertreten.
Allister fixierte den Busch: "Komm schon raus, warum folgst du uns?" Eine vermummte Gestalt kam aus dem Strauch hervor und baute sich vor ihnen auf.
Shanora starrte in die Schwärze unter der Kapuze, aber im Dunkel der Nacht war nichts zu erkennen.
"Shanora?", die Stimme ihres Verfolgers war sanft aber auch irgendwo dekadent.
Selbstsicher aber ein wenig Unsicherheit schwang mit.
"Ja", Shanora antwortete vorsichtig, "wer bist du?"
Der Mann zog die Kapuze runter und entblößte sein langes weißes Haar, sowie seine dunkle Haut und die spitzen Ohren.
"Mein Name ist Yalhan, Finn schickt mich um dir zu helfen!", er musterte Allister missbilligend.
Shanoras Augen begannen zu strahlen: "Du hast meinen Bruder also gesehen?"
Yalhan nickte: "Ja, er und ich haben das ein oder andere Abenteuer erlebt!"
Shanora fiel ihm um den Hals und überraschte ihn damit so sehr, dass er zurück stolperte und auf dem Hintern landete.
"Ruhig Mädchen", Yalhan lachte und löste sich aus der Umarmung, "was dachtest du den? Das dein Bruder dich verlassen hat angesichts der Lage?"
Shanora zerdrückte ein paar Tränen: "Nein, natürlich nicht!" Yalhan erhob sich und half ihr auf: "Dein Bruder ist noch im Limbus, er muss sich etwas ansehen, aber sie werden ihn nicht wieder schnappen!"
Allister wurde hellhörig: "Im Limbus? Wieder schnappen?"  
Yalhan rümpfte leicht die Nase als er ihn ansah: "Ja, was geht dich das an Bleichgesicht!"
Allister verzog nun ebenfalls das Gesicht: "Was ist dein Problem verbrannter Kartoffel?"
Shanora blickte zwischen den beiden hin und her, die Luft schien zu knistern aufgrund der hasserfüllten Blicke.
Sie verstand zwar das Problem nicht, aber zwischen den beiden schien aufgrund ihrer Hautfarbe eine Menge Hass zu existieren. "Dann kannst du mich zu ihm führen?", Shanora beschloss den Konflikt zu ignorieren und hoffte mit ihrem neuen Verbündeten sofort aufbrechen zu können.
Yalhan hob die Hände abwährend: "Das hat er mir verboten, aber er will dich und Church in drei Tagen in Osilia treffen! Ihr sollt Mediziner und Jäger mitbringen die Portale zur Wacht öffnen können. Und euch darauf gefasst machen das es hässlich wird. Er meinte es gibt einen äußerst talentierten Heiler unter euren Reihen!"
Shanora wusste auf wenn Finn anspielte, den wohl begnadetsten Heiler den sie je gesehen hatte. Er übertraf selbst all jene über die sie in den alten Schriften gelesen hatte.
"Den Heiler hast du soeben beleidigt", erklärte sie Yalhan, "und der Rest lässt sich organisieren!"
Yalhan wollte gerade etwas dazu sagen, aber laute Geräusche unterbrachen ihn.
Schreie hallten plötzlich durch die Dunkelheit, Shanora rannte ohne auf eine Reaktion der anderen zu warten los um zu sehen was die Ursache sein könnte.
Schreckliches Grölen und eigenartige Laute, begleitet von Asche die ihr das Atmen erschwerte, schlug ihr entgegen.
Sie konnte Flammen am Horizont sehen, eigenartige Vögel schienen brüllend durch den Rauch zu fliegen.
Allister hatte sie eingeholt und hielt sie an der Schulter fest: "Was denkst du was du hier tust?"
Shanoras Augen waren weit aufgerissen, in ihnen spiegelte sich der brennende Wald um Illutia.
"Was ist das?", auch Yalhan hatte sie eingeholt. Die kreischenden Tiere am Himmel schienen bei genauerer Betrachtung doch eher einer Fledermaus als einem Vogel zu gleichen.
Sie wirkten riesig, ihr Kreischen lies die drei zusammen zucken und sich die Ohren zu halten.
Eines der dämonischen Wesen stürzte auf sie hinunter, da konnte Shanora einen genauen Blick darauf werfen.
Es schien Flügel ähnlich wie eine Fledermaus zu haben, dunkelbraune ledrige Haut spannte sich über den knochigen Körper. Das Wesen hatte Klauen wie ein Adler, mit einer ausgeprägte Fangklaue um die Beute auszuspießen.
Der Kopf erinnerte sie an einen Assgeier, der Schnabel war riesig und lief spitz zu, auch von ihm wollte sie nicht getroffen werden. Am schlimmsten aber waren die Schreie, sie schienen direkt durchs Mark zu gehen, sie konnten sich nicht bewegen.
Shanora presste die Hände fester über ihre Ohren um sich zu schützen, sie schloss die Augen um nicht mehr in Richtung des drohenden Untergangs zu blicken. 
Auch Yalhan konnte sich nicht bewegen, die Schallwellen der Schreie des Flugwesens schienen ihn komplett gelähmt zu haben. Er hielt sich die Hände über die Ohren, spürte wie Blut aus ihnen floss. 
Der Kreischer hatte sie fast erreicht und schoss mit geöffneten Klauen auf sie zu. 
Plötzlich riss Allister den Arm hoch und eine Welle aus Licht schleuderte die Kreatur zurück. Diese überschlug sich auf dem Boden einige Male, schüttelte sich und richtete sich wieder auf. Dieser Moment reichte Allister, er riss Shanora die Hände von den Ohren und legte seine drauf. Sie spürte eine angenehme Wärme die durch ihren Körper floss.
Ihre Lähmungserscheinungen waren verschwunden, dankbar nickte sie ihm zu und wühlte in ihrer Tasche nach dem Schwertgriff den sie von Sassy erhalten hatte.
Allister eilte einstweilen zu Yalhan, um auch ihn zu heilen. Dieser ließ es widerstandslos geschehen und war mehr als beeindruckt von Allisters Künsten.
Die Wärme, die durch die Hände des hellhäutigen Elfs in seinen Körper strömte, ließ die Lähmung von ihm abfallen.
Sein Herz schien von einem Schwall Glückshormonen ein paar Trakte extra zu schlagen.
 Finn hatte nicht übertrieben, dieser Mann mit seinen goldenen Augen hatte besondere Kräfte. 
Shanora fixierte einstweilen das Wesen, welches sich kurz geschüttelt hatte und nun wieder zum Angriff übergehen wollte. Allister legte ihr die Hand auf die Schulter: "Dein Mut ist bewundernswert Mädchen! Aber das ist kein Gegner für einen Nahkampf, bleib hinter mir!"
Dann drehte er sich zu dem Dunkelelf um, der ihn immer noch gebannt betrachtete: "Yalhan, oder wie auch immer man dich nennt, halte Ausschau nach weiteren Gegnern, ich kläre das hier vorne!"
Yalhan schüttelte seine Faszination für den Heiler ab und nickte: "Klar, ich sichere alles von hinten ab!"
Dann bezog er Stellung neben Shanora.
"Und ich?", fragte diese, genervt schon wieder außen vor gelassen zu werden.
"Du beobachtet den Himmel, desto früher wir einen weiteren dieser kreischenden Flieger entdecken, desto eher werde ich euch beide nicht heilen müssen, und wir können ihn abwehren!", erklärte Allister, dann schienen seine Hände von gleisendem Licht umhüllt zu sein, welches eine Art Schild um ihn bildete. Die Kreatur stürzte auf ihn  zu, er bewegte sich schnell und Blitze aus Licht schienen es zu durchborgen bis es schließlich grölend nieder fiel und eine Menge gräuliche Flüssigkeit aus den Wunden austrat. 
"Was war das?", fragte Shanora beim Anblick des toten Wesens, "Ich habe noch nie über so etwas gelesen!"
Yalhan schüttelte den Kopf: "Da wo ich her komme gibt es so etwas auch nicht!"
Allister legte den Kopf in den Nacken und starrte in den verrauchten Himmel.
"Dann solltest du ein Buch über all das schreiben was es noch nicht gibt!", schlug er Shanora schließlich vor.
Shanora blickte ihn  überrascht an, sie verstand nicht den Sinn davon.
"Gib ihnen Namen, beschreibe ihr aussehen und ihre Angriffe. Und wie sie zu besiegen sind! Damit hilfst du anderen damit sie diese Wesen richtig bekämpfen können!", erklärte Allister ihr lächelnd. Shanora strahlte, das war eine gute Idee.
Sie zog einen Notizblock aus ihrer Tasche: "Ich werde diese Viecher die "Kreischer" nennen!"
Yalhan lachte, dieser Name war mehr als passend. Shanora machte sich Notizen und verstaute ihre Sachen wieder.
Allister schien seine Einschätzung der Lage gemacht zu haben. "Jetzt schlagen wir die Angreifer zurück!", Allister öffnete seinen Rucksack und holte zwei Schwertgriffe heraus, "Das sind die Klingen des Gaap, eines gefallenen Engels. Sie sind tückisch, aber du bist mutig Yalhan, du wirst sie führen können!"
Yalhan betrachtete die schwarten Griffstücke auf denen ein rundes Siegel mit drei Wellen eingraviert war.
"Nimm sie, Gaap ist der Herr der schwarzen Gewässer gewesen, seine Seele fließt durch die Griffe!", erklärte Allister und reichte sie ihm. Yalhan erfasste die Griffstücke, im selben Moment schossen dunkelrote lange Klingen darauf hervor, die von schwarzen Nebel umhüllte waren. Yalhan konnte die Macht der Klingen spüren, sie schien ihn ihn  eindringen zu wollen. Aber er wehrte sich dagegen, kniff die Augen zusammen und fiel auf die Knie. Er kämpfte dagegen an, und schließlich schien der übergriff der Seele, die in den Griffen inne war, beendet zu sein.
Yalhan merkte wie eine warme Hand ihm die Schweißperlen von der Stirn wischte und ihm dann über die Wange strich.
"Geht es ihm gut?", fragte Shanora beunruhigt. Yalhan öffnete die Augen und erhob sich wieder, die kurze Berührung von Allister schien ihm neue Kraft eingehaucht zu haben.
"Mir geht es hervorragend!", verkündete er, "Lasst uns sehen was hier los ist!" 

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beta
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