1.7. - Wildes Wasser

Der Knappe lachte, während er das Pferd putzte. Er stand mit seinem Hengst Vito vor dem kleinen Dorfgasthof und schäkerte mit der Tochter des Wirts. Die letzte Nacht hatten sein Herr und er in dem kleinen Gasthaus verbracht und sie hatten noch einen halben Tagesritt vor sich, bevor sie die Ufer des großen Stroms Caystros erreichen und eine Fähre auf die andere Seite nehmen würden. Sein Herr, Prinz Rowan, war bereits an diesem Morgen spürbar angespannt und sah schlecht aus, als hätte er eine lange Nacht hinter sich. Gewässer, und besonders der schnelle und schäumend fließende Caystros, machten dem Prinzen Angst. Es gab sonst nichts, was er fürchtete. Nur Gewässer. Eine Schiffsreise würde vermutlich sein Tod sein.

»Es ist schade, dass du schon aufbrechen musst«, nörgelte die Wirtstochter, die drall war und den jungen Knappen mit unkeuschen Blicken bedachte. Dieser versuchte krampfhaft, nicht auf die Vorzüge des Mädchens zu starren.

»Wenn ich meinen Dienst gut versehe, werde ich eines Tages ein Ritter des Königs sein. Das ist es wert.«

»Schooooon, aber jetzt musst du gleich wieder weg und dabei ist der Tag heute so schön.« Das Mädchen machte eine übertrieben kindliche Stimme und zog einen Schmollmund, als glaubte sie, ihn dadurch zum Bleiben bewegen zu können.

Sero war immer gern geneigt, seine Zeit mit hübschen Mädels zu verbringen, doch er würde niemals seine Stelle an der Seite Prinz Rowans dafür aufgeben. Auch wenn dieser das zu glauben schien. Denn zugegeben, er, Sero, war schon hin und wieder etwas unzuverlässig. Doch sein Herr hatte ihn trotz allem niemals verstoßen oder gegen einen anderen Jungen ausgetauscht. Sero war ihm zu Loyalität verpflichtet und tat es gern. Er verehrte Prinz Rowan.

»Ich kann es nicht ändern. Ich habe einen Auftrag und ich habe einen Herrn, dem ich zu Diensten stehe. Ich kann und ich werde nicht bleiben, egal wie sehr du einen Schmollmund machst.« Die Stimme des Jungen klang ernst und das Mädchen funkelte ihn an.

»Dann eben nicht. Ich werde schon einen besseren als dich finden, der seine Zeit mit mir verbringt.«

»Tu' das.« Sero zuckte mit den Schultern. Dieses zickige Verhalten von Mädchen kannte er bereits. Sie waren bockig, wenn man sie zurückwies. Die Wirtstochter rauschte mit wehenden Röcken ab und der junge Knappe seufzte.

»Na, kein Glück gehabt bei der jungen Dame?« Prinz Rowan tauchte mit Agrippa hinter seinem Diener auf und ein Glucksen lag in seiner Stimme. Der Junge schüttelte den Kopf.

»Nein. Sie war dann doch recht einfältig.«

»Deine Ansprüche richten sich nach dem Grad ihrer Intelligenz? Das überrascht mich, ich gestehe es.«

Sero warf einen verschwörerischen Blick auf seinen Herrn: »Unter anderem, wenn Ihr versteht.«

»Ich verstehe nur zu gut«, lachte der Prinz und befestigte seinen Reisesack am Sattel, den Agrippa trug.

Wenig später verließen die beiden jungen Männer das kleine Dorf in Richtung Nord Nordost. Die grauen, trallischen Berge mit den gezuckerten weißen Spitzen konnte man vage am Horizont ausmachen und das Wetter hatte sich nach dem Unwetter stabil gehalten. Es war mild und perfektes Frühlingswetter.


Es war früher Nachmittag, als sie die winzige Ortschaft an der Fährstation des Flusses erreichten. Man konnte das Wasser riechen und das Rauschen hören. Der Caystros war der größte Strom Numantias, sehr fischreich und glasklar. Der breite Fluss war kaum mit Booten zu bezwingen, da er an manchen Stellen bis zu drei Meilen breit war und die Strömungen ziemlich stark waren. Das Errichten der Fährstation hatte seinerzeit vier Männern das Leben gekostet, die in den Fluten ertranken und deren Leichen niemals gefunden worden waren. Es war notwendig gewesen, starke Ketten über den Grund des Flusses zu spannen, über die man fähren konnte, ohne dass die Strömungen die Fähre ablenkten oder die Handelsschiffahrt behindert wurde.

Es hatte Rowan immer gewundert, warum der kleine Ort an der Station sich nicht zu einer Stadt entwickelt hatte, da er doch ziemlichen Zulauf hatte.

»Das Glitzern des Wassers in der Sonne ist ziemlich schön, oder, Königliche Hoheit?« Sero grinste leicht, weil Rowan etwas blasser wurde. Er nickte jedoch, da der Anblick wirklich seinesgleichen suchte.

»Lass uns den Schiffer suchen. Ich muss wissen, wann wir die Überfahrt machen können und ob wir noch Zeit haben, die Pferde auf die Wiese zu stellen.«

Der Knappe nickte und wandte sich in Richtung des Gebäudes, in dem die Fähre befestigt war. Er fand den Fährmann, einen alten Mann mit einem weißen Bart und einem Humpelbein, der an einem trockenen Stück Brot herumkaute, und fragte ihn nach den Zeiten der Abfahrt. Eine Überfahrt dauerte immerhin etwa zwei Stunden und fand nur zu festen Zeiten statt.

»Komm in 'ner Stunde wieder, Junge. Da fahr ich ab. Aber keine Pferdeäpfel auf meiner Fähre. Die putzt ihr dann selbst weg«, schnarrte der Alte rau und spuckte den harten Kanten aus. Rowan, der sich am Rand hielt, lächelte leicht. Er fand es angenehm, dass gerade alte Menschen sich keinen Deut darum scherten, dass sie es mit einer Königlichen Hoheit zu tun hatten. Sie waren einfach so, wie sie waren.

Sero trollte sich wieder und seufzte. »Ich fürchte, der Alte wird mich zwingen, beim Überfahren zu helfen.«

Rowan lachte und nahm seinem Hengst den Sattel ab, um ihn abzubürsten. Das Tier nagte an den Rohrkolben am Flussufer und ließ sich die Pflege gefallen.

»Du brauchst nicht beim Überfahren zu helfen. Das läuft über eine Mechanik. Der Fährmann ist bereits zu alt, um selbst zu fähren. Aber du darfst dich schon mal aufs Mist kehren freuen, denn wenn die jetzt eine Stunde fressen, werden sie dir sicher etwas hinterlassen.«

Der Knappe funkelte seinen grasenden Hengst an, als würde der mit Absicht Mist produzieren, einfach um ihn zu ärgern.

»Ruh' dich etwas aus, Sero. Sobald die Überfahrt geschafft ist, wird der Weg anstrengender, es geht bergauf und die Straße wird holpriger. Und sobald wir am Hiatus sind und nach Trallien einreisen, weiß ich nicht, wie dort die Ortschaften liegen. Wenn wir Pech haben, müssen wir von unserem Zelt Gebrauch machen und das ist anstrengender als in einem Gasthaus zu schlafen. Selbst in einem voller Wanzen im Bett.«

Der Knappe grinste. »Lieber schlafe ich auf dem Boden als in einem Bett voller Wanzen, Eure Hoheit.«

Rowan legte den Kopf schief und nickte. »Wie dem auch sei, ruh' dich etwas aus.«

»Vielleicht solltet Ihr Euch etwas beruhigen. Nicht dass Ihr auf dem Wasser die Nerven verliert.«

»Ich versuche, nicht daran zu denken. Es wird schon werden. Die Fähre ist sicher.«


Rowan klammerte sich fest an die Reling des Fährbootes und versuchte, ruhig zu atmen. Der Druck in seinem Magen war groß und er hatte Bauchschmerzen. Er fürchtete, sich jeden Augenblick zu übergeben. Eine Tatsache, die das Schaukeln der Fähre nicht eben besser machte.

»Königliche Hoheit, Ihr solltet Euch hinsetzen, am besten mit dem Rücken zum Wasser. Schaut in Richtung Ufer. Wir haben es fast geschafft.« Sero reichte dem Prinzen seinen Trinkschlauch und drückte ihn auf die Bank. Rowan atmete tief durch und trank einen Schluck.

»Du hast Recht … gleich haben wir es geschafft. Nur das Schaukeln … war das schon immer so stark?«

Der Fährmann hörte diese Frage und lachte rau. »Nein. Normalerweise ist es still. Das liegt am Wind. Aber bleibt mal ganz unruhig, Prinz. Euer Diener hat Recht. Gleich sind wir am Ufer, dann könnt Ihr wieder auf festem Grund stehen. Viel Spaß, wenn Ihr die Heimreise antretet.« Ein gehässiges, aber nicht boshaftes Lachen schallte über die Fähre und Rowan seufzte. Daran wollte er noch gar nicht denken.

Einige Zeit später, die dem Prinzen wie eine Ewigkeit vorkam, glitt das flache Boot mit einem leisen Knirschen auf Grund und der Alte zog es per Hand weiter auf das Ufer.

»Da wären wir. Und Ihr habt Euch nicht übergeben. Das ist gut, ich habe es schon anders erlebt.« Der Mann nahm seinen Lohn entgegen und Rowan und Sero führten ihre Pferde ans Land. Erst jetzt konnte der Prinz richtig durchatmen und das Zittern in den Beinen ließ nach.

Sie stiegen in den Sattel und ritten weiter nach Osten, während der Alte seine Fähre wieder losmachte und zurückfuhr.

»Habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, nachträglich schwimmen zu lernen? Das würde Euch vielleicht die Angst nehmen vor Gewässern.«

»Ich sollte womöglich darüber nachdenken, ja. Dieses Unwohlsein ist wirklich lähmend.«

»Schwimmen macht Spaß, Hoheit. Und wenn Ihr Kinder habt, wäre es doch schade, wenn Ihr nicht mit Ihnen spielen könntet im Sommer.«

Der Prinz nickte, antwortete aber nicht weiter. Stattdessen gab er Agrippa die Sporen und trieb ihn voran. Sero tat es mit Vito gleich und zügig sprengten sie über die allmählich ansteigende Ebene, die saftig grün leuchtete.

Die Landschaft zog an Rowan vorüber und Wellen des Glücks rauschten über seinen Körper. Er liebte seine Heimat, dieses wunderschöne, fruchtbare Land, diesen Duft, das Summen der Insekten in der Frühlingswärme, die ersten knospenden Bäume, die bunten Blumen in den Wiesen, die Silhouette der trallischen Berge am Horizont vor sich.

Als es zu dämmern begann, suchte der Kronprinz einen geeigneten Ort, um ein Lager aufzuschlagen. Sie fanden eine kleine Baumgruppe an einem winzigen Tümpel, der von einem Bach aus den Bergen gespeist wurde. Das Wasser war in Bewegung und dadurch sauber. Es summte vor Mücken, aber das kümmerte Rowan nicht wirklich.

»Such etwas Feuerholz zusammen, ich kümmere mich um die Pferde«, wies er seinen Knappen an und nahm die Sättel von den Tieren. Der Bursche sammelte einen stattlichen Berg von Zweigen, Ästen und Rinden und hatte in kurzer Zeit ein kleines Feuer entzündet. Rowan tränkte die Hengste und hängte ihnen anschließend die Hafersäcke um.

»Ich würde jetzt gern Braten essen«, murmelte der Knappe und brach etwas Brot in Stücke, wovon er dem Prinzen einen Teil hinhielt.

»Danke. Ja, Fleisch wäre gut. Aber hier in diesem Wäldchen werden wir nichts zum Jagen finden. Einen Abend werden wir es mit Brot und etwas Käse aushalten.« Rowan biss abwechselnd in das Essen und lehnte sich an einen der Bäume.

Es wurde schnell dunkel und die Zikaden begannen ihr nächtliches Spiel. Das kleine Feuer hielt die Mücken fern und bewahrte sie vor der aufkommenden Kälte.

»Schlaf etwas, Sero. Ich halte die erste Wache, damit uns niemand in der Nacht die Pferde stiehlt.«

»Meint Ihr, dass hier Banditen unterwegs sind? Hier in der Wildnis?«

»Gerade dort, mein Guter. Ich gehe nur auf Nummer Sicher. Es ist zu riskant, wenn wir beide schlafen. Ich möchte nicht abgestochen werden.«

»Nun gut, dann werde ich jetzt schlafen. Weckt mich, wenn Ihr müde werdet, in Ordnung?« Rowan nickte und Sero zog seine Decke über die Ohren.


Während die Zikaden ihr Lied sangen, blickte Rowan in den Himmel und hing seinen Gedanken nach. Er fragte sich, was er tun würde, wenn er in Trallien tatsächlich die mysteriöse Prinzessin finden würde. Einerseits hoffte er darauf, in ihr seine wahre Seelenverwandte zu finden, um endlich wirklich aus Liebe heiraten zu können. Anderseits fühlte er sich Ana gegenüber verpflichtet, da diese ihn liebte und sie ihm sehr viel bedeutete. Er wollte sie nicht vor den Kopf stoßen. Doch das konnte und wollte er natürlich auch gegenüber seinem Vater nicht, denn der forderte eine Eheschließung. Und das bevorzugt mit einer Prinzessin, die nicht aus seiner Blutlinie war.

Einmal mehr wünschte der junge Prinz sich, noch einmal Kind zu sein, ohne all diese Sorgen, einfach nur unbeschwert in den Tag hineinleben. Warum war er so verquer, dass er mit nichts zufrieden war? Warum konnten sich seine Vettern und Cousinen ineinander verlieben, nur ihm blieb dieses Glück verwehrt?

Irgendetwas lief doch bei ihm falsch, es konnte doch nur so sein. Und wenn das in Annwyn bereits so war, vermutete Rowan, dass sich das in Trallien auch nicht ändern würde. Denn seine Probleme nahm er mit, egal wo er hin ging. Er hatte sie auf den Schultern, sie gehörten zu ihm wie sein dunkles Haar.

Doch irgendetwas musste sich ändern, wenn er den Thron seines Vaters übernehmen wollte. Ohne eine Gemahlin war das nicht möglich. Auch wenn Rowan dieses alte Gesetz für überholt hielt, war es nun einmal so. Ein König musste eine Ehefrau haben, um die Blutlinie durch einen Erben zu sichern. Einen legitimen Erben.

Er seufzte in die Finsternis.

Das war alles viel zu kompliziert und nervenaufreibend. Er wünschte sich manchmal, er könnte einfach ausbrechen. Doch so war er nicht aufgezogen worden. Die Pflichterfüllung war ihm anerzogen worden und die wollte er erfüllen. Er war dazu geboren und erzogen worden, König zu sein.

Die Zeit tickte vor sich hin und Rowan starrte in das langsam sterbende Feuer. Das sanfte Schnauben der Pferde beruhigte ihn und er fühlte sich lange nicht mehr so entspannt und ruhig. Er war nicht müde, er genoss einfach nur diese unendliche Ruhe. Es tat gut nach den letzten zwei Tagen, die sie auf dem Rücken der Pferde verbracht hatten. Und nach der gefühlten Ewigkeit auf der Todesfalle Flussfähre.

Es zwitscherten bereits die ersten frühen Vögel, als er seinen Knappen weckte, um selbst noch ein paar Stunden zu schlafen.


Rowan schnaufte, als er Agrippa an den Zügeln ziehen musste. Der Gebirgspass, der zum Hiatus, dem Grenzübergang nach Trallien, führte, war abschüssiger als gedacht und Reiten war nicht möglich, wenn er das Tier nicht kaputtreiten wollte. Wenn der Hengst umknickte, war er nicht mehr zu retten und das wollte Rowan nicht riskieren. Seros Pferd Vito war sanfter zu beherrschen, weil er älter und ruhiger war als der noch junge Agrippa. Zwischen den Gesteinskanten und abgebröckelten Felsen lugten Hochgebirgsgräser und hartnäckige Blumen hervor, die sich von der kargen Umgebung nicht unterkriegen ließen. Wasser rann in feinen Rinnsalen an den Felsen hinab und sammelte sich in kleinen Bachläufen. Es gluckerte, was sich wie Flüstern im Pass anhörte. Die Sonne erhellte den Gebirgsweg nicht völlig, sondern tauchte ihn in ein mildes, eher diffuses Licht und man hörte das Zwitschern von Vögeln in den Felsspalten, das sich an den Steinen brach und fast gespenstig klang. Es wirkte verlassen und irgendwie ablehnend, als würde der Gebirgspass Menschen fernhalten wollen, anstatt sie offen zu begrüßen.

»Ist das nicht ein Handelsweg? Warum ist der so steinig?«, schnaufte der Knappe und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Luft wurde bereits spürbar dünner. Und kälter.

»Vielleicht tobte auch hier das Unwetter und es kam zum Steinschlag. Der Pass ist ja eigentlich breit genug. Ich hätte nicht gedacht, dass der Weg so steil ist. Hier könnten wir niemals reiten. Wenn der Boden auch nur ein bisschen feucht ist, gleiten die Tiere ja reihenweise aus.« Rowan zog mit aller Macht und Agrippa wieherte. Er schien den Gebirgsweg nicht zu mögen.

Irgendwann tauchten zwischen den Gebirgskanten aufwändig verzierte Steinsäulen auf. Die Steinmetzarbeiten wirkten verwittert, als wären sie bereits vor Jahrzehnten, wenn nicht sogar Jahrhunderten gemacht worden. Zwischen den Säulen angebracht war ein massives, hölzernes Tor, welches mit Metall beschlagen war. Davor patrouillierten eine Handvoll Soldaten unter dem Banner von Trallien, einer Spitzhacke und einem Edelstein.

»Der Grenzübergang wird ja streng bewacht«, murmelte Sero überrascht und auch Rowan nickte. Er hätte nicht damit gerechnet, dass es so viele Wächter sein würden, sechs an der Zahl, die auf den Zinnen der Steinsäulen und dem Tor selbst herumliefen.

Als die beiden Männer von den Wachen bemerkt wurden, erklang ein Ruf, ein Pfiff und eine der Wachen kam zügig auf die beiden zu und hob die Hand, um sie zum Anhalten zu bewegen. Rowan und Sero kamen der Aufforderung nach.

»Wie lautet der Grund Eures Eintreffens?«, fragte die Wache, die nicht älter war als Rowan und ein energisches Gesicht hatte. Der Prinz nahm ein Schriftstück aus seiner Rocktasche und reichte es dem Wachmann, dann zeigte er ihm seinen Siegelring.

»Ich bin Kronprinz Rowan von Annwyn und ich habe den Wunsch, König Thedosio von Trallien meine Aufwartung zu machen. Würdet Ihr mir sagen, wie hoch der Einreisezoll ist?«

Der junge Wachmann las das offizielle Schreiben, das Rowan als den auswies, der er vorgab zu sein und nickte dann.

»Königliche Hoheit.« Er verneigte sich leicht, reichte ihm das Schreiben zurück und bedeutete dann, ihm zu folgen, in ein kleines Wachhäuschen direkt neben dem Tor.

»Der Einreisezoll für Trallien liegt bei dreißig Silbertalern für zwei Personen plus fünf Talern pro Tier, das Ihr einführt, also insgesamt vierzig Silbertalern. Wenn Ihr das nicht passend habt, kann ich das auch wechseln.«

Rowan reichte dem jungen Wachmann ein kleines Geldsäckchen, aus dem dieser sich den Zoll herauszählte und es ihm dann zurückgab. Er fertigte ein Kärtchen an, auf dem er die Zollsumme vermerkte und dann ein Siegel einbrannte, dass der Zoll erbracht wurde.

»Haltet dieses Dokument am besten bei Eurem Ausweisschreiben, Königliche Hoheit. Wenn Ihr während Eurer Reise nochmals von einem Wachmann darum gebeten werdet, habt ihr alles beisammen. Da Ihr augenscheinlich ohne Euren Hofstaat reist, werdet Ihr in Thalea offenkundig nicht erwartet und ganz sicher von den Stadtwachen nochmals kontrolliert.«

Prinz Rowan nickte und nahm die Dokumente entgegen, die er in eine wasserundurchlässige Hülle schob und in seiner Rocktasche verstaute.

Der Wachmann pfiff und hinter dem Tor setzte sich etwas in Bewegung. Nach einem leisen Knarren öffnete sich eine kleinere Doppeltür und eine dahinterstehende Wache winkte Rowan und Sero mit ihrem Tieren durch.

»Willkommen in Trallien, Königliche Hoheit«, sagte der Wachmann abschließend und die Wache auf der Innenseite des Tores schloss die Tür hinter den beiden Männern wieder.

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