1. Alltagsleben mal anders

„Nein, nein, nein!“
„Was?“ Ich war sichtlich verwirrt.
„Du musst mitkommen! Alex sagt, das darf man nicht verpassen!“
„Was Alex sagt, ist mir relativ egal. Weist du, ich hab auch noch andere ...“
„Nein Needy!“, unterbrach sie mich. Sie konnte manchmal unglaublich penetrant sein.
„Herrgott Abigail! Das klingt schon nach einer Katastrophe!“ Ich schmiss die Arme in die Luft und ließ mich gleich darauf zurück in den Sessel fallen. Sie verschränkte die Arme, nachdem sie sich die Haare schwungvoll über die Schulter schmiss.
Sie schmollte. Mal wieder.
Das rotblonde Monster wusste, wie es mich rumbekam!
„Ist gut, hör auf zu schmollen! Verdammt nochmal“, damit stand ich auf. Als wäre nie etwas gewesen, begann sie zu strahlen und glitzerte mich mit rehbraunen Augen an.
Eins musste ich ihr lassen. Man würde ihr auf den ersten Blick nie ansehen, was für eine Bestie sie war!
„Wir sehen und heute Abend. Leider.“ Sie sprang freudig in die Hände klatschend auf und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
„Ich hab dich auch lieb!“ Eine meiner Augenbrauen bewegte sich gen Himmel.
„Klar.“ Damit wendete ich mich auf der Stelle um und machte mich auf und davon, bevor es noch schlimmer für mich enden würde.
Dieses Mädel machte mich wahnsinnig! Jedes Mal aufs Neue schaffte sie es, mich zu Dingen zu überreden, die ich nie freiwillig tun würde!
Erst vor kurzem hatten wir Alexandra kennengelernt. Eine sehr außergewöhnliche Person. Ich hatte den Verdacht, dass sie für das andere Team spielte. Nicht wegen ihres Aussehens, denn dieses ähnelte eines trainierten Personaltrainers, eher durch ihre Blicke. Diese zogen einige Damen unserer Runde förmlich aus. Ich hatte sie schon zu oft dabei erwischt. Leider schien es kein anderer außer mir bemerken zu wollen.
Ich hatte es eineinziges Mal bei Abby angesprochen. Nachdem sie mich ausgelacht hatte ... sehr lange ... versicherte sie mir, dass ich falsch lag. Doch ich war fest überzeugt. Alex blicke sahen zu sehr danach aus, als würde sie ein saftiges Steak vor sich sehen.
Im Grunde wäre mir ihre persönliche Einstellung egal, hätte ich nicht ein mulmiges Gefühl dabei, wenn ich in ihre dunklen Augen blickte. Mein Bauchgefühl sagte mir, ich sollte mich ganz weit von dieser Frau verhalten.

Ich hatte Abbys Wohnung schon weit hinter mir gelassen. Mit einem ärgerlichen Knurren im Magen, dass durch meine unterdrückten Gefühle wuchs, verließ ich schnellen Schrittes die Stadt und bog in den angrenzenden Wald ein. Ich müsste ein gutes Stück durch den Wald laufen, um an meine Abzweigung zu kommen. Genug Zeit um den Magen wieder zu beruhigen und Sodbrennen zu vermeiden.
Eine lange Halbenstunde später war mein Magen zur Ruhe gekommen und ich an der Abzweigung angekommen. Ein wenig gelassener trat ich vom Weg auf die kleine Straße, die an ein kleines Neubaugebiet grenzte. Mitten im Nirgendwo, begleitet von vier weiteren Häusern, stand mein lang erarbeitetes Eigenheim.
Genau hier wollte ich Alt werden. Hier inmitten der Stille des Waldes. Vielen würde die Einsamkeit angst einjagen, die Unsicherheit, abgegrenzt von der Welt. Doch gerade das war es, was mich reizte. Gut, einkaufen war nicht mal schnell erledigt, da man erstmal über eine Landstraße die einen großen Bogen um den Wald veranstaltete, in die Stadt gelang. Wodurch man fast genau so lange fuhr, wie man für den Fußweg benötigte. Dennoch war dieser Ort, mein kleines Paradies.
Ich blickte hinüber zu meinem noch einzigen Nachbarn, da drei Häuser am Anfang der Straße auf passende Besitzer warteten. Glücklicherweise hatte der einzige andere Mensch, mir schräg gegenüber Platz gefunden.
Mein stiller Nachbar Veit.
Der Gedanke an ihn zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Der Mann war einzigartig, und ob er wollte oder nicht mein erster Ehemann. Abgesehen davon, dass er sich selten blicken ließ, waren wir perfekt füreinander! Ein ruhiger Artgenosse, der die Stille und Natur liebte, freundlich und humorvoll war und als Sahnehäubchen, wie ein Männermagazin entsprungener Holzfäller aussah, den man nur zu gerne im eigenen Garten Holzhacken sehen würde.
Selten hatte ich einen Mann so attraktiv gefunden, vielleicht war ich auch einfach nur verknallt in den Mann von nebenan. Selbst in seine etwas schiefe Nase und dem prägnanten Kinn, doch Gerade diese markanten Ungenauigkeiten machten ihm zu einem wahnsinnig schönen Mann. Mit den Caramel artigen Augen, dem dauerzerzausten braunen Haar und dem leichten Bart war er genau das, was ich zukünftig an meiner Seite sehen wollte. Abgesehen davon, war mein Nachbar so unnahbar wie schön.
Über seinen Job ließ er nicht viel mehr blicken, als dass es mit Hilfeleistung zu tun hatte. Auch im Privaten ließ er sich nichts rauskitzeln, zu oft hatte ich versucht, den Mann auf einen Kaffee einzuladen. Ohne erfolg.
Wie gesagt, er würde mein erster Mann werden, auch wenn ich ihn dafür fesseln musste.

Ich ging langsam über die schmale Straße, in der Hoffnung das dies einer der seltenen Momente war, an denen wir uns begegneten. Sein Schornstein rauchte, also war er Zuhaus. Ich behüte mich immer nicht zu augdringlich zu wirken, um nicht als verrückte verknallte Alte dazustehen. Ob es mir mehr oder weniger gelang, konnte wohl nur er beantworten.
Mein Blick viel in eins seiner Fenster, doch außer Vorhänge war nichts zu sehen. Andererseits war auf die Entfernung immer wenig zu sehen. Der Vorteil an so viel Platz war der Nachteil für den Stalker in mir. Sein Haus befand sich auf der anderen Seite der Straße mindestens an die hundert Meter entfernt. Manchmal bedauerte ich, dass die beiden Häuser nicht näher aneinander standen. Man konnte nicht das Geringste sehen! Spannen war unmöglich, was mir andererseits nur recht sein konnte
Grummelnd bog ich in meine Einfahrt ein, die am Ende der Straße Lag, wo mein Haus trumpfte. Einer der Vorteile der erste Käufer gewesen zu sein. Äußerlich war es Modern wie rustikal. Es passte sich dem style der Natur an, war aber noch so Modern um keine Wünsche offen zu lassen. Graue Ziegel hoben das Haus vom Wald ab. Der Rest war aus Holz gehalten, zumindest in dem Aussehen, Dach, Fenster, Terrasse. Viele Büsche, Blumen und Steine, zierten die Außenansicht.
An der Tür angekommen musste ich beide Schlösser öffnen. Das einzige markante Merkmal worauf ich bestanden hatte. Eine knallrote Tür. Schon immer hatte ich davon geträumt, eine rote Tür zu besitzen, so verrückt es auch klang. Es erinnerte mich an meine Kindheit. Auch wenn dort nie eine rote Tür eine Rolle gespielt hatte ... Glücklicherweise passte diese zu dem Rest oder ich hatte sie mir einfach nur schön geredet. Hauptsache ich war glücklich mit der Tür, die mich eine Stange Geld gekostet hatte.
Summend trat ich ein und schloss wieder ab. Man konnte ja nie wissen. An der Garderobe Tasche, Jacke und Schuhe abgelegt, trat ich in die Wohnküche.
Mit dem Gefühl nichts mit mir anfangen zu können, stand ich da. Geputzt hatte ich heute Morgen, das Zimmer umgestellt gestern Mittag. Aus reiner Langeweile versteht sich. Also wie sollte ich die Zeit bis heute Abend rumkriegen?
Ich schlüpfte in die Hausschuhe und schlürfte zur Veranda. Dort befand sich der wahre Schatz, des letzten Hauses an der Straße und der Grund, weshalb ich genau dieses gewählt hatte.
Ein klarer sauberer See erstreckte sich, wohin das Auge reichte. Über die Veranda, konnte man den See über eine kleine Treppe und ein Stück hügeliger Wiese erreichen. Durch meine hohe Position und den Schutz der Bäume konnte ich sogar gelegentlich besonders scheue Arten der Natur bewundern. Ob ein Reh, Fuchs oder Waschbär. Wobei Letzteres nicht scheu, sondern nervtötend war. Des Öfteren, musste ich eine ganze Familie der Viecher aus meinem Wohnzimmer vertreibe.
Am Geländer angekommen, stellte ich mich auf die Zehenspitzen und hielt Ausschau, um etwas zu entdecken. Suchte die saftig grüne Wiese um den See ab, die dunklen Schatten zwischen den Bäumen, doch am See war Totehose. Außer den wenigen singenden Vögeln war nichts los.
„Natürlich“, brummte ich und machte eine Kehrtwende in die Küche.
Mein Murren verhallte, als ich in die Küche kam. Die Küche war schon immer mein kleines Heiligtum, in der böse Gedanken nichts verloren hatten. Meine moderne grausilberne Küche, der Ort an dem ich wohl die meiste Zeit verbrachte. Nicht, dass ich so viel kochte, manchmal saß ich einfach an dem kleinen Tisch am Fenster und las oder arbeitet am Laptop. Mit einem Schritt nach hinten stand ich dann auch schon wieder im Wohnzimmer, obwohl es keine große Abtrennung gab, waren es für mich zwei Räume. Die L-Form des Hauptraumes machte es mir leicht dies so zu sehen. Durch die große Fensterwand an der Veranda, hatte man von überall einen grandiosen Blick nach draußen, was eine Lichtdurchflutung des ganzen Raumes zur Folge hatte, auch bis in die späten Abendstunden. Umzingelt von gigantischen Bäumen fühlte man sich dann einem Gemälde gegenüber.
Ich starrte auf den Kühschrank. Hunger hatte ich nicht Lust schon. Was wohl das schlimmste Essverhalten war, um sich Pfunde anzufuttern. Als rümpfte ich die Nase und löste mich aus meiner Starre. Zwei Schritte weiter betrat ich die Treppe, die neben der Küche hinaufführte.
Oben im Flur angekommen, befanden sich zu meiner Linken zwei Räume am Ende des Flurs, daneben ein Bad und mir gegenüber das Schlagzimmer. Für mich allein, zu viel Platz, weshalb die zwei hinteren Räume, mehr Abstellkammern waren als aktive Zimmer.
Kurz überviel mich der Gedanke, ob ich in den Zimmern etwas tun konnte, ließ diesen doch wieder Fallen da mir nun gar nicht danach war. So ging ich ins Schlafzimmer und schlüpfte in meine kuschligste Hose. Um die absolute grenze der Gemütlichkeit zu erreichen, flocht ich mein Haar leicht zur Seite und fixierte es. Für meinen Geschmack war es wieder ein wenig zu lang geworden, da ich mal wieder zum dritten Mal in folge den Frisörtermin verschoben hatte. Zurzeit trug ich standardmäßig, ein helles Struppiges braunes Chaos. Nicht das mein Haar eine Ausnahme machte, wenn ich es regelmäßig stutzte. Dennoch hielt sich der Kampf in Grenzen, wenn meine Haare nur mit Schulterlänge zu pflegen waren.
Kuschlig wie ich war, ging ich hinab und schaltete den Fernseher ein. Auch wenn ich die Einsamkeit liebte, war es hin und wieder schön einige Stimmen zu hören.
Es lief irgendeine Dokumentation über Erdmännchen. Halbherzig hörte ich zu und beschäftigte mich währenddessen mit allem anderen. Nahm die Lampe unter die Lupe die nicht mehr Leuchten wollte, goss die Pflanzen, die ich auch innen zu genüge besaß, kehrte die Veranda und stand immer mal wieder vor dem Fernseher um die süßen Erdmännchen zu beobachten.
Vor Langeweile bereute ich es fast, Abby so fluchartig verlassen zu haben, auch wenn ich wusste, dass ich mir so einiges ersparrt hatte, was sie mir sonst aufgeschwatzt hätte. Ein Hobby wäre wohl schön gewesen. Da ich dafür sonst keine Zeit hatte, würde ich den Teufel tun und mir jetzt eins zuzulegen.
Ich nahm den Laptop und klappte ihn auf. Es gab zwei Möglichkeiten, wie ich mit meinem freien Freitag umgehen konnte. Entweder ich würde mich in Arbeit stürzen, die sich wie immer bergeweise häufte oder surfen ... Letzteres war dann doch stärker. Auf Facebook machte ich wohl die erstaunlichsten sowie deprimierenden Entdeckungen.
Jill, eine alte Schulfreundin war mal wieder verliebt, was sie der ganzen Welt zum X-ten Mal mitteilte. Joana, eine nicht so alte Studienfreundin, befand sich auf einer Weltreise. Carol war schwanger, also das pure Glück mit achtundzwanzig. Gerade mal ein Jahr älter als ich ... Ein Schauer lief mir über den Rücken.
Kinder.
Schwieriges Thema.
Früher mit ungefähr zwanzig, wollte ich immer mit spätestens dreißig Kinder. Heute sah das anders aus. Da weder der Mann noch das Verlangen danach vorhanden war, dies auf eine unabsehbare Zeit verschoben.
Ich klappte ihn ruckartig zu, wollte ich mir das jetzt wirklich antun? Selbstmittleid war das Letzte, was ich heute brauchen würde! Mit einem Kopfschütteln verschwand ich ins Bad. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass es erst sechs war. Noch zwei Stunden. Dann würde es losgehen. Meine Lust verabschiedete sich. Ich schnaubte, meine Mine verfinsterte sich und ich sah um Jahre gealtert aus.
„Verdammt ...“ Dieses Gefühl war wieder da. Ein bedrückendes unwohles Gefühl, das sich in meiner Bauchgegend ausbreitete. Ich legte den Kopf in den Nacken. Mich krank stellen war zu spät, Abby würde mich aus dem Haus zerren. Egal, wie ich dann aussah.
Ich hielt mir den Bauch, auch wenn es nicht wirklich Schmerzen waren und es wohl eher vom Kopf als vom Bauch herrührte. Es war mein persönlicher sechster Sinn. Er meldete sich immer, wenn einer Katastrophe bevorstand.
Abby hielt mich für verrückt, was mir herzlichst am Allerwertesten vorbei ging. Denn bisher hatte er immer recht gehabt. Immer! Was mich selbst oft genug zur Verzweiflung trieb.
Kurz überlegte ich, einfach zu meiner Mutter zu fahren und mein Handy auszuschalten. Doch das konnte und würde ich Abby nicht antun. Eine solche Freundin war ich nicht und wollte ich nicht sein. Also würde ich mich jetzt zusammenreißen, schminke auftragen und gute Mine zum bösen Spiel machen, zumindest für eine Stunde. Dann würde ich fluchtartig verschwinden. Ob sie wollte oder nicht.
Ich nahm mein Make-up zur Hand und begann mich zu bearbeiten. Leichtes Puder, Wimperntusche. Das war es. Mehr braucht es nicht, um mich wohl zu fühlen. Die Grünen Augen und das braune Haar sorgten genug für Farbspiel, wenn es nach meiner Nase ging. Abby wollte immer mehr Abwechslung in meine Aufmachung stecken, worin ich mich bis heute erfolgreich wehren konnte.
Ich kämmte das Haar ordentlich, band sie mir zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen und ging hinauf. Ich hatte schon eine genaue Vorstellung. Mein schwarzer Rock wartete schon länger, auf eine Gelegenheit ausgeführt zu werden. Dazu passend eine leichte blaue Bluse und eine lässige Jeansjacke. Es wirkte locker und war keineswegs sexy, genau das, was ich ausstrahlen wollte, wenn man in die Höhle der Löwen spazierte.
Mir lief ein Schauer über den Rücken. Wenn ich schon daran dachte! »Hey Mädels, ein paar Freunde von mir schmeißen ne Party«, hat sie gesagt. »Wir sind dann eine kleine Runde, ihr Mädels und meine Jungs.« Hat sie gesagt!
Als ich nachfragte, wie viele es seien, zuckte sie zuckersüß mit den Schultern und versicherte mir das ich es schon sehen würde. Wohl kaum! Hätte ich am liebsten geschrieben, doch Pustekuchen! Ich wurde ja an den Füßen mitgeschleift.
Fertig hergerichtet ging ich hinab und schlüpfte in die schwarzen Stiefletten. Nichts an mir schrie nach Sex.
Perfekt!
Die letzten Minuten beschäftigte ich mich mit der Frage, wie ich von der Party verschwinden konnte, ohne viel aufsehen zu erregen.

Ein Huppen zerbrach die Stille. Das musste Kathy sein. Sie, Donna und Abby, wollten mich in die Höhle transportieren.
„Dann mal los.“ Ich stand auf, nahm meine Tasche. In die nicht mehr, als mein Portmonee, Handy sowie Schlüssel hineinpasste, und öffnete die Tür.
Den Lärm, den die drei Mädels veranstalteten, war nicht zu überhören. Ich hoffte, Veit würde mir verzeihen und trat hinaus.
Die Anlage von Kathy donnerte durch Mark und Bein. Ich schnaubte, setzte mein bestes gefälschtes Lächeln auf und ging los. Je schneller wir dort wahren, desto schneller würde ich wieder gehen können, mit dem Haken an meiner To Do Pflicht erfüllt.
Ich stieg ein. Die beiden Mitpassagiere hatten schon einem im Tee. Kaum saß ich, bekam ich von Donna einen Schmatzer. Abby winkte nach hinten und Kathy unsere heutige Fahrerin zuckte belustigt mit den Schultern. Ich rollte lächelnd mit den Augen, auch wenn mir nicht nach Lächeln war, nach dem Augenrollen um so mehr.
Wir fuhren los, Veits Haus war dunkel. Ich betete, er sei nicht zu Haus und konzentrierte mich auf das Kommende.
Donna, die schwarzhaarige Diva der Runde konnte nicht mal mehr einen verständlichen Satz zustande bringen.
„Sag mal Donna. Wie viel habt ihr denn schon getrunken?“ Untypisch, dass sie sich nicht erst gehen ließ, wenn sie ein passendes Opfer gefunden hatte. Was sie dann bespringen würde wie ein läufiges Tier.
„Achhh Need! Abby und Isch, haben doch nur eins zlwei Wodka gekippt!“ Wohl eher eins, zlwei Flaschen!
„Ah ja.“ Abby sah das nicht ähnlich, Donna schon. Abby beschränkte sich normalerweise auf das gute Alte halbvoll. Dass ungefähr nach vier Gläsern Sekt eintrat.
Die weitere Fahrt verbrachte zumindest ich, schweigend. Denn Don und Abby begannen sich lautstark zu unterhalten, und immer mal wieder zu singen. Ein Graus für die Ohren.
Nach einer halben Stunde war das Massaker vorbei. Die beiden stürmten aus dem Auto raus.
„Eine Sekunde länger und ich hätte gegen eine Wand fahren müssen.“ Ich musste grinsen. Kathy und ich verstanden uns meist ohne Worte. Wieso auch nicht, wie kannten uns immerhin schon seit der Grundschule. Durch sie hatte ich Abigail und Donna kennengelernt. Die Einzigen aus der großen Gruppe, die ich regelmäßig sah und auch sehen wollte. Die anderen Mädels waren Freundinnen von ihnen und nur Bekannte von mir. Ich selbst pflegte lieber die wenigen Freunde. Durch den zeitaufwendigen Job hatte ich nun geringfügig Zeit für andere Aktivitäten. Da ich selbst am Wochenende für gewöhnlich ran musste, als Selbstständige ein Fluch wie Segen, wenn man erfolgreich werden will. Gelegentliche ausnahmen wie heute, waren o.k. Wenn da nicht dieses Gefühl wäre ...
Wir stiegen aus und gingen den beiden langsam hinterher. Abgesehen von meinem Widerwillen, würde ich eh nicht lange bleiben können. Eine Tatsache, die ich den Dreien recht verständlich gemacht hatte. Dass der morgige Termin, der wichtigste des ganzen Jahres war, auch den ich mich schon Wochen vorbereitet hatte. Immerhin war es der Durchbruch. Der Durchbruch meiner Karriere, ein Vertragsabschluss, der wohl alles ändern würde. Für immer. Morgen früh war das bedeutendste Meeting meines Lebens, würde ich es verhauen, bekämen wir in unserer kleinen Firma wohl nie wieder die Chance.
„Wo zum Teufel sind wir?“, fragte ich, als ich mich genauer umsah.
„Alex und ein paar dieser Freunde von ihr scheinen hier zu leben.“ Stirnrunzelnd, versuchte ich mir einen Reim daraus zu machen. Wer wollte schon hier wohnen? Abgesehn davon hatte mir niemand erzählt, dass es so weit draußen war.
„Hier?“ Ich deutete ungläubig auf den hohen Betonklotz vor uns.
„So hat sie es gesagt.“ Wir waren im alten verlassenen Gewerbegebiet der Stadt gelandet. Es schrie geradezu nach Horrorfilmklitsche und für einen Massenmord durchaus perfekt. Ich selbst hätte mir keinen anderen Ort ausgesucht.
Verwundert sah ich mir das vier Etagen hohe Fabrikgebäude an, dessen Typische kleine Fenster schmutzig und alt wirkten, dennoch war kein Glas zerbrochen. Wer wollte hier wohnen? Abgesehen davon ... Dass wir am Arsch der Welt waren! In einem wirklich gruseligen Teil der Stadt. Vor Jahren wurde der Ort stillgelegt und verkauft. Es lohnte sich nicht in einer solch keinen Stadt wie unseren, vor Ort zu produzieren. Ich wusste nicht mal mehr, welche Firmen einst in diesen Mauern hausten. Nun war es ein Ort, wo man sich schmierige Kriminelle vorstellte. Jugendliche, die abends herumlungerten und auf stress auswahren. So und nicht anders hatte ich mir diesen Ort vorgestellt. Stattdessen wirkte er einfach nur ... verlassen.
Ich konnte die hohen Bäume hinter dem Klotz erkennen. Der Wald führte so im die Gebäude herum wie um meine Wohnsiedlung. Damals hatte man so die lauten Geräusche unterdrücken können.
Ein wenig ratlos sah ich mich um. Ein Taxi würde man hier nicht leicht erwischen, was bedeutete, dass ich ein Haufen Geld bezahlen konnte um nach Hause zu gelangen. Der Abend stand nun unter einem schlechteren Stern, als er sowieso schon stand ... Eine Tatsache die Abby zurückzahlen würde und wenn ich ihr nur Zucker in den Kaffee streute oder keine Diätcola servierte!
„Sag bescheid.“ Ich sah zu Kathy rüber.
„Bitte?“
„Ich kenn dich doch und auch diesen Blick. Wenn du gehen willst, sag bescheid.“ Manchmal liebte ich sie!
„Ich werde dir denn Abend nicht versauen.“
„Ach Nida, das machen Freunde. Versuch wenigstens ein wenig Spaß zu haben.“ Sie zwinkerte mir zu und ich nickte grinsend.
Wir wurden schneller um Donna und Abby einzuholen. Trotz das sie nicht mehr wirklich in der Lage waren, geradeaus zugehen, waren sie ziemlich schnell unterwegs auf diesen abnormal hohen Schuhen. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie sich auf die Schnauze gelegt hätten. Die beiden blieben vor einer großen metallenen Tür stehen und hämmerten wie die verrückten gegen das alte Material. Die Ohren schmerzten bei dem Donnern, das es erzeugte. Ruckartig wurde sie geöffnet, gerade in dem Moment, wo wir zu den beiden aufschlossen. Ein blonder halbnackter Mann trat raus.
„Da seid ihr ja, wir haben schon auf euch gewartet. Kommt rein, die anderen sind schon da.“
Schon da? Ein kurzer Blick auf die Uhr und meine Vermutung war bestätigt. Es war erst kurz nach acht, somit waren wir überpünktlich.
Wieder etwas Unübliches ... Widerwillig ging ich mit den anderen rein und blieb ruckartig stehen. Der Anblick des Innenraumes verschlug mir die Sprache. Der Kontrast hätte nicht größer sein können. So verwahrlost es von außen erscheint, so schöner war es von innen.
Es wirkte weiterhin rustikal und dem style entsprechen und dennoch modern und irgendwie auch gemütlich. Der Boden war betoniert, was dem Ganzen einen gewissen Charme verlieh. Alles war sehr sauber und gepflegt. Weshalb es mir nicht mehr abwegig vorkam, dass sie genau hier wohnten. Ich hätte es selbst getan, wäre ich nicht so erpicht auf meine Privatsphäre.
Staunend nahm ich den Charme des Gebäudes in mich auf. Die vielen Metallelemente machten das ganze Gebäude sehr männlich. Ich konnte mir gut vorstellen das dafür ein Mann verantwortlich war, denn die vielen klaren Linien und die Struktur sprach für einen gradlinigen Mann. Die Schönheit der Architektur wurde durch ein Metallgerüst zu meiner linken deutlich unterstrichen. Das Feste an der Wand verankerte Gerüst diente wohl als Flur. Eine Wendeltreppe an der Seite, ermöglichte es auf die vier verschiedenen Etagen zu gelangen, diese waren mit vielen metallenen Türen versehen. Auf jeder Etage befanden sich fünf davon, die Wohnungen mussten eine Menge Platz beinhalten, so wie ich das Größenverhältnis von außen einschätzte.
Der Raum war generell riesig, es war kaum vorzustellen, wie groß der Raum vorher gewesen sein musste. Mir gegenüber befanden sich ebenfalls mehrere Türen, genau wie eine große Schiebetür. Was dort hinter war konnte ich mir nur ausmalen, doch wich würde wetten es war genau so atemberaubend. Ob der Mann der dieses Gebäude aufgebaut hatte gerade dort war? ZU gern hätte ich mich mit ihm unterhalten. Zuletzt viel mein Blick auf die rechte Seite. Dort erstreckten sich Garagen, eine Treppe führte hinauf, auf dem Dach von diesen, befand sich ein Wohlfühlparadies. Mehrere Sessel, wie Kissen luden zum Lungern ein. Erst langsam realisierte ich das Geschehen auf den Kissen, zu fasziniert war ich vom Anblick.
Einige der Mädels hatte es sich dort mit ein paar der Typen gemütlich gemacht. Sie ließen bereits die ersten Hüllen fallen. Mehr oder weniger ...
Ich blinzelte und suchte mehr bekannte Gesichter, doch überall das gleiche Spiel. Mein Blick viel zum Gerüst, erst dort erblickte ich Männer, die nicht gerade dabei waren die Hüllen der Mädels fallen zu lassen.
Auf der zweiten Etage hatten es sich fünf Männer mit einem Sofa gemütlich gemacht. Ich blickte sie an, realisierte jedoch nicht, was gerade passierte.
Erst als Kathy mich kniff, erwachte ich.
„Aua!“ Kathy grinste, als würde sie das Geschehen kaltlassen.
„Du wirst beobachtet“, flüsterte sie.
„Von wem?“
„Von allen.“

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beta
Fairy Dust

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