1. Der Beratungstermin

Alexandra Taylor, eine wohlhabende Endzwanzigerin, hegte bereits seit längerem den Wunsch, sich neben ihren beiden Hausdienern, einen Liebesdiener ins Haus zu holen, der ihr die Abende versüßen würde.
Leider war ihre erste Wahl ein Reinfall gewesen und Sandro bei einer passenden Gelegenheit geflohen. Auch sonst hatte er Alex ignoriert und war ihr aus dem Weg gegangen.
Sandro hatte zu den Männern gehört, die in den Wäldern weit im Norden lebten. Dorthin wurden immer wieder Suchtrupps entsandt, die diese Geflüchteten wieder eingefangen sollten. Es gab dort auch Frauen, die das jetzige System kritisierten und lieber in einer gleichberechtigten Gemeinschaft leben wollten, so wie vor den Geschlechterreformen. Diese ehemaligen Diener konnten sich daher nur schwer abermals an das System anpassen.
Alex hatte es versucht, wollte ihm Zeit geben sich einzugewöhnen, aber sicher hatte er schon von Anfang an geplant zu fliehen.
Deswegen hatte sie einen zweiten Beratungstermin bekommen, bei dem sie sich einen Ersatz für ihren Verlust aussuchen durfte und dieser Tag war nun gekommen.

Die junge Frau kämpfte sich an diesem Vormittag durch den Großstadtverkehr, bis zu dem Gebäudekomplex, der „Zentrum“ genannt wurde.
Hier lebten die Liebesdiener bis zu ihrem Einsatz und hier war auch die Vermittlungsagentur untergebracht, in der Alex ihren Termin hatte. Obwohl sie schon einmal hier gewesen war, verließ sie nervös den Wagen und schritt auf das große Eingangstor mit dem Kontrollhäuschen zu.
Neben dem Tor stand eine Patrouille, die sogleich ihr Anliegen wissen wollte. Alex beantwortete deren Frage, worauf die Frau in dunkelblauer Uniform entgegnete: „Ach, Sie haben einen Termin in unserer Agentur. Ich führe Sie hin."

Kurz darauf stand sie zum zweiten Mal im Büro der Vermittlungsagentur, wo die Frauen keine Uniform, sondern schicke Bürokleidung trugen.
Eine der Damen empfing Alex freundlich und bat sie an einem der Schreibtische Platz zu nehmen. Die Mitarbeiterin setzte sich wieder hinter ihren Computer und begann: „Sie sind also hier um sich einen Mann auszuwählen."
Alex nickte: „Ja, das ist mein zweiter Termin. Ich kann mir einen Ersatz für meinen ersten Diener aussuchen. Er ist nach kurzer Zeit geflohen.“
Die Dame erwiderte: „Oh, das tut mir leid. Das darf natürlich nicht passieren. Haben Sie schon eine Vorstellung, wie er diesmal aussehen soll?“
„Tja, das wird schwer. Ich habe keinen bestimmten Typ, den ich besonders mag. Es kommt mir diesmal hauptsächlich auf seinen Charakter an. Sandro lehnte mich komplett ab. Er kam ja aus den Wäldern und wollte sich nicht mehr unterordnen. Daher möchte ich einen zuvorkommenden Diener mit guten Manieren.“
Die andere lächelte: „Da haben wir wenigstens schon einmal ein bisschen was. Wie groß sollte er sein?"
„Hm, nicht unbedingt kleiner als ich. Also ab 1,75 m.“
Das tippte die Angestellte sofort in ihren Computer ein.
Dann stand sie auf, zog eine dicke Mappe aus dem Regal hinter ihr und legte sie vor Alex auf dem Schreibtisch ab. Die Beraterin, empfahl ihr, einmal einige eher weiblich aussehende Männer anzuschauen. Zwar waren androgyne Typen normalerweise nicht so ihr Geschmack, aber Alex war diesmal für alles offen und wollte sich den Katalog einfach mal durchblättern.

Nachdem die Mitarbeiterin ihr noch einen Kaffee serviert hatte, ließ sie Alex wie letztes Mal in dem Aufenthaltsraum mit der großen Fensterfront zurück.
Die junge Frau setzte sich in einen der dunklen Loungesessel und legte den Katalog auf dem gläsernen Beistelltisch ab.
In dem Raum saßen noch zwei andere Frauen an je einem der Glastische, die ebenfalls Mappen mit Fotos vor sich liegen hatten.
Alex schlug den Ordner neugierig auf, strich sich ihre langen braunen Haare aus dem Gesicht und begann ihn langsam durch zu blättern.
Die ersten Männer sprachen sie nicht sonderlich an. Sie waren zwar gutaussehend, mit fein geschnittenen Gesichtern, aber nicht ihr Fall.
Ob sie unter diesem Typ Mann einen finden würde, der ihr gefiel? Bisher waren alle sehr schlank und wenig männlich.
Inzwischen hatte sie Dreiviertel des Kataloges durchgesehen und ihre Hoffnung darin ihren Hausgenossen zu finden, aufgegeben. Doch dann schlug sie eine Seite auf, von wo ihr ein weißblonder Junge mit leuchtend blauen Augen entgegenblickte.
Bereits beim ersten Blick auf das Portrait war Alex fasziniert. Die hellen langen Haare in Kombination mit diesen Augen, die einen Stich Türkis enthielten, stachen regelrecht heraus. Dazu die scheinbar makellose Alabasterhaut im Gesicht und die vollen rosa schimmernden Lippen, die sich zu einem kaum angedeuteten Schmunzeln verzogen. Dieser Junge erweckte den Eindruck, kein Wässerchen trüben zu können.
Sie betrachtete dieses perfekte Antlitz versonnen und fragte sich, ob dieser Kerl in Wirklichkeit auch so aussah, oder ob das Foto bearbeitet war. Sogleich blätterte sie weiter und fand dahinter seine Aktaufnahmen.
Sein Körper schien komplett haarlos zu sein, nur an den Unterarmen entdeckte sie Behaarung. In der Regel rasierten sich die Männer an der Brust, den Achseln, an den Beinen und in der Schamregion. Aber bei ihm war wohl kaum eine Rasur nötig.
Die hellblonden Haare fielen ihm weich über die Schultern bis zur Brust hinab.
Das sah man bei Liebesdienern selten, dass sie so lange Haare besaßen, aber zu diesem Jungen passte es sehr gut.
Alex las seine Daten. 1,79 m groß und er war tatsächlich bereits 20, wirkte aber wie 16 oder 17. War das ein zu großer Altersunterschied zu ihr? Immerhin acht Jahre.
Doch diese Bedenken verwarf sie schnell wieder, denn viele schafften sich einen 18 jährigen Liebesdiener an.
Im Gesamten hatte er eine schlanke Gestalt. Relativ schmale Schultern, sehnige Arme, eine leicht strukturierte Brust, schlanke Beine und einen kleinen, knackigen Hintern. Erst zuletzt betrachtete sie sein Geschlecht, das wohl ganz durchschnittlich war.
Der Typ war zwar nicht maskulin, aber außerordentlich hübsch, keine Frage.
Große Augen, breite Augenbrauen, eine gerade schmale Nase, schön geschwungene Lippen und eine ausgeprägte Kieferpartie.
Aber was war, wenn er im Bett nur schwer einen hochbekam. Was nützte ihr dann ein scheinbar devoter Charakter?
Das war ihr ja schließlich auch wichtig. Sie wollte in dieser Hinsicht etwas für ihr Geld bekommen. Zwar war Sandro nicht so teuer wie zum Beispiel der Liebesdiener ihrer besten Freundin gewesen, aber immer noch genug Geld für das, dass sie überhaupt nichts von ihm gehabt hatte. Deswegen wollte sie diesmal nicht mehr den gleichen Fehler begehen, wenn sie schon eine zweite Chance bekam.
Bei Sandro war sie zu sehr nach dem Äußeren gegangen und hatte die Warnungen der Beraterin in den Wind geschlagen, gedacht, dass sie ihn schon bald für sich gewinnen konnte. Doch das war ein fataler Trugschluss gewesen und sie war damit voll auf die Schnauze gefallen. Diesmal wollte sie alles richtig machen und einen Diener, der sie verwöhnte, lieb und folgsam war.
Vielleicht versprach das total gegensätzliche Aussehen im Vergleich zum schwarzhaarigen, braungebrannten Sandro, auch einen völlig gegensätzlichen Charakter. Das wäre perfekt!
Sie breitete die Fotos des Hellblonden auf dem Tisch aus und ließ sie eine Weile auf sich wirken.
Je länger sie in dieses Gesicht, wie das eines Engels blickte, desto mehr wollte sie ihn haben. Gedankenversunken strich sie mit den Fingern über eines der Aktfotos, auf dem er von vorn zu sehen war. Seine Haare umrahmten weich sein Gesicht, seine Lippen waren leicht geöffnet und er sah direkt in die Kamera. Dieser verführerische Blick schien zu sagen: „Nimm mich! Ich gehöre dir.“ Und Alex wollte sich darauf einlassen.
Am liebsten würde sie ihn küssen, streicheln und sich von ihm verwöhnen lassen. Seine Haut wirkte so zart und diese vollen Lippen waren bestimmt wie gemacht fürs Küssen,
Ihr Bauch hatte bereits entschieden, nur der Kopf äußerte noch ein wenig Bedenken, aber sie konnte ihn ja innerhalb von einem Monat zurückbringen. Von daher hatte sie überhaupt kein Risiko. Dann würde sie schon herausfinden, wie standhaft er wirklich war. Aber sie würde nichts überstürzen, denn durch Sandro war sie in dieser Hinsicht zurückhaltend geworden, und wollte den Neuen nicht gleich verschrecken.

Alex ordnete die Fotos wieder zu einem Stapel, packte auch den Katalog zusammen und kehrte zu ihrer Beraterin zurück.
„Ich habe einen gefunden“, und legte die Fotos des Hellblonden auf dem Schreibtisch der Mitarbeiterin ab.
„Sehr gut. Dann lassen Sie mal sehen.“
Die Dame nahm die Fotos, sah auf die Nummer des Dieners und tippte sie in ihren Computer ein.
Alex beobachtete sie gespannt und stutzte, als diese die Stirn runzelte.
„Das ist ja merkwürdig. Mir wird angezeigt, dass er bereits vergeben ist.“
Diese Aussage versetzte Alex einen Stich: „Im Ernst? Aber ...“
Die Dame griff sofort zum Telefon: „Einen Moment bitte! Da kann etwas nicht stimmen. Normalerweise dürfte er dann nicht mehr in der Vermittlungsdatei auftauchen. Außer es hat ihn kurz vorher ebenfalls jemand ausgesucht.“
Das durfte jetzt nicht wahr sein. Hatte ihr eine andere den süßen Kerl etwa vor der Nase weggeschnappt?
Alex war so beschäftigt mit ihren Gedanken, dass sie gar nicht auf das Gespräch der Mitarbeiterin hörte, die mit jemandem von Valentins Block telefonierte.
Kurz darauf legte diese wieder auf und lächelte Alex breit an: „Entwarnung! Er gehört Ihnen.“
Alex griff sich vor Erleichterung an die Brust: „Oh, zum Glück! Ich hatte mich schon so auf ihn fixiert.“
Nach diesem Schreck las die Beraterin ihr noch weitere Infos zu dem jungen Mann vor.
Er hieß Valentin und war ein sehr folgsamer Diener, der bisher nie negativ aufgefallen war. Das einzige Manko war anscheinend seine mangelnde Potenz.
Nun, das würde Alex dann selbst beurteilen!
Jedenfalls hörte sich sonst alles sehr vielversprechend an und dieser Valentin gefiel ihr wirklich sehr gut. Für diese eine Sache gab es zur Not auch anregende Pillen, dachte sie schmunzelnd.
Die Beraterin fragte noch, um welche Uhrzeit ihr der Diener übermorgen gebracht werden sollte und mit dem Eintippen der ganzen Angaben, wie Name und Adresse der zukünftigen Besitzerin, setzte sie eine ganze Maschinerie in Gang.

Kurz darauf befand sich Alex auf dem Weg in das Maklerbüro, wo sie angestellt war, und bekam diesen Liebesdiener nicht mehr aus dem Kopf.
Sie war schon richtig aufgeregt, wenn sie an seine Ankunft in zwei Tagen dachte. Durch Sandro war sie total verunsichert, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Am Besten gab sie ihm erst einmal Zeit sich einzugewöhnen und dann würde sie schon sehen, wie er sich im Allgemeinen verhielt.
Nach ihrem letzten Termin gegen Abend fuhr sie noch zu einem Laden, der Männerbekleidung führte. Die Kleider-und Schuhgröße hatte in seinen Daten gestanden. Leider würden Valentin die Sachen von Sandro zu weit sein und so musste sie für ihn einige neue Klamotten kaufen. Natürlich noch nicht viel, da sie nicht wusste, ob sie ihn dauerhaft behalten würde. Ein paar T-Shirts, zwei Shorts, eine Jeans und einige Slips mussten für den Anfang genügen. Bei den Schuhen wählte sie ein Paar Sneakers aus. Zufrieden mit ihrer Auswahl fuhr sie schließlich nach Hause.
Nachdem sie ihr Sportcoupé in der Garage abgestellt hatte, betrat sie ihr zweistöckiges Haus, wo es bereits nach dem Dinner duftete. Ihr Hausdiener Joe hatte das Essen vorbereitet.
Ansonsten lebte noch der 17 jährige Jake bei ihr, den sie ursprünglich wegen Sandro gekauft hatte, damit er sich um dessen Angelegenheiten kümmerte. Nun würde Jake sich eben um Valentin kümmern müssen.
Jake und Sandro waren sehr eng miteinander gewesen und der junge Diener schien den Ausreißer zu vermissen. Daher hoffte Alex, dass er sich auch gut mit Valentin verstehen würde.


Am nächsten Morgen im Zentrum saß Valentin beim Frühstück an einem der langen Tische im Speisesaal. Vor sich ein Tablett mit Brot, magerer Wurst und Joghurt. Außer Kaffee, der nur zum Frühstück ausgeschenkt wurde, gab es noch Tee und Wasser.
Beim Essen unterhielt er sich ein wenig mit seinem Nebenmann über Belangloses. Sie erlebten hier ja kaum etwas.
Jeden zweiten Tag hatten sie Krafttraining, zwischendurch Schwimmen, regelmäßige Termine bei der Kosmetikerin zur Körperhaarentfernung und Pflege. Dazu kamen noch die ungeliebten Liebesdienste.
Während seiner Unterhaltung bemerkte er zwei unbekannte Aufseherinnen hereinstolzieren. Was wollten die hier?
Ein mulmiges Gefühl breitete sich in ihm aus, als sie in seine Richtung steuerten, doch es könnten ja auch die anderen um ihn herum gemeint sein. Zu seinem Entsetzen stoppten sie auf seiner Höhe und eine von ihnen fragte: „Bist du Valentin?“
Nun rutschte ihm das Herz vollends in die Hose, er wandte sich ihr schüchtern zu und nickte nur. Was hatte er angestellt, überlegte er fieberhaft, aber ihm fiel nur eine Sache ein, die Ärger bedeuten konnte. Die außerplanmäßigen Dienste an zwei Aufseherinnen seines Blocks.
Ihr Befehl „Mitkommen!“, ließ ihn zusammenzucken.
Valentin erhob sich zaghaft und ging notgedrungen mit ihnen.
Der Weg führte aus seinem Block heraus und in einen anderen Bereich hinein, den er noch nie zuvor gesehen hatte. Hier befanden sich rechts und links der langen Flure Einzelzellen.
Bekam er jetzt Arrest für seine verbotenen Taten, die er ja nicht freiwillig getan hatte?
Die Ungewissheit verursachte ihm leichte Übelkeit.
Die beiden Wächterinnen führten ihn jedoch weiter, bis sie in einen ansprechenderen Flur, mit einigen Pflanzen und Bildern an den Wänden, kamen. Ihr Weg setzte sich bis vor eine Tür am Ende des Ganges fort, an die eine der Frauen anklopfte.

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beta
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