1. Reichtum und Macht

Ich zog geschmeidig den letzten Liedstrich, eh ich mich zurücklehnte, um mein Werk zu bewundern. Markelos. Zufrieden wendete ich mich den Haaren zu, die ebenfalls mit wenigen Handgriffen gebändigt und in form gebracht waren. Ihr goldbraun glänzte und schimmerte im schummrigen Schein des Lichts. Zwei kurze Handgriffe hatte es gebraucht, um sie in eine einfache Hochsteckfrisur zu verwandeln.
Perfekt, edel und glänzend. Genau, wie ich es haben wollte. So fühlte ich mich wohl.
So konnte ich jeden Tag überleben.
Ich räusperte mich. Der Zeitpunkt war ungünstig, ein zu bedeutender Moment. Ich griff nach dem dunkelroten Lippenstift und trug ihn vorsichtig auf. Der letzte Schliff, bevor es an die Arbeit ging.
Ich stand langsam auf. Das enge schwarze Kleid gab meine Kurven eine elegante Form. Die goldenen Accessoires, wie Kette, Armreif und Ohringe, gaben dem ganzen den letzten Schliff. Dir Kirsche des Outfits, waren die Atemberaubenden Stiletto Heels von Louboutin. Eines meiner liebsten Modelle in Schwarz und Rot. Stilvoll, elegant, schick.
Ich ging ein paar Schritte zurück und betrachtete das Gesamtbild.
Unwiderstehlich.
Ein Grinsen huschte über meine Lippen. Lange hatte ich gebraucht, um hier zu stehen, um all das zu erreichen. Um alles andere hinter mir zu lassen. Ein Schatten legte sich über mich, drückte auf meine Seele, nahm mir die Luft. Ich biss die Zähne zusammen, wie ich es immer tat.
Nicht heute nicht jetzt.
Ich musste arbeiten, musste einen klaren Kopf behalten. Nur so war der Erfolg greifbar.
Dass ich gerade heute, an diesem alljährlichen Tag sentimental wurde, war vorprogrammiert. Eine Pause wäre nicht möglich. Sobald ich durch die Tür trat, musste ich die Frau sein, sie ich eben sein musste.
Ich riss mich zusammen und wendete mich um. Zur Tür die mein Schicksal besiegelte, hinter der alles lag, was ich schon immer wollte. Ihr Holz war mit goldenen Ornamenten verschönert, sodass sie mir auch durch ihre Aufmache zeigte, wie wichtig diese Grenze war.
Langsam trat ich heran. Mein Herz pochte Laut, das ich es fast in den Ohren hörte. An ihr angekommen griff ich nach dem schwungvollen Griff. Die Kälte in ihm zog sich in meine Finger, durch meine Hand und gefühlt bis zu meinem Herzen. Es beruhigte mich. Sodas ich die Augen schloss und tief durchatmen konnte.
Der Abend würde mein goldener Pokal werden, meine Ziellinie, mein Finale. Er bedeutete so viel, das es mir drohte den Atem zu nehmen. Es wäre mein Aufstieg und mein Weg über die Ziellinie.

Die Abendgesellschaft war im vollen Gange. Eine rege Unterhaltung hatte sich eingestellt. Ich begab mich an die Seite meines Mannes. Dieser lauschte gespannt der Unterhaltung.
Ich umschloss seinen Arm und sah zu ihm auf. Auf meinem Gesicht ein leichtes Grinsen. Als er meinen Blick bemerkte, sah er mich mit liebevollen Augen an. Mein Grinsen wurde breiter. Ich erwiderte seine Liebe, so wie ich es vor dem Altar geschworen hatte. Dann lösten sich unsere Blicke und lauschten dem Gerede.
Ich sah mir die anderen Personen im Raum an. Wie wir waren sie alle in Abendkleidung gehüllt. Edel, kostbar und einzigartig. Models, Politiker, Stars und viele mehr.
„Schatz, noch ein Glas Wein?“, raunte mir Charles ins Ohr. Ich sah zuckersüß zu ihm auf.
„Nein danke. Du weißt, wie sentimental ich werde“, flüsterte ich. Er lachte auf. Ich löste meinen Blick erneut und sah voraus zu einer älteren Frau mit prachtvollem Gewand. Bodenlang in Gold und Creme schillerte sie mit Diamanten besetzt. Man konnte sie kaum ansehen, ohne geblendet zu werden. Ihr Alter versuchte sie mit viel Botox unbemerkt zu Kascheiren. Als sie meinen Blick bemerkte, nickte ich ihr zu. Ignorant sah sie fort.
Ich musste ein noch breiteres Grinsen unterdrücken. Je ausgefallener das Auftreten, je mehr Geld besaß man in diesen Kreisen. Bei den Jüngeren Frauen war dies anders. Je kürzer und teurer die Kleidung, so angesehener waren sie. Mit gerade mal sechsundzwanzig war ich wohl schon einer der älteren Eisen. Wenn man, die size Zero Models im Alter von sechzehn bis höchstens dreiundzwanzig im Raum zusammenzählte.
Ich sah wieder auf zu meinem Mann. Ein markantes und attraktives Geschöpf. Mit Blauen Augen und braunem Haar fast ein geborenes Model. Er ging oft ins Fitnessstudio, kümmerte sich gut um Körper uns Seele, trotz seines Zeitaufwendigen Jobs. Weshalb wir schon oft einen langen Urlaub abseits von seinem stressigen Unternehmerleben genommen hatten. Von früh bis spät arbeitete er an seinem Konzern, Zuhause kümmerte er sich dann nur um mich.
Unser Leben war wundervoll, wäre da nicht die Tatsache, dass er ein mieser schmieriger Mistkerl war! Ich hasste ihn mit jeder Faser, jede Berührung, jeden Moment! Trotzdem stand ich da, Leidenschaft im Blick, ein Lächeln auf den Lippen, auf den einzigen Moment wartend.
Wenn ich an den Sex mit dem Kerl dachte, zog sich mein Hals zu und ich hätte würgen müssen. Eine einzige Stellung, immer und immer wieder. Drei Minuten und es war vorbei. Zugegeben drei für mich qualvolle nie endende Minuten! Ich ekelte mich vor ihm, doch es würde sich auszahlen.
Schon bald.
Noch heute.
Mein Pokal.
Das surren eines Handys ertönte. Meine Mundwinkel zuckten unmerklich. Mein Mann nahm es aus der Tasche und sah auf das gläserne Display.
„Entschuldige.“ Ich nickte verständnisvoll und ließ ihn gehen. Er ging zur Tür und nahm ab. Ich beobachtete ihn. Er redete, dann blickte er auf sein Handy. Verwirrt.
Ich musste das höhnische Grinsen unterdrücken, das an meinem Lippen zerrte. Auf der anderen Leitung befand, sich niemand. Mit aller Kraft schaffte ich es, ein nettes liebevolles Lächeln zu spielen.
Mein Stichwort.
Die Ziellinie.
Ich löste mich von meiner Position, begab mich langsam in die entgegengesetzte Richtung von meinem Mann. Ich begab mich gemütlich in Richtung Abort, als hätte ich alle Zeit der Welt. Einige Frauen kamen mir entgegen, denen ich wertschätzend zunickte. Sie taten es mir nach. Im Gang drinnen und einem ungestörten Moment war es so weit. Ich ich verschwand in einem Botengang, den ich nur zu gut kannte.
Stundenlang hatte ich mir den Bauplan des Hauses eingeprägt, stundenlang jede Sekunde geplant. Das Haus meines Mannes. Mein Kerker, bis jetzt.
Glücklicherweise machte es mir das alte Haus sehr einfach einen Weg in die Freiheit zu finden. Mit Botenhängen, versteckten Räumen und tausenden Nischen.
Schnellstens begab ich mich auf den Weg hinaus. Jede Sekunde musste mein Mann von dem Einbruch seiner Finanzen erfahren. Wenn das geschah, durfte ich nicht mehr in seiner Nähe sein.
Ich sah nicht einmal zurück als ich schnellstens durch die Gänge huchte. Trauerte keinen Moment mit diesem Mann hinterher. Im Gegenteil, ein Gefühl von Freiheit und Erleichterung stellte sich ein.
Bei dem Gedanken, wie geübt ich schon bei der Flucht war, musste ich grinsen. Am Hintereingang angekommen, verließ mich die Eile. Ich ging durch den prachtvollen Garten voller Brunnen und blumiger Bäume. Bis zum hinteren Tor. Dort hinaus befand ich mich in einem Waldstück, das ich durchquerte.
Da ich es kaum erwarten konnte, ging ich schnellen Schrittes zum geplanten Treffpunkt. Es dauerte nur wenige Minuten und ich stand an einer verlassenen Straße. Schnellen Schrittes begab ich mich die Straße entlang. Jeder Schritt war durch das Geräusch meiner Heels unterstrichen. Das breite Grinsen konnte ich nicht länger unterdrücken. Ich war am Ziel, hatte es geschafft. So lange hatte ich seine Anwesenheit ertragen, hatte dieses Leben gelebt.
Ich hob den Finger und ein Scheinwerferlicht tauchte hinter mir auf. Das Stichwort meines Chauffeurs.
Mit einem Grinsen empfing ich ein bekanntes Gesicht. Ich sah den augenscheinlich jungen Mann mit Schnauzer und schwarzem Haar an.
„Darf ich bitten?“
„Liebend gern“, antwortete ich und stieg ein. Er fuhr los und lies das alte Haus weit hinter uns. Eine Weile lang sagte ich kein Wort, musste erst den süßen Sieg in vollen Zügen realisieren.
„Das wurde Zeit.“
„Nicht meine Schuld“, verteidigte er sich.
„Ist es geschafft?“ Er nickte freudig. Was in meinem Bauch Schmetterlinge aufsteigen ließ.
„Wie viel?“ Bei den Worten lief mir das Wasser im Mund zusammen.
„Einige Millionen.“ Nun blinzelte ich. Das war nicht richtig ... Er verarschte mich!
„Wie viel!?“, fragte ich erneut nach, noch mit einem Grinsen. Als eine verwirrte Mine mich anstarrte, verlor ich jegliche Fassung.
„Sag, dass das nicht wahr ist!“, fauchte ich. Er sah noch verwirrter als zuvor zu mir herüber. Meine Finger krallten sich in das Leder. Es ächzte unter meiner unsanften Berührung. Der frische Geruch des Autos, ließ mich darauf schließen, dass es geklaut sein musste.
„Was meinst du?“
„Er hat Milliarden. Und wir wollten alles, sag mir nicht das ging in dein Spatzenhirn nicht rein!? Das ist ein Albtraum!“ tosende Wut verengte meine Brust. Wenn ich an all die Konsequenzen dachte ...
Das musste ein Scherz sein. Es konnte einfach nicht anders sein. Aus meinem Bauch schossen die Schmetterlinge hinaus, so das es sich in Messerstiche verwandelte. Wenn er die Wahrheit sagte, waren wir beide nicht mehr lang oberhalb der Erdschicht.
„Es gab Komplikationen. Wir dachten ...“
„Es ist mir egal, was ihr dachtet! Ich habe gesagt nehmt alles! Egal was passiert.“ Ich presste mich in den Sitz. Sofort donnerte mein Kopf. Sie alle waren Stümper! Meine Zähne pressten sich zusammen. Genau das geschah, wenn man nicht auf andere verlassen musste! Ich unterdrückte das Beben in meiner Brust. Ob er sich der Reichweite seines Fehlers bewusst war?
„Ich hätte es alleine tun sollen.“
Mir wurde übel bei dem Wissen, wer dafür den Kopf hinhalten musste.
„Rede kein Unsinn. Das war kein Job, für einen. Wenn ich es dir erklären darf, verstehst du, warum wir so handelten. Entschuldige Adelaide.“
„Damit ist es nicht getan. Es werden Köpfe rollen.“
„Es ist genug für alle.“
„Nicht für ihn.“ Ich sah meinen Fahrer an. Sein Blick sprach von Verwirrung, doch er wusste, was ich meinte, wen ich meinte.
Die goldene Freikarte. Mit einem Mal war sie geschmolzen, wie ein Eis in der Sonne.
Der falsche Bart stand Rick kein Stück, glücklicherweise sah er wenigstens echt aus, was er meiner Erfahrung zu verdanken hatte.
„Was nun?“, fragte er.
„Na was wohl. Wir gehen die Beichte ablegen.“ Ich sah hinaus. Etwas worauf ich nicht die geringste Lust verspürte. So lange hatte ich mich erfolgreich drumdrücken können. Nun würde ich keine Wahl haben, als zu ihm zu gehen. Würde ich es nicht tun, würde er mich holen. Lebendig oder Tod.

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