11. Neue Gefühle

Nach einer kurzen Fahrt trafen er und Vivian endlich bei seinem Zuhause ein.
Alex öffnete freudig die Haustür, nachdem es geklingelt hatte: „Hi, ihr zwei! Kommt rein.“ Sie zeigte ins Innere und meinte zu Vivian: „Geh ruhig schon durch. Rick ist auf der Terrasse.“
Dann wurde Valentin sogleich umarmt und innig geküsst, was er nur zu gern erwiderte und ebenfalls seine Arme um sie schlang.
„Schön, dass du wieder da bist. Ich hab dich vermisst“, flüsterte sie nach den Küssen und er entgegnete: „Ich dich ebenfalls.“ Hatte es ihr mit Rick anscheinend nicht so gefallen.
Alex zeigte nach oben: „Bring deine Sachen gleich hoch. Ich geh zu Vivian.“
Er nickte nur und steig die Treppe empor.
In seinem Zimmer, das er nur benutzte, wenn er sich zurückziehen wollte, öffnete er seinen Schrank, um die nicht getragenen Klamotten einzuräumen und seine Toilettenartikel in seinem kleinen Bad zu verstauen. Dabei fiel ihm auf, dass sein Bett benutzt worden war. Hatte Rick etwa hier geschlafen? Es sah ganz danach aus.
Er selbst schlief bisher fast nie hier, sondern bei Alex. Das freute ihn, dass dies dann nur ihm vorbehalten war. Lächelnd ging er wieder hinunter und begrüßte gelassen den anderen Liebesdiener, der sich auf einem Liegestuhl sonnte.
Rick erwiderte den Gruß genauso gelassen: „Hi, Valentin. Alles klar?“
Der Angesprochene ließ sich auf der Liege nebenan nieder und lachte kurz: „Logisch! Bei dir auch, so wie es aussieht.“
„Ja, ein wenig Sonne würde dir auch nicht schaden“, meinte Rick grinsend. „So blass wie du bist.“
Valentin strich über seinen Arm: „Ein wenig Farbe habe ich inzwischen schon, aber ich bekomme schnell Sonnenbrand.“ Er zuckte die Schultern: „Ich bin eben so.“
Rick schielte zu den Frauen am Tisch: „Und was meinst du jetzt zu Vivian?“
Der Blonde legte ein wenig den Kopf schief und schmunzelte: „Es war schön bei ihr und sie hat mich nicht überfordert.“
„Das kann ich mir denken bei dir. Jetzt kannst du dich wieder bei Alex austoben.“
Valentin amüsierte den unterschwelligen Neid, den er da raus hörte und musste da jetzt noch ein wenig weiter schüren: „Das werde ich ganz bestimmt.“
Der andere verdrehte die Augen: „Angeber!“ Da musste Valentin lachen.

Alex und Vivian unterhielten sich gerade ebenfalls über die Männer.
„Dein Valentin ist wirklich ein toller Kerl. Da hast du echt einen super Diener erwischt. So hübsch, lieb und zärtlich. Da hätte ich nichts gegen eine Wiederholung.“
Alex lachte: „Na, ich weiß noch nicht. Vielleicht! Aber freut mich, dass es gut war.“ Innerlich jedoch machten sie Vivians Bemerkungen ein wenig eifersüchtig. Sie selbst hatte nicht mit Rick geschlafen, weil sie kein Bedürfnis danach gehabt hatte. Sie hatte ihn eben mitgenommen, weil Vivian Valentin gewollt hatte und mehr wie eine Massage war da nicht gelaufen. Seit sie nun einen eigenen Diener hatte, der sie so toll umsorgte, brauchte und wollte sie keine anderen mehr. In Zukunft würde sie ihren Valentin auch nicht mehr ausleihen. Okay, bei Vivian machte sie eventuell eine Ausnahme. Da konnte sie es noch am ehesten akzeptieren. Später musste sie Valentin ein wenig ausfragen. Am meisten interessierte es sie, ob es ihm mit Vivian besser gefallen hatte.
„Dafür, dass er zweite Wahl war“, fügte sie noch hinzu.
Vivian betrachtete ihn, wie er auf der Liege lag und mit Rick scherzte: „Echt? Warum? Er ist doch schön. Na gut, nicht so muskulös, aber sonst bildhübsch.“
Alex antwortete: „Er ist eben nicht so groß und nicht so männlich. Ja, und anscheinend war er nicht so potent. Bei diesen Tests.“
Vivian nickte: „Ja, das hat Rick mal erzählt. Verständlich, wenn er da nicht so gut war.“
Alex lachte: „Absolut! Ich kann mich deswegen überhaupt nicht beklagen.“
Ihr Gegenüber schüttelte nur grinsend den Kopf. Da fuhr Alex fort: „Ach, das habe ich dir noch gar nicht erzählt. Stell dir vor, nach der Gartenparty rief mich gleich am nächsten Tag Susan an. Und dann fragt sie mich, ob Valentin ihrer Tochter die Unschuld nehmen könnte, weil er Sandy so gut gefallen hätte.“
Ihre Freundin hakte nach: „Und, wie stehst du dazu?“
Alex verzog unwillig das Gesicht und schüttelte den Kopf: „Ich hab sie zwar vertröstet, aber das möchte ich Valentin nicht zumuten. Du kennst doch die Geschichte mit diesem Marcel. Da hieß es erst, dass er angeblich zu grob war und das Mädchen verletzt hat, bis die Ärztin Entwarnung gegeben hatte. Aber trotzdem, will ihn keine mehr haben. Diesen Makel wird er nicht mehr los. Und wenn die Mutter ihn angezeigt hätte, dann wäre er vielleicht noch zur Strafe kastriert worden. So was soll Valentin auf keinen Fall passieren. Da kann so viel schief gehen. Und überhaupt will ich ihn nicht zu anderen lassen. Bei dir mache ich eventuell eine Ausnahme.“ Sie hob den Zeigefinger: „Betonung auf „eventuell“ und eher selten.“
Vivian hörte das zwar nicht so gern, aber lächelte: „Okay, damit kann ich leben. Ich verstehe dich da vollkommen. Mit Rick ergeht es mir ja ähnlich. Zu dir okay, aber zu Christine nicht mehr, oder sonst zu jemanden.“


Am Abend sahen Alex und Valentin zusammen fern. Sie lag zwischen seinen Beinen auf der großen Sofaecke und lehnte ihren Oberkörper an seinen. Ihre Hände spielten mit seinen schlanken Fingern und sie wusste nicht so recht, wie sie ihn über die Zeit bei Vivian ausfragen sollte. Anscheinend war etwas gelaufen, wenn ihre Freundin so zufrieden mit Valentin gewesen war und ihn noch öfter wollte. Sie hob seine zarte Hand an ihre Lippen und drückte einen Kuss auf seinen Handrücken. Seine Haut roch noch nach Sonnencreme und seinem Sonnenbad von heute Nachmittag. Seine Arme waren davon leicht gerötet und sein Körper strahlte eine ziemliche Hitze aus: „Hast du dich nicht gut genug eingecremt?“
„Doch, aber ich war zu lange in der Sonne. Meine Haut ist einfach zu empfindlich“, entgegnete er.
Alex küsste sein Handgelenk: „Wie war es eigentlich für dich bei Vivian?“
Valentin antwortete: „Ganz okay. Sie war nett zu mir. Du hattest recht damit, dass sie lieb ist.“ Aber bei dir bin ich lieber, fügte er in Gedanken hinzu.
„Gut. Sie war sehr zufrieden mit dir. Aber ich habe dich lieber bei mir.“ Alex verschränkte ihre Finger mit seinen: „Ich möchte dich für mich ganz allein, auch wenn die anderen das wahrscheinlich nicht verstehen werden. Vivian ergeht es zumindest mit Rick auch so. Aber sie traut sich nicht so recht, abzulehnen. Da habe ich weniger Hemmungen.“ Sie setzte sich auf und wandte sich zu ihm um: „Sollen sie sich doch die Mäuler zerreißen.“ Ihre Finger strichen über seine Wange.
Valentin freuten diese Aussichten, dass er nur noch für Alex da sein sollte. Das war ja ebenfalls sein Wunsch. Nur wusste er nicht so recht, wie er das ausdrücken sollte und ob er ihr das überhaupt sagen sollte. Ihm stand das ja normalerweise nicht zu. Er ergriff ihre Finger, die noch an seiner Wange lagen, lächelte und erwiderte: „Ich bin vollkommen glücklich bei dir und tue alles was du willst.“
Alex küsste ihn zufrieden: „Also bist du lieber bei mir, als bei anderen?“
Valentin hauchte: „Ja, viel lieber.“
Das veranlasste seine Herrin zu einem leidenschaftlicheren Kuss, was ein Kribbeln in ihm auslöste. Doch sie besann sich wieder, wandte sich dem Fernseher zu und kuschelte sich abermals an seine Brust.
Valentin hielt sie umschlungen, lächelte glücklich und genoss es, wie sie sich an ihn schmiegte. Er war so erleichtert, dass Alex ihn nicht mehr zu anderen Damen schicken würde. Bis auf Vivian, aber das konnte er verschmerzen. Seine Herrin mochte ihn anscheinend, oder wollte sie ihn einfach nur nicht teilen?
Valentin hatte bemerkt, dass sie ihn begehrte, ihn schön und gut im Bett fand. Aber das tat Vivian auch. Hatte Alex ihn gern, oder nicht?
Das konnte er noch nicht beurteilen, nur dass er sie gern hatte. Das wusste er ganz sicher! Sie war die erste Frau, der er vollkommen vertraute, er fand sie begehrenswert, attraktiv, lieb und fühlte sich bei ihr geborgen. Mit einem zufriedenen Lächeln streckte er seine Beine neben ihr aus.
„Gefallen dir deine langen Haare eigentlich?“, fragte Alex und drehte eine hellblonde Strähne zwischen ihren Fingern.
Valentin nahm ebenfalls eine Strähne seines Haares zwischen die Finger und betrachtete sie: „Ja schon. Ich bin es nicht anders gewohnt. Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich immer lange Haare. Erst im Zentrum war ich damit eine Ausnahme.“
„Also, bereits als kleiner Junge“, stellte Alex fest.
Ihr Diener nickte: „Meiner Mutter gefiel es anscheinend und so hielten mich andere oft für ein Mädchen.“
Alex konnte sich den Grund schon denken. Mütter von Söhnen wurden oft schief angesehen und eher gemieden. Sie konnte sich sehr gut vorstellen, dass man es Valentin früher kaum angesehen hatte, welchem Geschlecht er wirklich angehörte. Wahrscheinlich gar nicht, wenn er angezogen war. Klamotten für Jungs gab es gar nicht, da sie in den Heimen und später im Zentrum nur Anstaltskleidung trugen. Erst für Männer wurde dann entsprechende Kleidung angeboten.
„Was weißt du noch von ihr?“
„Kaum etwas. Ich weiß noch, dass ich im Heim anfangs viel geweint habe. Ich wusste nicht, wohin mich diese zwei Damen, die mich abholten, bringen würden und dass ich nie wieder nach Hause zurückkehren würde.“
Sie küsste ihn auf den Handrücken: „Mein armes Baby.“ Es tat ihr weh, dass er in seinem Leben schon einiges hat erdulden müssen. In seiner Kindheit der Mutter entrissen und im Zentrum musste auch manches vorgefallen sein. So wie er sich anfangs immer verkrampft hatte, oder zusammengezuckt war, als er einmal das Frühstück auf den Teppich gekippt hatte. Und dieser Blick. Das war ihr durch Mark und Bein gegangen. Narben hatte er zwar keine, aber bestimmt war er öfter bestraft worden. Blaue Flecken vergingen ja wieder. Wahrscheinlich war es besser, sie wusste nichts Genaues über diese Dinge, sonst würde sie die Übeltäterinnen am liebsten erwürgen. Auf jeden Fall würde sie sehr wütend werden.
Valentin erzählte weiter: „Dass ich wie ein Mädchen aussah, machte mich, glaube ich, bei den Erzieherinnen beliebter. Da war es von Vorteil. Erst als ich dann für den Liebesdienst ausgewählt wurde, waren eher männliche Merkmale gefragt. Ich war als 16-jähriger eher zierlich und das Krafttraining fruchtete nicht so, wie bei anderen. Da fühlte ich mich dann unterlegen. Auch jetzt sehe ich den Unterschied zu den anderen. Zum Beispiel gegenüber Rick.“
Sie strich über seinen Arm „Dein Körper ist eben ein wenig schmaler. Das macht doch nichts. Für mich bist du attraktiv. Du brauchst dich gewiss nicht zu verstecken. Du hast tolle Augen, außergewöhnliche Haare, makellose Haut, kaum Körperbehaarung und bist genau der Richtige für mich.“
Sie lehnte immer noch an seiner Brust, er spürte ihre Atemzüge, die ihn irgendwie beruhigten und lächelte über dieses riesige Kompliment. Das gab seinem angeknacksten Selbstbewusstsein wieder einen Schub: „Du bist für mich auch die beste Herrin, die man sich wünschen kann. Ich bin sehr gern bei dir.“
Das wiederum machte Alex sehr glücklich. Bestimmt war es Schicksal, dass sie ihn ausgesucht hatte und die Mitarbeiterin in der Vermittlung, sie auf die 2. Wahl-Männer hingewiesen hatte. Und im Nachhinein musste sie froh sein, dass Sandro abgehauen war. Mit ihm wäre es niemals so geworden, wie mit Valentin. Ihr süßer Engel! Ja, so sah er wirklich aus, so unschuldig.
Für viele Frauen, vor allem diejenigen, die nur Kastraten kannten, waren normale Männer nicht viel besser als Tiere. Triebgesteuert, ohne Gefühle und verstünden nur die Sprache des Stärkeren. Um sich bei ihnen Respekt zu verschaffen, musste man sie körperlich strafen, sonst hatte man als Frau verloren und könnte schnell zum Opfer werden.
Alex wusste, dass diese ganzen Vorurteile nicht stimmten, weil sie Liebesdiener schon gekannt hatte. Ihre Mutter hatte zwar keinen besessen, aber sie hatte es in ihrem späteren Freundeskreis erlebt. Da hatte sie auf einer Party auch mal ihre Unschuld verloren. Das war nicht arrangiert gewesen, wie es manche Mütter für ihre Töchter heutzutage machten. Eher spontan, weil sie damals eh mit dem Kerl rumgemacht hatte und auch wissen wollte, wie sich das anfühlte. Na ja, ordentlich geziept hatte es schon, aber war trotzdem ganz gut gewesen.
„Wie hieß denn deine Mutter mit Vornamen?“
Valentin überlegte: „Hm, Nadja. So wie ich mich erinnere.“
In Alex reifte jetzt ein Gedanke heran. Sie wollte Valentins Mutter finden. Vielleicht gelang es ihr, auch wenn sie bis jetzt nur den Namen kannte: Nadja Bates.



Auf der Heimfahrt von der Arbeit hing Alex ihren Gedanken nach. Sie hatte im Telefonverzeichnis eine Handvoll Nadja Bates gefunden, denn sie wusste ja nicht, wie sich Valentins Mutter schrieb. Mit j oder mit i oder mit y. Da gab es leider einige verschiedene Schreibweisen und so war sie in der großen Stadt auf mehrere Frauen mit diesem Namen gestoßen. Wie sollte sie nun weiter vorgehen? Jede anrufen?
Das war wohl die einzige Möglichkeit, um die Richtige ausfindig zu machen. Aber wohnte sie überhaupt in Orlando? Valentin war ein kleiner Junge gewesen und wusste nicht, wie lange er im Auto gesessen hatte, bis zu diesem Heim. Mit seinem Kauf hatte Alex vom Zentrum eine Art Lebenslauf erhalten, aber der enthielt nichts von der Zeit bei seiner Mutter. Da begannen die Angaben erst ab dem Heim und das lag zumindest im Stadtgebiet. Daher war es nahe liegend, dass sie in der Gegend lebte. Zumindest damals. Vielleicht war sie weggezogen.
Seufzend parkte Alex in ihrer Garage und betrat dann das Haus. Ein leckerer Essensgeruch schlug ihr entgegen und während sie aus ihren Pumps schlüpfte, kam Valentin lächelnd auf sie zu: „Essen ist fertig.“ Er küsste sie zärtlich und sie erwiderte den Kuss nur zu gern.
„Super. Ich hab auch einen Bärenhunger.“
Valentin ging vor raus: „Setz dich ruhig schon hin. Ich bringe es gleich.“
Alex entspannte sich mit jeder Minute mehr, wenn sie jeden Abend so fürsorglich empfangen wurde. Er war einfach ihr Sonnenschein!
Wenn einen so ein hübscher Kerl mit seinem süßen Lächeln an der Tür erwartete und einen so begrüßte, dann musste der Stress einfach abfallen.
Alex setzte sich an den gedeckten Tisch im Esszimmer und Valentin brachte kurz darauf schon die gefüllten Teller herein.

Beim Essen fragte sie: „Und, was hast du so gemacht?“
Er entgegnete: „Ich hab ein wenig mit Jake gezockt. Bald schlage ich ihn.“
Alex musste grinsen und war froh, dass ihm anscheinend nicht zu langweilig war: „Bestimmt. Du bekommst ja immer mehr Übung.“
„Ja, und ich war am Pool, dann ein wenig in der Sonne. So das Übliche!“
Nach einigen weiteren Bissen fragte er: „Kann ich mit Joe das nächste Mal zum Einkaufen?“
Sie schmunzelte belustigt: „Klar, das weißt du doch. Du brauchst mich nicht immer zu fragen. Solange ihr nicht zu viel ausgebt. Joe kennt ja das Limit.“
Valentin nickte: „Okay.“ Dann legte er ein wenig den Kopf schief und musterte sie: „Du siehst müde aus.“
Alex seufzte: „Ja, heute war es stressig. Machen wir uns einen gemütlichen Abend.“
Er lächelte: „Gut. Soll ich dich massieren?“
Sie lachte: „Was für eine Frage, Babe? Du weißt doch, wie gern ich das habe. Das könntest du stundenlang tun.“
Solange Valentin das Geschirr in die Spülmaschine räumte und den Tisch abwischte, ging Alex nach oben, um sich umzuziehen.
In einem Top und Shorts machte sie es sich dann auf der großen Couch bequem und erwartete ihren Diener für die Massage.
„Mr. Bates, deine Kundin ist eingetroffen!“, rief sie scherzhaft in Richtung Küche. Kurz darauf erschien er grinsend an der Tür: „Ich komme schon, Madam. Was kann ich heute für Sie tun?“
Alex bewegte ihre Schultern: „Mein Schultern, bitte.“ Und legte sich schon einmal auf den Bauch.

Später fiel Alex beim Blick auf den Kalender, der in der Küche hing, siedend heiß der Arzttermin von Valentin ein. Als sie ihn im Zentrum ausgewählt hatte, hatte sie danach gleich einen Termin für seine Sterilisation vereinbart und nun wäre das bereits in ein paar Tagen. Die Zeit verging so schnell. Die Frau in der Vermittlung hatte sie noch gefragt, ob sie ihn bereits sterilisiert bekommen möchte, aber Alex wollte sich lieber selbst eine Ärztin dafür aussuchen. Wer wusste schon, wie die im Zentrum es machten. Durch ihren Bekanntenkreis hatte sie dann einige Empfehlungen bekommen und ihn dort angemeldet, wo ein relativ naher Termin frei gewesen war. Nun musste sie ihn noch darauf vorbereiten, denn sie wollte ihn nicht mehr vor vollendete Tatsachen stellen. Er vertraute ihr und sie wollte ihn nicht ins kalte Wasser werfen und einfach dorthin schicken.
Irgendwie hatte sie ein bisschen Bammel ihm das zu sagen. Würde er wieder so verschreckt reagieren? Jedenfalls würde sie dann keine Verhütung mehr brauchen, was normalerweise jede Besitzerin eines Liebesdieners anstrebte. Darum wurden die Männer schließlich sterilisiert. Falls sie später dann ein Kind von Valentin haben wollte, konnte sie sich immer noch mit seinem eingelagerten Sperma befruchten lassen.
Die Spermaproben, die die Liebesdiener in den jeweiligen Zentren abliefern mussten, wurden unter deren Namen in Samenbanken angelegt. Darauf konnten die späteren Besitzerinnen dann zurückgreifen.
Ihr Hausgenosse räumte gerade noch die fertige Spülmaschine aus und Alex verkündete: „Nächste Woche hast du einen Arzttermin.“ Als Valentin zu ihr rüber sah, zeigte sie auf das Datum: „Hier.“
Sein Blick verriet Unsicherheit: „Warum muss ich zum Arzt?“

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beta
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