12. Verbrennende Hoffnungen

Tchaveskov Ascarna, war sie eine Tyrannin oder eine gute Königin? Wir stellen uns viele Fragen über die berühmteste Königin der Sphinxe, doch werden wir die Antworten nie erfahren. Sicher ist nur, dass die Macht Ikantjeys auf ihrem Werk aufbaut und es diese Macht ist, der wir uns stellen müssen.

Aus einer Schrift von König Hikjaar, dem Vogelsteller, über die Sphinxe.

 

 

 Kilchre beugte sich über ihre Bücher und fuhr mit ihrem Finger über Karten. Die Hersora befeuchtete ihre Lippen mit der Zunge, während sie über die bestmögliche Reiseroute nachdachte.

Elam war weit und Telach noch mehr, auf der anderen Seite Anthars. Hersor waren in Artherg nicht gesehen, von Sphinxen gar nicht erst zu sprechen. Kilchre stellte die Dringlichkeit ihrer Reise nicht in Frage, doch würde es gefährlich werden. Einen Großteil der Gefahr könnten sie entgehen, wenn sie den Weg südlich durch Ikantjey wählen würden, aber war der Löwe oder der Bär gefährlicher? Dann blieb noch die ganz nördliche Route, zuerst durch die unbewohnten Gebiete nördlich des Weststroms, die Eiswüsten, dann durch Oleon und Morliv und die Zwergenkönigreiche, in denen immer irgendein Krieg herrschte, um dann wieder ganz Artherg zu durchqueren, um nach Telach zu gelangen. Diesen Pfad hatte Kilchre sogleich verworfen, ebenso wie den Weg durch Ikantjey. Sie huschte lieber unter den Augen des Bären hinweg, als sich in die Reichweite des Löwen zu begeben. Immerhin herrschte in den Zwillingsreichen kein Krieg und zwischen Varyny und ihrem Nachbarstaat bestand ein recht gutes Verhältnis.

Ihre Finger fuhren über die Karte und die feinen Tintenstriche und schließlich hatte sie ihre und die Route Hadassas beschlossen. Über den Weststrom durch die Sonnensteppen über den Oststrom nach Artherg, durch die Alak-Wälder dann südlich am Alak-See vorbei, um daraufhin seinem Wasser nach Norden zu folgen, bis sie Elam erreichten. Diese Stadt würde ohne Zweifel gefährlich werden, doch brannte Kilchre darauf, dass Buch über Königin Ascarna in die Hände zu bekommen. Sie war eine der Personen, über die es viele Bücher gab, welche aber schon lange vernichtet und verschollen waren, oder erst Jahrtausende später geschrieben worden waren. Sie war eine großartige Königin gewesen und eine noch bessere Heerführerin, die das Land Ikantjey verdreifacht hatte und die Macht der Sphinxe in einen Höhepunkt geleitet hatte. Über die Kriege, die sie gegen die sphinxischen Länder Serequeor, Jazrev und Dirolmb, sowie gegen Ciyen geführt hatte, waren sich die Autoren relativ einig. Doch hatte es in den Jahren 1697-1701 nach sphinxischer Rechnung einen weiteren Krieg gegeben, über den Legenden und Mythen existierten wie kein anderer. Die erste Unstimmigkeit war, dass man nicht mehr wusste gegen wen jener Krieg geführt worden war. Einige meinten die Elben, die meisten ein anderes sphinxisches Volk oder das der Jorohne. Relativ sicher war man sich darüber gewesen, dass Ascarna am Anfang verloren hatte, doch konnte man sich ihren letztendlichen Sieg nicht erklären. Es gab einige Andeutungen, doch gedachte Kilchre die Wahrheit über das herauszufinden, was damals geschehen war und damit auch das was heute geschah.

Kilchre glaubte Hadassa. Warum sollte sie lügen? Außerdem hielt sie die Sphinx nicht für kreativ genug, um sich so etwas auszudenken und zum anderen passte alles zusammen. Alles passte zusammen, nun galt es nur noch die einzelnen Teile zusammenzusetzen, damit sich ein fertiges Bild ergab.

„Alechos?". Sie sprang auf und lief zur Tür. Ein Laut, dessen war sie sich gewiss. Da waren leise Stimmen gewesen, die ihr unbekannt waren. Ihr Mann und ihr Sohn müssten zwar bald aus Selies zurückkehren, doch waren es nicht ihre Stimmen gewesen. Und es geschah selten, dass sich jemand in die Ilos-Sümpfe verirrte. Zu unwirtlich waren diese Gegenden und kaum Pfade führten durch die Sümpfe hindurch.

Als sie die Tür schon aufreißen wollte, griff sie noch nach einem Speer, den Alechos neben der Tür hingestellt hatte. Das Holz verlieh ihr einen Hauch von Sicherheit und ihr Atem beruhigte sich.

Doch bevor sie selbst die Tür öffnen konnte, warf sich jemand oder etwas dagegen. Das Gewicht, das hinter dem Holz lauerte, versperrte ihr den Weg und so sehr sie sich auch dagegen warf, verhalf es doch nicht. Über ihr knackte etwas und Kilchre sah nach oben. Helle Flammen krochen durch das Dach des Hauses, zögernd noch, doch dann immer schneller, fraßen sie sch voran.

Immer wieder warf sich Kilchre verzweifelt gegen die Tür, während die Flammen immer höher und höher schlugen. Die Betten entflammten und die ersten Bücher wurden von der tobenden Gefahr ergriffen. Die Hersora griff nach ihnen, zog sie fort und sammelte die kostbarsten Werke auf ihrem Arm. Diese Bücher waren ihr Schatz – sie durften auf keinen Fall verloren gehen.

Die Luft barst schier vor Hitze und die Flammen waren überall. Sie krochen wie hungrige Schlangen über den Tisch, erfassten die Bücher, die doch da lagen und mit einem sterbenden Herz musste Kilchre beobachten wie ihr Schatz dem Feuer zum Opfer fiel. Balken stürzten zu Boden, Asche stob auf und legte sich ein düsterer Vorbote über den Sumpf. Die Kälte der Nacht drang in den Raum, wurde von der Hitze der Flammen jedoch schnell verjagt. Flammen küssten nun auch die Hersora, zogen sich wie kostbares Garn über ihre Kleidung und entflammten sie schließlich. Der Kuss war leidenschaftlich und wild, er nahm Kilchre gefangen und ließ sie nicht mehr los.

Wie eine Königin stand sie aufgerichtet im Raum, während die Flammen sie umfassten, umgaben und sie schließlich zu sich in ihr Reich zogen. Zuletzt erreichten die Flammen auch das Wappen Varynys, rissen es zu Boden und berührten die ausgebreiteten Schwingen des Adlers. Doch am Ende triumphierte das Feuer über den Adler.

 

 

 

Fünf Tage dauerten die Feierlichkeiten in den Hallen von Zwillingsstadt. Es wurde getanzt, gesungen und das herbe Bier floss in Strömen. Nach einer Zeit gewöhnte man sich sogar an den Geschmack, empfand Alsra.

Ihr Vater saß neben ihr und seine Hand berührte die ihre, doch unterhielt er sich mit Eliesers ältesten Bruder Rivadier und blickte sie nicht an. Ihr Verlobter und zukünftiger Gemahl dagegen hatte einen leeren Platz neben ihr hinterlassen und tanzte einen dieser wilden Tänze, die typisch für dieses Volk waren. Es war eine Mischung aus Tanz und Schauspiel, doch schien jeder seine Rolle selbst zu wählen und es gab keinerlei Absprache. Sie trugen Masken über dem Gesicht. Es gab einen Bären, einen König, einen Krieger und weitere Persönlichkeiten, die umeinander schlichen, sich gegenseitig angriffen und ein Spiel spielten, dessen Regeln sie alleine verstanden. Einige, die das Schauspiel betrachteten, lachten auf einmal auf, doch konnte Alsra den Grund dafür nicht erkennen.

Sie erblickte jemanden, der ebenso einsam dastand wie sie selbst. Sie winkte ihn zu sich und Heled setzte sich auf Eliesers leeren Stuhl.

„Meine Dame.". Er neigte den Kopf. „Meinen Glückwunsch zu Eurer Vermählung.".

Sie lächelte. „Ich bin nun eine Tochter der Zwillingsreiche, Ihr dürft mich duzen.".

Er nahm ihre Worte schweigend zur Kenntnis, dann meinte er: „Wenn es sich mit Eu...deinen Interessen übereinstimmt, würde ich dir gerne fünfzig Mann meines Schwadrons überlassen.".

Alsra runzelte die Stirn. „Ihr habt Eure Pflicht erfüllt, Rittmeister. Ihr habt mich und meinen Vater sicher hierhin geleitet und ich werde von den Wachen meiner Schwiegereltern ausreichend geschützt.".

„Deine Sicherheit ist vom nationalen Interesse und ich sehe es ebenso als meine Pflicht an, auch in Zukunft für deine Sicherheit zu sorgen, zumindest für die ersten Jahre.".

„Ich verstehe Eure Sorge, Heled. Doch könnt Ihr mir sagen, ob sie weniger vertrauenswürdiger sind, als die Männer meines Ehemannes?", fragte Alsra.

„Herrin. Du magst eine Prinzessin der Zwillingsreiche sein und deshalb ist es recht, wenn du von den Wachen deines Gatten und seiner Familie geschützt wirst. Doch zugleich seid Ihr auch die Erbin des Herzogtums von Scheeru und deshalb sollten ebenso Männer auf Euch Acht geben, die dem Bären und nicht den Zwillingsthronen dienen.".

„Dienen sie denn dem Bären? Oder dem Ruhm und dem Reichtum?".

„Sie haben ihre Eide auf den gekrönten Schwarzbären von Artherg und den Schimmel von Scheeru geschworen und diesen Eid werden sie auch halten. Ich kenne meine Männer, Herrin. Sie dienen Euch, der Erbin ihres Herzogs.".

Belustigt aufgrund seiner Bemühungen sah sie ihn an. „Und dient auch Ihr dem Bären und dem Schimmel?".

„Herrin. Ich diene dem Bären und dem Schimmel, seitdem ich dem Heer beigetreten bin und ich gedenke nicht meinen Eid für Geld oder Ruhm zu brechen.".

Es war die Wahrheit, die Heled sprach. Er diente dem Bären und dem Schimmel, doch in seinen Träumen wichen schwarzes und weißes Fell dem leuchtenden Rot des Fuchses. Auf hellgrünem Grund lief er dahin, durch einen Fluss von den mächtigen Bergen getrennt. Doch des Morgens erhob sich der Bär über den Fuchs und dieser konnte allein im Geheimen weiter hoffen.

„Also gut.". Alsra stimmte zu. Es würde sicherlich helfen, Menschen aus ihrer Heimat um sich zu haben und mehr Wachen konnten nicht schaden. „Wem gedenkt Ihr den Befehl zu geben?".

„Assur.", entgegnete der Rittmeister, „Er ist ein guter Mann.".

„Da mögt Ihr Recht haben.", antwortete die Prinzessin. Und gab es ihrer Meinung auch nichts, was sie gegen Heleds Wahl einwenden konnten. Assur war ein guter und zuverlässiger Mann, den Alsra zu schätzen gelernt hatte.

Sie blickte auf, sah über den Tisch mit den vielen Speisen, die so unterschiedlich von denen ihrer Heimat waren. Es gab Getreidebrei mit Honig und Nüssen, auf dem Feuer geröstetes Brot, Quakspeisen, einen herben Käse und dicke Fleischscheiben, von denen das Fett tropfte, sowie Fisch. Es waren einfachere Speisen und anstatt von Wein und Met gab es dieses dickflüssige Bier, das ihr neues Volk liebte. Doch gab es auch Zeichen, dass hier eine Tochter Arthergs einem Manne übergeben wurde. In Alsras Haar waren Muscheln aus dem Adlai geflochten wie es Brauch in Scheeru war, ihre Hände waren von einer dünnen Schicht Wachs überzogen und tranken sie und Elieser neben dem Bier auch ihren Jungfrauenwein.

Als sie Elieser den Brauch erklärt hatte, bei dem bei der Geburt einer Tochter Arthergs eine Flasche von frisch gekeltertem Wein vergraben wurde, um sie dann auf der Hochzeit eben dieser Tochter zu öffnen und mit dem Bräutigam zu trinken, hatte er gelacht und gefragt: „Und was erhält ein Mann, wenn er den Bund der Ehe eingeht?“.

„Ein adeliger Mann heiratet mit einundzwanzig Jahren, an dem Tag, an welchem er auch den Ritterschlag erhält. Der älteste Sohn erhält das Familienschwert, das er nun tragen darf, der Zweite eine Hellebarde, der Dritte einen Speer, der Vierte einen Schild und der Fünfte einen Bogen.“.

„Und wenn es einen sechsten Sohn gibt?“, hatte ihr Mann amüsiert gefragt.

„Er erhält jeweils einen Kuss von seiner Mutter und von seinen Schwestern.“, hatte sie todernst geantwortet.

Sie erhaschte einen Blick auf ihren Gatten, der ihr zuwinkte und stand auf.

„Erlaubt Ihr mir eine letzte Frage, meine Dame?", fragte Heled und als sie nickte, fuhr er fort: „Seid Ihr glücklich?".

Alsra sah zu Elieser, der bei den Tanzenden auf sie wartete, sie betrachtete Yra, die unter den Tisch lag, ihren Vater und ihre neuen Eltern und Geschwister.

„Ja.", antwortete sie. Und das war sie, ein Lächeln strich über ihr Gesicht, als sie zu ihrem Ehemann ging. Die Muster einer Prinzessin schmückten ihre Hand und ihren Arm und glücklich schritt sie dahin. Die Prinzessin von den Zwillingsreichen und die Erbin von Scheeru.

 

 

 

Sie verließen die Stadt des Königs am sechsten Tag nach ihrer Ankunft. Es war ein schöner Tag. Über ihnen hing ein klarer, blauer Himmel und die strahlende Frühjahrssonne tauchte die Stadt in ein warmes Licht. Der Wind riss an den Mänteln und zerzauste das Fell der Pferde, die ungeduldig schnaubten.
Alsra stand neben ihrem Mann auf der Treppe. Sie hatte das Kleid einer Prinzessin Arthergs abgelegt und trug eines der dicken, einfachen Wollkleider aus braunem Stoff. Ihr Haar war zu zwei Zöpfen geflochten und nicht zu kunstvollen Frisuren der Adeligen Arthergs hochgebunden. Sie lächelte schwach, doch war offensichtlich, dass der Abschied ihr schwer fiel. Ihr Vater stand vor ihr und unterhielt sich leise mit ihr und ihrem Mann, während Heled bei den Pferden wartete. Seine Männer hatten sich schon von Alsra verabschiedet und diejenigen, die hier bleiben würden von Heled. Es waren gute Männer, jeder sorgfältig ausgewählt, um Havinons Tochter zu beschützen.
Es würde lange dauern, bis Vater und Tochter sich Wiedersehen würden. Eineinhalb Monate hatten sie alleine für den Hinweg benötigt und von Telach dauerte der Weg noch einmal mehrere Wochen länger. Zeit, die ein Herzog nicht leicht erübrigen konnte. Wahrscheinlich würden sie sich wieder sehen, wenn Alsra ihren ersten Sohn geboren hatte und damit die Erbfolge Scheerus gesichert war.
Malèhlti schnaubte und schnappte nach einer vorwitzigen Fliege. Heled tätschelte sie nachdenklich, während er darauf wartete, dass sie aufbrechen konnten.
Sie würden einen anderen Weg einschlagen, nördlich des Wintergebirges anstatt südlich. Die Gegend am Goldenen Fluss war dichtbesiedelt aufgrund der Fruchtbarkeit der Böden und sie würden den Oststrom an einer anderen Stelle überqueren, um so die Gefahr eines Überfalles zu vermindern.
Endlich umarmte Havinon seine Tochter ein letztes Mal, trat die Treppe hinab und stieg auf sein Pferd. Ein weiterer Vorteil war, dass sie die Kutsche zurücklassen würden, die sie verlangsamt hatte und ihnen viele Wege verwehrt hatte. Alsras Zofe blieb natürlich da, während der Kutscher mit ihnen zurückkam.
Heled hob die Hand zum Abschiedsgruß und sein Blick begegnete dem Assurs. Der Oleoner deutete ein Nicken an und Heled war froh, dass es dieser Mann war, der für Alsras Sicherheit sorgen würde.
Dann klapperten die Pferdehufe über die Holzbohlen der Brücke und der Königspalast verschwand hinter ihnen. Die knapp einhundert Reiter wurden begafft und neugierig gemustert, genau wie bei ihrer Ankunft. Die Menschen wollten den Vater ihrer neuen Prinzessin  prüfen und einfach nur Artherger sehen, deren Heer sie wie kein anderes fürchteten.

Einige hielten mit stolzer und unbeugsamer Miene die Zwillingsthrone hoch oder schmückten mit ihnen ihre Häuser. Kinder klammerten sich an ihre Mutter und musterten verängstigt die fremden Reiter. In einigen Augen leuchtete offen Hass, in weiteren Hoffnung, in anderen Angst. Die Frage war nur, wer am Ende Recht behalten würde. Entweder bot das Heiratsbündnis den Zwillingsreichen Schutz vor dem Artherger Machtstreben oder es würde sie hinab in den Tod stürzen.

Heled hoffte, dass die Menschen Schutz finden würden und den Frieden, auf den sie so verzweifelt bedacht waren. Er mochte dieses Volk, ihren Lebenswillen und ihre Freundlichkeit. Doch waren die Bewohner Oleons und Servinas ebenfalls friedlich gewesen, geschützt hatte sie es nicht. Sie waren beide gefallen und nun unter arthergischer Besatzung.

Heled trieb seine Fuchsstute an und ließ sie durch die Tore traben. Sie ließen die Stadt eilig hinter sich und folgten dem Goldenen Fluss nach Osten. Immer wieder stießen sie auf Besiedlungen und Schafherden. Kleine Dörfer erhoben sich am Fluss, umgeben von fruchtbaren Feldern, von denen der Schnee jetzt vollkommen verschwunden war. An einigen Stellen fand man alte Befestigungen aus der Zeit, wo der Goldene Fluss noch die Grenze zwischen den Reichen Riphor und Anthilan bildete. Nun weideten zwischen den von Gras überwucherten Mauern Schafe und Ziegen. Die Hütehunde kläfften sobald sie der Pferde gewahr wurden, doch ritt das Schwadron an ihnen vorbei.

Je weiter sie nach Osten kamen, desto schneller und reißender wurde der Fluss und desto näher rückte das Wintergebirge. Havinon wollte zuerst nach Mearis zurück, um danach mit Heled weiter nach Varyny zu ziehen. Der Rittmeister freute sich schon auf die Reise, auf das Eintauchen in die Geheimnisse und das Zusammensein mit dem Herzog. Allzu oft würde sich die Chance für einen einfachen Soldaten nicht bieten, Seite an Seite mit einem Herzog und Kurfürsten des Reiches zu reiten.

Havinon litt. Er verdeckte es gut, doch für jemanden, der gelernt hatte Menschen zu lesen, war es einfach zu erkennen. Es war eine bedeutende Entscheidung gewesen, die Havinon getan hatte, als er Alsra an einen Prinzen der Zwillingsreiche gegeben hatte. Die Bande zwischen den beiden Ländern waren neu geknüpft worden und die Zwillingsreiche standen jetzt mehr auf einer Ebene mit Artherg als zuvor.

„Habt Ihr Kinder?“, fragte Havinon leise an einem Nachmittag, als sie im Regen dahin ritten und sich der Boden unter den Pferdehufen von den sanften Flusswiesen zu Felsgestein verwandelt hatte. Tannen krallten sich über ihnen mit ihren Wurzeln in die wenige Erde auf dem Felsgestein und umgaben das Grau wie Spinnennetze.

„Nein, mein Herr.“. Heled hatte keine Kinder gehabt und Hiskijar hatte seinen Sohn an den Krieg und seine Tochter, Weib und mit ihr auch ein weiteres Kind an den Typhus verloren.

„Sie sind das größte Glück und der größte Schmerz eines Vaters.“, erklärte der Herzog. „Sie ist zu jung für diese Ehe, doch musste ich ihr diese Bürde aufladen.“.

Havinon war erstaunlich offen, doch hatte Heled die Eigenheiten des Herzogs schon längst zu akzeptieren gelernt.

„Sie ist stark, mein Herr.“.

Sein Gegenüber seufzte. „Da habt Ihr Recht, Rittmeister, doch zählt sie grade zwölf Winter.“.

Heled erwiderte nichts. Alsra war jung, doch würde sie ihre Pflicht erfüllen müssen, so wie es jeder Mensch tun musste.

Auf einmal stieg Malèhlti und wieherte schrill. Ein Pfeil hatte ihre Kuppe gestreift und bohrte sich in einen Baum.

„Formieren.“, schrie Heled - und sah die geballte Macht der Feinde über sich herein brechen.  

 

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    Da waren jetzt zwei lustige Vertipper drin: Reichweiche, Nachtbarstaat. Dem ganzen Text täte es vielleicht ganz gut, wenn du ihn mal auf Akkusativ/Dativ-Dreher überprüfen könntest. In den einzelnen Kapiteln ist die Fehlerdichte zwar nicht so hoch, aber insgesamt summiert es sich doch recht auffällig. Ansonsten: Wieder ein sehr spannender Cliffhanger!

beta
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