13. Noch mehr Ärger

Magnus kurvte heute auf seiner Harley durch die City, was er in letzter Zeit sträflich vernachlässigt hatte. Magdalena war inzwischen wieder weitergezogen und kehrte der Zivilisation abermals für eine Weile den Rücken.

Er genoss den Fahrtwind im Gesicht und das Vibrieren seines Gefährts zwischen den Beinen. Beim Cruisen betrachtete er die unzähligen Sterblichen, die am Strip entlang schlenderten, dazwischen ab und zu Artgenossen, deren Gedanken er aufschnappte. Wussten die anderen etwas über den Vorfall auf der Party? Anscheinend nicht. Es waren nur Touristen. Magnus beschloss selbst nachzuforschen.
Sein erster Weg führte ihn zu dem Club von Roger. Dort würde er ihn sicher am ehesten antreffen, denn in sein Haus konnte der Überfallene ja nicht mehr zurück.

Magnus betrat den Laden, in dem Sterbliche und Unsterbliche ausgelassen tanzten und es brechend voll war. Da er sich hier auskannte, ging er sogleich eine Treppe empor, die zu einer abgeschlossenen Lounge führte und diese thronte über dem Ganzen. Von dort aus konnte man das Geschehen unten, durch eine Scheibe beobachten. Zwei bullig aussehende Unsterbliche in schwarzen Anzügen flankierten den Eingang auf dem schlicht „ Privat" stand. Sie erkannten Magnus und hielten ihm ohne zu fragen, die Tür auf. Einer von ihnen zeigte nur in den hinteren Bereich der Lounge.
Dort erkannte Magnus eine Gestalt im Dunkeln auf dem Sofa sitzen und als er näher kam, den übel zugerichteten Club-Besitzer. Dessen halbes Gesicht war von den UV-Lampen der Jäger versengt worden und seine Hände waren ebenfalls von schwarzer Haut bedeckt. Magnus sah Roger an, dass er noch immer große Schmerzen litt und seine Stimme zitterte: „Magnus, gut dass du kommst. Weißt du schon etwas?"
Der Herrscher schüttelte resigniert den Kopf: „Leider nicht. Ich hoffte, du könntest mir helfen." Er setzte sich zu Roger auf das Ledersofa: „Wem hast du alles von der Party erzählt?" Der andere lehnte sich ächzend zurück: „Wie üblich. Nur den geladenen Gästen. Ich habe alle Maßnahmen beachtet. Darüber zerbreche ich mir schon seit jener Nacht den Kopf, wo die Schwachstelle war." Magnus zischte: „Jetzt sind wir nicht mal mehr auf unseren eigenen Partys sicher. Wir müssen den Schuldigen unbedingt finden." Sein Gegenüber nickte zustimmend. Magnus spann seine Überlegungen weiter: „Wer hat von so einer Aktion was?" Roger antwortete: „Keine Ahnung. Jemand der mich ausbooten will?" Magnus nickte: „Das wäre ein plausibler Grund. Jemand der dich ausschalten will, ohne seine Hände schmutzig zu machen." Der andere war ratlos: „Aber wer? Das kann doch fast jeder sein." Resigniert stimmte der Ältere ihm zu. So kamen sie nicht weiter. Schließlich verabschiedete sich Magnus von Roger und verließ den Club.

Zuhause kamen Ivana und Magnus abermals auf das Problem mit den Jägern zu sprechen. Seine Gefährtin fragte: „Was ist jetzt eigentlich mit weiteren Partys, oder der Full-Moon-Party? Können wir es überhaupt noch wagen, welche zu veranstalten, wenn wir fürchten müssen, dass ein Unsterblicher uns an die Jäger verrät?" Magnus rieb sich nachdenklich das Kinn: „Stimmt. Die Full-Moon-Party. An die habe ich gar nicht mehr gedacht. Hm, ich würde sagen, viel zu riskant. Wenn die Jäger da auftauchen, wird es für uns zur Todesfalle, wie sonst für die Sterblichen, mit nur einem Ausgang. Ich muss sie abblasen. Leider!" Insgeheim ärgerte es ihn gewaltig, dass eines seiner Lieblingsspektakel ausfallen sollte.
„Vielleicht sollten wir sie einfach verschieben. Schließlich ist das eine Notlage und wenn die Party dann erst ein oder zwei Wochen später stattfindet, dann ist das doch in diesem Fall auch egal" überlegte sie. „Dieser Verräter kann sich doch nicht ewig vor uns verstecken. Irgendwann müssen wir ihn doch ausfindig machen!" Magnus überlegte: „Wir müssen ihn aus seinem Versteck locken. Eine Party, die nicht stattfindet. Deine Idee ist gut. Wir verschieben die Vollmondparty und sagen es nur den engsten Vertrauten. Dann sehen wir ja, ob die Jäger auftauchen, oder weg bleiben, ob der Verräter zu den Vertrauten gehört."
„Oh ja! Dann wissen wir hoffentlich bald, wer er ist!", pflichtete Ivana ihm bei. Magnus ging Richtung Garten: „Gut. Dann machen wir das so. Sagen wir es morgen den anderen."

Am nächsten Abend, als Ivanas' Handy klingelte, spitzte Magnus sofort die Ohren. Er lauschte neugierig auf ihr Gespräch.
„Von mir aus können wir uns gerne schon morgen wieder treffen. Wie das letzte Mal?" fragte sie. „Ja, bis dann." Nachdem sie aufgelegt hatte, umarmte Magnus sie von hinten und küsste ihren Hals: „Wer war das?"
„Oh, nichts wichtiges, Liebling. Morgen, nachdem ich trinken war, will ich noch kurz jemanden treffen."
Da schrillten sofort seine Alarmglocken. Steckte seine Liebste etwa mit dem Verräter unter einer Decke?

Ihr Telefonat machte ihn misstrauisch. Vor allem, weil sie jemanden treffen wollte, nachdem sie beide über das Verschieben der Party gesprochen hatten. Er hoffte inständig, dass sie nicht die Verräterin war. Es würde ihm das Herz brechen, wenn er sie vernichten müsste. Es war schrecklich, dass er jeden im Verdacht haben musste. Falls Ivana dahinter steckte, dann tat sie es nicht für sich, sondern für einen anderen. Vielleicht hatte sie deshalb nur etwas mit ihm angefangen. Er schüttelte den Kopf, um seine wirren Gedanken zu ordnen.

Einen Abend später verfolgte Magnus seine Gefährtin die ganze Zeit über. Zuerst war sie kurz im „Velvet" gewesen, um zu trinken und nun sah er, wie sie das „Caesars" betrat.
Magnus wartete noch eine Weile auf dem Hoteldach ab, bevor er von dort das Treppenhaus betrat. Sofort sandte er seine telepathischen Fühler aus, um ihre Schwingungen aufzuspüren. Seine eigenen unterdrückte er vorsichtshalber, um nicht bemerkt zu werden. Ivanas Aura empfing er nur schwach. Daher war sie anscheinend einige Stockwerke weiter unten. Immerhin hatte er eine Richtung. Er huschte in die nächste Etage, fühlte, ob das Vibrieren in seiner Brust stärker wurde und ging dann weiter. So verfuhr er noch einige Stockwerke lang, bis er der Meinung war, auf der richtigen Etage angelangt zu sein.
Magnus blickte die Flure entlang und konzentrierte sich. Bald würde er sie gefunden haben und er war sehr gespannt, mit wem zusammen er sie antraf. Er lachte leise auf, als auf einmal die Lustlaute seiner Gefährtin an seine Ohren drangen. Dazu brauchte er jetzt sein Gespür nicht mehr. Mit wem trieb sie es nur so wild? Das musste ja ein toller Hecht sein.

Schließlich stand er vor der Tür hinter der er ihr lautes Stöhnen vernahm und empfing die Schwingungen eines älteren Unsterblichen. Das sprach für seine Liebste, dass sie sich nicht mit einem Jungspund begnügte.
Mit einer kleinen Willensanstrengung öffnete Magnus die Tür und betrat vorsichtig die Suite.
Da fand er die beiden Erschöpften nackt an der Wand des Wohnzimmers lehnend vor.
„Ah, hier treibst du dich rum. Möchtest du mir deinen Liebhaber nicht vorstellen?", fragte Magnus lässig und musterte den braunhaarigen Vampir interessiert. Ivana riss überrascht die Augen auf und antwortete wie automatisch auf seine Frage. „Das ist Arjan. Arjan... Mein Gefährte Magnus."
Der Niederländer schien beeindruckt von dem blonden Vampir zu sein, so wie er ihn ansah. Die Russin flötete: „Du wolltest doch schon länger, dass wir es mal zu dritt mit einem Unsterblichen tun." Sie blickte zu Arjan: „Du schläfst doch auch mit Männern, oder?" Dieser nickte nur.
„Eigentlich wollte ich dich damit in ein paar Nächten überraschen, aber da du jetzt schon hier bist, können wir es auch hier tun" sagte Ivana zu ihrem Gefährten. Sie näherte sich ihm lasziv, küsste seine rosig schimmernden Lippen und schob ihm ihre warme Zunge in den Mund. Magnus erwiderte ihren Kuss begierig:‚ Ich liebe deine Durchtriebenheit einfach. Er gefällt mir. Du hast eben Geschmack.' Sofort schwoll sein Organ zu voller Größe an, während seine Hände ihren festen, kleinen Hintern kneteten.
Arjan stand nun hinter Ivana, beugte sich vor um ihn zu küssen. Magnus spürte Arjans' weiche Lippen auf seinen, fuhr mit beiden Händen über dessen Rücken und umgriff seinen Hintern. Als der andere ebenfalls seinen Po packte, knurrte Magnus vor Erregung, leckte und küsste Arjans Kehle, aber zögerte noch zuzubeißen.
Ivana unterbrach die beiden einfach, indem sie Magnus' Hand ergriff, um ihn zum Bett hinüberzuziehen. Dort legte sie sich provokant mit gespreizten Beinen auf das Laken und sah ihrem Gefährten auffordernd in die Augen. Ihr Blick und ihre Pose fachten die Begierde des Stadtherrschers noch mehr an, so dass er sich ohne Umschweife auf sie warf, unbeherrscht in sie eindrang und dabei ihre Kehle packte. Immer wieder bohrte er sich heftig in ihren Schoß, begleitet von lautem Knurren. Einige blutige Rinnsale von seinen Bissen liefen ihren Hals, bis über ihre Brüste hinab.
Angeheizt durch Magnus' Darbietung, kniete sich Arjan hinter den Hellblonden und bestieg ihn. Dabei klammerte sich der Jüngere an die Hüften des anderen und entlockte ihm noch mehr tierische Laute. Die beiden fanden schnell einen gemeinsamen Rhythmus und trieben gemeinsam Magnus' bestes Stück in Ivanas' Körper. Ihr Winden unter sich, machte den Älteren unheimlich an und dann noch gleichzeitig Arjans Stöße zu spüren. Jetzt fehlten nur noch dessen Zähne.
Magnus strich sein langes Haar zur Seite, um dem anderen bereitwillig seine Schlagader darzubieten. Sein Körper zitterte bereits vor sexueller Anspannung, so wie sich seine Gefährtin aufführte und dieser Typ hart ranging.
Arjan nahm das Angebot ohne zu zögern an, schlug sein Gebiss in die Halsseite seines Bettgenossen und trank ein paar Schlucke von seinem alten Blut. Dann füllte er seinen Mund damit, beugte sich ein wenig vor und ließ es zwischen Ivanas Lippen hinunter tropfen. Die Russin öffnete begierig ihren Mund noch weiter und keuchte unter der Welle der Erregung auf, die Magnus' mächtiges Blut in ihr entfachte. Immer wieder bäumte sie sich auf, bog vor Ekstase ihren Kopf zurück und erlebte den heftigsten Orgasmus, den sie je seit Langem gehabt hatte. Magnus krallte sich kurz darauf in die Taille seiner Gefährtin und wand sich unter den Wellen, die ihn durchfuhren. Das Zimmer war erfüllt von tierischen und menschlichen Lustlauten, als alle drei beinahe gemeinsam ihren Höhepunkt erlebten.
Heftig atmend wartete Magnus ab, bis die Brandung langsam verebbte. Ivanas Zuckungen gingen allmählich in ein wohliges Räkeln über. Sie küsste jeden der beiden Männer.
„Das war der geilste Sex, den ich je hatte!" gestand sie freimütig. „Das müssen wir unbedingt wiederholen!" Arjan nickte: „Von mir aus jederzeit."

Später auf dem Heimweg meinte Magnus anerkennend: „Da hast du dir ja den Richtigen ausgesucht. Wo hast du ihn kennen gelernt? Du warst aber auch wieder spitze. Arjan kann ruhig noch öfters mitmachen." Sie erzählte ihm, wie sie den Niederländer auf Rogers Party das erste Mal getroffen hatte.
Als sie aus der Luft auf ihr Anwesen zusteuerten, sah Magnus eine seiner Angestellten vor dem Tor warten. Sofort ahnte er nichts Gutes. Er setzte vor ihr auf:" Was ist?"
„Oh zum Glück kommt ihr! Es ist so furchtbar! Wir wurden angegriffen! Heute Abend. Jäger sind ins „Velvet" eingedrungen. Wenn Lili nicht gewesen wäre, wäre es eine echte Katastrophe gewesen! Die meisten Gäste konnten wir dank ihr retten. Es war so furchtbar! Lili selbst ist seither verschwunden. Sie wollte doch nur nochmal nach oben die PC-Daten vernichten, aber jetzt ist sie weg. Spurlos verschwunden!" stammelte Eireen aufgeregt. Plötzlich brach sich die ganze Anspannung der Nacht Bahn und sie begann am ganzen Körper zu zittern und zu schluchzen. Ivana meinte entsetzt: „Und ich war heute, am frühen Abend, noch im „Velvet", um zu trinken! Das ist schrecklich!" Sie trat zu der jungen Unsterblichen hin und nahm sie in die Arme: „Komm erst mal mit rein und dann reden wir in Ruhe." Sie schob die verstörte Eireen durch die Tür und setzte sie im Wohnzimmer aufs Sofa.
„Jetzt erzähl nochmal ganz langsam, was genau heute Abend passiert ist" bat sie Eireen. Die Jüngere berichtete jetzt noch einmal genauer: „Am frühen Abend sind plötzlich Jäger im „Velvet" aufgetaucht. Sofort brach natürlich Panik aus, aber Lili rief uns zu sich und sagte uns, wir sollten die Gäste durch die Separées hinten raus bringen. Dort am Hinterausgang hat der Fahrer mit dem großen Transporter gewartet, der ja eigentlich für die Leichen bestimmt ist. Wir haben den Gästen gesagt, sie sollen da reinsteigen. Das war echt die Rettung! Ich bin dann nochmal rein und da habe ich Lili getroffen. Ich sagte ihr, dass die meisten Gäste in Sicherheit wären und sie auch kommen solle. Sie wollte dann noch nach oben, um die Daten zu zerstören. Sie meinte, sie komme gleich und ich solle schon vorgehen. Ich bin dann wieder raus in den Transporter und dachte eigentlich, dass Lili noch gekommen wäre." Eireen sah Magnus an: „Aber als wir dann die Gäste in sicherer Entfernung aussteigen ließen, fehlte deine Geschäftsführerin." Sie schluchzte: „Niemand hat Lili nach mir gesehen. Es sieht so aus, als haben die Jäger sie erwischt!"
Der Hausherr war bis jetzt ruhig geblieben, aber nun explodierte er: „Jetzt ist das Maß voll! Elende Sterbliche! Wenn sie Krieg wollen, den können sie haben." Aufgebracht tigerte er im Wohnzimmer hin und her und fluchte auf Altenglisch vor sich hin. Dann sah er abrupt die Frauen an: „Ich muss sofort zum Club. Bleibt ihr hier." Und schon war er verschwunden.

Magnus fand den Club völlig verwaist vor. Die Einrichtung war komplett demoliert worden und er roch noch das verbrannte Fleisch in den Räumen. Aber Leichen gab es keine. Die Jäger hatten die Verbrannten sicherlich mitgenommen. Seufzend betrachtete er den Schaden und die Wut auf die Sterblichen ballte sich in seinem Bauch zusammen. Vorerst würde es kein Velvet mehr geben. Waren seine gemischten Clubs auch in Gefahr?
Aber der Anschlag heute war der Beweis, dass der Verräter aus den Reihen der Unsterblichen kommen musste. Nur sie wussten, was hier abging. Von Lili fehlte jedoch jede Spur.
Die Jäger hatten die Computer mitgenommen, aber das nützte ihnen hoffentlich nicht mehr viel.
Als Magnus die Treppe wieder hinunter stieg, entdeckte er eine Halskette auf den Stufen. Er hob sie auf und betrachtete sie. Sogleich erinnerte er sich, sie an Lilis Hals auf dieser Party gesehen zu haben, als sie miteinander geschlafen hatten. Eine Ahnung befiel ihn. Sie war nicht verbrannt, sonst wäre die Kette nicht völlig unversehrt. Sie schien abgerissen worden zu sein. Dann war Lili sicher doch entkommen.

Die beiden Frauen sahen ihn erwartungsvoll an, als er zurückkehrte.
„Und? Wie sieht es dort aus?", fragte Ivana.
„Gibt es irgendeine Spur von Lili?", wollte Eireen wissen. Da gab er ihr die Kette: „Das hab ich von ihr auf der Treppe zum Computerraum gefunden. Sie hat die Daten wahrscheinlich noch vernichten können und ich glaube, dass sie entkommen konnte. Wahrscheinlich taucht sie morgen wieder auf und ist jetzt nur zu verstört." An seine Gefährtin gerichtet erzählte er: „Alles demoliert. Körper von Unsterblichen sind alle beseitigt. Von außen fällt nichts auf und sie haben den Eingang auch verrammelt, dass nicht jeder hinein spazieren kann. Die Computer haben sie mitgenommen. Ich bin jetzt nur gespannt, wen sie erwischt haben."
„Da bin ich aber sehr froh!", sagte Eireen. Sie stand auf, um zu gehen: „Ihr müsst es mir bitte sofort mitteilen, wenn sie auftaucht, ja?" Ivana nickte: „Klar, machen wir."
Magnus schloss Ivana fest in seine Arme: „Liebling, versprich mir, dass du vorsichtig bist in nächster Zeit. Ich will nicht, dass sie dich auch noch vernichten. Verdammt, was machen wir jetzt? Wer ist es nur? Mal sehen, ob sich Lili meldet." Ivana gereizt: „Es ist wirklich furchtbar! Jetzt können wir nicht einmal mehr sicher das Haus verlassen. Und hier fühle ich mich auch nicht mehr wirklich sicher. Ich hoffe ja fast, dass die Jäger zur vermeintlichen Vollmondparty auftauchen, sonst müssen wir den Verräter in unserem engsten Kreis vermuten und damit könnte er auch jederzeit Jäger hier zu uns nach Hause schicken" Sie schmiegte sich eng an ihn. „Ich habe Angst." Magnus strich über ihre Schultern: „Mich macht es wütend, dass uns die Menschen in der Hand haben. Sie haben es geschafft, dass wir uns vor ihnen fürchten und am schlimmsten ist, dass wir nichts tun können. Dieses tatenlose Abwarten macht mich ganz verrückt."

Plötzlich klingelte es am Tor.
„Wer ist das?", rief Magnus aus und eilte zu den Monitoren. Ein Paketdienst stand davor: „Was soll das jetzt?" Er betätigte die Sprechanlage: „Ja, wer ist da?"
„Sir, ich soll hier ein Päckchen abliefern." Magnus überlegte kurz: „Legen Sie es vor dem Tor ab und verschwinden Sie wieder."
Der Bote schüttelte nur den Kopf und tat, wie ihm geheißen. Diese Reichen waren schon komisch.
Als er weg war, ging Magnus zur Einfahrt hinunter. Er beäugte das Teil zuerst aus der Ferne, vernahm keine verdächtigen Geräusche aus dem Innern und auch keine merkwürdigen Gerüche. Daher holte er die kleine Schachtel herein und legte sie schließlich im Wohnzimmer auf den Tisch.
Ivana war ihm gefolgt und stand jetzt neugierig im Raum. Misstrauisch betrachtete sie es von weitem: „Steht was drauf, von wem es ist?" Sie zog sich bis hinter die Tür zurück und spähte um die Ecke.
Magnus öffnete das Päckchen vorsichtig. Zu Ivana sagte er: „Komm. Es ist keine Bombe drin. Nichts Mechanisches auf jeden Fall." Er fischte einen Computer-Stick und einen Brief aus der Schachtel. Zuerst las er Ivana den Brief vor:
Seien Sie gegrüßt, Magnus. Der Inhalt dieses Sticks wird Sie höchst wahrscheinlich brennend interessieren. Es zeigt den Angriff auf ihren Club. Wir gehören nicht zu diesen Jägern. Wir sind auf Ihrer Seite. Einer unserer Mitglieder war gerade vor dem Club, als die Jäger auftauchten und filmte einfach. Laut unseren Informationen wurden vier weibliche Unsterbliche aus Ihrem Club entführt. Darunter Ihre Geschäftsführerin Lili. Leider wissen wir nicht wohin sie gebracht wurden, aber falls wir etwas erfahren sollten, lasse ich es Sie wissen. Normalerweise halten wir uns aus den Geschehnissen heraus, aber in diesem Fall steht zu viel auf dem Spiel.

Mit zu viel auf dem Spiel meinte der Schreiber wohl, die allgemeine Entlarvung der Unsterblichen.

Magnus steckte den Stick in sein Notebook, das auf dem Wohnzimmertisch stand: „Nun bin ich gespannt."

Die Aufnahme begann mit einer Szene, in der sich der unsterbliche Türsteher das Gesicht hielt und vor Schmerz aufschrie. Dann näherte sich der Filmer dem Eingang. Von drinnen waren Schreie und allgemeiner Tumult zu hören . Die Kamera blieb an der Tür und schwenkte durch das Innere des Clubs. UV-Lichtkegel zuckten durch die Räume, Unsterbliche schrien vor Schmerz und Panik. Viele stürmten durch den Eingang ins Freie, wo die Scheinwerfer des Hubschraubers sie erwarteten. Einige verschmorten jämmerlich in den starken Strahlern. Dann ein Schnitt und jetzt war derjenige im Hinterhof, wo ein großer Van geparkt war. Magnus und Ivana konnten sehen, wie ihre Angestellten in den Transporter flüchteten und er schließlich losfuhr. Dann abermals Schnitt und es kam ein Van der Jäger. Diesmal wurden nacheinander vier scheinbar wehrlose Vampirinnen hinein verfrachtet.

Magnus zeigte auf den Bildschirm: „Da ist Lili. Was haben sie mit ihr angestellt? Sie wehrt sich überhaupt nicht und kann sich nicht auf den Beinen halten. Komisch!" Danach endete die Aufnahme.
Ivana fasste zusammen: „Sie haben vier Unsterbliche entführt! Sie sahen unverletzt aus, keine Verbrennungen oder so. Aber vor allem... Wo haben sie sie hingebracht und was haben sie mit ihnen vor?" Sie nahm noch einmal den Brief in die Hand. „Weißt du, wer uns diesen Brief geschrieben hat?"
Magnus hatten die Aufnahmen nun richtig wütend auf die Jäger und den Verräter gemacht. Er entgegnete: „Beobachter. Sie spionieren uns nach und zeichnen alles auf. Jessica arbeitete früher für sie. Also, als Sterbliche. Aber die Entführung erinnert mich an früher. Da wurde ein Unsterblicher ebenfalls von Jägern verschleppt und in ein Labor in der Wüste gebracht. Dort wollten Wissenschaftler uns erforschen. So wie es aussieht, wurden die Frauen mit irgendwas benommen gemacht. Das riecht doch schwer nach Wissenschaftlern. Wer weiß, was die seither entwickelt haben? Auf jeden Fall wird es immer komplizierter."

Woher kamen die Jäger? Irgendwo mussten sie ein Quartier haben. Irgendwo stand der Hubschrauber. Bisher waren sie immer vor den Jägern davongelaufen. Vielleicht sollte mal jemand versuchen, ihnen zu folgen. Der andere Ansatzpunkt war der Verräter, der sie alle so bereitwillig den Sterblichen preisgab. Er wusste gut Bescheid, wann und wo es sich lohnte, zuzuschlagen und er stand irgendwie in Kontakt mit den Jägern. Vielleicht konnte man ihn mit gezielten Falschinformationen entlarven. Die verschobene Full-Moon-Party war schon mal ein Anfang. Es hatte auf der Party neulich begonnen. Warum gerade zu diesem Zeitpunkt und dort? Hatte das eine Rolle gespielt oder war es willkürlich gewesen? Und war der Verräter auch auf der Party gewesen? Hatte er von weitem zugesehen oder hatte er zuhause geduldig abgewartet? Und was war sein endgültiges Ziel? Die Macht über Vegas? Dann könnte er ja auch Magnus direkt herausfordern, aber das wagte er offensichtlich nicht, also war er dazu nicht alt genug. Es blieb immer noch eine große Altersspanne übrig. Sie konnten nicht erraten, wie alt er war. Er machte sich wohl nicht gern die Hände schmutzig und ließ es die Jäger für sich erledigen, Vegas durcheinanderzubringen. Bisher hatte er nicht gerade deutlich auf Magnus gezielt.

So viele Fragen, aber sie beide wussten keine Antworten darauf.
Magnus sagte zu seiner Partnerin: „Wir werden sie verfolgen, wenn sie auf der abgesagten Party auftauchen, oder am besten ich allein. Wenn sie nicht kommen, wissen wir, dass es ein enger Vertrauter ist." Mit diesem Plan war er schon zufriedener. Immerhin konnte er wenigstens eine Kleinigkeit tun.
„Die gemischte Party war sicher willkürlich. Ich meine, irgendwann muss es ja mal anfangen. Oder derjenige ist noch nicht so lange in der Stadt. Roger ist schon älter, ich bin alt. Er hat es sicher auf die Herrschaft über die Stadt abgesehen. Ich nehme ja von Menschen normalerweise keine Hilfe an, aber vielleicht bringen uns diese Beobachter weiter. Die scheinen ihre Augen überall zu haben. Ihnen können wir am ehesten vertrauen im Moment. Sie beobachten uns seit gut einem Jahrtausend und haben uns nie auffliegen lassen. Was meinst du?"
„Ja, ich denke Hilfe können wir momentan wirklich gebrauchen. Außerdem rechnet der Verräter bestimmt nicht damit, dass er von dieser Seite her beobachtet wird. Das ist unser Vorteil", meinte Ivana. „Da wir nicht wissen, ob er auch noch andere Clubs angreifen lässt, sollte es für jeden Club einen Notfallplan geben, fällt mir gerade ein." Magnus wandte ein: „Ich glaube nicht, dass sie die gemischten Clubs angreifen. Da riskieren sie zu viel Aufsehen, wegen den sterblichen Besuchern. Konzentrieren wir uns auf die Vollmond-Party und ich muss diesen Beobachtern eine Nachricht zukommen lassen. Ich gehe mal in die Stadt und hör mich um."
Damit verließ er das Haus.





      

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beta
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