14. Kapitel

„Hast du beschlossen neben dem Essen auch das Sprechen aufzugeben?“, spottete ich und stapelte das schmutzige Geschirr auf dem Tablett vor meiner Zellentür. „Wenn du glaubst, mich damit mürbe zu kriegen, vergiss es! Du schaffst es ja doch nicht den Mund zu halten.“ Ich lachte in der Hoffnung zumindest ein entnervtes Stöhnen zu ernten, aber Isoke blieb weiterhin stumm. Er wandte mir lediglich den Rücken zu und schwieg. „Isoke, jetzt sei doch nicht so“, brummte ich gelangweilt.
Ich hasste Selbstgespräche und Isoke wusste das nur zu gut. Im Gegensatz zu ihm, fand ich keinen Gefallen oder Trost daran meiner eigenen Stimme zu lauschen. Im Gegenteil, es stimmte mich frustriert und einsam. „Ich weiß ja, dass es dir nicht gut geht und bei den Göttern, wie sollte es das auch? Aber aufgeben oder sich wie ein trotziges Kind in die Ecke zu legen verbessert deine Situation auch nicht.
Was hälst du von folgender Idee: wenn mich Catalina das nächste Mal zu sich bittet, frage ich ob du mitkommen kannst. Ich weiß der Vorschlag wird ihr nicht gefallen, aber vielleicht haben wir ja Glück, mmh? Vielleicht kann ich auch vorschlagen hier unten zu bleiben, damit du alleine Zeit mit ihr verbringen kannst. Sag nicht, dass du diese Vorstellung nicht genießt!“
Ich richtete mich auf und streckte die Glieder. Seit ich nach oben durfte, kam mir meine Zelle noch bedrückender und enger vor. „Isoke? Jetzt antworte endlich.“ Ich nahm eine Gabel zur Hand und warf sie beleidigt nach meinem Zellennachbar. Er rührte sich nicht.
„Isoke?“ Ein mulmiges Gefühl beschlich mich und ließ mich frösteln. „Alles okay?“ Ich hob einen der kleinen Steine auf, die wir gesammelt und für eine Art Schachspiel benutzt hatten. Auch dieses Mal reagierte er nicht, obgleich ihn das Geschoss hart an der Schläfe traf. Zögerlich trat ich an die Gitterstäbe und starrte auf Isokes regungsloses Körper. Abermals hauchte ich seinen Namen, dieses Mal voll Angst.
„Das kann nicht wahr sein“, murmelte ich resigniert und schüttelte fassungslos den Kopf. Ich bemerkte nicht wie ich rückwärts taumelte und die Arme fest um meine Mitte schlang. „Das kann einfach nicht wahr sein.“


„Meine Lieben!“, Catalinas fröhliche Stimme drang dumpf an meine Ohren. „Es ist ein wundervoller Tag, Zeit Spaß zu haben.“ Ich rührte mich nicht während sie die Stufen hinuntersprang, ein breites Lächeln im Gesicht. „Es ist Samstag, der Himmel ist blau und auch wenn am Horizont ein paar graue Wolken aufziehen kann nichts meine Stimmung trüben.“ Sie lachte glockenhell und trat an meine Zellentür. Noch immer sah ich nicht auf, konnte den Blick nicht von Isokes regungslosem Rücken abwenden. „Jadan?“, fragte Catalina irritiert und öffnete zögernd meine Zellentür. „Was ist los?“ Sie folgte meinem starren Blick und keuchte erschrocken auf. Ein leiser Aufschrei entfuhr ihr und sie schlug die Hände vor den Mund. „Was ist passiert?“ Wie angewachsen stand sie da und sah wie ich auf Isoke hinab.
„Er hat aufgegeben“, krächzte ich tonlos und erhob mich schwankend. Tränen liefen über meine Wangen und eine eisige Kälte erfüllte meine Brust. Weshalb nur, betrauerte ich ihn? Den Mörder meines einzig wahren Freundes, der selbe, der mich immer im Dunkel gelassen hatte? All die Zeit, die Isoke mit mir verbracht hatte, hatte er mir nur ein Teil seines Gesichtes gezeigt, den Teil von dem er sicher wusste, dass ich ihn bewundern und akzeptieren würde. Er war für mich ein Held gewesen bis ich seine wahre Natur erkannt hatte. Oder war es nur der Teil gewesen, der Catalina zum Opfer gefallen war?

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