19. Herausforderung zum Revierkampf

„Was kannst du denn hier in der Stadt empfehlen?", fragte Ivana ihre Gastgeberin. „Ich meine für unsereins."
„Es gibt an der Piazza Venezia einen Club für Unsterbliche", antwortete Valentina. „Das ist ein sehr beliebter Treffpunkt."
„Kann man dort auch trinken?", wollte Ivana wissen.
„Nein. Ich war aber einige Monate nicht mehr dort, muss ich gestehen", entgegnete die Italienerin.
Magnus kam gerade herein: „Ah, ich habe gerade mitbekommen, wo unser Club liegt. Da werde ich sicherlich mal reinschauen. Interessiert mich." Dann fragte er weiter: „Treiben sich in der Stadt eigentlich viele „Ratten" rum? Bei uns verkriechen sie sich gern in U-Bahnschächten oder so."
Valentina antwortete: „Sie hausen oft in den Katakomben. Manche entsorgen auch die Leichen da unten. Es gibt schließlich Katakomben, die seit Jahrhunderten niemand mehr betreten hat und wenn jemand solche Teile in seinem Revier hat, dann ist das natürlich die einfachste Variante. Allgemein läuft es hier aber wie in etlichen Großstädten Europas: Über eine Verbrennungsanlage. Und klar, "Ratten" finden dort unten ihren Unterschlupf."
„Ist es hier auch so, dass der Revierbesitzer die, die in seinem Revier schmarotzen, vernichtet?" Dabei fiel ihm ein, dass er sich schnell nach einem eigenen umsehen musste. Vielleicht morgen wenn Ivana jagen war. Da könnte er sich am südlichen Stadtrand umsehen.
Valentina nickte: „Ja sonst kommt man nicht mehr klar in der Stadt. Es gibt einfach zu viele Idioten, die meinen irgendwen verwandeln zu müssen, ohne selbst als Schöpfer die nötige Verantwortung zu übernehmen, und zu viele Junge, die sich an keine Regeln halten können. Es macht mir gewiss keinen Spaß irgendwen zu vernichten, aber anders geht es leider nicht."
Magnus erzählte: „In Florenz reichte es meistens, sie zu vertreiben. Sie hatten wegen meinem Alter Angst vor mir. Morgen möchte ich mich nach einem Revier umsehen. Wie ist das hier, wenn ich jemanden herausfordern will?"
Da kam gerade Dario dazu und antwortete: „Geh einfach hin und tu es. Oder wie ist das in den Staaten?"
Der Blonde erwiderte: „Unterschiedlich. Manche legen dem Revierbesitzer ein gerissenes Opfer vor die Tür und gehen dann einige Nächte später hin. Oder man sagt gleich seine Absichten, wie hier."
„Ah, das ist interessant. Ein Opfer vor die Tür legen wäre hier viel zu riskant. Touristen sind hier zu jeder Nachtzeit irgendwo unterwegs und auch die Einheimischen sind in einem südlichen Land wie Italien bis weit in die Nacht wach. Zu leicht könnte es da entdeckt werden. Erstaunlich, dass das in den Staaten möglich ist."
„Na ja, da haben viele große Grundstücke, wo niemand sonst hinein kommt. Da geht das schon. Mein Revier in San Francisco wurde auch mal von einigen Jüngeren angegriffen. Als Herausforderung vergewaltigten sie meine Ex-Gefährtin. Ich hab die dann in ihrem Versteck massakriert." Dabei huschte ein teuflisches Grinsen über Magnus Gesicht, wenn er an ihre gepfählten Leiber dachte, die dann in der Sonne verschmorten.
„Bei euch in den Staaten scheint es ja heftig zuzugehen", sagte Dario.
„Dann bin ich ja froh, dass wir hier geblieben sind", meinte Valentina. „Wir hatten auch mal überlegt, dort rüber zu ziehen, sind dann aber doch in Europa geblieben."
Magnus entgegnete: „Es ist auch nicht die Regel, aber teilweise geht es schon härter zu. Cowboymentalität eben."
Dario bemerkte: „Es gibt auch hier wie überall Unsterbliche, die die Grenzen nicht kennen. Ich habe es auch schon erlebt, dass manche um Reviere so verbissen kämpften, dass sie fast vernichtet wurden. Wem soll das nützen. Es geht schließlich um gegenseitiges Kräftemessen und man muss wissen, wann man aufzugeben hat."
Magnus wandte ein: „Ich kann schon verstehen, wenn man verbissen darum kämpft sein Revier nicht zu verlieren. Dann muss man ein Neues erobern und wahrscheinlich ein Schlechteres als vorher." 
Ivana musste er noch fragen, ob sie sich am Kampf beteiligen wollte, falls es dazu kam. Magnus hoffte ja insgeheim, dass die Herausgeforderten klein bei gaben, wenn sie sein Alter erfuhren. Er musste sie von Anfang an richtig einschüchtern.
„Trotzdem muss man wissen, wann der Punkt gekommen ist, an dem man verloren hat und aufgeben muss. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück morgen, falls du losziehst, bevor wir wach sind. Du wirst schon das Richtige entdecken."
Auch Valentina wünschte ihm Glück und die beiden zogen sich in ihr Schlafzimmer zurück. 
  
                                                                       ***
Magnus erwachte bereits bei Sonnenuntergang, aber blieb noch neben seiner Gefährtin liegen, da er sich schwach fühlte. Je dunkler es wurde, desto mehr erwachten seine Kräfte.
Dann zog er sich an und verließ das Haus, hinterließ Ivana abermals einen Zettel auf dem stand:
Ich schaue mich nach einem geeigneten Revier um. Bis später, Magnus

Der Himmel war noch rötlich, als er über den Dächern in Richtung Süden der Stadt schwebte. Die Gebiete in Darios Nachbarschaft kamen alle nicht in Frage, denn sie gehörten alten Unsterblichen und wahrscheinlich waren es Bekannte seiner Gastgeber.
Als die Autobahn in Sicht kam, sah er sich schon genauer um.
Dieses Stadtgebiet bestand aus vielen Häuserblocks, immer mal wieder freie grüne Flächen dazwischen, Sportplätzen und auch Fabrikgeländen.
Nach näherer Erforschung nahm Magnus vier Unsterbliche in dieser Gegend wahr und sie waren für seine Verhältnisse jung. Etwa in Ivanas Alter, teilweise jünger. Er unterdrückte seine Aura und folgte denen der Fremden. Sein Gespür führte ihn zu einem gewöhnlichen Haus. Nichts Besonderes.
Darin schliefen die vier noch oder waren am Aufwachen.
Nachdem Magnus nun wusste, wo sie wohnten, erkundete er weiter das Gebiet solange ihn noch keiner der Revierbewohner störte. Er fand es ganz geeignet und kehrte schließlich zu Ivana zurück, um es ihr zu zeigen.

Die Dunkelhaarige zog sich gerade an, um auf die Jagd zu gehen, als er zurück kehrte. „Hi, Süße. Du brichst grad auf? Ich wollte dir gern ein Revier zeigen, dass ich gefunden habe."
„Du hast schon was gefunden? Das ging aber schnell!" Sie schlüpfte in ihre Schuhe. „Gut, dann zeig es mir."
Er lächelte: „Dann komm. Du kannst ja eventuell in der Nähe jagen."
Als sie auf dem Dach standen, zeigte Magnus nach Süden: „Ich bin gleich in die Richtung, weil Dario gemeint hatte, dort gäbe es am ehesten noch was und dann wurde ich in der Nähe der Autobahn fündig. Es gehört vier Unsterblichen ungefähr in deinem Alter."

Bald erreichten sie das Revier der vier. Nachdem sie sich umgesehen hatten, fragte Magnus: „Und, was hältst du davon? Theoretisch müsste ich mit ihnen leicht fertig werden, falls es zum Kampf kommt. Möchtest du eigentlich mitmachen, oder soll ich das allein erledigen?"
„Ja das Revier sieht wirklich gut aus." Sie überlegte kurz.
„Ich werde mit dir kämpfen", entschied sie spontan, obwohl sie das vorher nicht vorgehabt hatte. Aber bei vier Gegnern hatte sie schon auch etwas Angst um Magnus und wollte ihm das nicht allein überlassen.
Er grinste: „Okay. Dann kannst du jetzt auf Jagd und ich fordere sie heraus. Mal sehen, wie sie reagieren. Falls wir kämpfen, dann morgen."
„Ok, bis später Liebling." Sie küsste ihn und machte sich dann auf den Rückweg in Valentinas und Darios Revier.

Nachdem Ivana gegangen war, konzentrierte er sich auf die anderen. Es waren nur zwei der Unsterblichen anwesend. Immerhin.
Bald fühlte er eine der Frauen des Quartetts in der Nähe. Perfekt für seinen Plan, wie er sie einschüchtern wollte. Sie hatte frisch getrunken und Magnus reizte dieser Geruch. Er erinnerte ihn daran, dass er in den nächsten Nächten trinken musste, als er ihre Witterung aufnahm.
Er strebte weiter über die Dächer der Duftfährte nach, bis er sie auf dem Gehweg entlang huschen sah. Da keine Menschen in der Nähe waren, bewegte sie sich auf vampirische Art fort, aber Magnus war schneller.
Kurz darauf setzte er dicht hinter ihr auf, packte mit einer Hand ihre langen, dunklen Haare zog ihren Kopf zur Seite und schlug seine Zähne hinein. Mit dem anderen Arm umklammerte er ihren Oberkörper.
Sie war zuerst gelähmt vor Schreck, als sie Etwas so grob packte. Zähne steckten tief in ihrem Fleisch und Blut wurde ihr entrissen. Sofort war ihr Verstand hellwach und sie begann sich heftig zu wehren. Aber dieser Kerl hielt sie so unbarmherzig fest, dass sie sich kaum winden konnte. Er war unheimlich stark. Das war bestimmt dieser Unbekannte, der junge Unsterbliche aussaugte und vernichtete. Sie war verloren.
„Lass mich los. Hör auf. Was willst du von mir?"
Magnus antwortete nicht, sondern trank weiter. Er spürte, wie jetzt seine Blutgier erwachte und wie es ihn anturnte, dass solch heftige Gegenwehr kam. So geil war es mit einem Menschen nie. Sie kratzte ihn in ihrer Verzweiflung und rief nach ihrem Gefährten: ‚Toni, hilf mir. Ich werde ausgesaugt. Komm bitte schnell.'

Ein breites Lächeln zog sich über Tiberius Gesicht, als er vernahm, was in dem schönen Kelten gerade vorging. Er hatte sein göttliches Verlangen entdeckt, gemerkt, dass ihn junge Unsterbliche mehr befriedigten, als zerbrechliche Menschen. Allerdings zu einem späten Zeitpunkt, was den Römer verwunderte. Seit dieser ihn nur kurz besucht hatte, behielt er Magnus aus Neugier im Auge. Der Römer konnte es kaum erwarten, wenn sie endlich einmal längere Zeit füreinander hätten. Dieser Kerl sah so unverschämt gut aus und war nicht mal so viel jünger, als seine Helena.
Wie sich Magnus auf Priscilla gestürzt hatte, die Kleine umklammerte und jetzt von ihr trank, war wirklich ein sehr leckerer Anblick für den Stadtherrscher. Nackt sah der Blonde sicher noch viel besser aus, wenn er schon in seinen Lederklamotten zum Anbeißen aussah.
Mit Magnus musste er unbedingt einmal gemeinsam dieser speziellen Leidenschaft frönen und sich dann mit ihm der Lust hingeben.
Bei diesen Gedanken wurde er sofort hart und ein dunkles Grollen entsprang seiner Kehle. Wenn er diesen Adonis endlich in seinen Fängen haben würde, dann würde es mit seiner Beherrschung endgültig vorbei sein. Aber nun musste sich Tiberius zusammenreißen und verschwand lieber schnell.

Schließlich ließ Magnus von ihr ab, als sie zu schwach wurde. Aber es kostete ihn Mühe aufzuhören. Am liebsten hätte er ihr alles Blut geraubt. Solche Empfindungen hatte er noch nie bei Artgenossen gehabt. Bis jetzt hatte er nur wenig Blut von anderen gesaugt und dann nur beim Sex. Sie taumelte an die Häuserwand und starrte ihn voller Furcht an.
„Richte Toni aus, dass ich sein Revier beanspruche. Ich bin über ein Jahrtausend alt. Also überlegt euch gut, ob ihr es auf einen Kampf ankommen lasst." Dann ließ er sie allein.

Priscilla stand noch unter Schock, als ihr Gefährte ihr zu Hilfe eilte. Ihre Wangen waren ein wenig eingefallen, ihr Körper hagerer und ihre Haut bleich. Dieser Fremde hatte ihr nicht viel Blut gelassen. Gerade so, dass sie nicht den Verstand verlor. Sie sank auf den Boden: „Bitte lass mich trinken. Ich bin so schwach."
Magnus war noch in der Nähe und beobachtete die beiden. Dieser Toni war so 200 und seine Gefährtin 100. Also keine schwierigen Gegner.
Toni hielt seiner Gefährtin den Arm hin und ließ sie trinken. Dabei beobachtete er aufmerksam die Umgebung, aber konnte Magnus natürlich nicht wahrnehmen. „Was ist passiert?", fragte er sie dann.
Nachdem sie einigermaßen bei Kräften war, berichtete sie ihrem Gefährten von dem Fremden. „Der Kerl will unser Revier." Sie fasste sich an die Bisswunde, die stark kribbelte.
„Toni, was sollen wir jetzt tun? Gegen den haben wir keine Chance. Er sagte, er wäre über 1000. Ich konnte mich kaum bewegen, so wie er mich festgehalten hat. Und wie schnell er verschwunden ist. Ich sah es kaum."
Priscilla begann plötzlich zu weinen. „Oh Gott, ich dachte, ich werde nun ausgesaugt und vernichtet. Weißt du, wie bei diesen Gerüchten, die in der Stadt umgehen. Dass ein Alter Junge aussaugt und vernichtet. Es verschwinden doch immer wieder Neugeborene und tauchen nie wieder auf. Vielleicht war das der Typ. Ich hab solche Angst."
„Über 1000?!" Das erschreckte auch ihn etwas. Toni nahm seine Gefährtin in den Arm und zog sie auf die Beine. „Komm jetzt gehen wir erst mal nach Hause und reden mit den anderen zwei."

Dort angekommen, berichteten sie ihren beiden Mitbewohnern, was geschehen war.
Magnus registrierte mit Genugtuung, dass seine Einschüchterung funktioniert hatte. Er verfolgte die beiden und belauschte ihr Gespräch mit dem anderen Paar, als sie Zuhause waren.
Toni überlegte fieberhaft, wie sie einem so mächtigen Gegner begegnen konnten: „Er ist deutlich älter als wir, aber wir müssen versuchen unsere Vorteile zu nutzen. Wir sind zu viert, während er, wie es bisher scheint, alleine ist und er ist fremd in der Stadt. Wir kennen unser Revier in- und auswendig."
„Aber wie sollen wir das ausnutzen?", fragte Laura.
„Das weiß ich bisher auch noch nicht, aber wir sollten überlegen, wo wir ihm begegnen wollen. Er hat dir keinen Ort genannt, oder Priscilla?"
„Nein, hat er nicht. Auch keinen Zeitpunkt." Sie sah ihre blassen, dünneren Arme an: „Mist, ich muss unbedingt trinken, aber ich trau mich nicht mehr raus. Er ist bestimmt noch irgendwo."
Francesco pflichtete Toni bei: „Ja, wir brauchen einen Vorteil. Ich hab keine Ahnung, was so ein 1000jähriger fertigbringt. In Rom gibt es sicher einige so Alte, aber die bleiben ja gern unter sich. Tiberius ist doppelt so alt und von dem heißt es, dass er sogar in der Sonne wandeln kann. Na ja, Gerüchte." Er blickte zu Priscilla: „Hast du ihn gespürt, bevor er dich angriff?"
Sie dachte nach: „Nein. Ich war schnell unterwegs und plötzlich packte mich etwas und biss in meinen Hals. Ich war zuerst gelähmt vor Schreck und dann wehrte ich mich, aber das nützte gar nichts. Er hielt mich fest umklammert und sein Sog riss mir das Blut regelrecht raus. Er muss unglaublich schnell sein, denn er verschwand auch für meine Augen plötzlich."
Francesco raufte sich die Haare: „Oh Mann, das ist echt scheiße. Wie sah er denn aus?"
Priscilla antwortete: „Na ja, ich nahm es nicht so deutlich wahr, aber er war groß und hatte auffällig hellblondes, langes Haar und leuchtend blaue Augen. Sicher kein Italiener, aber er sprach es gut."
Toni schlug vor: „Wir könnten uns in die Katakomben unter unserem Revier zurückziehen. Dort kennen wir jeden Winkel. Am besten wir schlafen dann schon dort. Ich traue dem Kerl nicht zu, dass es so fair ist, erst hier aufzutauchen, nachdem wir wach sind und uns die Zeit zu lassen, dann dorthin zu gehen"
„Ja, das dort unten wäre vielleicht schon eine Möglichkeit", sagte Laura.
Toni legte den Arm um seine Gefährtin: „Jetzt schlage ich vor, gehen wir zusammen los und du kannst trinken, Liebling. Wenn er uns so offiziell herausfordert, dann wird es uns heute bestimmt nicht mehr angreifen. Schließlich ist es üblich, so eine Herausforderung mindestens eine Nacht vorher auszusprechen. Ich denke, dann wird er sich auch an diese Regel halten."
Priscilla nickte erleichtert: „Okay, machen wir es so."
Schließlich verließen alle das Haus und gingen mit Priscilla auf die Jagd.
Magnus hatte noch etwas von Katakomben gehört, bevor er verschwand. Dort unten zu kämpfen behagte ihm gar nicht. Ihm wäre es im Freien lieber.

Er kehrte ins Stadtzentrum zurück, spazierte noch in Tiberius Revier herum, bis ihm seine zukünftige Wohnung wieder einfiel. Dazu musste er zu seinen Gastgebern zurück, wo sein Smartphone lag, um zu checken, ob eine Mail von der Maklerin gekommen war. Er betrat die Wohnung durch die Balkontür und begrüßte Dario, der im Wohnzimmer saß: „Ciao. Ich bin schon fündig geworden, wegen einem Revier. Es ist in Torrino. Gehört bis jetzt zwei Pärchen, die so zwischen 100 und 200 Jahre alt sind."
„Das hört sich nicht ganz einfach, aber für dich sicher machbar an. Wird Ivana mit dir kämpfen oder überlässt sie das dir?"
Magnus lachte: „Das überraschte mich. Sie will mitmachen. Hat sie zumindest gesagt, aber ich habe ein wenig Bedenken. Ich habe die vier noch belauscht und sie wollen sich in den Katakomben verstecken. Da unten ist es gefährlicher für uns und da habe ich Angst um sie. Ivana ist ja ungefähr im selben Alter, wie unsere Gegner. Aber sie wird sich von mir nicht abhalten lassen, wenn sie es sich in den Kopf gesetzt hat." Er seufzte.
Dario entgegnete: „Es überrascht mich, dass Ivana morgen mit dabei sein will. Sie hat auf mich bisher nicht den Eindruck gemacht, als ob sie sich um sowas reißen würde."
„Ich rede noch mal mit ihr. Mir wäre es wirklich lieber, sie bliebe dem Ganzen fern."
Dann entschuldigte er sich kurz, ging ins Gästezimmer, las die eingegangene Mail und prägte sich die Telefonnummer der Maklerin ein. In seiner Antwort bat er um ein Treffen, am besten am frühen Abend. Dabei fiel ihm ein Argument ein, dass er doch allein zum Kampf gehen sollte. Ob er heute noch trinken sollte? Aber eigentlich müsste das Blut der Unsterblichen ausreichen. Er hat ihr schließlich das Meiste ausgesaugt.
„Ich glaub, ich geh noch ein wenig in die Stadt. Vielleicht treffe ich Ivana irgendwo. Bis später", verabschiedete er sich von Dario.
Kurz darauf betrat er die Straße und rief gedanklich nach seiner Gefährtin: ‚Süße, wo bist du? Hast du schon gejagt?'
Ein Gefühl sagte ihm, dass sie fertig war. So wie er sie kannte, tobte sie nun irgendwo ihre Lust aus. Bei dem Gedanken musste er grinsen.
‚Ja, ich war schon auf der Jagd. Wo bist du?', antwortete sie als sie Magnus hörte.
‚Ich bin noch beim Kolosseum. Und du? Dann komme ich zu dir.'
Ich bin in einem Club in der Via Fonteiana, auf der anderen Seite des Tibers', antwortete Ivana.
‚Dann warte dort auf mich.'
Club klang gut. Also machte sich Magnus dorthin auf.

Die Aura seiner Gefährtin lotste ihn vor einen Club namens „Black Swan". Das klang vielversprechend und er spürte neben den Menschen noch viele andere Unsterbliche in diesem Gebäude. War es ein gemischter Club?
Die Gegend hier bestand aus vereinzelten Geschäften und Mietshäusern, wirkte wie in einer italienischen Kleinstadt. Angrenzend gab es bereits viel Grün. Also eher ein Randgebiet vom Zentrum.
Vor dem Eingang stand ein unsterblicher Aufpasser, der ihm ein wenig erschrocken den Weg frei machte, was an Magnus Alter liegen musste.
Neugierig betrat der Ältere das Innere des Clubs, das in Schwarz und Lila gehalten war. Auf den ersten Blick entdeckte er viele Sofaecken auf denen einige ungleiche Pärchen saßen.
„Hallo Liebling! Interessanten Laden, den ich hier gefunden habe, nicht?", begrüßte ihn Ivana, zog ihn an sich und küsste ihn.
Er erwiderte ihren Kuss: „Ja, sieht interessant aus." Sie war so schön warm und das machte ihn an. Er bemerkte die teils misstrauischen, teils ängstlichen Blicke der Jüngeren. Ganz allgemein sandte er: ‚Ich will nichts von euch.'
„In diesem Club können wir mit Sterblichen Blut austauschen", erklärte Ivana.
Magnus war in Gedanken schon bei morgen. Sie würden sich ein neues Revier erobern.
„Okay, ich könnte hier ja noch ein wenig kosten, wenn es schon erlaubt ist. Dann sehe mich mal nach einer leckeren Sterblichen um. Was machst du solange?"
„Ich schau mich noch ein wenig um", sagte Ivana.

Magnus setzte sich auf eines der schwarzen Ledersofas und beobachtete die Leute eine Zeitlang, um zu erfahren, wie das Ganze so ablief. Er wollte gern mit einer Frau den Blutaustausch machen. Nur mit welcher. Überall hübsche Frauen und Männer. Da fiel die Wahl schwer, aber er ließ sich mehr von seiner Nase leiten. Wenn, dann wollte er Blut trinken, das ihm zusagte. Die Gedanken einiger Frauen, die ihn gern von sich trinken lassen wollten, überhörte er einfach.
Bald darauf witterte er einen reizvolleren Duft und seine Augen suchten nach der Quelle.
Es war eine dunkelblonde, sehr attraktive Frau, die einige Meter entfernt von ihm stand. Sie trug einen knappen Rock, kniehohe Stiefel und eine Corsage, die ihr Dekolleté betonte. Ein leckerer Anblick.
Magnus erhob sich und ging zu ihr: „Ciao, Bella. Darf ich dich einladen?"
Sie wandte sich um, musterte ihn und fand ihn sofort atemberaubend: ‚Wow, was für ein Prachtvampir. Mit dem wird es sicher geil.'  
Er verstand ihre russischen Gedanken.
Lächelnd antwortete sie dann mit östlichem Akzent: „Gern."
Magnus schien auf Russinnen zu stehen, dachte er für sich.
In diesem Club brauchte man nicht lange drum herum zu reden. Die Sterblichen, wie die Vampire wussten, was Sache war. Yvetta, wie Magnus in ihr las, fand die Typen ja alle heiß, aber der war noch viel heißer.
Als sie sich in der schummrigen Ecke auf das Sofa gesetzt hatten, fragte Magnus auf Russisch: „Wie möchtest du es? Du zuerst?"
Yvetta war überrascht: „Du sprichst russisch?"
„Ja, meine Gefährtin ist Russin."
Dann sah sie ungeduldig auf seinen Arm: „Ja, ich möchte zuerst."
Der Unsterbliche schob den Ärmel seiner Lederjacke hoch, biss in seinen Unterarm und hielt ihn Yvetta unter die Nase. Sie führte ihn ohne Umschweife zum Mund und begann daran zu saugen.
Er genoss das Kribbeln und ihre heiße, saugende, vibrierende Zunge an der Wunde. Es war anders, als bei Artgenossen. Doch ihm gefiel es irgendwie, stellte er erstaunt fest. Deswegen ließ er sie lange gewähren, bis ihr schon fast schlecht von dem Blut war.
Zufrieden lehnte sie sich zurück und ließ Magnus ihre blutverschmierten Lippen küssen, seinen Mund über ihren Hals wandern. Stürmisch erwiderte Yvetta diese Küsse und streichelte hitzig über seinen Körper. Das Vampirblut machte jedes Mal lüstern und dieses anscheinend noch mehr.
Unter ihrem Rock war sie nackt, stellte Magnus fest als er mit der Hand ihre Schenkel entlang fuhr, ihn ein wenig hochschob und begann ihre Knospe mit seinen zarten Fingern zu bearbeiten.
Yvetta stöhnte zuckend auf. Ihr Herzschlag pochte in seinen Ohren und sie stöhnte und ächzte immer wieder. Durch sein Blut empfand sie alles jetzt noch besser und ihre Schmerzgrenze war deutlich herunter gesetzt.
Seine Zähne senkten sich langsam in ihre Halsbeuge, was sie kaum spürte. Dafür brachte sie sein Saugen fast um den Verstand. Er presste seine kühle Zunge an ihre heiße Haut und sog langsam ihr Blut ein.
„Oh Gott, Wahnsinn", stöhnte sie und krallte sich in seine Haare.
Magnus trank so langsam wie möglich, um seinen Genuss zu verlängern. Er fühlte ihre Fingernägel in seiner Kopfhaut und ihre pulsierende Ader an seiner Zunge. Das alles erregte ihn sehr stark und Yvetta ebenso.
Ein ersticktes Knurren war zu hören. Er wusste, dass sie ihn spüren wollte und so zog er seine Hose herunter und schob sich in sie.
„Oh ja, fick mich", jammerte sie vor Lust. Sie war total aufgepeitscht.
Hm, dieser verführerische Geschmack von ihr auf der Zunge und ihr pulsierender Leib unter ihm, waren eine harte Probe für die Kontrolle über seinen Körper. Er war es einfach noch nicht gewohnt, sich seiner Blutgier nicht hinzugeben, weil er die Sterblichen normalerweise tötete. Doch im Moment war er nicht hungrig und so hielt sich auch seine Gier in Grenzen. Aber sein Sextrieb wollte befriedigt werden. Er stieß sich rhythmisch in sie und Yvetta umklammerte ihn mit Armen und Beinen.
Sein Tun erregte die Aufmerksamkeit der unsterblichen Aufpasser des Clubs. Einer der Männer behielt diesen Alten im Auge, denn er ging ganz schön ran bei der Sterblichen. Bei dessen Körperkraft, konnte schnell was passieren. Außerdem geschah es nicht so häufig, dass Alte in diesem Club auftauchten.
Magnus war so in Yvetta vertieft, dass er gar nicht bemerkte, dass er beobachtet wurde. Manche fanden seine Vorstellung ganz anregend.
Der Unsterbliche hielt schließlich ihren zuckenden Körper in den Armen und befriedigte sich mit einigen weiteren Stößen. Fauchend krallte er sich in die Polster, um Yvetta nicht zu verletzen.
Als er sich aufrichtete, lag sie schwer atmend auf dem Sofa. Ihr Brustkorb hob und senkte sich wie verrückt und Magnus hatte Sorge, sie könnte zusammenbrechen. Doch sein Blut würde das Schlimmste verhindern. Er wusste, dass es bei Sterblichen heilende Wirkung hatte.
Sie keuchte: „Du bist der Wahnsinn. Wie heißt du eigentlich?"
Er strich mit der Hand über ihre Schenkel: „Magnus." 
„Yvetta."
Er lächelte: „Ich weiß."
Sie fand seine funkelnden blauen Augen so faszinierend. Daran konnte man hier im dusteren Club die Unsterblichen gut erkennen. Es gab auch Sangs, die sich hier einschleichen wollten um Donoren zu bekommen. Doch die unsterblichen Aufpasser ließen solche Typen erst gar nicht rein.
Mit der Zeit hatte Yvetta die Vampire immer besser erkannt. Wenn man wusste, wie sie aussahen und wie sie waren, konnte man sie gut von Menschen unterscheiden. Manchmal entdeckte sie welche in der Stadt, aber sie würde sich ihnen niemals außerhalb des Clubs nähern. Das war viel zu gefährlich. Hier passten die Betreiber sehr gut auf, dass es keine ernsten Zwischenfälle gab und so fühlte sie sich sicher und brauchte sich nicht vor den Vampiren fürchten. Außer sie würde rumerzählen, was hier abging. Dann wäre sie tot.
Magnus lächelte: „Na, hast du dich wieder beruhigt?"
Sie setzte sich nickend auf und zog ihren Rock wieder zurecht: „Ja. Du bist neu hier, oder?"
„Ja, das bin ich." Er stand auf: „Nun, ich gehe dann mal wieder."
Yvetta würde nun hinaus in die Stadt gehen und die Wirkung seines Blutes genießen. Ihre Sinne waren nun um einiges schärfer und sie fühlte sich einfach unwiderstehlich.

„Na, hast du den Club ein wenig getestet?", fragte Ivana als Magnus bei ihr war. Er sah noch der Russin nach, wie sie hinausging: „Ja, habe ich. Sie schmeckte sehr gut."
Dann wandte er sich seiner Gefährtin zu: „Scheint ein neuer Trend zu werden, diese Blutaustausch-Sache. Irgendwie gefiel es mir, als sie an mir saugte. Es ist anders und ich genoss die Macht, die ich über sie hatte."
Ivana schmiegte sich an ihn: „Gehen wir zurück"
Auf dem Weg zum Ausgang bemerkte Magnus die Blicke der schwarzhaarigen Clubbesitzerin und hörte ihre Gedanken, die sich auf ihn bezogen. Er lächelte sie an, bevor er mit Ivana hinausging.
„Wir haben Antwort von der Maklerin bekommen. Ich hab mal ne Anfrage wegen einem Termin zurückgeschickt und ihre Telefonnummer notiert. Hoffentlich gehört die Wohnung bald uns."
Das freute Ivana zu hören. „Sehr gut! Ich kann es kaum erwarten! Wann willst du einen Termin mit ihr machen?"
Er antwortete: „Mal sehen, wann sie Zeit hat. Wie hast du dir das morgen eigentlich gedacht? Du wolltest ja mit zum Revier erobern. Aber mir fiel ein, dass es besser wäre, wenn ich schon früh zu den Katakomben gehe. Dort haben sie sich nämlich verkrochen, nachdem ich sie herausgefordert hatte. Ich belauschte sie noch eine Weile, aber ich weiß nicht, wo der Eingang ist. Ich werde morgen einfach ihren Schwingungen folgen. Da unten ist ein Kampf gefährlicher. Alle sind ungefähr so stark wie du. Da habe ich wirklich Angst um dich." Er sah sie bittend an.
„Ich mache mir aber genauso Gedanken um dich, Magnus, wenn du allein gegen vier kämpfst. Da will ich eigentlich schon dabei sein."
Magnus winkte ab: „Ach was. Die sind doch viel zu schwach gegen mich. Ich schätze, dass ohnehin nur drei kämpfen werden, wenn überhaupt. Ich hab nämlich eine der Frauen ganz schön eingeschüchtert. Die kriegt weiche Knie, wenn sie mich wiedersieht." Dabei grinste er hinterhältig.
Ivana war immer noch skeptisch: „Du meinst also, ich sollte mich morgen mit der Maklerin treffen?"
Er nickte: „Das ist eine gute Idee. Dann haben wir beides erledigt. Aber wenn sie heute erst meine Mail bekommt, ob sie morgen Abend dann schon was frei hat? Wie wäre es, wenn du dich vorerst im Hintergrund hältst, falls ich doch Hilfe brauche? Du versteckst dich vor den Katakomben."
Ivana überlegte: „Ob es viel Sinn macht, sich vor den Katakomben zu verstecken, ist fraglich. Die haben doch bestimmt mehr als einen Eingang. Oder meinst du, ich soll dann dazu kommen, wenn du Hilfe brauchst?"
„Ja genau. So hatte ich es gemeint."

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