2.2.17

Fantasy: Doppelgänger, Hexe, Königreich, Taverne
In einem weit entfernten Königreich lebte einmal ein Prinz. Er war noch keine 20 Jahre alt und sein Vater, der König, regierte das Reich.

Eines Tages ging der Prinz zusammen mit seinem Vater auf die Jagd. Mit ihnen kamen auch viele Grafen und Jäger mit ihren Hunden. Während sie nun im königlichen Forst jagten, verirrte sich der junge Prinz und fand sich schließlich bei einer kleinen, verfallenen Hütte wieder. Er stieg von seinem Pferd ab und band es an einen Baum. Langsam näherte er sich der Hütte. Vor ihr sah er ein junges Mädchen, nicht viel jünger als er selbst. Sie trug gerade Reisig zusammen.
„Hallo, Mädchen“, rief der Prinz ihr zu. „Ich war mit meinem Vater jagen und habe mich verirrt. Jetzt weiß ich nicht mehr, wie ich zu ihm zurück komme. Kannst du mir helfen?“
Das Mädchen war erst kurz erschrocken über sein Auftauchen und die unerwarteten Worte. Dann aber sprach es zu ihm:
„Ihr habt hier im Wald gejagt? Lasst das ja nicht den König wissen. Jagen ist hier im Wald strengstens verboten!“
„Das stimmt. Aber dennoch dürfen wir hier jagen, denn ich bin der Prinz und mein Vater ist der König!“, entgegnete ihr der Prinz.
„Entschuldigt, dass ich Euch nicht erkannt habe, edler Prinz“, antwortete das Mädchen erschrocken und ließ sofort das Reisig fallen.
„Das ist doch nicht deine Schuld. Schließlich war ich es, der dich überrascht hat“, meinte der Prinz freundlich. „Doch nun sage mir, kannst du mir den Weg zu meines Vaters Schloss sagen?“
„Ich bedaure, nein“, gab das Mädchen zur Antwort. „Aber meine Mutter kann Euch sicher den Weg sagen. Kommt nur erst einmal mit in unsere Hütte. Dort könnt ihr Euch stärken, um dann den Rückweg anzutreten.“
„Habt Dank, schönes Mädchen“, bedankte sich der Prinz. Das Mädchen errötete. Dann gingen sie gemeinsam in die Hütte.

In der Hütte war es durch die wenigen Lampen nicht sehr hell. Die Mutter des Mädchens begrüßte den Gast mit den Worten „Willkommen bei uns, edler Prinz.“ Das Mädchen bot dem Prinzen einen Platz am Tisch an und die Mutter trug die Suppe auf. Während sie aßen sprach niemand. Doch nachdem sie alle ihre Schüssel leer gegessen hatten, erklärte der Prinz der Mutter, was er auch schon dem Mädchen erzählt hatte. Diese meinte daraufhin:
„Da habt ihr Euch aber sehr verirrt. Das Schloss des Königs ist mindestens einen halben Tagesritt entfernt. Und bald wird es dunkel. Deshalb kann ich Euch nur anbieten, dass Ihr bei uns schlafen könnt, um morgen früh zum Schloss zu reiten. In der Dunkelheit verirrt Ihr Euch sonst noch viel mehr. Und außer uns gibt es kaum jemanden, der hier in der Umgebung lebt und den Ihr nach dem Weg fragen könntet.“
„Habt vielen Dank, gute Frau“, bedankte sich der Prinz für das freundliche Angebot. „Dann werde ich die Nacht hier verbringen.“
Während sich die Mutter und der Prinz noch ein wenig unterhielten, stand das Mädchen auf und machte dem Prinzen das Nachtlager bereit. Es suchte die wärmsten Decken und das dickste Kissen hervor, das sie bei sich in der Hütte hatten. Ab und zu hatte sie auch ein Auge auf den Prinzen. 'Hübsch ist er anzusehen', dachte sie bei sich. Und auch er fand Gefallen an dem Mädchen.
Schließlich legte sich der Prinz schlafen und nachdem sich das Mädchen noch einmal erkundigt hatte, ob denn auch alles seinem Wohlgefallen entspräche, gingen auch sie und die Mutter schlafen.

Am nächsten Morgen wurden sie vom Gezwitscher der Vögel geweckt. Zum Frühstück aßen sie etwas Brot. Und nachdem der Prinz sich bei den beiden für ihre Gastfreundschaft bedankt hatte, stieg er auf sein Pferd und ritt zum Schloss. Dort angekommen herrschte große Erleichterung, denn man hatte den Prinz am Abend bei der Rückkehr vermisst.

In den nächsten Tagen musste der Prinz immer wieder an das Mädchen im Wald und ihre Mutter denken. Er hatte ihre Schönheit noch immer vor Augen und konnte nachts kaum schlafen, so sehr sehnte er sich nach ihr. Schließlich ging er damit zu seinem Vater und sagte:
„Vater, ich finde keine Ruhe, ehe ich das Mädchen aus dem Wald noch einmal gesehen habe. Ihre Augen haben mich verzaubert. Ich muss zu ihr.“
Der König antwortete darauf: „Nun gut, Sohn. Ich werde dich kaum daran hindern können. Doch nimm dir ausreichend Proviant mit und komme bald wieder!“
„Habt Dank, Vater“, sagte der Prinz und ließ sogleich sein Pferd satteln.
Dann galoppierte aus dem Schloss und dem Wald entgegen.

Doch der Prinz fand den Weg zur Hütte nicht sofort. Er kam erst an einer am Weg liegenden Taverne vorbei. Dort fragte er den Wirt, ob er denn wüsste, wo eine Mutter und ihre Tochter im Wald wohnen. Der konnte dem Prinzen Auskunft geben und so fand der Prinz schließlich den Weg zur Hütte.
An der Hütte wurde er sofort von dem Mädchen in Empfang genommen und freudig umarmt. Auch die Mutter begrüßte ihn voller Freude. Und so verbrachten sie einen schönen Tag, bis die Nacht hereinbrach.
„Diese Nacht schlafe ich bei euch, doch morgen muss ich wieder zurück zu meines Vaters Schloss. Er macht sich sonst Sorgen um mich“, sprach der Prinz zum Mädchen.
Die wiederum war ebenso traurig darüber wie der Prinz selbst und so versprachen sie sich, noch einen schönen Abend zu verbringen.
Am nächsten Morgen dann wollte der Prinz gar nicht so recht fort und verließ die beiden schließlich erst zur Mittagsstunde. Im Schloss angekommen freute sich der König, dass sein Sohn wieder zurückgekehrt war. Er hatte schon ein ungutes Gefühl gehabt, als der Prinz noch einmal zur Hütte hatte reiten wollen. Doch nun freute er sich und hielt die Sache für abgeschlossen.
Doch in den nächsten Tagen ging es dem Prinzen wie zuvor. Ständig musste er an das Mädchen denken und konnte nachts kein Auge zu tun. Schließlich sprach er mit dem König darüber:
„Tagein und tagaus kann ich an nichts anderes denken als an das schöne Mädchen im Walde. Bitte, lass mich noch einmal dahin reiten. Ich halte es sonst nicht länger aus zu leben.“
Dem König aber wurde schwer ums Herz, denn er meinte, seinen Sohn an das Mädchen zu verlieren.
"Höre zu, mein Sohn", meinte er deshalb, „du kannst das Mädchen nicht zur Frau nehmen und in der Hütte wohnen. Das ziert sich nicht für deinesgleichen. Und wer außer dir soll sonst das Land regieren, wenn ich einmal abdanken muss? Nein, ich lasse dich nicht noch einmal in den Wald reiten!“
Der Prinz wurde traurig bei den Worten seines Vaters. Und so ging er in sein Zimmer und schloss sich dort ein. Niemand konnte nun mehr zu ihm vordringen, nicht einmal sein eigener Vater.
Das verdross den König sehr und so dachte er darüber nach, wie das Problem zu lösen sei. Schließlich fand er keinen anderen Weg, als nach dem Mädchen und ihrer Mutter zu schicken und sie als Mägde an das Schloss zu holen. Die beiden waren einverstanden und so lebten sie fortan als Mägde im Schloss.
Als der junge Prinz davon erfuhr, schloss er sofort seine Zimmertür auf und lief zu den beiden hin. Das Mädchen freute sich sehr, als sie den Prinzen sah und auch die Mutter freute sich darüber. Nun waren sie alle beisammen. Von nun an sahen sich das Mädchen und der Prinz täglich. Und alle im Schloss wussten von dem jungen Liebespaar.
Auch der König wusste von den beiden Verliebten, doch er war nicht erfreut darüber. Er rief den Prinzen zu sich und sagte:
„Mein Sohn, du kannst nicht die ganze Zeit bei den Mägden sein. Das ziemt sich nicht für dich. Du bist ein Prinz! Und als solcher musst du einmal ein ganzes Land regieren. Deshalb werde ich dir von nun an alles lehren, was du zum Regieren brauchst. Diplomatie, Strategie und vieles mehr. Dann hast du keine Zeit mehr, um dich mit dem niederen Volk zu vergnügen.“
Die Worte des Königs trafen den Prinzen schwer. Doch er konnte nichts dagegen tun. Und so verbrachte er nun Tag für Tag in den Diensträumen seines Vaters und lernte allerhand. Sein Mädchen sah er nur noch selten.

Eines Tages, als sich das Mädchen und der Prinz wieder einmal sahen, sprach sie zu ihm:
„Ich halte das nicht mehr aus! Jeden Tag verbringst du mit deinem Vater und lernst das regieren. Du hast gar keine Zeit mehr für mich!“
„Mein Vater zwingt mich dazu, das alles zu lernen“, entgegnete der Prinz, „was interessieren mich Politik und Diplomatie, wenn ich doch nur mit dir allein glücklich werden kann. Aber ich kann nicht fort und mich meinem Vater entziehen. Er würde es sofort bemerken.“
Bei den Worten des Prinzen formte sich ein Lächeln in des Mädchens Gesicht. Als er geendet hatte, sprach sie:
„Oh, wie erleichtert bin ich doch, dass du mich immer noch liebst. Doch mache dir um die Flucht keine Sorge.“
Und etwas leiser fuhr sie fort:
„Meine Mutter ist eine Hexe – eine gute. Sie kann einen Doppelgänger von dir erschaffen, der deiner statt hier im Schloss bleibt. So können wir gemeinsam von hier fliehen und im Wald in der Hütte glücklich werden.“
Und so wie sie gesagt hatte, geschah es dann auch. Des Prinzen Doppelgänger war nun in dessen Zimmer, während der richtige Prinz zusammen mit seinem Mädchen und der Hexe eines Nachts in den Wald floh. Dort lebten sie glücklich von einem Tag in den anderen und hatten keine Sorgen.
Im Schloss derweil hatte der König das Fehlen der beiden Mägde bemerkt. Doch er dachte sich nichts weiter dabei. 'Vielleicht wollten sie nicht mehr in meinem Dienste stehen', meinte er. Glücklich war er aber darüber, dass der Prinz immer noch bei ihm war. Denn der Doppelgänger glich dem Prinzen auf das Haar genau. Als er nun mit mehr Freude und Interesse den Erklärungen des Königs folgte, freute sich dieser und dachte, sein Sohn hätte einen Sinneswandel durchlaufen. Auch dass er kein Wort mehr von dem Mädchen sprach, freute den König. Doch ihn wunderte sehr, dass der Prinz nun überhaupt kein Wort mehr sprach. Weder zur Begrüßung noch zu den Ausführungen des Königs noch zu irgendetwas verlor er ein Wort. Das wunderte den König. Doch er fragte nicht weiter.

Die Wochen und Monate gingen ins Land und die drei in der Hütte wohnten friedlich und glücklich zusammen. Doch in dieser Zeit vergaß auch die Hexe, die Mutter des Mädchens, den Doppelgänger im Schloss. Und so verblasste dieser immer mehr, bis er schließlich gar verschwand.
Als das geschah, suchte der König den Prinzen und dachte, dieser wäre nun doch zum Mädchen in den Wald zurückgekehrt. Und so nahm er einige seiner Wachen und ritt mit ihnen zu der Hütte im Wald. Doch als er da ankam, sah er den Prinzen glücklich und ohne dass ihm etwas fehlte. Da durchschaute der König den Zauber der Hexe. Auf seinen Befehl hin ergriffen die Wachen das Mädchen und die Hexe. Der König ließ den Prinzen auf sein Pferd steigen. Und so ritten sie zusammen wieder zum Schloss. Dort wurde das Mädchen in den Kerker gesperrt und die Mutter als Hexe verbrannt. Der Prinz war in sein Zimmer gesperrt worden und so hatte er allem tatenlos zusehen müssen. Von nun an musste der Prinz in seinem Zimmer bleiben und der König unterrichtete ihn dort.

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    Ich möchte hier gerne anmerken, dass ich noch nie wirklich etwas märchen-artiges geschrieben habe. Das hielt mich aber nicht davon ab, das einmal als Schreibübung zu versuchen. :-) Ob mir das nun gelungen ist, dürft ihr selbst entscheiden.

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Fairy Dust

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