-2-

Ich wollte meine Hände als Kissen benutzen, als ein stechender Schmerz meinen Körper durchfuhr und ich krächzte. Dann öffnete ich meine Augen.
Ein stechender Schmerz durchfuhr meinen Körper und ich wimmerte.
Vor mir stand Fiona. Sie hatte eine Flasche Alkohol und einem Lappen in den Händen. Ich sah mich um, wir befanden uns in der Kammer neben der Küche und ich lag auf einem alten Bettgestell mit einer durchgelegenen Matratze.
Fiona schüttete ungerührt eine halbe Flasche Alkohol auf mein Knie. Ich schrie auf. Tränen liefen mir über die Wangen und eine Träne benetzte mein Medaillon, mein einziges Erbstück. Es war, als würde das Medaillon die Träne aufzusaugen, aber in diesem Moment hatte ich dazu keine Zeit, denn jetzt rückte Fiona mit dem Lappen an und Tupfte den ganzen Dreck aus meinen Wunden.
Meine Hände waren schon bandagiert. Die hatte ich mir beim Sturz aufgeschlagen. Immer und immer wieder befeuchtete Fiona den Lappen mit dem Alkohol und tupfte weiter auf meinem Knie herum. Beschäftigt sah sie mich kurz an und erschrak, als sie Sah, dass ich wach war.
„Oh, Tia, sag doch was! Ich hätte es dann vorsichtiger gemacht!", sagte Fiona besorgt und verband mein Ganzes Bein vom Oberschenkel an und kleisterte alles mit Gips zu. „Tut es sehr weh?", fragte Fiona und klatschte noch mehr Gips auf mein Bein. „Nein", sagte ich heiser. Fiona beendete das ‚Gipssieren' und ging in die Küche. Sie tauchte mit einem Glas Wasser wieder auf und gab mir vorsichtig das Glas. Die Kühle des Glases tat meinen schmerzenden Händen gut. Als ich dann was trank, war ich im Himmel. Langsam lief die kühle Köstlichkeit mein Rachen runter. Es kühlte meine gereizten Mandeln und ich konnte wieder richtig schlucken. Fiona betreute - wie ein Adler- mein Tun und passte auf, dass ich ja alles austrank.
„So, das müsste helfen. Möchtest du heute Nacht noch hier schlafen oder oben?", fragte sie. „Nein, also meine Hände tun weh und ich darf wahrscheinlich auch mit meinem kaputten Knie auch gar nicht auftreten." „Stimmt, ja. Da hast du vollkommen Recht. Dann hole ich für dich den Rollstuhl wieder hoch. " „Mhmm... ja, das fände ich gut, meine Hände tun noch etwas weh."
Fiona nickte und ließ mich für eine längere Zeit allein. Plötzlich hörte ich ein gedämpftes ächzen und stöhnen. Etwas später kam Fiona herein mit einem Rollstuhl. Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Puh, der Rollstuhl ist aber schwer!" „Warum? Stand er im Keller?" „Ja, leider." Fiona wischte den Rollstuhl sauber und hob mich in den Rollstuhl. „Du solltest wirklich alles aufessen, von dem wenigen das ihr bekommt.", tadelte sie mich, doch sie sah fast genauso aus. Fiona war wie ich als Waise aufgewachsen und begann hier im Waisenhaus weiterzuarbeiten um unser Leben etwas zu erleichtern, aber viel konnte selbst sie nicht ausrichten, obwohl sie schon seit 52 Jahren hier arbeitete. Fiona schob mich mit leise quietschenden Rädern durch die Eingangshalle und passte auf, dass Miss Cole uns nicht hörte, die im 1. Stock wohnte. Fiona schob mich weiter und mein Knie begann wieder zu schmerzen. Plötzlich hörte Fiona auf zu schieben und öffnete eine Tür. Komischerweise war das Zimmer nett eingerichtet. Im recht kleinen Zimmer standen ein Bett, eine Kommode und ein Nachtschränkchen.
Sachte hob sie mich in das Bett und ich lag zum ersten Mal auf einer richtigen Matratze. Sie fühlte sich weich an. Die Decke war schön warm und roch nach Weichspüler. Ich kuschelte mich in die Decke und schlief nach einer Zeitlang ein. Es dämmerte, als ich durch die Schmerzen meines Knies aufwachte. Es war, als würden meine Beine kribbeln. Wie, als würden sie aufwachen, aber nur ganz schwer konnte ich meine Beine heben und das nur eine Sekunde lang, einige Zentimeter hoch. Das Kribbeln ebbte auch schon langsam und ich schlummerte wieder ein.
„WARUM LIEGT ES IM GÄSTEZIMMER!!!!", schrie eine schrille Frauenstimme mich wach. „Miss, Tia lag verletzt im Hof und konnte nicht in ihr Zimmer.", versuchte Fiona Miss Cole zu beruhigen, die vor der Tür rumkreischte. „DAS IST KEINE AUSREDE!", schrie sie und stampfte ins Zimmer. Vor Schreck zog ich die Decke höher und bemerkte, dass ich immer noch im verdreckten und verklebten Kleid von gestern anhatte. „WAS HAST DU, MISTGEBURT IM GÄSTEZIMMER ZU SUCHEN!", schrie Miss Cole mich an und versuchte mich aus dem Bett zu ziehen. „Miss! Ihr Bein ist gebrochen! Sie kann nicht gehen!", versuchte Fiona Miss Cole zu beruhigen, was ihr misslang. Miss Cole zog mich aus dem Bett und ich versuchte strauchelnd auf meinem Beinen zu stehen, aber ich hatte keine Kraft in den Beinen und stürzte. Irgendwie hatte ich nicht mal ein Gefühl in den Beinen. Merkwürdig.
„Steh auf! STEH ENDLICH AUF, TIA!", schrie Miss Cole mich weiter an. „I-Ich kann nicht...", es stimmte, ich konnte meine Beine nicht bewegen. „Wie, du kannst nicht!", zischte Miss Cole bedrohlich. „Ich kann meine Beine nicht mehr Fühlen." Dieser Satz ließ Miss Cole verstummen. Fiona sah mich erschrocken an und holte den Rollstuhl und hob mich rein. „Ich bring Tia aufs Krankenzimmer und bringe ihre Besitzgegenstände später da auch hin. Sie wird nicht in ihr altes Zimmer gehen können."
Entsetzt klappte ich meinen Mund auf, aber kein Ton entkam ihm. Zu entsetzt über diese Aussage. Mein Zimmer war der einzige Raum, wo ich ungestört blieb, aber im Krankenzimmer war man nie allein, doch die Ärztin, Miss Daglis war eine alte Freundin von Fiona und blieb neutral. Also war sie nett.
Ich bekam ein Bett und eine Kleine Kommode zugeteilt. Das Bett war normal hoch, aber daran war kein Geländer angebracht. Mit äußerster Mühe hob ich meine Beine mit meinen Händen auf das Bett, aber ich wusste nicht wie ich meinen Oberkörper aufs Bett verfrachten sollte. Dann kam Miss Daglis herein. Alles in mir sträubte es sich sie zu fragen, aber sonst würde ich morgen noch so sitzen. „Miss Daglis! Miss Daglis, könnten sie mir bitte helfen? Ich kommen nicht auf das Bett.", bat ich sie. Miss Daglis seufzte und sah auf die Uhr. „Tia, es gibt gleich Mittagessen. Du kannst dich nicht hinlegen." „Aber ich bin so müde und ich kann gar kein Besteck halten mit meinen Fingern." Miss Daglis seufzte nochmal und nickte dann. „Ich werde dich für das Mittagessen entschuldigen, aber zum Abendbrot musst du kommen, sonst kriegst du mächtigen Ärger.", warnte sie mich und hob mich auf das Bett und deckte mich zu. „Ich weck dich dann.", sagte sie noch und meine Augen schlossen sich.
„Tia, es ist Besuch für dich da.", sagte irgendjemand aus weiter Ferne zu mir. Ich grummelte. „Ich will nicht....lass mich in Ruhe...", grummelte ich weiter. Plötzlich wurde ich an den Schultern gepackt und leicht geschüttelt. Seufzend hob ich meine Augenlider und sah Miss Daglis vor mir stehen. „Tia, du hast Besuch." „Wie?! Ernsthaft!? Wer ist es denn?", fragte ich aufgeregt. „Er sagte, dass er Professor sei." Erschrocken zog ich die Decke höher. Doch Miss Daglis zog die Decke weg und zog mir ein frisches Kleid an. Dann wusch sie mich und kämmte meine Haare. Sie hob mich in den Rollstuhl. „Ich schau mir noch schnell deine Hände an, ok." Miss Daglis nahm den Verband von meinen Händen ab und die Haut war heil. Ohne einen Riss oder etwas anderem. „Merkwürdig, höchst Merkwürdig... Ich nehme dir auch den Verband und Gips vom Bein ab, ja."
Mit einer Mini-Säge sägte sie den Gips auf und das Bein sah genauso wie anderes Bein aus. Unverletzt, nur ein kleiner Fehler bestand darin und zwar das ich meine Beine gar nicht mehr benutzen konnte. Miss Daglis wusch nochmal das Bein und Die Hände ab und schon klopfte es. „Kommen sie herein", sagte sie und ein älterer Herr mit längerem weißen Haar und einem Bart kam herein. Er trug einen Pflaumenblauen Anzug und sah freundlich aus.
„Guten Tag, Hestia." „Guten Tag, Sir, aber ich heiße Tia." „Nein, Nein, du heißt Hestia."
Ok.... „Was führt sie hierher, Sir?" „Ich möchte dir etwas von der Schule berichten, an der ich arbeite und fände es schön, wenn du nach dem Sommer auf die Schule gehen würdest."
„Sie kommen von einer Psychiatrie, oder, Sir? Miss Cole hat sie gebeten zu kommen." „Nein Hestia. Die Schule heißt Hogwarts und ist ein Internat. Da kommen Kinder drauf, die etwas Besonderes können. Etwas anderes als Miss Cole oder einen der anderen Kinder. Die Kinder, die auf Hogwarts gehen werden, sind Zauberer und Hexen." „Ich bin keine Hexe, Sir. Ich habe noch nie gezaubert." „Und deine Hände, waren sie gestern nicht noch stark verwundet. Jetzt sieht man nicht mal eine kleinste Narbe. Glaubst du, das ist keine Magie?"
„Aber.... Wirklich? Wollen sie mich nicht veräppeln, Sir? Ehrenwort?" „Ehrenwort" „Dann glaub ich ihnen. Doch Sir, in ein Internat und generell in einer Schule sind Treppen und Stufen, über denen ich nicht mit meinem Rollstuhl nicht fahren kann.", sagte ich betrübt. „Deswegen komme ich ja auch schon so früh in den Ferien, Hestia. Ich bringe dich in das St. Mungos für magische Krankheiten und Verletzungen. Da können die Ärzte dir mehr helfen als in der Nichtmagischen Welt."

~ 1985, auf dem Dachboden~
Leise schleicht sie die alte Treppe, die schwarz vom Ruß ist, hoch. Sie fängt an zu knarzen und lässt die 6 jährige stehen bleiben und aufhorchen. Ängstlich sieht sie sich um und steigt die Treppe langsam weiter hoch. Sie kommt in einen dunklen Gang und es stinkt beißend nach Qualm. Obwohl es schon 2 Jahre her war, dass es hier gebrannt hatte, hat hier noch keiner geputzt und überall hängen Spinnennetze.
Sie geht den Gang weiter und kühle Abendluft wird ihr ins Gesicht geblasen. Ein großes Loch ist da, wo eigentlich das Dach sein soll und kleine kalte Tropfen benetzen ihr Haar. Es ist, als würde sie eine Verbundenheit mit dem Wind haben und breitet ihre Arme aus und... sprang. Ihr langes Haar wird aus dem Gesicht geweht und flattern fröhlich hin und her. Fußgetrappel ist zu hören und ein kleines Mädchen mit schwarzen Haaren kommt herein. Entsetzt sieht sie, wie Tia schwebt.
"Das darfst du nicht! ", schreit Claire Tia an. Tia sieht sie mit abwesendem Blick an. "Das sag ich Miss Cole! "
Sie achtet immer noch nicht auf Claire.
Claire dreht sich um, um zu Miss Cole zu rennen. Eigentlich mag sie ja Tia, doch die war so komisch und furchteinflößend. Sie wollte mit Tia Spielen, ohne Angst zu bekommen, dass sie Feuer fängt.
Sie läuft an Miss Daglis vorbei die vielen Treppen herunter.
Ein Kind schreit und Claire kommt in einen großen Raum. Merkwürdigerweise brennt ein Feuer im Kamin. Ein nicht mal 5 Jähriger Junge liegt da auf dem Boden und hält sich seine geschwärzte Hand. Er hat eine Apfelspalte Aus der Küche stibitzt.
Genauso wie Tia hat er so komische Kräfte und hat so etwas vor Miss Cole mal getan. Er hatte Prügel bekommen. Als Claire mit knappen 3 Jahren im Waisenhaus ankam, wurde sie von Miss Cole begrüßt und zu diesem Zeitpunkt ist sie noch nicht so verbittert; scheint es. Es hat die ganze Zeit unter ihrer Haut geschlummert und nur drauf gewartet, endlich herauszubrechen.~

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media