2. Kapitel

„Papa? Langsam ist es nicht mehr witzig. Bitte, komm raus, damit wir feiern können!“, rief Tevin, während er erst die Tür zur Küche und danach, die zu seinem eigenen Zimmer aufstieß. Auch hier herrschte Leere und Stille. Vielleicht ist er eingeschlafen, überlegte er zweifelnd und zog seine Zimmertür hinter sich zu. Vielleicht musste er heute Nacht arbeiten, aber das hätte ich doch bemerkt … oder? Seine Zweifel wuchsen mit jedem Schritt und als er auch das Schlafzimmer seines Vaters kalt und verlassen vorfand machte sich ein mulmiges Gefühl in seiner Magengrube breit. Nicht in Panik geraten, versuchte er sich selbst zu beruhigen, noch habe ich nicht alles abgesucht. Vielleicht arbeitet er, trainiert oder experimentiert mit neuen Rezepten.

Tevin verließ das Zimmer seines Vaters in Richtung Flur, mit einer Hand berührte er dabei fortwährend die Wand und zählte die Bretter an denen er vorbeikam. Kurz bevor er am Ende des Ganges ankam blieb er stehen und schob sich mit geübter Leichtigkeit durch die dort verborgene Tür. Der Trick war, mit genau dem richtigen Druck, gegen den richtigen Punkt auf der Wand zu klopfen, um den geheimen Mechanismus zu aktivieren. Eine Öffnung tat sich vor ihm auf und noch bevor er das Ende der steilen Wendeltreppe dahinter erreichte, schloss sich die Wand und ließ ihn in der Dunkelheit die letzten Meter hinabspringen. Es gab Kinder die sich im Dunkel fürchteten und es gab Kinder wie Tevin, die mit ihr aufwuchsen und gelernt hatten, sie zu lieben.
Die Anzahl der Stufen war ihm so vertraut wie die Anzahl seiner Finger und in mancher Weise, fühlte er sich hier unter sogar wohler als oben vor dem prasselnden Kamin. Wo er keine Geheimnisse hatte und er und sein Vater über alles und jeden sprechen konnten, ohne die Ohren neugieriger Nachbarn zu fürchten.

Ein schwarzer Vorhang trennte die Treppe vom eigentlichen Arbeitszimmer seines Vaters, aber Tevin zögerte ihn beiseite zu schieben. Er wusste, dass ihn, sobald er sich am Stoff vorbei schob, ewiges Laternenlicht empfangen würde, dass die Luft nach Pergament und Schweiß schmecken und er ein heilloses Chaos aus Stahl, Federn und Kräutern vorfinden würde. Was ihn jedoch zögern ließ, war der Gedanke, was er tun würde, wenn dem nicht so wäre. Wenn sein Vater nicht zu Hause wäre und auch keine Nachricht hinterlassen hätte. Ich würde auf ihn warten, sagte der vernünftige Teil Tevins und zeigte ihm Bilder, wie sein Vater vollkommen durchnässt und mit reuevoller Miene spät in der Nacht heimkäme und ihm all diese Verwirrung erklären würde. Tevin atmete tief durch, Selbstverständlich würde ich warten.

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