2. Station

Weitere Fahrgäste drängten sich nach draußen in die Kälte und zwangen Ezra erbarmungslos in die hinterste Ecke zurück. Auch dies war Teil des allmorgendlichen Rituals und wie jeden Tag ließ er es über sich ergehen, um sich danach auf einen der frei gewordenen Plätze zu retten. Der verschlissene Stoff war noch warm, aber ein frischer Kaugummi klebte an der Lehne. Mit angewiderten Gesicht lehnte er sich nach vorne und stütze die Ellenbogen auf die Knie.

Neue Gäste quollen durch die Plastiktüren und stießen und zerrten aneinander bei dem Versuch einen Sitzplatz zu ergattern. Ihre Gesichter waren rot vor Kälte und im Haar glänzten weiße Schneeflocken. Einer von ihnen, ein Mann mit langem, stinkendem Mantel, nahm seine Wollmütze ab und schüttelte sie rücksichtlos über dem Boden aus. Schmelzwasser spritze durch die Luft, ließ die Umstehenden zurückweichen und murren. Er sieht nach Ärger aus, schoss es Ezra durch den Kopf und beobachtete, wie der Ausgestoßene die Nase an seinem Ärmel abwischte.
Wieder setzte sich die Bahn stotternd in Bewegung und brachte einen Fahrgast, einen Jungen der die ganze Fahrt über in die digitale Welt seines Displays versunken war, zum Straucheln, er schlug der Länge nach auf den Boden. Ezra musste sich ein lautes Lachen verkneifen. Er sah zu seinem Sitznachbar, der jedoch weiterhin stur auf den Boden stierte und zu den restlichen Passagieren. Sie alle starrten in die Leere oder warfen dem Jungen missbilligende Blicke zu. Wie konnte er es auch wagen ihre Routine und Ruhe zu unterbrechen? Etwas Ungewöhnliches zu tun?
Nur einer von ihnen reichte dem Kleinen seine Hand und half ihm wieder auf die Beine. Der Junge bedankte sich mit einem Nicken und riss sich schnellstmöglichst von dem Fremden los. Ein eigenartiger Ausdruck lag in seinen jungen Augen und er hob argwöhnisch die Brauen, bevor er sich einen Platz weit entfernt suchte. Der Fremde sah dem Jungen kurz nach, bevor sein Blick weiter durch den Wagon schweifte und an Ezra hängen blieb.
Ezra runzelte die Stirn und erwiderte trotzig den Blickkontakt. Irgendetwas passte nicht an der fremden Gestalt, an der Kombination von Turnschuhen und gebügelter Krawatte und ihrer ausgebeulten Tasche.

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