20. Das Lied vom Esel und seinem Herrn

Die Ástilos sind eine viel größere Gefahr, als wir glauben. Ihr mögt sie für besiegt halten Fürsten Arthergs, doch lasst euch sagen, dass sie nur für den Moment aufgehalten sind. Die Revolution wird erneut ausbrechen – heftiger und stürmischer als zuvor.

Zitat Dedans

 

 

Linovèn und Heled saßen auf ihren Pferden und betrachteten von einem Hügel aus die kleine Stadt, die sich unter ihnen ausbreitete.

„Wie heißt sie?“, fragte die Elbe.

„Die Zwillingsreichler bezeichnen sie als „Die Strahlende“ und für Artherg ist sie zu unbedeutend, um überhaupt auf den Landkarten aufgezeigt zu werden.“.

Ein seltenes Lächeln schmückte die Lippen des Rittmeisters, doch Linovèn wusste, wofür es war.

„Danke mir nicht dafür. Du hast diesem Herzog ein Versprechen gegeben und ich werde nicht diejenige sein, die dich daran hindert, es einzulösen. Meine Heimat läuft mir nicht weg und für dich ist es einfacher, wenn du dein Versprechen an meiner Seite vollendest.“.

Heled nickte knapp. Die Gabe der Elbe war wirklich praktisch, Tagesmärsche wurden zu wenigen Stunden, wenn er an ihrer Seite reiste.

„Warte hier.“, bat er, „Ich bin gleich zurück.“.

Er stieg von Malèhlti und lief auf die Stadt zu, die nach arthergischen Maßstäben nur ein Dorf war. Hölzerne Palisaden schützen die Stadt, doch beachteten die Wächter einen einzelnen Mann nicht, der sich unter die Bauern mischte.

Die Straßen waren noch genau schmutzig und die Häuser noch genauso baufällig, wie er es in Erinnerung hatte. Auf dem kleinen Marktplatz waren jede Menge Stände aufgebaut und die Menschen drängelten sich aneinander vorbei. Eine Gauklergruppe spielte in einer Ecke und die Zwillingsreichler vollführten einen ihrer wilden Tänze. Es stank nach Schweiß und Ausdünstungen, doch war es dieselbe Lebensfreude, die diese Stadt ausmachte und prägte.

Heled tauchte in eine Seitengasse. Nur wenig Licht drang an diesen Ort und Heleds Stiefel versanken in Unrat und Matsch.

Endlich erreichte er sein Ziel und klopfte an eine Hintertür. Einen Moment später wurde sie aufgerissen und Heled stand Saret gegenüber. Saret war alt, ihr Haar war grau und ihre Augen blind, ihr Körper gebrechlich, doch ihr Geist war wach und ihr Feuer nicht verloschen.

„Hiskijar?“. Ihr Gesicht verzog sich und sie versetzte Heled eine Backpfeife.

„Wann hattest du vor, vorbeizukommen? Sechs Jahre, in denen ich keine Ahnung hatte. Sechs Jahre! Ich werde auch nicht mehr jünger und ewig habe ich nicht Zeit.“, keifte sie, doch Heled grinste nur. Es tat gut, Saret zu sehen und ihre Stimme zu hören.

„Aber sag schon.“, meinte sie und machte eine ausladende Handbewegung zu der Sitzecke mit den beiden Stühlen. „Wohin hat es dich verschlagen? Tee?“. Sie wartete seine Antwort nicht ab, sondern begann in einem Schrank zu wühlen und stellte den Kessel in die Glut.

Heled setzte sich auf einen der abgenutzten und schäbigen Stühle und antwortete auf ihre vorherige Frage: „Nur in das arthergische Heer.“.

Saret ließ fast die beiden Becher fallen und begann zu husten. „Was? Was ist mit dir passiert? Musst du dann gegen meine Söhne kämpfen?“.

„Deine Söhne?“. Er sah sie überrascht an. „Wo sind sie?“.

„Hast du es noch nicht gehört?“. Sie lächelte. „Der immer so gut informierte Hiskijar weiß etwas nicht.“.

„Nun erzähl schon.“, knurrte er und nahm den Becher mit heißem Tee in Empfang.

„Die Revolution wird wieder ausbrechen.“.

„Nein!“.

Sie genoss das Entsetzen in seiner Stimme und grinste erneut. „Meine Söhne sind dem Ruf gefolgt und haben sich aufgemacht, um für Servina zu kämpfen.“.

„Wessen Ruf sind sie gefolgt? Wer?“.

„Kronprinz Asahel.“.

Ungläubig sah Heled sie an. „König Rasidos’ Sohn?! Er ist ein Kind. Kinder sollten keine Kriege führen.“.

„Fünfzehn Jahre, Hiskijar. Er ist ein Mann, kein Kind.“.

„Sein Alter ändert nichts daran, dass er zu jung ist. Die Revolution wird scheitern, Saret. Ich werde mich dem Heer momentan nicht wieder anschließen, doch sollte Artherg zu den Waffen rufen, werde ich dem Ruf folgen.“.

„Der Ruf zu den Waffen ist längst erfolgt oder wird in den nächsten Tagen erfolgen. Das Heer der Zwillingsreiche sammelt sich, Hiskijar. Die Reiter setzen sich in Bewegung und der Frieden ist vergangen.“.

„Ich weiß.“, antwortete er. „Ich selbst war dabei, als Artherg der Dolch in die Hand gegeben wurde, doch floh ich, bevor sie ihn auch ansetzen konnten.“.

„Stimmt es, dass Herzog Havinon ermordet wurde?“.

Heled nickte nur knapp. „Es waren meine Männer, die ihn schützen sollten und ich versagte.“.

Saret legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Wenn du deine Aufgabe nicht vollbringen konntest, muss der Angriff heftig gewesen sein, von daher kannst du nichts dafür.“. Saret hatte es schon immer vermocht, ihn aufzurichten. Sie war eine der wenigen, die ihn noch als Hiskijar kannten und zeitweise hatten sie in derselben Stadt gelebt.

„Saret.“, erklärte er und seine Stimme besaß nun einen ernsten Unterton. „Ich brauche deine Kunst.“.

Sie stand auf. „Meine Kunst? Und wer ist dein Begleiter? Oder hast du deine Meinung inzwischen geändert, ich persönlich halte ja nicht viel von deiner Methode, deine Gestalt zu verändern.“.

„Ich habe meine Meinung nicht geändert.“.

„Wie schade.“. Saret seufzte, während sie in einer Schublade kramte.

„Geschlecht? Alter?“.

„Weiblich und ihr Alter…“. Er hatte keine Ahnung wie alt Linovèn war. Er wusste ja noch nicht einmal, wie alt Elben normalerweise wurden.

„Ich weiß es nicht.“, gestand er schließlich, „Und du musst etwas mit ihrem Haar machen, es ist zu auffällig.“.

„Das kriegen wir schon hin.“. Sie stopfte alle möglichen Tiegel und Kräuter in einen Lederbeutel, zog ihren Mantel an und stand schon vor der Tür. Heled folgte ihr und legte den Riegel vor.

Gemeinsam stapften sie durch die Straßen und kurz darauf auf den Hügel, wo Linovèn mit den beiden Pferden wartete.

„Ah.“, seufzte Saret. „Wen hast du mir denn da gebracht? Ihr Schritt ist leicht. Du wirst dir doch kein Kind als Begleiter gewählt haben? Hast du dir endlich eine Frau gesucht und das ist deine Tochter?“. Sie klang verwirrt.

„Nein, das ist…“.

„Warte.“. Mit einer Handbewegung gebot sie seinem Erklärungsversuch Einhalt. „Ich will es selbst herausfinden.“.

„Darf ich?“, fragte sie Linovèn, doch bevor diese antworten konnte, tastete Saret schon ihr Gesicht ab. Von den geschwungenen Lippen, zu dem feinen Haar und den spitzen Ohren glitten ihre Finger.

„Hiskijar?“. Sie drehte sich zu ihm um. „Ist sie eine Elbe?“.

„Ja.“, antwortete der Rittmeister. „Und du musst mir helfen, ihre Gestalt zu verbergen.“.

„Ah.“, sie seufzte erneut, „Das ich diesen Tag erleben durfte. Natürlich werde ich das.“. Erneut fuhren ihre Hände über Linovèns Gesicht und ihren Körper, dann begann sie Tiegel herauszusuchen. Sie färbte das Haar der Elbe dunkel, ließ ihre Gesichtskonturen kantiger und härter erscheinen, legte tiefe Schatten um ihre Augen und vollbrachte weitere Kleinigkeiten, bis die Gestalt der Elbe nur noch als ferner Schatten zu erahnen war.

Saret sah zur Sonne und schrie leise auf. „Schon so spät. Ich habe noch einen Termin.“. Heled hatte noch nie begriffen, wie sie es machte, doch behauptete Saret die Uhrzeit trotz ihrer Blindheit an der Sonne ablesen zu können.

„Auf Wiedersehen, Saret.“, rief er ihr hinterher.

Drohend wedelte sie mit dem Zeigefinger. „Und nächstes Mal kommst du früher als in sechs Jahren.“.

„Versprochen.“, antwortete er.

„Junge, Junge. Habe ich dich denn gar nichts gelehrt? Versprich nicht etwas, was du nicht halten kannst.“.

Sie tauschten noch ein letztes Lächeln aus, dann verschwand Saret.

Er wandte sich zu Linovèn um, die nur eine Augenbraue hob.

„Eine starke Frau.“, stellte sie fest.

„Und eine ganz besondere.“, antwortete er und nahm ihre Hand. „Jetzt komm, es wird Zeit, dass du eine Stadt der Menschen kennen lernst.“.

 

Die Menschenmenge riss sie mit, zog sie von einem Stand zum Nächsten und trieb sie schließlich zu den Gauklern, die grade ein bekanntes Liebeslied zu Ende brachten. Es folgte ein weitaus bekannteres, dass selbst in Artherg bekannt war. Die Menschen klatschten fröhlich mit, als sie die Melodie erkannten und grölten mit gereckten Fäusten mit, als der Lautenspieler anfing zu singen: „

Als ein alter Manne starb,

überließ er seinem Sohne einen Esel,

Doch dieser wusste nur zu fressen

„Pflegt das Vieh.“, sprach er zu seinem Bengel.

Dieser hörte, dass das Tiere Golde spie.

Sparte Futter und hortete das Gold,

bis der Esel krank war.

Und sein Herr schlief und fraß,

ihn interessierte nicht, was Esel tat.

Sein Bengel wollte mehr

„Mehr, mehr.“, schrie er Esel an,

doch der konnte nicht mehr.

Bengel läuft, fängt noch mehr Esel.

Zwei weitere gaben ihm Gold,

sind zufrieden mit dem Leben,

mögen Stall und Futter,

erster Esel wird geschont.

Bengel wollte mehr

„Mehr, mehr.“, schrie er Esel an,

doch die gaben nicht mehr.

Bengel läuft, fängt einen Esel.

Dieser wild, schlägt immer wider,

manchmal glücklich, manchmal wild,

wie es ihm denn so gefällt.

Dennoch kriegt der Bengel Gold,

er und Herr sind zufrieden.

Doch dann Bengel wollte mehr

„Mehr, mehr.“, schrie er Esel an,

doch die gaben nicht mehr.

Bengel läuft, fängt einen Esel.

Dieser wild und unbezähmbar,

läuft, läuft davon durch Wald und Wiese,

Bengel hinterher, will Gold, will Esel.

Fängt Esel, kämpft mit ihm.

Esel schlägt, will Wald und Berge

Endlich Bengel fängt Esel,

bringt ihn in Stalle

Esel schlägt, tritt andere Esel

Herr setzt and’ren Bengel ein,

beruhigt Tier, gibt gutes Futter

Nun Herr und Bengel sind zufrieden

Haben Gold, haben Esel.

Doch horcht und lauscht,

denn der Puma brüllt.

 

 

Die Menschen hatten begeistert mitgesungen und nun fing die Menge an sich zu verlaufen, als sie erkannte, dass die Gaukler ihre Vorstellung beendet hatten.

Heled jedoch war wie erstarrt, er kannte dieses politischkritische Lied, wo der Herr für König Jerimot, die Bengel für die Herzöge standen, der erste Esel für das arthergische Volk und die anderen vier für die Provinzen, wobei der letzte Servina war. Doch etwas war anders…Und diese letzten beiden Zeilen hallten in ihm nach und nahmen seine Gedanken in Anspruch. Es war nicht nur, dass das Ende anders als die ihm bekannte Form war – Lieder veränderten sich ständig. Doch waren es diese Worte.

In diesem Moment verschwand Heled und es blieb alleine Hiskijar. Es waren Hiskijars Erinnerungen, die ihn überkamen und Heled davon schwemmten.

Er raffte sich auf und sah zu Linovèn.

„Ich muss zu den Gauklern.“, erklärte er leise, während er ein Paar Stiefel von einem Stand hochnahm und sie betrachtete. „Ich bezweifle, dass sie mir passen.“, meine er beiläufig und legte sie zurück.

Eine Weile ließen sie sich von der Menge treiben und strichen über den Markt, kauften sich etwas zu essen und kehrten erst dann zu den Gauklern zurück. Linovèn unterhielt sich mit einer Händlerin, während Heled auf die Gaukler zuschlenderte, die ihre Sachen packten.

„Ich muss schon sagen, das war eine sehr gelungene Vorstellung.“, erklärte er dem Mann, der gesungen und die Laute gespielt hatte. Dieser sah erfreut aus, musterte ihn aber dennoch sorgfältig.

„Besonders der Text des ersten Liedes hat mit sehr gut gefallen, die letzte Version, die ich gehört habe, begann jedoch…“.

Der Gaukler lachte kurz auf, zeigte dann aber auf eine Frau, in der Heled die Harfnerin erkannte.

„Geh zu ihr. Sie ist für die Texte und die Auswahl der Lieder verantwortlich.“.

Und Heled ging zu der Frau.

„Wie ist Euer Name?“, fragte er und sie musterte ihn überrascht. Es war offensichtlich, dass sie es nicht gewöhnt war, von Männern mit Achtung und Respekt behandelt zu werden.

„Benaja.“, entgegnete sie zögernd und bestätigte damit seine Ahnung. Als er auch noch eine kupferrote Haarsträhne unter ihrem Kopftuch hervorschimmert sah, wusste er, dass sie für die Änderung in dem Lied verantwortlich war.

„Wispernde Winde kriechen dahin.“, erklärte er scheinbar zusammenhangslos. „Kennt Ihr dieses Lied?“.

Ihre Augen weiteten sich, als sie erkannte, was er ihr eben anvertraut hatte.

„Endlich.“, entgegnete sie mit Erleichterung in der Stimme. „Ich hatte nicht geglaubt, dass…“.

„Ruhig.“, unterbrach er sie und wurde dann etwas leise. „Ich bin mir sicher, dass dieses Stück von Machir ist. Es ist seine Sprache und Dedans Texte beginnen immer mit „Worte“.

Sie erkannte seine Bitte und meinte: „Aber Dedans Text über Mandol beginnt mit „Wellen des Zorns“.“.

„Doch ist dieses den politisch orientierten Liedern zuzuordnen.“.

Einige Minuten fuhren sie mit ihrem Streitgespräch fort, bis die Gaukler das Interesse verloren und Benaja nur zuriefen: „Pass auf die Sachen auf. Wir gehen nach neuen Kostümen schauen.“.

Heled verlor keine Zeit, sondern fragte direkt: „Wer brüllt?“.

„Jamlek.“.

Heled nickte nur. Er hatte nur bedingt mit König Jerimots ältesten Sohn gerechnet, es aber nicht ausgeschlossen.

„Er hat Herzog Havinon umgebracht.“.

Warum Havinon, fragte er sich selber still, beantwortete die Frage aber sogleich selbst: Weil er die Waage zum Kippen gebracht hätte.

„Er versucht die Herzöge auf seine Seite zu ziehen, um auf den Thron zu steigen. Zuvor muss er aber noch seinen Bruder und seinen Vater aus dem Weg räumen.

Zwar hielt Heled den Kronprinzen Jasreel für zu idealistisch und positiv, jedoch war er definitiv besser als sein Bruder.

„Er zieht gegen die Zwillingsreiche, aber was dann?“.

„Jamlek sagte etwas von einem Kontaktmann.“.

„Also hat er einen Verbündeten in Zwillingsstadt, der ziemlich mächtig ist und den er vermutlich an die Macht bringen wird, wenn der Krieg gewonnen ist und er auf dem Thron sitzt.“, murmelte er, mehr zu sich selbst denn zu ihr.

„Hör mir zu, du musst dich in Sicherheit bringen.“. Kurz überlegte er, ob es für sie sicherer war, alleine oder mit ihrer Truppe zu reisen, entschied sich aber schnell für die zweite Möglichkeit.

„Meinst du, dass du deinen Trupp überreden kannst, in Madruk aufzutreten?“.

Benaja schüttelte den Kopf.

„Die Jorohne schätzen unsere Musik nicht.“.

„Servina?“.

Ihr Gesicht hellte sich auf. „Sicher. Die Besatzungstruppen werden heimische Musik sicher zu schätzen wissen.“.

„Gehe nach Hawila.“, trug er ihr auf, „Frage nach einem Händler mit dem Namen Jabez. Sage ihm Alos schickt dich. Er wird dich über den Pass von Dura nach Marnov schmuggeln. Dem Mann, zu dem er dich bringen wird, kannst du vertrauen, ebenso wie seiner Schwester. Ihnen kannst du alles erzählen und sie werden es an mich weiterleiten.“.

„Ist Alos denn dein Name?“, fragte sie.

Heled grinste. „Alos ist der Name unter dem Jabez mich kennt. Es ist besser, wenn du weder meinen Namen noch meine Identität kennst.“.

Sie nickte zustimmend.

„Sing das Lied wieder normal. Wir sind nicht mehr die Einzigen, die die Losungsworte der Revolution kennen. Ich werde das Nötige veranlassen.“.

Er sprach nicht aus, was er damit meinte, doch wussten sie beide, was getan werden musste.

Einen Moment betrachtete er Benaja. Sie war jung, nicht älter als zwanzig und somit zu jung, um in der Revolution gekämpft zu haben, doch seine Gefühle hatten ihn nicht gewarnt und er bezweifelte, dass es eine Falle war. Außerdem hatte sie nichts gegen ihn in der Hand, außer dem Namen unter welchem Jabez ihn kannte und eine Gestalt, die er leicht wechseln konnte.

Benaja dagegen hatte die Gestalt einer typischen Ástilos mit kupferrotem Haar, das sie unter einem Kopftuch verbarg, grünen, leicht geschlitzten Augen, einer geringen Körpergröße, eine helle Haut, die der Sonne nicht gut widerstand und einer zarten Gestalt.

Sie hatte versucht ihren Körper in den weiten und bunt eingefärbten Kleidern der einfachen Bevölkerung der Zwillingsreiche kräftiger erscheinen zu lassen und die noch freibleibende Haut hatte sie mit dem Saft von Jasilom-Beeren dunkler erscheinen lassen.

Dennoch würde jedem, der ihr ins Gesicht sah und noch klar denken konnte, auffallen, dass grüne Augen in Artherg so selten waren wie ehrliche Menschen. Doch war es für eine Ástilos besser, ihre Herkunft zu verbergen.

Heled lächelte Benaja ein letztes Mal an, dann verschwand er, als ob es ihr Gespräch nie gegeben hätte.

 

„Und wohin willst du?“, fragte Linovèn, als er sich mit ihr an einem Stand wieder traf.

„Elam.“, antwortete er mit steinerner Miene.

„Und was versuchst du dort zu finden?“, wollte sie wissen.

„Einen Verbündeten.“, erwiderte Heled grimmig.

Er blickte zurück zu Benaja und die Wahrheit überkam ihn wie ein Sturm. Die Wahrheit war, dass er viel mehr als ein einfacher Rittmeister war, er war ein Revolutionär und hatte zwölf Jahre für die Freiheit Servinas gekämpft und würde es auch in Zukunft tun.

„Übrigens.“, erklärte er Linovèn, „Mein Name ist Hiskijar, nicht Heled.“.


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