20. Kapitel

Am Abend setzte sich Kommissar Eichler an den Schreibtisch seines Büros und sortierte seine Gedanken zum Fall Victor Sander. Sie hatten einiges herausgefunden. Der Arzt hatte ganze Arbeit geleistet, und so lagen ihm jetzt mehrere Unterlagen verschiedener Untersuchungen zum Zustand des Opfers vor. Die allein genügten aber noch nicht, um den Fall aufzuklären. Abgesehen davon hatten sie keine Hinweise auf die eigentliche Tat und ihren Verursacher. Für den Kommissar stand fest: Herr Sander kann sich auf keinen Fall selbst in diese Lage gebracht haben. Auch der gesunde Menschenverstand ließ ihn daran zweifeln, dass Victor freiwillig in diese Situation gekommen war. Damit war die Ursache Selbstverschuldung vom Tisch. Blieben nur noch vielfältige Möglichkeiten der Fremdeinwirkung. Doch der Kommissar konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie der Täter das gemacht haben sollte. Das Opfer schien von dem einen auf den anderen Moment komplett eingefroren zu sein. Das allein war schon unschaffbar. Diese Tat in der Öffentlichkeit zu begehen, brachte sie aber an den Rand des Unmöglichen. Doch Robert Eichler hatte Victor mit eigenen Augen gesehen. Somit war es schon möglich – und er sollte die Tat aufklären. „So einen Fall hatte ich in meinen 40 Jahren Dienst noch nicht“, dachte der betagte Kommissar. Mittlerweile hatten auch die Medien Wind von dem Vorfall bekommen und wollten Details wissen, und zwar möglichst die, die kein anderer hatte. Seufzend bewegte Herr Eichler die Maus seines schon in die Jahre gekommenen Computers, öffnete ein Textdokument und begann, die Pressemitteilung zu verfassen.

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