2000- Teaching Mrs. Clark

Dies ist die Vorgeschichte zu meiner Trilogie, die ich hier auf belletristica.com hochgeladen habe. Es soll irgendwann auch ein richtiger Roman werden, nur aktuell habe ich nur einzelne Kapitel fertig, die ich schon einmal zum Lesen hochlade, um zu sehen, wie es ankommt.


Uns verändern vielleicht andere Dinge, aber wir beginnen und enden in der Familie.
                                                                                                               - Anthony Brandt


Hillary Clark schaute gehetzt auf die Uhr, die über der Tür ihres Büros hing. Es war kurz vor drei. Sie hatten noch fünf Minuten, um pünktlich zu erscheinen. Die Lehrerin senkte ihren Blick und widmete sich wieder den Englischaufsätzen, die sie heute in der achten Klasse eingesammelt hatte, doch sie konnte sich nicht konzentrieren, denn gleich stand endlich das Gespräch mit Mrs. Monroe und ihrer Tochter Ophelia an.
Seit über zwei Monaten versuchte sie die Eltern von Ophelia dazu zu bewegen in die Schule zu kommen und sich mit ihr, der Vertrauenslehrerin, über das Verhalten ihrer Tochter zu unterhalten, aber nie hatte irgendjemand Zeit gehabt. Erst, als sie damit gedroht hatte zur Schulbehörde zu gehen, hatte sich die Mutter dazu bereit erklärt ihrer dringlichen Bitte nachzukommen.
Noch immer regte diese Ignoranz die Lehrerin auf. Dabei waren die Monroes bei Weitem nicht die Einzigen, die sich nicht darum scherten, wie sich ihre lieben Sprösslinge in der Schule aufführten. Resigniert schüttelte Mrs. Clark ihr schulterlanges, aschblondes Haar. Sie arbeitete mittlerweile seit über 25 Jahren in der Abigail Halen School für Mädchen, aber an die arroganten und respektlosen Schülerinnen würde sie sich wohl nie gewöhnen. Dabei hatte ihr Mann Stan sie damals gewarnt die Stelle an der elitären Privatschule anzunehmen.
Da laufen nur reiche, verwöhnte Gören herum, die von der wirklichen Welt keine Ahnung haben, hatte er ihr im trockenen Tonfall vorhergesagt, aber hatte sie auf ihn gehört? Nein.
Für sie hatten der ausgezeichnete Ruf der Schule und das überdurchschnittliche Gehalt gezählt, nichts anderes. Nun erwischte sie sich des Öfteren bei dem Gedanken, zu kündigen und sich um einen Job an einer öffentlichen Schule zu bewerben.
Ein weiterer Blick auf ihre Uhr. Gerade sprang der große Zeiger auf die Zwölf und eröffnete eine neue Stunde. Die Lehrerin spitzte die Ohren. Auf dem Flur war nicht das kleinste Geräusch zu hören.
Sie kommen zu spät, natürlich. Dass auch ich Termine habe, ist den reichen Herrschaften ja gleichgültig.
Frustriert und wütend ließ sie ein Knurren verlauten, das aus den Tiefen ihrer Brust kam. Doch nicht nur die Unpünktlichkeit brachte Mrs. Clark zur Weißglut, sondern auch ihre eigene Hilflosigkeit im Bezug auf Ophelia Monroe. Kaum dachte sie an das Mädchen, da bekam sie eine Gänsehaut. Die erfahrene Lehrerin hatte schon viele Schülerinnen unterrichtet, unter denen hin und wieder eine Unruhestifterin gewesen war, aber Ophelia Monroe war anders; sie war ein ganz besonderer Fall. Vielleicht war sie deswegen, trotz ihrer vielen Jahre als Vertrauenslehrerin, dermaßen nervös.
Ophelia war schon immer auffällig gewesen, seit sie mit elf Jahren das erste Mal über die Schwelle der Abigail Halen School getreten war. Begonnen hatte es, wie bei Vielen, mit Schwänzen, nicht erledigten Hausaufgaben und frechem Benehmen gegenüber Lehrkräften.
Aber je älter das dunkelhaarige Mädchen wurde, desto schlimmer wurden dessen Eskapaden, als würden sie mit ihm wachsen. Ophelia verließ verbotenerweise das Schulgelände, um zu Rauchen oder sich mit Jungs zu treffen, die deutlich älter waren, als sie. Dazu beklaute und bedrohte sie ihre Mitschülerinnen und zerstörte Schuleigentum. Diese Vorfälle waren jedoch nicht das Schockierendste für Mrs. Clark.
Durch ihre Stellung als Vertrauenslehrerin hatte sie von mehreren Schülerinnen erfahren, was Ophelia ihnen alles angetan hatte. Die Vorwürfe reichten von Schlägen, Tritten und Würgen, bis Quälereien mit brennenden Zigaretten und dem Eintauchen von Köpfen in das Wasser der Schultoiletten. Nach den Aussagen der Opfer soll Ophelia dabei immer mit unvorstellbarer Grausamkeit und Brutalität vorgegangen sein.
Nachdem sie sich unzählige Anschuldigungen angehört, sich Brandwunden und andere Spuren von Misshandlungen angesehen hatte, hatte die Lehrerin beschlossen mit den Eltern und Ophelia selbst zu sprechen. Was sie aber genau sagen sollte und wie die Mutter reagieren würde, wusste sie nicht. War es richtig dieses Gespräch einzuleiten?
Mehr Zeit für Zweifel und Unsicherheiten war ihr jedoch nicht vergönnt, denn plötzlich waren schnelle Schritte zu vernehmen. Keine Minute später klopfte es bereits an der Tür.
„Herein“, bat Mrs. Clark, während sie die Aufsätze und andere Unterlagen in den Schubladen ihres Schreibtisches verschwinden ließ.
Als sie wieder aufschaute, betraten Ophelia und ihre Mutter gerade den Raum. Ein kurzer Blick reichte aus, um die verblüffende Ähnlichkeit zwischen den Beiden zu erkennen.
Die Tochter hatte dieselben dunkelbraunen Haare, die blasse Haut und die schlanke Figur der Mutter. Die Lehrerin erhob sich und schüttelte die Hand der schönen Frau, die ihren perfekten Körper in ein hautenges, brombeerfarbenes Etuikleid gehüllt hatte.
„Guten Tag, ich bin Mrs. Clark“, begrüßte sie ihr Gegenüber und lächelte freundlich.
„Annabelle Monroe.“
Der Ton ihrer Stimme war genauso kalt und abschätzig, wie der Blick, mit dem sie die Lehrerin musterte. Diese ignorierte gekonnt die Arroganz und Feindseligkeit, die ihr entgegengebracht wurden, und sah zu Ophelia herüber. Sie trug noch ihre Schuluniform, die aus einem karierten dunkelblauen Rock, einem passenden Blazer, Kniestrümpfen, sowie einer weißen Bluse mit Schleife bestand. Ihre großen blau-grünen Augen blitzten provokant und angriffslustig, was ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Setzen Sie sich doch“, sagte Mrs. Clark daher etwas verunsichert und machte eine einladende Geste. Mutter und Tochter setzten sich. Ihre Mienen waren emotionslos und starr.
„Es freut mich, dass Sie es einrichten konnten, Mrs. Monroe.“ Sie blieb höflich, obwohl sie Ophelias Mutter monatelang um diesen Termin anbettelt hatte.
„Wie ich Ihnen bereits am Telefon sagte, es geht um das Verhalten ihrer Tochter.“ Die Lehrerin faltete die Hände und nahm sich Zeit ihre Gedanken zu ordnen. Wie fange ich bloß an?
„Was ist mit meiner Tochter?“ Annabelle Monroe klang gelangweilt und desinteressiert, doch davon ließ sie sich nicht irritieren. Mrs. Clark räusperte sich übertrieben lange, ehe sie begann.
„Ophelia bereitet meinen Kollegen und mir seit geraumer Zeit Sorgen, Mrs. Monroe. Sie verstößt gegen Schulregeln, legt fehlenden Respekt an den Tag und von einigen Schülerinnen wurde mir berichtet, dass Ihre Tochter sie misshandelt haben soll.“ Die Augen der Lehrerin huschten flüchtig zu Ophelia. Diese saß bewegungslos auf ihrem Platz und wirkte in keinster Weise beeindruckt.
„Misshandelt?!“, kam es entsetzt über die Lippen der Mutter, als ihr Kopf zu ihrer Tochter schnellte. Für einen kurzen Moment schöpfte die Vertrauenslehrerin Hoffnung und glaubte, dem jungen Mädchen nun endlich gemeinsam mit ihren Eltern helfen zu können, aber das verging, als die dunkelhaarige Frau sich wutschnaubend an sie wandte.
„Was fällt Ihnen ein meiner Tochter soetwas zu unterstellen? Ophelia weiß sich zu benehmen, schließlich kommt sie aus einer angesehenen Familie. Sie ist ein anständiges Mädchen, das niemals ihre Mitschülerinnen beklauen, geschweige denn misshandeln würde“, brach es hitzig aus ihr heraus, sodass man deutlich ihren französischen Akzent hören konnte.
„Und deshalb lasse ich mir von einer frustrierten und verbitterten Lehrerin auch nicht vorwerfen, dass ihr Vater und ich sie nicht ordentlich erzogen hätten.“
Nach der Standpauke war Mrs. Clark erstmal wie gelähmt. Natürlich hatte sie damit gerechnet auf Widerstände zu treffen, aber nicht, dass Ophelias Mutter dermaßen in Rage geraten und sie beleidigen würde.
„Bitte beruhigen Sie sich, Mrs. Monroe. Ich wollte Ihnen in keinster Weise zu nahe treten und Ihnen mangelnde Erziehung unterstellen“, erklärte sie mit sanfter Stimme. „Ich wollte Ihnen die Problematik schildern und versuchen eine Lösung zu finden.“
„Eine Lösung ist unnötig, Mrs. Clark, denn meine Tochter ist unschuldig.“ Die Lehrerin schaute ihre Gesprächspartnerin daraufhin streng an. Sie kannte die Unschuldsbekundungen von Eltern zur Genüge, schließlich wollte niemand zugeben, dass das eigene Kind Schwierigkeiten machte, aber dieser Fall war viel zu ernst, als dass man ein Auge hätte zudrücken können.
„Ich muss Ihnen leider widersprechen, Mrs. Monroe. Die Verstöße von Ophelia häufen sich und dagegen muss etwas getan werden. Ihr delinquentes Verhalten hat Überhand genommen und gefährdet die anderen Schülerinnen.“
„Wie können Sie es wagen…“
„Sie scheinen den Ernst der Lage nicht zu verstehen. Ihre Tochter ist schon lange über das Level des Schule Schwänzens und Unterschriftenfälschens hinaus. Sie wurde bereits von mehreren Kollegen dabei erwischt, wie sie Schuleigentum beschädigt, heimlich geraucht und andere Mädchen auf dem Schulhof verprügelt hat. Ich selbst habe erst letzte Woche das Portmonee einer Mitschülerin in ihrer Tasche gefunden. Als ich Ophelia fragte, warum sie dieses Mädchen bestohlen hat, meinte sie bloß, dass so ein verlogenes Miststück es nicht anders verdient habe.“ Mrs. Clarks Ton war, ohne ihr Wissen, zunehmend schärfer geworden. Vielleicht glaubte sie in ihrem Unterbewusstsein so zur Mutter durchdringen zu können.
Diese presste verärgert ihre Lippen aufeinander, bevor sie sich ihrer Tochter widmete und eine Diskussion begann. Von dieser verstand die Lehrerin jedoch nur sehr wenig, da sich Mutter und Tochter in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit auf Französisch unterhielten. Die ungewohnte Situation überforderte Mrs. Clark.
Besonders, als mit der Zeit die Gesten auf beiden Seiten hektischer und aggressiver wurden und böse Blicke hin und her flogen. Ophelias Gesichtsmuskeln waren angespannt und hart. Dadurch traten ihre hohen Wangenknochen noch deutlicher hervor und gaben ihr das Aussehen einer Toten. Mrs. Monroe redete derweil mit immer lauter werdender Stimme auf ihre Tochter ein. Ihre blassen Wangen hatten sich vor Wut mittlerweile rosa verfärbt. Die Lehrerin beschloss einzugreifen, bevor die Lage eskalierte.
„Mrs. Monroe!“ Ophelias Mutter schaute augenblicklich zu ihr herüber und durchbohrte sie mit ihren jadegrünen Augen.
„Ich bitte Sie etwas ruhiger zu werden.“
„WIE BITTE?“, krächzte sie mit schriller Stimme.
„Mir ist bewusst, dass dieses Gespräch nicht einfach für Sie ist, aber es ist wichtig, dass wir jetzt gemeinsam, in aller Ruhe, über das Verhalten Ihrer Tochter sprechen.“
„Ich werde mit Ihnen über gar nichts sprechen, Mrs. Clark.“ Ihr Ton war hart und eiskalt. Langsam bekam Hillary Clark eine Vorstellung davon, wie es bei den Monroes zu Hause zuging.
„Wir müssen aber darüber sprechen. Es ist an der Zeit die Probleme mit Ophelia anzugehen.“
„Meine Tochter macht keine Probleme. Sie ist eine ausgezeichnete Schülerin mit sehr guten Noten“, führte Mrs. Monroe an und verschloss weiterhin die Augen vor der Wahrheit.
„Ich weiß, dass Ihre Tochter intelligent ist und keine Schwierigkeiten mit dem Unterrichtsstoff hat. Deswegen habe ich sie ja auch nicht hierher gebeten.“ Die Vertrauenslehrerin verlor langsam die Geduld. Annabelle Monroe war uneinsichtig und unkooperativ, was sie zur Verzweiflung brachte.
„War das jetzt alles?“ Ihr Gegenüber presste verärgert und unzufrieden die Lippen aufeinander.
„Nein, Mrs. Monroe. Ich möchte gerne wissen, ob Ihre Tochter etwas zu diesem Thema zu sagen hat.“ Mrs. Clark drehte ihren Kopf zu dem dunkelhaarigen Mädchen, das sich bis jetzt aus der Unterhaltung herausgehalten hatte.
„Ich würde gerne deine Sicht der Dinge hören, Ophelia.“ Mit steinerner Miene entgegnete das Mädchen den Blick der Lehrerin, während sie gelangweilt auf einem rosafarbenen Kaugummi herumkaute. Als ihre Mutter sie jedoch ansah, setzte sie blitzschnell eine Unschuldsmiene auf und bekam sogar ein paar Tränen zu Stande, die sich in ihren Augenwinkeln sammelten. Die Lehrerin war über die Leichtigkeit, mit welcher ihre Schülerin ihre Emotionen an- und ausschalten konnte, verblüfft und entsetzt zugleich. Mrs. Monroe hingegen schien die Heimtücke und Verlogenheit ihrer Tochter nicht zu durchschauen oder es war ihr völlig egal.
„Das…das muss ein Missverständnis sein, Mrs. Clark. Ich…ich würde so etwas Schreckliches niemals tun“, schluchzte Ophelia so überzeugend, dass sie ihr beinahe geglaubt hätte.
„Ich kann nicht glauben, dass ich mich solch erschütternder Anschuldigungen gegenübersehe. Ich war zu meinen Mitschülerinnen stets freundlich und respektvoll und es verletzt mich zutiefst, dass sie nun Lügen über mich verbreiten.“ Ihre Redensart und Wortwahl erinnerten die Lehrerin eher an eine erwachsene Frau, als an ein 13-jähriges Mädchen. Dies demonstrierte erneut Ophelias hohe Intelligenz und ihre außergewöhnlichen, aber auch gefährlichen Talente, doch davon ließ sie sich weder beeindrucken, noch einschüchtern. Sie würde nicht auf ihre Manipulation hereinfallen.
Stattdessen würde sie Ophelia endlich Grenzen setzen und in die richtige Bahn lenken, was ihre Eltern bisher versäumt hatten. Hillary Clark hoffte dieses Mädchen vor dem völligen Verfall ihrer Seele und dem emotionalen Untergang retten zu können. Als gläubige Christin war sie der Überzeugung, dass jeder Mensch auf den Pfad des Guten und der Vernunft geführt werden konnte. Selbst ein Mensch, wie Ophelia Monroe, hinter dessen Verhalten ihre Kollegen bereits eine antisoziale Persönlichkeitsstörung vermuteten.
„Du hast eine Klassenkameradin bestohlen und sie als Miststück betitelt, Ophelia. Es kann also nicht alles gelogen sein“, konterte sie.
„Das war ein einmaliger Zwischenfall, Mrs. Clark, das schwöre ich. Nicole Tullington und ich hatten eine Auseinandersetzung. Natürlich ist mir bewusst, dass dies mein überzogenes und unangebrachtes Verhalten nicht entschuldigt. Ich habe die Nerven verloren und das tut mir aufrichtig und von ganzem Herzen leid“, sagte Ophelia mit schwacher Stimme und zitterte dabei am ganzen Körper.
„Ich schäme mich so sehr.“ Sie vergrub das Gesicht in ihren Händen und brach in Tränen aus. Entgeistert und sprachlos starrte die Vertrauenslehrerin auf das dunkelhaarige Mädchen. Unterdessen schüttelte Mrs. Monroe den Kopf und strafte sie mit einem anklagenden Blick.  
„Sind Sie jetzt zufrieden, Mrs. Clark? Mit Ihren haltlosen Vorwürfen haben Sie meine Tochter zum Weinen gebracht. Sie sind mir ja eine fabelhafte Lehrerin.“
„Es war nicht meine Absicht, dass…“
„Seien Sie still!“, kreischte Ophelias Mutter aufgebracht und schlug mit ihrer rechten Hand auf den Schreibtisch. „Ich habe Ihre Ausflüchte satt. Ich habe Sie satt. Vielleicht sollte ich mich mal mit der Direktorin unterhalten und ihr sagen, was ich mir von Ihnen anhören muss.“
Für einen kurzen Augenblick setzte das Herz der Lehrerin aus, denn plötzlich hatte sie Angst um ihren Arbeitsplatz. Sie wusste, dass die Monroes ein hohes Ansehen genossen und neben dem Schulgeld auch noch eine Menge spendeten. Sie hatten großen Einfluss und waren mit Angela Bennett, der Direktorin, gut bekannt, aber es dauerte nicht lange und ihre Angst verschwand genauso schnell, wie sie gekommen war.
Hillary Clark war Vertrauenslehrerin. Ihre Aufgabe war es für ihre Schülerinnen einzustehen und ihnen zu helfen. Darum war sie fest entschlossen sie vor Ophelias Übergriffen zu schützen und das um jeden Preis.
„Es stehen schwerwiegende Misshandlungsvorwürfe im Raum, denen ich nachgehen muss und die ich nicht ignorieren kann“, erwiderte sie gereizt und verschwendete keinen weiteren Gedanken an die Konsequenzen, die diese Angelegenheit nach sich ziehen könnte.
„Ich habe die Verletzungen der Mädchen gesehen, Mrs. Monroe. Es geht nicht bloß um ein paar Kratzer und blaue Flecken. Wir reden hier von Verbrennungen, Würgemalen und gebrochenen Knochen. Das sind keine Lappalien, verstehen Sie? Ophelia hat ihre Wut und Aggressionen nicht unter Kontrolle. Sie fängt oft Streit an und provoziert Prügeleien, bei denen sie so lange zuschlägt, bis ihre wehrlose Gegnerin blutüberströmt und regungslos am Boden liegt.“
Ophelias Mutter wollte etwas erwidern, aber sie war noch nicht fertig.
„Die anderen Mädchen fürchten sich vor ihrer Tochter, Mrs. Monroe. Manche sogar so sehr, dass sie sich nicht mehr in die Schule trauen. Das kann und will ich nicht länger hinnehmen! Ich lasse nicht zu, dass Ophelia ihre Mitschülerinnen terrorisiert“, platzte es ungehalten aus ihr heraus. Im selben Moment wurde der Lehrerin bewusst, dass sie sich gerade um Kopf und Kragen redete. Annabelle Monroe sog die Luft scharf ein, bevor sie vor Wut explodierte.
„Sie wagen es, meine Tochter als gefährliche und geisteskranke Psychopathin hinzustellen?! Sie wagen es, unseren guten Namen in den Schmutz zu ziehen? Und sie wagen es, den Lügen dieser missratenen, hinterhältigen Gören Glauben zu schenken?“, schrie sie empört und schoss so schnell in die Höhe, dass ihr Stuhl nach hinten kippte und krachend zu Boden fiel.
„Das wird ein Nachspiel haben, Mrs. Clark. Ich werde dafür sorgen, dass Sie keinen Fuß mehr in diese Schule setzen. NIE WIEDER!!!“
Die wunderschöne Frau stierte sie hasserfüllt an, ehe sie ihrer Tochter bedeutete aufzustehen.
„Wir gehen, Ophelia. Ich werde mir nicht weiter anhören, was diese unfähige Person zu sagen hat.“ Das brünette Mädchen erhob sich sogleich und folgte ihrer Mutter unter leisem Schluchzen Richtung Tür.
„Mrs. Monroe, ich bitte Sie sich wieder zu setzen und mir zuzuhören. Das ist eine ernste Angelegenheit, die dringend besprochen werden muss.“ Hillary Clark versuchte ein letztes Mal zu Annabelle Monroe durchzudringen, ohne Erfolg.
„Nein. Nein. NEIN! Sie halten jetzt den Mund. Wenn ich nur noch ein einziges Wort höre, dann mache ich Ihnen das Leben zur Hölle.“ Ihre plötzliche Drohung schockierte die Lehrerin und machte sie sprachlos. Wie versteinert saß sie auf ihrem Stuhl und schaute dabei zu, wie Mrs. Monroe zornig aus dem Büro stürmte. Ophelia dagegen drehte sich noch einmal zu ihr um. Ein zuckersüßes Lächeln zierte ihre vollen Lippen, während sie ihr den rechten Mittelfinger zeigte. Es gab keine Spuren mehr von ihrem vorangegangenen, vorgespielten Heulkrampf.
„Dieses Gespräch wirst du noch bereuen, Drecksstück“, wisperte sie, bevor sie aus ihrem Blickfeld verschwand.

Comments

  • Author Portrait

    Mir gefällt der Einstieg auf jeden Fall sehr gut. Das Einzige, was ich mich zwischendurch gefragt habe, warum erst jetzt gehandelt wird, wenn das Mädchen so aggressiv ist? Normalerweise würde da doch längst eine Anzeige oder ähnliches vorhanden sein?! Aber da ich jetzt gerade Megan Core's Kommentar gelesen hab, werde ich wohl erst mal die andere Geschichte anfangen, vielleicht erschließt sich mir das dann besser. Ansonsten alles in Allem sehr gut und ich hab ganz gespannt gelesen, was du da geschrieben hast :-D

  • Author Portrait

    Hey, ich poste das mal in den Kommentaren, weil sich die Frage sicher mehrere stellen werden: wenn man mit deinen Werken noch nicht vertraut ist, sollte man dann eher mit Mortal Sin anfangen, weil es zeitlich vorher spielt, oder lieber bei Good/Evil? Liebe Grüße, Meg

beta
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