2006- Beauty Behind The Madness

Wenn die Liebe zu stark wird, bringt sie dem Mann keine Ehre ein, nur Schmerzen.

                                                                                                                - Euripedes

 

Das gleißende, gespenstische Mondlicht fiel durch das Fenster an der Ostseite und ließ die fast weiße Haut der brünetten Frau wie Marmor aussehen. Ihr wohlgeformter, nackter Körper wurde nur spärlich von dem fliederfarbenen Seidenlaken bedeckt, darum dauerte es nicht lange, bis sie fror und eine Gänsehaut bekam.

Gierig schmiegte sie sich an ihn, in der Hoffnung, von ihm gewärmt zu werden. Mit einem leichten Lächeln auf den vollen Lippen beobachtete sie, wie sich sein Brustkorb noch immer hektisch hob und senkte. Die Anstrengung der letzten zwanzig Minuten waren unübersehbar.

Die Frau legte ihre rechte Hand auf seine Brust. Mit ihren manikürten, dunkelroten Fingernägeln fuhr sie seine Muskelstränge nach. Zentimeter für Zentimeter wanderte sie seinen Körper entlang, an dem eiskalter Schweiß haftete.

„Ophelia?“ James Roddick drehte seinen Kopf zu der Frau und schaute sie durchdringend an. Seine eiskalten grauen Augen wirkten in der Dunkelheit wie zwei Mondsteine.

„Was ist, Süßer?“, hauchte sie verführerisch in sein Ohr.

„Darf ich dich etwas fragen?“

„Alles, was du willst.“ Er räusperte sich übertrieben lange, ehe er fortfuhr.

„Was…was hälst du von der…der Liebe?“, stammelte er verunsichert. Er war froh, dass es dunkel war und sie sein knallrotes Gesicht nicht sehen konnte. Seine Verlegenheit und die von ihm gestellte Frage, die sehr ungewöhnlich für einen Auftragskiller war, amüsierten Ophelia.

Leise fing sie an zu kichern, was ihm missfiel.

„Lachst du etwa über mich?“, fragte er entsetzt und schob seine Augenbrauen zusammen. Ophelia verdrehte die Augen, bevor sie sich nackt auf ihn legte. Die Wärme ihrer Haut verursachte bei ihm einen wohligen Schauer.

„Ein bisschen“, gab sie vergnügt zu, um den jungen Mann zu ärgern. Dieser wollte gerade etwas erwidern, doch sie gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss.

Minuten vergingen, ehe sie den Kuss unterbrach. Es tauchte ein glückseliges, fast dümmliches Grinsen auf seinem Gesicht auf.

„Bist du mir noch böse?“ Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. Mit der Zungenspitze fuhr sie sanft über seine Lippen. Leise seufzte er.

„Nein.“ Er schlang seine starken Arme um ihre schmale Taille und presste sie an sich.

„Und beantwortest du mir jetzt meine Frage?“, wollte er etwas zurückhaltend wissen, aus Angst, dass die Frau ihn erneut auslachen würde.

„Wenn es sein muss“, stöhnte sie gespielt entnervt und zwirbelte dabei eine Haarsträhne um ihren rechten Zeigefinger.

„Liebe ist das Schlimmste, was dir im Leben passieren kann, denn sie macht dich dumm. Liebe beschützt dich nicht. Liebe macht dich nicht stark, sondern schwach. Liebe ist nutzlos und unbrauchbar“, presste sie tonlos hervor.

Der junge Mann war perplex. Er hätte nicht mit solch einer niederschmetternden und negativen Antwort gerechnet. Mit einem Mal verlor er den Mut. Jetzt war er sich nicht mehr sicher, ob er Ophelia endlich das sagen sollte, was ihm schon eine gefühlte Ewigkeit auf dem Herzen lag. Nach minutenlangem Grübeln überwand er letztlich seine grenzenlose Furcht.

„Und was ist, wenn ich dich liebe?“, fragte er ernst. Schallendes Gelächter, das von den hohen Wänden hallte, war die Antwort. Dabei schüttelte die Frau den Kopf, sodass ihre langen, dunklen Haare durch die Luft schnitten.

„Du liebst mich nicht, Süßer. Du liebst es mit mir zu ficken, das ist ein Unterschied“, belehrte sie den jungen Mann, nachdem sie sich einigermaßen beruhigt hatte. Ihr Gegenüber schnaubte verärgert. Er war wütend, denn er fühlte sich von ihr gedemütigt; er fühlte sich wie ein kleiner, naiver Junge. Wieso machte sie sich über ihn lustig? Weil er Gefühle für sie hatte? Laut brummte er, dann packte er Ophelia gewaltsam an den Oberarmen und stieß sie von sich herunter.

Ihr entfleuchte ein zorniges Knurren, als sie unsanft auf der Matratze landete, doch keine fünf Sekunden später setzte sie sich blitzschnell auf ihn, umfasste mit unvorstellbarer Kraft die Handgelenke des jungen Mannes und drückte seine Arme nach oben. Ihre langen Nägel gruben sich unerbittlich in seine Haut, bis warmes frisches Blut seine Unterarme herunter lief und die Laken besudelte. Der metallene, unverwechselbare Duft von Blut, den beide so sehr liebten, erfüllte das riesige Schlafzimmer. Er schloss die Augen und sog genüsslich den Duft ein. Die Innenseiten seiner Nasenflügel begannen zu kribbeln und sein Herz und Puls rasten.

Nach einiger Zeit hoben sich seine Lider und er sah, wie sie ihren Oberkörper zu ihm herunterbeugte. Sie war seinem Gesicht so nahe, dass sich ihre Lippen beinahe berührten und er ihren heißen Atem spüren konnte.

„Wenn du mich noch ein einziges Mal so respektlos behandelst, dann wird es das letzte Mal sein. Hast du mich verstanden, James?“, stieß sie zornig hervor. Er kannte Ophelia gut genug, um zu wissen, dass er ihre Drohung ernst nehmen und sofort antworten sollte, aber sein verletzter Stolz ließ das nicht zu. Schweigend stierte er sie an.

„Ich will wissen, ob du mich verstanden hast.“ Ungezügelt ließ sie ihrer Wut freien Lauf, als sie ihre Nägel immer tiefer in sein Fleisch und seine Muskeln bohrte. Hektisch schnappte er nach Luft, doch nicht, weil der stechende Schmerz ihn störte, im Gegenteil. Das brennende Gefühl, das durch seine Arme, bis in seine Schultern zog, gefiel ihm. Dies schien auch Ophelia aufzufallen, denn sie zeigte ein zufriedenes Lächeln, ehe sie ihre Zunge über seinen rechten Oberarm gleiten ließ und gierig sein Blut trank.

Der junge Mann stöhnte erregt. In vollen Zügen genoss er ihre Berührungen und den Schmerz, der von seinem Körper Besitz ergriff. Sein Verstand wurde nur noch von dem unvorstellbaren Verlangen nach ihr beherrscht.

Plötzlich tauchte Ophelias Gesicht wieder vor ihm auf. Ihre vollen Lippen waren benetzt mit seinem Blut, das sich langsam seinen Weg über ihr Kinn bahnte. Als sie ihn ansah, blitzten ihre Augen mysteriös und gefährlich.

Ohne es kontrollieren zu können, fuhr ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken. Diese wunderschöne Frau rief die verschiedensten und stärksten Gefühle in ihm hervor, die er je erlebt hatte. Respekt traf auf lähmende Furcht, grenzenloses Verlangen und Liebe, der er sich absolut sicher war, da konnte Ophelia ihm sagen, was sie wollte. Er war felsenfest davon überzeugt, dass er verliebt war, auch mit seinen gerade mal fünfzehn Jahren.

Wie konnte man denn sonst sein Gefühlschaos erklären? Wenn er in ihrer Nähe war, dann konnte er nicht richtig atmen. Sein Herz schlug so schnell in seiner Brust, dass es ihn innerlich fast zerriss. Ein merkwürdiges Kribbeln befiel seinen ganzen Körper, das ihn beinahe wahnsinnig machte. Darum war sich James Matthew Roddick absolut sicher, dass er Ophelia Monroe über alles liebte. Sie war die Herrscherin über seinen Verstand, sein Herz, seine Seele. Er war bereit alles für sie zu tun, egal, was sie von ihm verlangte. Er würde für sie töten. Er würde für sie sterben.

Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als Ophelia seine Handgelenke losließ und ihn mit blutverschmierten Lippen wild küsste. Der junge Mann schmeckte sein eigenes salziges Blut, was ihn in Ekstase versetzte.

Er verfiel in einen Rauschzustand, in dem er wie im Wahn die vollen, zarten Lippen der Frau, die er anbetete, ableckte, um auch den kleinsten Tropfen Blut in sich aufzunehmen. Die aufkommende, intensive Begierde, die in hohen Wellen über ihn kam, überwältigte ihn. Nie zuvor hatte er eine solche Lust verspürt.

Wie ein wild gewordener Hund folgte James seinen Trieben. Knurrend und kläffend packte er Ophelia brutal an den Oberschenkeln, sodass sich seine Finger in ihre wohlriechende Haut bohrten und sie mit einem Mal auf den Rücken drehte. Verführerisch lächelte sie, während sie ihre langen Beine um seine Hüften schlang und ihm ihr Becken entgegen hob.

Ein langgezogenes Stöhnen, das einem erleichterten Seufzer glich, entfuhr ihrer Kehle, als er in sie eindrang.

Ophelia legte ihre Hände auf seinen starken Rücken und presste sich an seinen warmen, leicht verschwitzten Körper. Bei jedem weiteren kräftigen Stoß vergrub sie ihre Nägel immer tiefer in seiner Haut, was ihm ein verärgertes Grollen entlockte. Er spürte, wie sein warmes Blut seinen Rücken hinab floss. Ein pochender, heißer Schmerz zog durch seine Glieder, aber das hielt ihn nicht davon ab weiterzumachen. Seine Gefühle für diese atemberaubende Frau zwangen ihn einfach dazu, jeden Schmerz und jede Qual zu ertragen, nur, damit sie glücklich war.

Als James ihren Hals und ihr rechtes Schulterbein küsste, hörte er Ophelia kichern. Mit seiner Zunge fuhr er über ihre Kehle, bis zu ihrer Unterlippe, in die er hinein biss. Sogleich vergrub sie eine Hand in seinen Haaren und zog unerbittlich seinen Kopf nach hinten. Der junge Mann musste sich zusammenreißen, damit er nicht los schrie. Seine Kopfhaut brannte wie Feuer.

„Benimm dich gefälligst, James. Ich bin diejenige, die das Sagen hat und nicht du. Verstehst du das?“, zischte sie erbost. Ohne lange darüber nachzudenken, nickte er gehorsam. Er hätte alles getan, damit die unsagbaren Schmerzen endlich ein Ende fanden.

Ophelia hatte Erbarmen und ließ von seinen Haaren ab. Als er sie ansah, zeigte ihre versteinerte Miene nichts als Kälte, was ihm gnadenlos und brutal das Herz brach. Automatisch verlangsamte er seine Bewegungen, was ihr natürlich nicht entging.

„Was ist los?“, fragte sie und durchbohrte ihn mit ihren blau-grünen Augen. James zwang sich dazu ihrem intensiven Blick Stand zu halten.

„Was bin ich für dich, Ophelia?“, raunte er wütend. Er war auf 180. Gewissenlos verletzte sie ihn immer wieder, ohne einen Gedanken an seine Gefühle zu verschwenden.

„Bin ich bloß ein Zeitvertreib? Ein Spielzeug?!“, brüllte er ungehalten. „Oder ein naiver Fünfzehnjähriger, mit dem du nach Lust und Laune vögeln kannst?“

Nach seinem Ausraster war es beinahe totenstill. Nur ihr leises, lustvolles Stöhnen war zu hören. James wartete darauf, dass sie ihn für seine unverschämten Worte bestrafte, schließlich wusste er, wie Ophelia reagierte, wenn sie angefahren wurde.

Aber zu seiner großen Verwunderung sah sie ihn entschuldigend an und schlang ihre Arme um seinen Nacken. Sie presste sich an ihn, was den jungen Mann dazu veranlasste, tiefer in sie einzudringen. Ophelia schnappte laut hörbar nach Luft und schloss die Augen. Trotz der grenzenlosen Wut und seinem malträtierten Herz hatte er die Lust auf Sex nicht verloren. Wahrscheinlich hätten viele Männer schon aus Prinzip aufgehört mit der Frau zu schlafen, die sie wie Dreck behandelte, aber er konnte seine Gefühle für sie nicht abstellen. Er liebte es, sie zu spüren, seine Hände über ihre Haut wandern zu lassen und ihren unvergleichlichen, einzigartigen Duft in der Nase zu haben.

Während er in Gedanken versunken war, wand Ophelia ihren perfekt geformten Körper lustvoll unter ihm. Dieser Anblick erregte ihn so sehr, dass seine Bewegungen stetig an Schnelligkeit zunahmen. Durch die Anstrengung verkrampften sich seine Muskeln, doch das war ihm egal. Stürmisch küsste er Ophelia und drückte sie rabiat in die Matratze.

Ihre Atemzüge wurden immer hektischer. Nach einigen Minuten brachte er sowohl sie, als auch sich zum Höhepunkt. Das lautstarke Stöhnen der schönen Frau dröhnte in seinen Ohren und hallte von den hohen Wänden, bis es verstummte.

Befriedigt legte sich James neben sie. Das dünne Laken, das mit seinem Blut befleckt war, klebte an seinem verschwitzten Körper. Flüchtig fuhr er sich durch die feuchten Haare.  

„Vielleicht sollte ich dich öfters wütend machen, wenn so guter Sex dabei herauskommt“, meinte Ophelia euphorisch und strahlte über das ganze Gesicht. Er erwiderte nichts, stattdessen verfinsterte sich seine Miene.

„Beantworte endlich meine Frage“, schnauzte er sein Gegenüber ungehalten an. Die junge Frau schien im ersten Moment nicht zu wissen, wovon er sprach, denn sie schaute ihn irritiert an. Aber ihre Verwirrung verwandelte sich in Zorn, als sie sich energisch aufsetzte. Ihre langen seidigen Haare fielen über ihre schmalen Schultern und bedeckten ihre Brüste. Dunkle Schatten lagen auf ihrem Gesicht, welche ihr ein furchteinflößendes und bedrohliches Aussehen gaben.

„Sei nicht so vorlaut, James“, rügte Ophelia ihn wie ein ungezogenes Kind. Trotz der fehlenden Helligkeit konnte der junge Mann die lichterlohen Flammen in ihren großen Augen erkennen. Er hatte das Gefühl ein wahrhaftiger Dämon säße neben ihm und keine wunderschöne Frau.

„Du bist respektlos und hast keinen Anstand.“ James öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch sie gab ihm eine kräftige Ohrfeige. Überrascht riss er seine Augen weit auf.

„Unterbricht mich nicht, wenn ich rede“, fuhr sie ihn aufgebracht an. Dann, urplötzlich, wurde ihre steinerne Miene sanft, als sie wie in Zeitlupe ihren Oberkörper nach unten beugte. Der blutrünstige Dämon hatte sich in einen Engel verwandelt.

„Für mich bist du weder ein Zeitvertreib, noch ein Spielzeug, James Roddick“, säuselte sie, wobei sie mit ihren Lippen sein linkes Ohr berührte.

„Du bist der Einzige, der mich versteht. Du gibst mir alles, was ich brauche. Du bist alles, was ich will.“

Ihre schmeichelnden Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Von einer Sekunde auf die Andere verrauchte die Wut des jungen Mannes und ein Hochgefühl machte sich in ihm breit. Ein glückliches Lächeln stahl sich auf seine Lippen, bevor er sich aufsetzte und Ophelia tief in die Augen schaute. In diesem traumhaften Blaugrün entdeckte er flammende Leidenschaft und pure Lust.

Wortlos hob James sie auf seinen Schoß und drang erneut in sie ein. Lustvoll stöhnte er, während sie sich an ihn schmiegte, sein Gesicht in ihre Hände nahm und ihn lange und innig küsste…

 

Wie besessen starrte James Roddick auf seine nackte Kollegin, die neben ihm auf dem Bauch lag und genüsslich eine Zigarette rauchte. Die rote Glut wirkte in der Dunkelheit wie ein mystisches Insekt aus einer anderen Welt, das umher flog und nach einem geeigneten Landeplatz suchte.

Er schüttelte den Kopf, um diesen bescheuerten Gedanken zu vertreiben. Dann riss er seinen Blick gewaltsam von der Zigarette los und ließ seine Augen über Ophelias makellosen Körper wandern, der von hellem Mondlicht bestrahlt wurde. Als er ihre endlos langen Beine und ihren festen Hintern betrachtete, überfiel ihn eine Hitze, die ihm den Verstand raubte.

Automatisch legte er seine Hand auf ihren Rücken und begann mit den Fingerspitzen über ihre weiche, zarte Haut zu fahren, doch das genügte ihm nicht.

Der junge Mann beugte sich über die dunkelhaarige Schönheit und bedeckte ihren Rücken mit Küssen. Leises, vergnügtes Gelächter drang an seine Ohren, als er an ihrem Nacken ankam.

„Du hast wohl immer noch nicht genug, Süßer“, hauchte Ophelia erregt und stützte ihre Unterarme auf. James hob den Kopf und grinste frech.

„Nein, von dir bekomme ich nie genug.“ Seine Kollegin biss sich auf die Unterlippe und schaute ihn verrucht an. Dieser verlockende Anblick reichte aus, um die Lust und das Verlangen schlagartig zurückkehren zu lassen. Stürmisch legte er sich auf sie und drang tief von hinten in sie ein.

„Oh, Gott!!!“, schrie sie und versenkte ihre Fingernägel in der Matratze, während seine Stöße schneller und hemmungsloser wurden. Minutenlang hörte er nur sein eigenes lautes Stöhnen und Ophelias hektische Atemzüge. Sein Herz pochte unbändig in seiner Brust und sein Schädel dröhnte. Das war nun mal der Preis seiner Sucht nach Ophelia Monroe.

Plötzlich umschloss er mit einer Hand ihr Kinn, drehte ihren Kopf zu sich und küsste sie heiß und leidenschaftlich.

„Ich kann nicht genug von dir bekommen, weil ich dich liebe, Ophelia“, flüsterte er ihr ins Ohr, als der Kuss vorüber war. „Dir gehört mein Herz.“

Stille.

Unter ihm spannte die bildschöne Killerin ihre Muskeln an und presste ihre farblos geworden Lippen zusammen.

Der Blick, der ihn nach seinem erneuten Liebesbekenntnis traf, war eine Mischung aus Entrüstung und Verunsicherung. Die brünette Schönheit schien nicht zu wissen, wie sie reagieren oder was sie empfinden sollte. Sie war mit der Situation sichtlich überfordert, was James überraschte, denn seit er sie vor einem Dreivierteljahr kennengelernt hatte, präsentierte sich seine Kollegin als selbstbewusste, berechnende und eiskalte Frau. Man wusste nie, was sie wirklich fühlte oder dachte. Sie war eine Meisterin darin, ihre Emotionen zu verbergen und stets die Kontrolle über sich zu behalten.

Nichts und Niemand konnte sie aus der Ruhe bringen, einschüchtern oder aufhalten, das hatte er zumindest geglaubt. Bis heute.

Ausgerechnet seine aufrichtige Liebe schien für sie einer Katastrophe, wenn nicht sogar dem Weltuntergang nahe zu kommen, doch das kränkte ihn nicht. Bei ihm löste dies eher Trauer und Mitleid aus, da er der festen Überzeugung war, dass Ophelia nichts für ihre Kaltherzigkeit konnte. Hinter ihrer unnahbaren Fassade vermutete er nämlich Angst. Angst davor, Gefühle zuzulassen. Wahrscheinlich hatte sie nie gelernt anderen Menschen zu vertrauen und verlässliche Beziehungen zu führen. Den Grund dafür sah er in ihrer Kindheit, die, wie er von Ophelia selbst erfahren hatte, von physischer und psychischer Gewalt geprägt war.

Wenn sie nicht einmal von ihren eigenen Eltern Liebe und Zuneigung erfahren hat, dann ist es kein Wunder, dass sie Probleme mit ihren Emotionen hat.

James hatte gewusst, dass es ein Risiko sein würde, seiner Kollegin seine Gefühle zu offenbaren und sich ihr somit schutzlos auszuliefern. Er hatte bereits geahnt, dass Ophelia sich heftigst gegen seine Liebe zu ihr wehren würde, aber dies machte sie umso anziehender für ihn. Der junge Killer war bereit mit allen Mitteln um sie zu kämpfen.

„Hör auf mich zu lieben!“, brach es jedoch plötzlich und heftig aus ihr heraus, was ihn erschreckte und zusammenzucken ließ. In ihren Augen entdeckte er ein unheimliches Glühen.

„Ich will, dass du deine verdammten Gefühle abstellst und dich wie ein Mann verhältst. Wir haben nur Sex, verstanden?! Wenn du das nicht akzeptieren kannst, dann verschwinde aus meinem Haus und lass dich hier nie wieder blicken.“

James stand nach diesem Ausbruch unter Schock und fühlte sich nicht in der Lage etwas zu entgegnen. Dies schien Ophelia erst recht wütend zu machen, denn sie fletschte aufgebracht die Zähne und schnaubte.

„Hast du das verstanden, James?“ Er benötigte einige Sekunden, um sich zu sammeln und den harten Kloß in seinem Hals herunterzuschlucken, der ihn am Sprechen hinderte.

„Ja, ich habe verstanden. Deutlicher hättest du es nicht ausdrücken können“, versuchte er seiner Stimme einen lässigen und beiläufigen Klang zu geben. Er wollte es unbedingt verhindern, dass sie ihn als liebeskranken Schwächling abstempelte und nicht mehr in ihre Nähe ließ. James musste sich, wenn er sie nicht verlieren wollte, damit abfinden, dass sie nichts von seiner Liebe wissen wollte.

Die Brünette blieb stumm, was ihn verunsicherte. Waren meine Worte doch die falschen? Wird sie mich wegschicken? Panik stieg in ihm hoch und drohte ihn zu ersticken. Warum schweigt sie? Wieso…

Ophelias überraschende Reaktion war ein versöhnlicher Kuss, den er genoss und als Ende ihres Streites ansah. Lange hielt sein unbeschwertes Glück jedoch nicht an, denn auf einmal erklang der melancholische Klingelton seines Handys. James war sofort klar, dass es um diese Uhrzeit nur William sein konnte, der anrief. Warum ausgerechnet jetzt?, dachte er verärgert.

„Hör nicht auf“, keuchte seine Kollegin unter ihm und legte ihre Hände in seine. James war hin und hergerissen.

Auf der einen Seite war er seinem Boss; seinem Adoptivvater verpflichtet, aber auf der anderen Seite…

Auf der anderen Seite stand Ophelia, die Frau, die er verehrte und für die er jederzeit sein Leben geben würde.

Das Klingeln schrillte weiterhin unerbittlich in seinen Ohren und quälte ihn, als wolle es ihn zu einer Entscheidung zwingen. William oder Ophelia? William oder Ophelia? William…

Gestresst seufzte James, bevor er seine Wahl traf, die er im selben Augenblick bereits bereute. Er ging von der Brünetten herunter, schwang seine Beine über die Bettkante und schnappte sich sein Handy, das auf dem Nachttisch lag. Dann nahm er den Anruf entgegen.

„Was ist?“

„Ich will wissen wo du bist, James. Ich dachte du bist Zuhause“, erklang die raue und zornige Stimme seines Adoptivvaters. Verdammt, warum habe ich nicht daran gedacht mir eine Lüge einfallen zu lassen, wenn er anruft. Ich kann ihm unmöglich sagen, dass ich bei Ophelia bin. Wie oft hat er mir Vorträge darüber gehalten, dass ich ja die Finger von Frauen lassen soll, da solche Beziehungen mich bloß ablenken würden? Es waren etliche male und wenn er herauskriegt, dass ich mich ausgerechnet auf eine Kollegin eingelassen habe, dann wird er mich eigenhändig umbringen.

„James?!“, zwang er ihn seine Bedenken zu stoppen und sich eine plausible Ausrede einfallen zu lassen.

„Ich bin in der Stadt“, log James glaubwürdiger, als er von sich selbst erwartet hatte. Jetzt konnte er nur hoffen, dass er keinerlei Nachfragen stellen würde.

„Was auch immer du dort machst, unterbrich es. Ich habe Arbeit für dich.“ Der junge Killer verdrehte die Augen und unterdrückte den Drang, diesen Auftrag direkt abzulehnen. Er musste sich seinem Befehl fügen. Er hatte keine andere Wahl.

„Ich höre.“ Während William ihn in den Auftrag einwies, setzte sich Ophelia hinter ihn, schlang ihre Beine um seine Hüften und presste sich an seinen Rücken. Er war erleichtert, dass sie es ihm nicht übel zu nehmen schien, dass er das Telefonat angenommen hatte.

Als er ihren warmen, nackten Körper an seinem spürte, bekam er eine Gänsehaut. Zärtlich hauchte sie Küsse auf seinen Hals und ließ ihre Hände über seinen Brustkorb wandern. James konnte sich kaum auf Williams Worte konzentrieren. Die Lust hämmerte in jeder Zelle seines Körpers, quälend und unerbittlich.

„Geh nicht, James, bleib hier“, säuselte sie schlaftrunken, da sie ahnte, dass er mit William über einen neuen Auftrag sprach, der ihn aus ihren Armen ziehen würde. Er hingegen befürchtete, dass sein Adoptivvater Ophelia hören könnte, also legte er einen Finger an seine Lippen, um ihr Ruhe zu symbolisieren. Seine Geste brachte die dunkelhaarige Schönheit zum Kichern, was ihn wiederum entsetzt seine Augen aufreißen ließ.

„Reg dich nicht auf, Süßer.“ Ihr warmer Atem streifte seinen Nacken und ließ ihn erbeben. Ich glaube ich verliere den Verstand…

„Hörst du mir überhaupt zu, James?“ Ihm schlug Williams gesamter Zorn entgegen, während Ophelias Verlangen ihn umklammert hielt.

„Ja“, sicherte er ihm genervt zu. „Ich habe alle Anweisungen verstanden.“

„Gut, dann mach dich umgehend auf den Weg, James“, überging er seinen patzigen Tonfall. „Enttäusch mich nicht.“ Das waren seine letzten Worte, ehe er auflegte und ihn mit hohen Erwartungen zurückließ, was er stets zu tun pflegte, seit er seinen ersten Auftrag hinter sich gebracht hatte. Von seinem Adoptivsohn verlangte er mehr, als von seinen übrigen Mitarbeitern, viel mehr.

Schwerfällig löste er Ophelias Griff, erhob sich und begann seine Klamotten einzusammeln.

„Ich sehe, dass du dich gegen mich entschieden hast.“ Seine Kollegin ließ sich frustriert zurück aufs Bett fallen und schmollte. James kleidete sich derweil an, wobei er von der Brünetten genaustens beobachtet wurde. Als er sich seine aschgrauen Boots überstreifte, setzte sie sich neben ihn und fuhr mit einer Hand durch seine Haare.

„Willst du wirklich William mir vorziehen?“, wisperte sie ihm ins Ohr und legte ihre Stirn an seine Schläfe. „Das ist keine gute Wahl, Süßer.“

„Das ist mir klar, aber du kennst ihn, Ophelia, und weißt, dass er keine Widerstände duldet.“ Er zog seinen Kopf sanft zurück und nahm ihr Gesicht in seine Hände. Der Anblick der Frau seines Herzens, eine Perfektion im strahlenden Mondlicht, brachte ihn beinahe dazu schwach zu werden. Doch kurz bevor er einbrach, erinnerte er sich an Williams Strenge und die drohenden Konsequenzen, wenn er nicht spurte. James drängte mit aller Kraft seine Gefühle für seine Kollegin in den Hintergrund und stellte seine beruflichen Pflichten voran. Er küsste sie flüchtig auf Mund und Nasenspitze und wollte gehen, als sie sich blitzschnell rücklings auf ihn setzte, ihre zarten Hände auf seinen Brustkorb legte und seinen Oberkörper rabiat nach unten in die Matratze presste.

„So leicht entkommst du mir nicht, James Roddick.“ Ihr Gesicht näherte sich Zentimeter für Zentimeter seinem Gesicht, das sein Erstaunen offenbarte. „Du glaubst, dass es schlimmer sei William zu enttäuschen?“

„Dann ist dir nicht bewusst, dass du meinen Zorn mehr fürchten solltest, Baby“, tönte sie kaltschnäuzig und setzte ein grausames Lächeln auf. Er begriff, dass dies eine deutliche Warnung war. Eine Warnung, die er nicht unterschätzen durfte, denn er wusste genau, wozu die junge Frau fähig war.

„Ich will, dass du mich fickst. JETZT!“ In Windeseile knöpfte sie sein Hemd auf und zog den Gürtel aus den Schlaufen seiner dunklen Jeans. James gab sich nicht die Mühe sich gegen ihren Willen aufzulehnen, sondern ließ sie in ihren Berührungen fortfahren.

Das wird `ne Menge Ärger mit William geben! Er wird mir den Kopf abreißen, aber ich kann nicht anders. Meine Erregung ist stärker, als mein Pflichtbewusstsein und nun ja…Ophelia Monroe ist immer eine Sünde wert.

 

 

 

 

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media