22. Die erste Wandlung

Sam war ganz bleich. Er war die ganze Zeit hier gewesen, während ich wo auch immer gewesen war. Ich spürte seine Gefühle.
Die Kirche war wieder um einiges dunkler und maroder. Ich war wieder zurück, wo auch immer ich mich eben noch befunden hatte.
„Los.“ Sam packte mich an der Hand und zog mich hinaus. Die Zeit an diesem Ort war wohl endgültig abgelaufen, was man an Sams verschwitztem Gesicht sah. Hatte er sich solche Sorgen gemacht? Es blieb mir keine Zeit seine Reaktion zu ergründen, denn er ließ mich nicht.
Draußen angekommen warf ich noch einen kurzen Blick zurück. Ich hatte noch so viele Fragen und doch keine Zeit. Vielleicht würde er sie mir irgendwann geben, die Antworten auf die unzähligen Fragen.
„Gideon?“, fragte ich vorsichtig, da mir etwas mulmig wurde. Ich konnte seine Gefühle über die entfernen nicht spüren, doch ich ahnte etwas. Sie kamen näher.
„Auf dem Weg.“
„Und?“
„Stinksauer.“ Wenn der Kerl mich nicht spätestens jetzt rausschmeißen würde. Gerade mal eine Stunde unter seiner Aufsicht und schon machte ich Stunk. Zu meiner Verteidigung, wir hatten uns das alle, was anders vorgestellt.
„Was hat er gesagt?“, fragte Sam, als er mit mir schnellen Schrittes durch den Wald ging. Er war wohl so neugierig, dass er sich noch nicht verwandelte. Konnte er es nicht sehen? Spüren oder in meinen Gedanken lesen.
„Nicht genug.“
„Nida!“
„Er ist mein Vater!“, schrie ich verzweifelter als es klingen sollte. Samuel blieb ruckartig stehen und starrte mich an. Es schien, dass seine schlimmste Befürchtung wahrgeworden war.
„Hat er das gesagt? Hat er es ausgesprochen?“
„Er musste es nicht sagen.“
„Dein Vater.“ Sams blick wurde leer, irgendwie verzweifelter als es eh schon war.
„Na ja. Ihr habt ja Nachfahrin gesagt. Jetzt ist es halt etwas ... enger.“
„Needy. Nachfahre heißt, die Tochter seines Urururenkels, nicht die direkte Linie.“ Ich blinzelte. Ob es noch viele von ihnen gab? Sie schienen selten zu sein. Was wohl bedeutete, dass sie kaum noch existierten. Jene wie mich, wenn überhaupt oder sie hilten sich einfach nru sehr gut verborgen.
Man sah, wie Samuels Gedanken im Dreieck sprangen.
„Gideon dreht durch“, gestand er.
„Was meinst du, schmeißt er uns raus?“
„Dich. Kann gut sein.“ Ich boxte ihn, als er sich geschmeidig verwandelte. Ich starrte in die Farben, so nah an mir hatte er es noch nie getan. Die farben umhüllten meine Finger. Sie kribbelten, wurden warm. Ein unglaubliches Gefühl. Ob er es am ganzen Körper spürte, wenn die Wandlung begann?
Er tippte meine Finger mit der Nase an, da ich in Trance vor mich hinstarrte. Ich kam zu mir und kletterte auf ihn. Ich wollte nur noch nach Hause. Brauchte unbedingt eine Mütze schlaf.
Er lief gleich los. Ich spürte seine Ungeduld. Etwas lag in der Luft, oder war es einfach nur meine eignende Anspannung? Ich konnte nur noch daran denken, ein paar Stunden abzuschalten.
Also kuschelte ich mich an meinen Mann, vergrub das Gesicht in seinem Fell. Ließ den Wind über mich drüberrauschen und versuchte etwas abzuschalten.
Ob ich Angst vor dem Kommenden hatte? Schon, aber nicht sehr. Es war die Ungewissheit, dass ich nicht wusste, wie ich mich verändern würde. Hoffentlich gar nicht.
Wie würde Sam damit umgehen, oder das Rudel? Würde Gideon uns wirklich hinausschmeißen? Tausende Fragen donnerten durch meinen Schädel.
Sam wurde langsamer, blieb schließlich stehen. Ich kam leicht hoch. Der Wald war dunkel, das wenige Licht wurde von den dichten großen Bäumen verschluckt, was sie Umgebung in ein tiefes Schwarz tauchte. Ich sah mich um. Auf was wartete er?
„Sam?“, flüsterte ich. Sam starrte auf eine dunkle Stelle im Wald, verborgen von Büschen, Dornen und Ästen. Sie wirkte fast schwarz. Schatten? Mein Herz raste, jetzt schon? Samuel begann zu knurren, sein ganzer Körper vibrierte. Eine Vibration die ich im ganzen Körper spürte.
Instinktiv kletterte ich ab und ging neben ihn in die Hocke. Er ging einen Schritt vor und setzte sich schützend vor mich. Mein Körper war augenblicklich geladen. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und meine Sinne waren geschärft. Angst würgte sich mir den Hals hinauf.
Nun gestand ich mir ein, dass es eine dumme Idee gewesen war, allein zu gehen. Wer wusste schon, in wessen Revier wir eingedrungen waren, oder on sie mich nicht schon gefunden hatten. Die Wesen. Die Schatten. Meine Glieder zitterten. Ob sich seine Prophezeiung verwirklichen würde? Innerlich malte ich mir jedes Szenario aus, so absurt es auch sein mochte.
Sam fletschte die Zähne. Ich konnte es nicht sehen, nicht mal spüren, er schon. Mein Blut rauschte mir durch die Ohren, es war das gefühlt einzige Geräusch neben Sams knurren. Gideon und die anderen wären sicherlich nicht rechtzeitig da, auch wenn ich mir vorstellen konnte, dass sie bereits auf dem Weg zu und waren.
Ich bekam Gänsehaut. Ich spürte die Elektrizität in der Luft.
»Lauf.« Ich sah Sam an, wollte er das wirklich? Eine pechschwarze Pfote trat aus dem dichten Gebüsch.
»Nida lauf!« Ich lief, es passte mir gar nicht, nur was hatte ich für eine Wahl? Ich hörte, wie ein Kampf begann, knurren und andere Geräusche.
»Nida!« Ich wusste genau, was es hieß. Es war jemand hinter mir her. Es mussten zu viele sein. Seine Stimme klang voller Angst.
„Nein!“ Ich blieb stehen, mein Puls raste. Wie konnte ich weglaufen, während mein Mann in Gefahr war?
»Verdammt Nida!« Er würde sich nicht genug konzentrieren, wenn ich in der Nähe war. Zumindest nicht genug, damit wir beide überlebten.
Ein schwarzer Wolf tauchte zähnefletschend hinter dem nächsten Baum auf. Ihm folgten, zwei weitere.
»Nida!«
»Kümmer dich um dich!« Ich würde das schon schaukeln! Wo war er nun, wenn man ihn brauchte? Er hatte es versprochen
Mit einem kurzen bösen Blick in den Himmel schwor ich, ihm den Arsch aufzureißen, wenn er es so enden ließ. Die Wölfe knurrten im Kanon, griffen jedoch nicht an. Sie standen nur da, mich fest im Blick. Hatten sie Angst?
»Sam!?« Ich spürte seine Wut. Vielleicht weil ich ihm nicht gehorchte. Ein Wolf setze zum Sprung an, ich wappnete mich, doch dann überlegte er es sich und ging wieder zurück in die knurrende Reihe der anderen beiden. Was zum Henker bedeutete es?
„Na komm schon, traust dich nicht?“ Ich blickte zwischen ihnen hin und her.
»Provozier sie nicht!« Er war wohl in Gendanken ganz bei mir.
»Kümmer dich um deinen eigenen Kampf und bleib am Leben!« Dafür bekam ich ein innerliches Knurren. Er würde mir sowas von den Hintern versohlen.
„Feiglinge, alle samt! Na los, kommt, wenn ihr euch traut!“ Ihre Augen funkelten zornig. „Nicht? Gut dann bin ich dran!“ Ich ging einen Schritt nach vorn, sie wischen zurück. Wieso wischen sie vor mir zurück? „Verschwindet!“, schrie ich und lief auf sie zu. Sie rannten fort. Ich lachte hysterisch. War ja gar nicht so schlimm. Das war nun wirklich ulkig.
»Lauf!«
»Alles gut, sie sind weg.«
»Nicht sie!« Ein tiefes Grollen ertönte hinter mir.
„Scheibenhonig“, fluchte ich. Sollte ich mich umdrehen? Ich spürte einen heißen feuchten Atem in meinen Nacken, der zu allem übel auch noch faulig roch. Jetzt wusste ich, wieso sie verschwunden waren. Es war etwas Großes hinter mir, was den ersten Bissen nicht teilen wollte! Ich wendete mich langsam um, um meinen ersten echten Gegner in die Augen zu schauen. Ich blickte ihm genau in die blutigen Augen, seine Zähne gefährlich gefletscht. Alles an ihm sprach Tod.
»Nach rechts!« Ich schmiss mich nach rechts, nur um Haaresbreite verfehlte mich Sam. Er stürzte sich auf den Wolf. Er war bedeckt mit Blut! Panik packte mich, war es seines?
Es war brutal zu sehen, wie sie sich rauften. Der böse landete einige gute Treffer.
„Beweg deinen Arsch hierher!“, schrie ich in den Himmel. Wenn er mich jetzt hängen ließ, würde ich ihm nie verzeihen. Meine Mutter sitzen zu lassen wegen seiner Verpflichtung war die eine, mich zusehen zu lassen, wie ich Samuel verlor, war die andere.
Ich stand da und konnte nichts tun, war machtlos gegenüber dem Kampf. Ich war nur ein Mensch, oder mittlerweile etwas dazwischen.
Der Wind pfiff mir um die Ohren, er wurde immer lauter, bis es ohrenbetäubend wurde. Oder war es mein Blut, das so rauschte? Mein Kopf dröhnte, bis plötzlich alles verstummte. Als hätte jemand den Lautlosknopf gedrückt, hörte ich nichts mehr. Selbst der Kampf schien langsamer zu laufen.
„Zeit“, zeriss eine helle weibliche Stimme die Stille.
Zeit. Es war Zeit. Ich schloss die Augen. Meine Haut begann zu kribbeln, mein Körper erfüllte eine Wärme, die von innen hinaus strahlte. Nun öffnete ich die Augen, die Wut packte mich und ich rannte los.
Ich rammte den anderen Wolf, der das Gleichgewicht verlor und gegen einen Baum donnerte. Doch war ich nicht fertig, ich packte den Wolf am Nacken und biss zu. Er heulte auf, ein schmerzvoller, dröhnender Laut. Mit aller Kraft riss ich ihn um mich, schleuderte ihn an den nächsten Baum. Es krachte. Der Baum ächzte.
Ich verfiel der Wut, biss den Wolf immer wieder, zerrte immer und immer wieder an seiner lädierten Haut, bis er irgendwann einfach zusammenfiel. Er regte sich nicht mehr, doch ich machte weiter und weiter, immer wieder. Als wäre ich dem Wahnsinn verfallen.
»Nida!«, schrie Samuel in meinem Kopf, wodurch ich erstarrte. Was tat ich da? Verwirrt blickte ich auf das blutige Knäuel, dann zu Sam. Er hatte die gleiche Höhe angenommen wie ich. Sam stand mit gesenktem Kopf vor mir, er war wütend.
»Sam?« Ich war verwirrt und verängstigt. Nie hatte ich zu Gewalt gegriffen, nun hatte ich sogar jemanden fast zu Tode gebissen. Oder war er bereits Tod? Er ächzte. Was mich vor Erleichterung jaulen ließ. Nur fast.
Verstört blickte ich auf den fast leblosen Körper, Sam kam zu mir, stupste mich an. Mein Blick viel auf die Bäume, sie bluteten, weil wir sie so oft Gestriffen hatten. Ich zitterte. Das war mein Werk.
»Sam -?«
»Alles ist gut. Das ist normal. Du wolltest mich schützen.«
»Aber ...?«
»Nida, das Tier in dir musste es tun. Auch wenn es nicht seine Aufgabe war«, warf er mir vor. Ich lachte auf. Ein komisches Geräusch. Er grinste.
»War ich das?« Er nickte.
»Sieh dich an.« Seine Stimme klang sanft. Doch ich hatte Besseres zu tun, ich sah mir ihn an. Schaute nach, wie sehr es ihn getroffen hatte.
»Das ist nichts.« Das meiste Blut schien nicht von ihm zu stammen. Was für eine Sauerei hatte er veranstaltet?
»Wie hast du das geschafft? Es waren so viele.«
»Es waren Wilde untrainierte Wölfe. Sie wussten nicht, worin ihre Stärke lag.«
»Worin liegt sie?«
»Zusammenhalt und jetzt sieh dich an.«
Langsam realisierte, was er meinte. Ich blickte hinab, da waren sie meine Pfoten. Sie waren so klein. Wie hatte ich den Kerl so schleudern können? Und doch war ich so groß fast wie er.
Ich blickte mich um. Es roch so herrlich nach Jahreszeitenwechsel. Das Lauf, die Bäume. Alles war so intensiv.
»Du bist wunderschön.« Hätte ich rot werden können, wäre ich es jetzt geworden. Mein Kopf wurde heiß. Schön, so hatte man mich selten genant.
Ich kuschelte mich an ihn. Meinen Wolf, meinen Mann. Mann? Ich blinzelte. Er war mein Mann, anders als die Bindung die ich immer ersehnt hatte, brauchte ich hier keinen Beweis. Denn es war da, diese Bindung, die unsere Seelen vereinte und zu etwas schönem verschmolz.
Ich sah ihn an. Er grinste, ich spürte es. Es war wunderschön, seine Nähe so deutlich zu fühlen, seine Seele so nah an meiner.
»Wir müssen los. Es ist nicht sicher.«
»Aber sie sind ... besiegt? Diese ...?«
»Wo sie herkommen, gibt es noch mehr. Dies hier ist ein Revier ohne festes Rudel. Einzelgänger, Wilde, überall.« Sie waren also nicht hinter mir her. Sondern hinter uns. War der Wolf mir nur so groß vorgekommen, aus der Gefahr und dem Adrenalin heraus? Ich konnte es mir nicht erklären, denn nun wirkte er so groß wie wir beide.
»Bereit deine ersten Schritte in einer neuen Welt zu tun?«
»Das hört sich dämlich an.« Er stupste mich an. »Aber wahr«, musste ich zugeben.
»Es wird dir gefallen.« Ich sprang hoch und biss ihm ins Ohr. Woher kam der Spieltrieb plötzlich?
»Na warte!« Er begann mich zu jagen, lachend lief ich los. In schnellem Tempo durch die Bäume, immer weiter. Samuel hinter mir. Es war ein freies und wildes Gefühl. Einfach laufen, wohin man gerade wollte. Wenn auch nicht ganz so ungezwungen.
Ich wusste genau, in welche Richtung es gehen musste. Also liefen wir zusammen. Als er mich erwischte, nagelte er mich am Boden fest. Bis mir in den Hals und unterwarf mich spielerisch. Trotzdem hatte es was Erstes. Er zeigte mir, wo ich stand, unter ihm, ich musste gehorchen. Das signalisierte er mir deutlich.
Ich konnte mir denken, dass es mit meiner Befehlsverweigerung zu tun hatte, nicht wegzulaufen. Doch würde ich es sicherlich wieder tun, wenn es nötig wäre. Ich drückte mich gegen ihn, leckte ihm über die Nase. Es war so normal, als wäre es schon immer in mir gewesen.
Nur einen Moment später, während wir diesen innigen Moment teilten, spürte ich sie. Sie waren da.
Ich horchte in mich hinein und sah das Netz. Wunderschön schillernde Farben, eine Wolke aus Gefühlen und Leben. Schöner hätte ich es mir nicht vorstellen können und trotzdem war es nicht greifbar. Ich konnte es nicht beschreiben, es war dort und wieder nicht. Eine Verbindung, die uns alle verband. Einen leuchtenden Stern mit dem anderen, anders konnte ich es nicht fassen. Es war zu schön, um wahr zu sein. Die Linien, die uns verbanden, wurden gespeist von so vielen Gefühlen und Gedanken. Darüber erreichten mich genau in dem Moment so einige Gefühle.
Aufregung, Wut, Kummer. Es waren Gideons. Samuel ließ von mir ab. Sah in die Richtung aus der sie kamen. Von weitem sah man sie über das Unterholz laufen. Bis sie bei uns ganz außer Atem ankamen. Einer nach dem anderen.
Sie alle waren mir gegenüber offen, zeigten mir, dass sie sich sorgten, was mir Kummer bereitete und ein starkes Gefühl von Zugehörigkeit. Eine richtige Familie.
Ich duckte mich leicht, der Duft des Erdbodens stieg mir in die Nase. Es war kaum möglich sich auf ein Thema zu konzentrieren. Allein die Erde unter den Pfoten zu spüren. Eine Explosion der Gefühle. Kein Wunder, dass Samuel so oft zum Wolf wurde, es war faszinierend.
Als Letzter traf Gideon ein, was meine Aufmerksamkeit wieder auf ihn lenkte. Sein Blick traf mich eisig. Ich schluckte schwer und machte mich bereit für das Donnerwetter.
»Nida.«
»Lass es mich erklären Gideon.«
»Schweig.« Ich nickte. War das ein junken aus meiner Kehle?
»Du hast nicht nur dich in Gefahr gebracht, sondern auch meinen Wächter. Ist dir klar was hätte passieren können?« Ich nickte erneut. Ich fühlte mich so elend. Er war so ruhig äußerlich, doch spürte ich den Sturm der Gefühle, der in ihm tobte. Er brannte fast. Was mich noch kleiner werden ließ, als ich schon war. Wieso war ich plötzlich so unterwürfig? »Wir sind ein Rudel, wir beschließen gemeinsam Entscheidungen, die wichtig für unseren Bestand sind. Ist das klar?«, sagte er nachdrücklich.
»Ja.« Ob ich das garantieren konnte? Wohl eher nicht.
»Und du.« Er wendete sich an Sam.
»Er kann nichts dafür!«, sprang ich vor Sam. Gideon schnaubte, da ich mich ihm in den Weg stellte. Nur hatte ich versprochen, es würde mein Vergehen sein, nicht seines. »Ich hab ihn gezwungen. Es ist allein mein Fehler.«
»Ist es nicht.« Dante kam näher, der schwarze Wolf sah so weise aus. »Du warst verletzlich, mitten in der Wandlung. Er ist ein Wächter und hat Befehlsgewalt. Er entscheidet, wie gehandelt wird. Somit ist es sein Vergehen, nicht deines, auch wenn du ihn dazu angestiftet hast.« Was würde nun passieren? Würde er seinen Rang verlieren? Angst kam auf, ich könnte ihm etwas zerstört haben.
»Ich bin seine Gefährtin. Zeigt mir einen Wolf, der nicht der Bitte seiner Auserwählten nachgehen würde.« Gideon legte den Kopf schief. Hatte ich recht, oder hatte ich recht? Samuel stupste mich an, ich spürte seinen Stolz.
»Du kennst die Regeln, halte dich dran«, rügte mich Gideon und sah zurück. Damit hatte es sich? Ich war erleichtert. Ich hatte mit einem Streit gerechnet.
Ich sah zu Samuel, er zwinkerte mir zu. Wie es schien, hatte er sich keinerlei Sorgen gemacht. Die anderen verteilten sich etwas, waren achtsam und schauten sich um. Dante stand uns gegenüber beobachtete mich.
Ich zuckte heftig zusammen, als ich ein ungewohntes Gefühl vernahm. Sam berührte mich, anders wie sonst. Er strich mir über die Seele. Mit glasigen Augen sah ich ihn an. Es war atemberaubend!
»Ich liebe dich«, hauchte ich. Er kam zu mir und drückte sich an mich, strich mir über mein Fell. Er erwiderte das Gefühl aus tiefster Seele. Als er einen Augenblick danach von mir abließ, machten wir uns auf.
Wir liefen nicht allzu schnell durch den Wald, sondern erkundeten ihn in einem zügigen Tempo. Ich hatte noch ein paar wenige Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht, wusste noch nicht wie ich über schmale Hindernisse mit vier Pfoten ging. Sie ließen mir Zeit.
An einem See nicht weit von unserem Heim entfernt machten wir eine Rast. Nun sah ich, was es bedeutete, ein Rudel zu sein. Ein Teil von ihnen, verschwand im Wald. Ein anderer bildete innen eine Wache. Die anderen tranken etwas. Sie waren trainiert und eingespielt.
Ich ging zum Wasser und sah mich an.
Eine schmale Schnauze, große Augen, ein farbenfrohes hell braunes Fell. Es schimmerte im Wasser, fast golden.
»Wirklich eine Augenweide.« Gale setzte sich neben mich.
»Ich?«
»Wer sonst?«
»Ich meine nur ...«
»Man hat dir wohl nicht oft gesagt, wie schön du bist.« Hätte ich rot werden können, wäre ich das sicher gewesen. Stattdessen quiekte ich verlegen. Wohl die Eigenart des Wolfs in mir. »Du hast ihn gesehen.« Ich nickte.
»Wie war er?«
»Einsam.«
»Nicht um sonst heißt er der einsame Wolf.«
»Nennt man ihn so?«
»Seit ich denken kann, ist er der einsame Wolf am Nachthimmel. Dazu bestimmt ewig zu führen, in der Geborgenheit der drei Gestirne. Unser Wächter der Sterne.« Ich sah hoch in den Himmel. Ob er dort oben war? Blickte er von dort auf uns hinab, einsam und allein. Trotz das er bei seiner Familie war. Eine traurige Vorstellung.
Ich erinnerte mich an die Wandlung zurück. Ohne Starthilfe hätte ich es wohl nicht geschafft, doch war es nicht seine Stimme gewesen, die mich zur Verwandlung getrieben hatte. Doch ... welche war es? Eine Frau. Ich hatte sie nie zuvor gehört.
Gideon sendete ein Signal aus. Ich wusste gleich, was es hieß. Aufbruch. Es verwunderte mich durch ein reines Gefühl zu wissen, welche Reaktion man verlangte.
Wir liefen weiter. Samuel immer an meiner Seite und dich soweit vorne das er auch immer für Gideon erreichbar blieb. Als Wächter hatte er wohl viele Aufgaben, die ich noch nicht verstand, doch dafür, hatten wir nun wohl eine menge Zeit.
Keine halbe Stunde später waren wir zurück. Der Rückweg erschien mir viel schneller, als der hin.
Als ich das alte Gemäuer betrachtete, das nun auch mein Zuhause war, viel mir gleich ein Wort ein.
Sicherheit. Wir waren in Sicherheit. Fürs erste ...
Gideon verwandelte sich.
„Wir reden Morgen.“ Damit verabschiedete er sich in den Wald zurück. Allein.
»Darf er das?«
»Er darf alles. Mach dir keine Sorgen«, versicherte mir Ian. Er ging mit vielen anderen hinein. Übrig blieben Sam und ich. Er verwandelte sich und hockte sich hin. Ich ging zu ihm und legte meinen Kopf auf seine Schulter.
Es hätte komisch sein müssen, nun in einer anderen Gestalt zu verweilen, doch das war es nicht. Im Gegenteil. Es war normal. Als wäre es nie anders gewesen.
Seine Hände fuhren durch mein Fell, kraulten mein Fell. Ich grummelte. Er hätte ewig so weitermachen können, so entspannend war es.
„Gehen wir hinein.“ Er ließ von mir ab. Was mich schmollen ließ. Er deutet zur Tür. Als ich nicht reagierte, wendete er sich wieder mir zu. Wie sollte ich ihm das nur erklären?
»Sam ich weiß nicht wie.«
„Natürlich, du bist ein Wolf.“
»Es war eine Reaktion, eine Stimme, die es auslöste. Ich hab keine Ahnung, wie ich das gemacht hab.«.
„Versuch es.“
»Wie denn!?«, knurrte ich meinen Mann an.
„Nida!“, rügte er mich, da ich gleich die Fassung verlor.
»Ich weiß es doch nicht! Es ist einfach passiert!«
„Nichts passiert einfach so. Horch in dich und du wirst es wissen.“ Ich versuchte es nicht einmal.
»Hörst du mir überhaupt zu? Es war eine Stimme!«
„Da war keine Stimme.“
»Woher willst du das wissen?«
„Weil ich die ganze Zeit bei dir war und jetzt konzentrier dich!“
»Fahr mich nicht so an!«
„Nida“, warnte er, da ich zu knurren beginnen hatte.
Dies gab den Auslöser, dass ich ihn ansprang. Er sollte den Mund halten, also wollte ich ihm diesen Stopfen. Eine Sekunde später legten ich meine Lippen auf seine.

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beta
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