23. August 1926

Noch bevor ich den Brief öffnete, lief mir ein Schauer den Rücken herunter, bei dem Gedanken, dass dieser Paige meine Adresse besaß. War es wirklich der Dante T. Paige, dessen Unterlagen ich so umfangreich studierte, der mir diesen Brief schrieb? 'Das kann nicht sein', dachte ich. 'Niemals könne er wirklich dieser Dante Paige sein.' Noch beängstigender fand ich jedoch die beiliegende Nachricht, nach welcher er wohl eine „alte Adresse“ besäße. Ich war erst vor ein paar Monaten umgezogen, da sich die Briefe dieser Pseudo-Okkulten Wahnsinnigen häuften, in denen sie mir anboten, über irgendwelche Götzen zu diskutieren, daher konnte die Adresse gar nicht „alt“ gewesen sein, weswegen ich sofort, bei meiner alten Wohnung in Arkham Mitte anrief, in welcher ich die letzten 7 Jahre lebte, um mich zu erkundigen ob die jetzigen Mieter eventuell, einen Brief an mich weitergeleitet hatten. Dem war jedoch nicht so.

Da ich langsam nervös oder paranoid wurde, wollte ich noch einen anderen verzweifelten Versuch wagen, den Text als Scherz auffliegen zu lassen.

Ich suchte hysterisch in meiner Tasche nach dem „Paige-Ordner“, in dem ich die Briefe und Unterlagen, welche meist in arabischer Sprache verfasst waren, die Paige für seine eigenen Nachforschungen und Schriften – welche ich natürlich ebenfalls in meinem Ordner verwahrte – nutzte. Ich verglich, den kleinen Zettel, der sich im Umschlag befand, mit den Dokumenten und es stellte sich heraus, dass es kein Schwindel war. Die Schrift war dieselbe. Sie wies die gleichen, eigenartigen Schwünge, welche sie so schwer lesbar machte, auf, die jenen der arabischen Schrift glichen.

Mich überkam ein unwohles Gefühl. Jener Mensch, welcher der Verfasser dieses Wahnsinns war, der, dessen Akten ich so ausgiebig studierte, hatte mir einen Brief zugestellt. Ich konnte nicht glauben, dass es die Wirklichkeit war. Jedoch war meine Neugier über den Inhalt des Briefes noch größer als meine Angst und so begann ich, diese verfluchte Handschrift erneut zu entziffern.

Als ich den Text zu Ende gelesen hatte, rannte ich zur Tür, verschloss sie und zog die Vorhänge aller Fenster zu. Dante wusste Bescheid. Doch woher wusste er so genau, dass ich spezifisch seine Dokumente untersuchte? Warum warnte er mich vor dem Okkulten? Was sollte diese Warnung am Ende? Warum sollte ich mich, von diesem Themengebiet fernhalten? Eine Frage jagte die Nächste. Mir gelang es nicht, meinen sonst so klaren Verstand, zu fokussieren. Ich konnte nicht einmal eine Struktur für meine Gedanken anlegen und so gelang es mir nicht, auch nur eine meiner Fragen logisch oder zumindest irgendwie sinnergebend zu Beantworten.

So entschied ich mich, die Unterlagen mitsamt dem Brief in einer abschließbaren Schublade wegzusperren, damit sie meinen Geist nicht weiter mit ihrer Angst bringenden Aura verseuchen konnten, und holte ein Glas aus der Küche.

Ein paar Studenten an der Miskatonic Universität hatten mir eine Flasche Whiskey geschenkt, die mir zu jenem Zeitpunkt bitter nötig erschien. Ich öffnete sie, füllte mein Glas und trank es in einem Mal leer. Das brennende, durch den Alkohol verursachte Gefühl wurde von meinen Gedanken überschattet, bis ich die Flasche am Hals griff und direkt aus ihr trank. Meine Glieder wurden taub und mein Geist still. In meinem Sessel sitzend trank ich mich in den Schlaf, hoffend, dass ich aufstehen würde, um festzustellen, dass ich geträumt hatte.

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    Ein sehr gelungenes Kapitel ... Ich bin sehr beeindruckt ... Ein paar kleine Rechtschreibfehler müssten noch ausgebessert werden aber sonst habe ich nichts zu beanstanden :-) Weiter so! Alles Liebe, Fia ♥

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Fairy Dust

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