23. Ein neues Verhältnis

Inzwischen hatte sich die Routine in Valentins neuem Leben eingestellt.
Unter der Woche beschäftigte er sich mit Jake und half ihm im Haushalt, damit er sich nicht so langweilte, las in Alex Büchern, schaute fern, plantschte im Pool und am Abend verbrachte er schöne Stunden mit seiner Liebsten. An den Wochenenden gingen sie ab und zu auf Partys, oder machten Ausflüge.
Alex besuchte mit ihm zum Beispiel einen Vergnügungspark. Da machte er das erste Mal Bekanntschaft mit diversen Fahrgeschäften und Achterbahnen. Aber er durfte immer nur in Begleitung von Alex mitfahren. Da wo sie sich nicht reintraute, musste er wohl oder übel draußen bleiben. Zum Glück gehörte sie nicht zu den superängstlichen Frauen und fuhr mit ihm wenigstens zwei Achterbahnen und noch ein paar andere Sachen. Dieser Tag hatte Valentin riesigen Spaß gemacht und Alex versprach ihm, dass sie dort mal wieder hingehen würden, jedoch nicht so schnell.
Das Verhältnis zu seiner Herrin hatte sich seit seiner Ankunft sehr gewandelt. Für ihn war sie inzwischen mehr eine Gefährtin. Er durfte viele Dinge selber bestimmen, im Bett konnte er ihr zeigen, was er gern hatte und sie ließ auch viel mehr zu, als andere Frauen. Valentin war sehr glücklich hier und konnte sich als Liebesdiener kein besseres Leben vorstellen.
Manchmal überkamen ihn jedoch Zukunftsängste. Was war, wenn Alex verunglückte, oder schwer krank wurde und er mit den beiden Hausdienern allein dastand. Sie hatte einmal gesagt, dass er dann zu einer Freundin kommen würde. Da blieb wohl bloß Vivian übrig. Dort wäre er dann eine Konkurrenz für Rick und Vivian war nicht so tolerant wie Alex. Aber immer noch besser als Amanda oder Christine. Abermals dachte er mit Schaudern an die Aufdringlichkeit von David. Er konnte ihm inzwischen nicht mehr ungezwungen begegnen und achtete dabei darauf, dass er nie mit ihm allein war, wenn sie sich auf Partys trafen. Dabei fragte er sich, ob David wusste, dass Christine Kontakte zu diesen Schleusern hatte. Valentin traute sich nicht, es jemandem zu erzählen, aus Angst, Christine könnte davon Wind bekommen und ihm schaden. Manchmal wollte er sich schon Rick anvertrauen, aber der verstand sich mit David ganz gut und suchte auf Partys oft das Gespräch mit dem Kerl.
Joe war inzwischen auch vom Dienst bei Alex Mutter heimgekehrt und schien recht froh darüber zu sein. Sie hatte es nämlich ausgenutzt, einen Diener zu haben, und Joe alle möglichen Aufgaben rund um das Haus aufgetragen. Ihr Gemecker war wohl sehr nervig gewesen. Seine eigene Mutter hatte er in der Zwischenzeit auch wieder besucht und das nächste Mal würde sie hierher zum Dinner kommen. Darauf freute er sich schon, wenn sie endlich sah, wie gut es ihm bei Alex ging und wie schön es hier war.


Schließlich stand, acht Wochen nach der Sterilisation, die Nachuntersuchung von Valentins Sperma an. Alex hoffte, dass sie dann endlich nicht mehr verhüten musste.
Sie ahnte, dass es für Valentin sicher nicht einfach werden würde, sich in der Praxis einen abzurubbeln. Deswegen fragte sie dort nach, ob er es auch zu Hause tun könnte und sie würde die Probe vorbeibringen.
Die Arzthelferin am Telefon informierte sie darüber, dass sie in dem Fall mit der Probe innerhalb einer Stunde in der Praxis sein müsste. Dann wäre es kein Problem. Mit diesem Wissen wollte sie Valentin vor die Wahl stellen, was ihm lieber wäre. Wie sie es sich gedacht hatte, wollte er es lieber daheim tun.
„Gut, dann bringe ich heute Abend den Becher mit und du machst es dann morgen früh, bevor ich aus dem Haus muss. Da kann ich ihn auf dem Weg ins Büro gleich in der Praxis abgeben.“
Valentin lag noch im Bett, während sich Alex für ihre Arbeit anzog. Heute war es ein grünes Etuikleid. Wenn sie ins Büro musste, kleidete sie sich immer schick. Alex hatte ihm mal erzählt, dass sie mit den Kundinnen Häuser und Wohnungen besichtigte, damit diese sie kauften oder mieteten. Von solchen Dingen hatte er bisher überhaupt keine Ahnung gehabt und musste es sich erklären lassen, wie ein kleiner Junge. Inzwischen wusste er wenigstens einigermaßen, was ein Immobilienbüro war und was da ungefähr gemacht wurde.
„Ja, okay. Machen wir es so“, erwiderte Valentin und richtete sich schließlich auf.
„In dem Kleid siehst du echt gut aus.“
Alex grinste, kam zum Bett, beugte sich herunter und küsste ihn: „Danke, Babe!“
Ihr Blick wanderte über seinen entblößten Oberkörper und ihr entwich seufzend: „Wenn du nur nicht so verführerisch wärst. Dann würde es mir nicht so schwerfallen, zur Arbeit zu fahren.“
Nun war es an ihm, zu grinsen. Alex hob zum Abschied die Hand: „Dann bis heute Abend, Sweetheart. Ich schau, dass ich zeitig rauskomme.“
„Okay, bis heute Abend. Bye!“

Nach dem Frühstück ging Valentin erst einmal zum Briefkasten, der vorn am Rand der Einfahrt zur Straße stand. Während er die Klappe öffnete, fiel ihm beim Nachbarhaus ein unbekannter Wagen am Rand auf. Hatte die Nachbarin Besuch? Er griff sich die Zeitung heraus, erkannte, dass jemand drin saß, schenkte dem Fahrzeug jedoch keine weitere Beachtung.
Wieder im Haus packte ihn allerdings die Neugierde und er spähte vom oberen Stock aus auf das fremde Auto. Er hatte es hier noch nie gesehen. Vielleicht wollte die Unbekannte jemanden besuchen. Doch sie stieg auch nach weiteren Minuten nicht aus. Was machte die hier?
Valentin wartete weiter, bis Joe dazukam: „Was starrst du so aus dem Fenster?“
„Da parkt ein fremdes Auto bei der Nachbarin, aber die Frau steigt nicht aus. Die steht jetzt bestimmt schon fünfzehn Minuten da. Komisch!“
Joe sah ebenfalls hinaus: „Kenn ich nicht! Keine Ahnung, was die will.“
Solange Joe noch auf die Straße sah, startete der unbekannte Wagen und fuhr davon. Der Ältere zuckte nur mit den Schultern: „Jetzt ist sie weg!“
Das beruhigte Valentin irgendwie und er ging wieder runter, um jetzt die Zeitung zu lesen.


Abends bereitete er gerade das Essen vor, als Alex hereinkam.
„Hi, Babe! Hier riecht es schon so gut. Was gibt es denn?“
Er wandte sich um und Alex küsste ihn zur Begrüßung.
„Thailändisch!“, antwortete er dann.
Sie entgegnete erfreut: „Oh lecker! Ich bin nur kurz oben. Bis gleich!“
Der Abend verlief, wie immer. Nach dem Essen saßen sie eine Weile auf der Terrasse, sahen danach fern und schmusten dabei.
Vor dem Zubettgehen in Alex Bad streckte sie ihm einen weißen Plastikbecher entgegen: „Da soll deine Probe rein.“
Beim Anblick dieses Behälters erinnerte sich Valentin an die Samenspenden im Zentrum. Alle drei Tage hatten sie es dort tun müssen und es war die einzig erlaubte Selbstbefriedigung gewesen. Ihm war immer beigebracht worden, dass er sich sonst selbst nicht anfassen durfte und das hatte er bisher nicht mal bei Alex getan. Sogar bei der unfreiwilligen Sexpause nach seinem Eingriff hatte er diese Hemmung nicht überwinden können. So tief saß dieses Anerzogene. Wenn man im Zentrum trotzdem Hand anlegte, bekam man Schläge auf die Handflächen und musste eine Woche lang einen Peniskäfig tragen. Valentin kannte dieses Teil nur von anderen, die es verpasst bekommen hatten, wenn sie gemeinsam in den Duschen waren. Das hatte wie eine Metallspirale ausgesehen, die sich um das Glied schlang. Jedenfalls war er froh gewesen, diese Strafe nie bekommen zu haben.
Er stellte den Becher neben sein Zahnputzzeug, denn seit einer Weile, durfte er ihr Bad mitbenutzen und nun standen sie nebeneinander vor dem großen Spiegel.
Als Valentin mit Zähneputzen fertig war, legte er die Arme von hinten um Alex, lächelte ihrem Spiegelbild zu und küsste sie auf die nackte Schulter. Sie cremte gerade noch ihr Gesicht ein und erwiderte sein Lächeln: „Na, Darling! Heute lassen wir die Liebelei mal ausfallen. Damit du morgen früh genug Munition hast.“ Dabei lachte sie.
Er legte sein Kinn auf ihrer Schulter ab: „Schade!“
Alex musste noch immer lachen und streichelte über seine Wange: „Du bist ein richtiger kleiner Nimmersatt geworden. Wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht?“
Valentin hielt sie noch im Arm und zog sie enger an sich: „Nicht mal ich. Nur dank dir.“
Er betrachtete sie beide zusammen im Spiegel und sah, wie Alex wieder ernster wurde: „Hoffen wir, dass der Test positiv ausfällt, beziehungsweise negativ. Also, dass keine Spermien mehr gefunden werden. Oje, dann muss ich mir was überlegen, was ich sage, wenn andere wieder fragen, ob sie dich haben können.“
„Was hast du denn bisher gesagt?“
Alex wand sich zu ihm um: „Na ja, zuerst, dass du dich eingewöhnen musst und später, dass du noch zeugungsfähig bist. Aber jetzt hab ich keine Ausreden mehr.“
Er verschränkte die Arme hinter ihrem Rücken und schmunzelte leicht: „Dass du es nicht magst, wenn ich bei anderen bin?“
Alex nickte: „Ja, das sollte ich eigentlich sagen. Ich bin nur ein wenig feige. Aber das nächste Mal werde ich es tun. Meine Freundinnen wissen ja schon längst, dass du für sie tabu bist.“ Dann verdrehte sie die Augen: „Bestimmt nervt Amanda wieder. Und Vivian guckt dich zwar manchmal an, aber hat es akzeptiert.“ Sie zuckte leicht zusammen und ihre Miene erstarrte: „Oh Shit! Sandy! Daran habe ich gar nicht mehr gedacht.“
Valentin runzelte die Stirn: „Was ist mit Sandy?“
Alex löste sich aus seinen Armen und fuhr sich nervös durch die braunen Haare: „Ach, ich ...“ Sie sah ihn ratlos an: „ ... wollte dir das eigentlich nicht erzählen. Aber jetzt hab ich schon damit angefangen.“ Sie holte tief Luft: „Also. Sandy möchte mit dir ihr erstes Mal haben. Erinnerst du dich noch an die Party bei Christine?“
„Klar, das war meine erste Party überhaupt.“ Valentin bekam Bammel. Was hatte Alex mit Sandy ausgemacht?
Alex sah auf den Boden: „Okay. Sandys Mutter rief mich am nächsten Tag an und hat mich gefragt. Ich habe mich rausgeredet, aber nichts zugesagt. Das wäre mir zu riskant für dich. Dabei kann einiges schief gehen und ich will nicht, dass du angezeigt wirst, oder als Grobian abgestempelt wirst.“ Sie sah wieder zu ihm auf: „Falls sie nochmal nachfragt, dann sage ich endgültig ab. Okay?“
Er nickte zufrieden: „Ja, danke. Ich möchte nur für dich da sein.“
Sie kam wieder näher und fasste an seine Wange: „Das wirst du, mein Liebling.“ Ihr Gesicht näherte sich seinem, bis sich ihre Lippen auf seine legten. Valentin roch die Creme in ihrem Gesicht und hörte sie murmeln: „Ich liebe dich!“
Dieses Geständnis überraschte ihn sehr, obwohl er wusste, dass sie ihn gern hatte. Aber es von ihr direkt zu hören, war etwas ganz anderes. Perplex blickte er nach dem Kuss zuerst in ihre Augen und erwiderte dann leise: „Ich dich auch.“
Damit löste er bei ihr einen stürmischen Kuss und eine enge Umarmung aus, worauf sich Valentin einfach einließ und ihre Knutscherei nur noch mehr genoss, als bisher. Sie liebte ihn also auch. Glücksgefühle durchströmten ihn, während sich ihre Zungen gegenseitig umspielten und er konnte es fast nicht glauben. Sein Inneres jubelte regelrecht und das Flattern in seinem Bauch wurde stärker.
Alex ließ wieder von ihm ab und lächelte ihn liebestrunken an: „Du machst mich so glücklich, mein Süßer! Du bist das Beste, was mir je passiert ist.“
Verlegen schlug er die Augen nieder: „Danke. Und ich bin ebenfalls sehr glücklich mit dir. Ein besseres Leben kann ich mir als Diener nicht wünschen.“
Alex schüttelte tadelnd den Kopf und legte einen Finger auf seine Lippen: „Du bist für mich kein Diener. Du bist mein Gefährte. Zumindest für mich. Die Gesellschaft erlaubt im Prinzip solche Beziehungen nicht. Aber es gibt trotzdem Frauen, die ihre Diener lieben. Gefühle kann man ja nicht einfach verbieten.“ Sie strich an seinem Arm entlang: „Wie gern würde ich mich mit dir in der Öffentlichkeit als Paar zeigen. So wie zwei Frauen zusammen. Aber leider geht das nur in diesen Clubs, oder auf Partys, oder privat. Das ärgert mich irgendwie und es ist ungerecht.“
Diese Worte verwunderten Valentin sehr. Er hatte nicht geahnt, dass Alex so dachte. Aber vermutlich war sie deshalb nicht wie eine typische Herrin.
„Na ja, für mich bist du schon sowas wie ne Herrin. Ich versuche, dir deine Wünsche zu erfüllen, befolge deine Anweisungen und möchte, dass du dich wohl fühlst. Das tue ich wirklich gern für dich. Du zwingst mich zu nichts, aber ich habe trotzdem Respekt vor dir.“
Sie lächelte: „Dann bin ich froh, dass du es nicht als Zwang empfindest. Das ist für mich jetzt auch eine neue Situation, aber es ist im Prinzip das, was ich mir gewünscht habe. Einen Hausgenossen zu finden, mit dem ich zusammenleben kann, wie ein richtiges Paar.“


Am nächsten Morgen tapste Valentin zuerst ins Bad, um sich zu erleichtern. Beim Anblick des Bechers wurde ihm ein wenig unwohl. Würde es nachher klappen? Alex wollte ja, dass er es, kurz bevor sie das Haus verließ, tat. Druck müsste er haben, denn sie hatten sich gestern extra zurückgehalten. Nun schmunzelte er beruhigt. Wenn er sich eine Szene mit Alex vorstellte, würde es bestimmt schnell gehen. Die Gedanken an sie, brachten ihn immer sofort in Fahrt.

Valentin zog sich, solange Alex sich ankleidete, zum Onanieren in sein Zimmer zurück. Das letzte Mal war bereits drei Monate her und noch im Zentrum gewesen. Irgendwie war es für ihn merkwürdig, dass jetzt nach dieser langen Zeit zu tun. Aber er durfte es ja und so konnte er seine Hemmungen ablegen, setzte sich auf sein Bett, griff in seine Shorts und begann die schwache Erektion durch die Finger gleiten zu lassen. So wie er es erwartet hatte, ließen ihn seine Fantasien mit Alex schnell zum Ziel kommen. Erleichtert drückte er den Deckel auf den Becher, ging in ihr Schlafzimmer und stellte das Gefäß auf ihren Nachttisch: „Fertig!“
Sie stand noch vor dem Badspiegel und schminkte sich: „Sehr gut. Das ging ja fix. Ich bin sofort fertig. Damit es auch rechtzeitig in der Praxis ankommt.“
Valentin begleitete sie noch zur Haustür, wo sie sich küssend verabschiedeten.
„Bis heute Abend, Babe.“
Er erwiderte: „Was soll ich kochen? Joe wollte einkaufen gehen.“
Alex lächelte: „Egal. Mach, was du gern essen willst.“

Später im Supermarkt überlegte Valentin dann, was es zum Dinner geben könnte. Vielleicht mal wieder Steaks. Joe schob den Einkaufswagen neben ihm her und packte hier und da etwas hinein. Valentin hingegen, holte nur die Dinge, die er für das Essen brauchte und ein wenig Schokolade für sich.
Sie brauchten heute allgemein nicht viel und so waren sie schnell fertig.
Während Valentin die Einkäufe in dem Korb im Kofferraum verstaute, brachte Joe den Einkaufswagen zurück.
Wie aus dem Nichts legte sich plötzlich Stoff über seinen Mund und die Nase. Süßlicher Geruch, als er versuchte, erschrocken Luft zu bekommen. Jemand packte ihn an den Oberarmen und hielt ihn fest. Valentin wand sich panisch in der Umklammerung, worauf ihm derjenige das Tuch stärker aufs Gesicht drückte. Nach einigen hektischen Atemzügen hatte er das Gefühl zu ersticken, seine Beine gaben nach und dann wurde ihm schwarz vor Augen.

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beta
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