23. Kapitel

Am Nachmittag bekam Julia einen Anruf aus dem Krankenhaus. Der Arzt, der auch Victor behandelte, begrüßte sie: „Hallo Julia. Sie sind zwar keine direkte Angehörige des Herrn Sander, weshalb ich Ihnen das eigentlich gar nicht sagen dürfte. Aber ich habe gesehen, dass Sie ihn immer wieder besucht haben, während niemand von seiner Familie vorbeikam. Deshalb denke ich, dass Sie ein Recht darauf haben, es zu erfahren.“ Joseph Greidt machte eine Pause, doch Julia war zu überrascht von dem Anruf, um irgendetwas zu sagen. Deshalb sprach er schon nach kurzer Zeit weiter. „Wie Sie schon wissen, hat es ein Interview für einen Artikel in einer medizinischen Fachzeitschrift gegeben. Und auf diesen Artikel habe ich nun schon die ersten Rückmeldungen bekommen.“ Der Arzt machte wieder eine Pause. Julia hatte den unheilvollen Unterton in dessen Stimme bemerkt und war nun auch verunsichert, aber immer noch sprachlos. „Die meisten der Rückmeldungen beinhalten eine Befürchtung, die wir auch schon in unseren Messdaten festgestellt haben. Es geht darum, dass Victor in der Zeit seiner Starre keine Nährstoffe aufnehmen konnte. Wir haben ihm immer welche eingespritzt, sein Zustand verschlechtert sich aber dennoch. Deshalb habe ich in Absprache mit Kommissar Eichler beschlossen, dass wir Victor verlegen. In seinem zukünftigen Zimmer werden dann keine Besuche mehr möglich sein. Der Kommissar und ich haben festgestellt, dass es für Victors Zustand und die Ermittlungen das Beste ist, wenn nur noch ausgewählte Personen zu ihm können. Es tut mir Leid, Ihnen das mitzuteilen. Aber wir hielten es für richtig. Die Verlegung ist übrigens für morgen früh angesetzt, falls Sie sich noch von ihm verabschieden wollen.“

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