23. Vereint für immer

Meine Beine umschlungen ihn, er hatte mich mit Leichtigkeit aufgefangen. Am liebste hätte ich ihm eine Backpfeife gegeben, denn er hatte recht. Ich konnte es. Ein reines Gefühl hatte die Verwandlung ausgelöst.
Seine Lippen waren warm und weich, drängend küsste ich ihn. Ich brauchte mehr, so viel mehr. Mein Körper entflammte, so sehr gierte ich nach seiner Nähe.
Er trug mich hinein, durch eine kleine Gemeinschaftsküche und in einen kleinen Flur, der diese mit der Haupthalle verband. Dort drückte er mich gegen die Wand.
„Sam“, wimmerte ich an seine Lippen. Ich brauchte ihn, aus irgendeinem Grund war es nun dringender als je zuvor, als wäre er die Luft, die ich zum Atmen brauchte.
Zu dem brennen in meinem Körper, gesellte sich ein Prickeln, es breitete sich von meinem Bauch in alle Glieder aus. Als würden Champagnerbläschen unter meiner Haut an die Oberfläche gelangen und dort ein wohliges Prickeln auslösen, womit ich mich, mit jedem weiteren, in Samuel verlor.
Ich war so mit uns beschäftigt, dass ich nicht bemerkte, wo Sam genau stehen geblieben war. Wollte er es dort tun, vor allen Augen? Ich spürte sein Grinsen an meinen Lippen. Die Tatsache leicht erwischt zu werden, machte das Ganze noch Aufregender. Durch diese wurden die Bläschen in meinem Körper größer und das Prickeln zu einem Vibrieren.
Innerlich waren wir weit von den anderen entfernt. Es faszinierte mich, wie schnell man dieses Leben lernen konnte, als wäre es schon immer vorhanden gewesen.
Ich stöhnte auf, worauf ihm ein Prickeln den Rücken hinabfuhr. Zu spüren, was ich in ihm auslöste, ließ mich erschaudern. Wir waren uns so nah wie nie zuvor. Überhaupt war ich wohl niemandem je so nah gewesen. Allein durch diese Verbindung, die sich durch unsere verstärkte Zuneigung anschwoll und zusammenzog als wollte sie noch näher als sie schon war. Sams Seele war an meiner und meine an seiner. Wir waren eins für den Moment.
Ich bäumte mich auf und drückte mich gegen ihn. Samuels Erregung wuchs. Er wollte mich, wollte alles von mir. Ich spürte seine Liebe, seine Gier und vor allem die Lust ... Es entfachte ein nie gekanntes Feuer in mir, das wie ein Tornado wütete.
Ich wusste genau, was ihm gefiel. Mit leichten kreisenden Bewegungen begann ich, mein Becken spielen zu lassen. Ein Grollen drang aus Sams Kehle. Seine Erektion pochte stark in seiner Hose. Sie drückte deutlich gegen meine erogene Zone.
„Needy.“ Er befreite mich umgehend von Hose und Slip, den er mal wieder mit einem Ruck zeriss. Wie ein Pfetzen viel er hinab zu Boden. Trotz des verlusts machte es mich noch deutlich schärfer.
Als Nächstes war seine Hose dran. Sein Mund löste sich von mir, um mich anzusehen.
„Schrei, so laut du kannst.“ Ein klarer Befehl, ich würde gehorchen wenn er ...
„Streng dich an.“ Damit biss ich ihm in die Unterlippe. Sie war voll und saftig, weshalb ich an ihr saugte und sie liebkoste.
Es war sein Stichwort. Er drang in mich ein, ein Lustlaut entkam meiner Kehle. So einfach wollte ich es ihm nicht machen. Ein Vorhaben was er mir erschwerte, indem er mich nahm, wie kein anderes Mal zuvor.
Ob es daran lag, dass ich nun anders war, dass ich nun anders fühlte? Ich stöhnte auf, windete mich unter ihm. Mein Körper vibrierte und prickelte, mein Busen versteifte sich und ein Zittern schien diesen Gefühlsausbruch perfekt zu machen. Dass ich diese Gefühle überhaupt auseinanderhalten konnte und dabei mich nicht ganz verlor, lag wohl nur an meiner Wölfin. Ich spürte ihre Stärke, selbst jetzt, wo sie in mir schlummerte.
Nie war es so intensiv gewesen. Um so verständlicher, dass ich schon kurz davor war, das Finale durchzuspielen. Er leckte meine Lippen, meine Zunge kam hervor, um seine zu berühren.
„Öffne die Augen Needy.“ Ich stöhne widerwillig auf. „Sei ein braves Mädchen“, flüsterte er mir ins Ohr. Er ließ sich immer mehr Zeit zwischen seinen Stößen. Sein Tempo ließ mich nicht abkühlen, im Gegenteil. Es machte es qualvoller.
Leicht öffnete ich die Augen, sodass ich ihn durch schmale Schlitze ansehen konnte. Auf seinen glänzenden Lippen lag ein lächeln, seine Augen sprachen von süßen Versprechungen. Ich spannte mich ruckartig an, was ihm ein Stöhnen entlockte. Sein Tempo wurde erneut langsamer, die Intensität blieb. Dann endlich bäumte ich mich auf. Nur noch ein Moment.
Er packte in mein Haar, zog es zurück, sodass ich meinen Kopf in den Nacken legen musste. Mein Körper ging vom Zittern in ein Beben über. Er wendete sich an meinen Hals, leckte über meine empfindliche Haut. Ein Jammern ertönte. Ich wollte seinen Biss, seine Unterwerfung. Wollte das Erdbeben auslösen, dass darauf folgen würde.
„Ersehnst du das Ende Kätzchen?“ Ich stöhnte als Antwort und er verstand genau. Er hauchen stieß gegen meinen feuchten Hals, er lachte. Nun bemerkte ich, dass er nicht nur langsamer wurde, er hörte auf!
Er ließ mich hinab. Ich konnte dem nicht recht folgen. Unbefriedigt und mit großen Augen sah ich ihn an. Er hatte kurz vorm Ende einfach von mir abgelassen! Meine Wölfin tobte.
„Streng dich an.“ Damit löste er sich von mir und ging.
Ich konnte ihm nur hinterhersehen. Obwohl ich sein Ziel kannte, ich spürte es ganz genau, schockierte es mich. Er ließ mich nackt zurück, alleine und auch unbefriedigt, um mich zu bestrafen.
Er ging in seine Wohnung. Wie konnte er? Amüsiert über meine Reaktion, spürte ich seine Freude.
»Komm Kätzchen, zeig es mir.« Kätzchen!? Na der Kosename war mal voll daneben!
So schnell ich konnte, flitzte ich hinterher. In der Wohnung angekommen schloss ich die Tür und ging leichtfüßig zur Durchgangstür, wo ich mich aufreizend anlehnte.
Er wollte mir Wiederstehen? Mir seinen Willen aufdrängen? Das würden wir sehen.
Samuel saß zurückgelehnt in seinem Sessel. Sah mich mit einem schmierigem Grinsen von oben bis unten an. Ihm gefiel, was er sah. Geschmeidig zog ich mir die restlichen Sachen aus und war nackt vor ihm. Meine Hände packten die Lehne.
„Dafür wirst du büßen, das ist dir klar?“ Er lachte auf.
„Nicht heute, Kätzchen.“
„Schön.“ Ich ging auf die Viere. Er wollte ein Kätzchen, er bekam eins. Ich schlich auf ihn zu. „Auf in die zweite Runde.“

Ein Grollen breitet sich in seiner Brust aus. Die Vibration konnte ich durch den Raum spüren. Vor ihm kniete ich mich hin und legte meine Hände auf seine Beine, wanderte langsam aufwärts.
„Ich war ein böses Mädchen“, begann ich. Ich zog an seiner Hose, er erhob sich leicht und ließ sie sich ganz hinabziehen. „Aber ich mache es wieder gut, versprochen“, schnurrte ich. Seine Augen funkelten, es gefiel ihm.
Er war längst bereit, wie der Mann es nur aushielt, es nicht gleich zu beenden? Selbst wenn ich es nicht gespürt hätte, war es so offensichtlich, dass er vor Lust verging.
Schweiß perlte seine Brust hinab, sie hob und senkte sich schnell. Er hatte eine gigantische Selbstbeherrschung, das musste man ihm lassen.
Ich räkelte mich vor ihm, ging mal vor, mal zurück. Die Spielerei machte ihn fertig. Ich umfasste ihn und sah ihm genau zu.
Er keuchte.
Ich schnurrte.
Mein Spiel.
Langsam liebkoste ich ihn mit den Fingern, er warf den Kopf in den Nacken, fasste sich jedoch wieder und beobachtete mich erneut bei meiner Spielerei. Die kleinen Ausbrüche aus Sams harten Fassade, machten das Ganze sogar noch aufregender.
Samuels Finger krallten sich in das Leder. Ich strich über seine Spitze. Wie er langsam vor Wonne zerging, gefiel mir.
„Ich werde alles tun, was du von mir verlangst“, schnurrte ich. Innerlich war er zum Zerreißen gespannt. Hin und her gerissen mich sofort zu nehmen und noch auszuharren, bis ich mir selbst den Mund stopfen würde.
Ich leckte mir die Lippen, er knurrte. Endlich kam ich näher und bedeckte seine Spitze mit einem Kuss, er zuckte unter mir. Er packte mir ins Haar, hielt es zurück, damit er besser sehen konnte und damit er mehr Kontrolle, wenn nötig, ausüben konnte. So würde er nicht all zu schnell die Beherrschung verlieren.
Meine Zunge fuhr leicht hervor, berührte ihn. Er stöhnte auf. Meine zärtliche Quälerei war längst nicht vorbei. Ich hatte noch viel vor, bis ich ihn erlösen würde. Leicht öffnete ich den Mund und ließ ihn hinein. Meine Zähne fuhren kaum spürbar über sein Fleisch. Ich vernahm ein Zischen.
So gefühlvoll hatte ich ihn bisher nicht erlebt. Ich liebte es zu spüren, wie nah er am Abgrund stand, allein durch meine Taten.
Mit der Hand führ ich langsam hinauf und hinab, mein Mund neckte seine Spitze. Er bewegte sich leicht unter mir, war wie Wachs unter meinen Händen.
„Nida“, stöhnte er, eine Hand von mir glitt hoch und legte sich auf seine Brust.
Ich erschauderte, so erregt war ich selten. Meine Hand übte mehr Druck aus, weshalb er keuchte.
Sein bestes Stück begann zu beben. Es wäre gleich so weit, ich konnte kaum erwarten, ihn zu schmecken. Ich legte mich ins Zeug und wurde fordernder. Saugte an ihn, leckte und biss.
„Noch nicht.“ Ich konnte mich nicht zurückhalten. Mein eignendes Versprechen würde ich schon jetzt brechen. Eigentlich hatte ich wirklich vor, alles zu tun, was er wollte, leider gelang es mir nicht, mich jetzt noch zurückzuhalten.
Er schluckte schwer, sein Griff wurde fester. Ein letztes Mal neckte ich ihn und es war vollbracht. Ich saugte weiter an ihm, bis er sich entspannte und sein Beben erstarb.
Langsam sah ich hoch, blickte ihn verführerisch an. Er würde mir nicht böse sein, nicht so. Er atmete schwer, funkelte mich an.
„Weib du bist unausstehlich.“ Ich zog eine Schnute.
„Böse Mieze.“ Er grinste. Ich kam hoch und setzte mich auf ihn. Jetzt wollte ich ein Stück vom Kuchen haben, was ich mir sichtlich verdient hatte!
„So viel zu deinem Vorhaben.“ Ich zuckte leicht mit den Schultern und strich ihm langsam über die Brust, was sollte ich dazu noch sagen? Ich war nun mal sprunghaft.
„Wirst du jetzt gehorchen?“
„Wir werden sehen.“ Dafür packte er mich am Becken und setzte mich hart auf sich. Ich keuchte auf. Wie konnte er so schnell wieder fit sein?
„Wandler“, erklärte er, stand auf und hob mich mit sich hoch. „Es wird Zeit.“
„Mein Herr?“, neckte ich ihn.
„Zwei Mal hast du dich böse benommen, Kätchen.“ Ich schnurrte. Er ging hinüber zum Bett. „Das nimmt kein gutes Ende.“
„Ich hoffe es.“ Damit ließ er mich aufs Bett fallen und wendete mich auf den Bauch.
Meine Erregung ließ mich erneut zittern. Ich ersehnte seine Bestrafung. Somit rekelte ich mich unter ihm. Durch den Sturz hatten wir uns voneinander gelöst. Bereit, lag ich vor ihm, sehnlichst auf seine Berührung wartend.
Er kniete sich hinter mich und massierte mit festem Griff mein Hinterteil. Ich packte in die Decke. Gleich wäre es so weit! Meine Lust stieg ins Unermessliche.
„Gefällt es dir Kätzchen?“ Ich spürte seine Finger in mich eindringen, es waren zwei, trotzdem verging ich. „Es gefällt dir.“ Qualvolle Minuten machte er nichts anderes. Ich riss an der Decke, fand jedoch keinen Halt. Das Bett knarzte unter meinen Bewegungen, schaden konnte es ihm nicht mehr. Wir hatten es schon zerstört.
„Sam Bitte!“, flehte ich ihn an, als es nicht mehr zu ertragbar war.
„Nicht so hastig Kätzchen.“ Ich wimmerte erneut. Mein Körper zog sich zusammen, doch noch nicht in der Lage die Spannung abzulassen. Es folgte noch ein Finger, der mich aufstöhnen ließ. Wann würde er es beenden?
Er lehnte sich leicht über mich, sah mir dabei zu, wie ich qualvoll verging.
„So schlimm?“
Mein Gesicht war knallrot, überall auf meinen Körper lag dünner Schweiß. Fragte er mich ernsthaft? Er glitt hinaus. „Ich spüre deine Verzweiflung, bist du hilflos Needy?“ Witzig! Ich packte fester ins Lacken, plötzlich stieß er in mich. Der Lustschrei war laut und schrill, es war eine Erlösung ihn endlich zu spüren, das Ende endlich zu sehen. Seine Hände fassten mein Becken.
„Du gehörst mir.“ Damit stieß er erneut zu. Sein Tempo wurde geschmeidig, dennoch mit Nachdruck.
Er brachte mich schließlich so weit, dass ich unter jedem Stoß zitterte und laut aufstöhnte.
Eine gefühlte Ewigkeit dauerte es, als ich von der Welle umgerissen wurde und lauthals kam. Ich windete mich verzweifelt unter ihm, um sie zu ertragen. Bis es endlich vorbei war und eine wohlige Befriedigung in mein Inneres kehrte.
Atemlos sank er auf mir zusammen. Meine Sinne waren vernebelt und taub. War er gekommen? Er schnaubte, also war er es.
Mit seinen Händen stützte er sich neben meinem Kopf ab. Leichte bisse verteilte er im Nacken und Hals, was meine Muskeln zum Tanzen brachte. Eine weitere Runde würde ich nicht überleben. Dieser Mann machte mich im Bett zu etwas Ungezügeltem. Wild und animalisch gab es mir den Rest. Mein Herz hämmerte.
Er lachte auf.
„Was?“
„Sie sind eifersüchtig.“ Ich realisierte nicht, was er meinte. Er löste sich von mir, hob mich hoch und trug mich ganz ins Bett. Vielleicht weil er wusste das mein Körper nicht reagieren würde. Meine Muskeln hatten den Dienst quittiert. Fürs Erste.
„Bei Gelegenheit sollten wir ein Neues besorgen.“ Ich kuschelte mich unter die Decke, Sam legte sich direkt neben mich.
„Bei Gelegenheit.“ Ich blinzelte, was genau hatte er eben gesagt?
„Du bist doch verschlossen?“, horchte ich nach. Ich hatte es doch gespürt.
„Nicht ganz.“ Meine Kinnlade fiel so schnell hinab, wie ich hochgefahren war. Anschienend waren doch nicht alle Muskeln verreist.
„Ist das hier jetzt ein Porno!?“ Er lachte auf.
„Besser.“
„Sam!“ Es war nicht witzig. Er sah es anders.
„Needy, ich kann mich nicht ganz von den Obersten Wächtern und Gideon verschließen. Sie sind immer am Rande da.“
„Dein Bruder weiß, wie ich nackt aussehe?“
„Ja.“ Er klang amüsiert. Drecksack! „Schon länger.“ Meine Augen wurden groß. Sam kassierte einen leichten Schlag gegen die Schulter. Er gähnte.
„Wag es nicht jetzt einzuschlafen!“
„Was erwartest du Weib? Bringst mich an die Grenzen und verlangst nun Aufmerksamkeit.“
Dass ich nicht lache! Mit einen grinsen schloss er die Augen.
„Sam!“ Da war er schon fort. Einfach weggedämmert innerhalb von Sekunden.
Sprachlos saß ich da. Frustriert und geschockt, mit einer leichten Befriedigung. Diese war deutlich geschrumpft, nachdem ich erfahren hatte, was für eine Show ich abgeliefert hatte. Ich konnte irgendwie damit leben, dass Gideon es wusste, grenzwertig, dass Dante es wusste, aber Ian! Welchem Spott und Blicken würde ich mich aussetzen dürfen? Ich wusste jetzt schon, dass ich dafür leiden würde. Dieser verdammt gute Sex stand unter einem schlechten Stern, wortwörtlich.

Ich stand auf und zog mich an. An Schlafen war nicht zu denken! Hinter mir schloss ich lautstark die Schiebetüren. Nicht mal eine Sirene hätte ihn wecken können.
Ich sah über die Tatsache, des fehlenden Slips hinweg und ging hinaus. Bei Gelegenheit würde ich keine mehr tragen, oder einen Gürtel mit Schloss kaufen. Alles andere war viel zu leicht zu überwinden.
Ich fasste den Entschluss, nach Hause zu gehen und ein paar Dinge zu holen. Wenn ich schon bleiben sollte, brauchte ich wenigstens ein paar ordentliche Sachen und Slips auf Vorrat. Als ich hinaustrat, roch ich erst, wie intensiv ich nach Sex stank.
„Himmel“, ertönte es nicht weit entfernt.
„Halt die klappe.“ Darauf hatte ich keinen Nerv. Ich blickte zu Ian rüber, dieser saß gemütlich auf der Couch. „Können wir das ausblenden?“
„Was, das Brüllen oder den bestialischen Gestank?“ Ich sah fort. Es war mir nicht unangenehm, wobei ... doch, eigentlich schon. Es war mir unangenehm das gerade er wohl alle intimen Details über meinen Körper und mich kannte.
„Danke.“
„Wo willst du hin?“
„Nach Hause, etwas holen.“ Wie ich das bewältigen wollte, wusste ich nicht. Mir viel das Auto ein. Plötzlich war es nicht mehr sehr verlockend damit zu fahren.
Die Jungs hatten auch keins, wieso auch. Schneller ging es auf allen vieren. Ich öffnete mich wieder und sah die anderen. Viele von ihnen hatten sich verzogen. Ich ahnte wieso. Nur Gideon und Ian waren da. Wann Gideon wohl wiedergekommen war? Er stand auf.
„Was hast du vor?“
„Du wirst sicherlich nicht alleine gehen.“
„Ich bin -“
„Ein Wolf, dass ich nicht lache.“ Ich zog eine Schnute und ging hinab. Sollte er machen, was er wollte. Die Frage war eher, ob ich überhaupt in der Lage war mich noch einmal in dieses Tier zu verwandeln. Ein anderer Gedanke lenkte mich ab.
Mir wurde schlagartig klar, wie tief die Bindung der beiden gehen musste. Ich blickte zurück. Ian tat es mir gleich.
„Ist was?“ Ich sah einfach wieder fort. Natürlich war er wütend auf mich! Er musste denken, ich nehme ihm Sam fort. Die beiden mussten alles zusammen gemacht haben. Was mein schlechtes Gewissen hervorrief.
„Fängst du gleich an zu heulen?“ Ich atmete stark ein. Kein nettes Wort hatte der Kerl verdient!
„Ich mag dich auch.“ Angewidert sah er fort. Gideon stand grinsend auf dem Gerüst. Ihn hatte ich erst bemerkt, als ich wütend von Ian wegstampfte. Er nickte uns zu. Also ging ich hinaus.
Ian schien mir erst nicht zu folgen, natürlich wusste ich es besser. Diese Klette würde ich nicht loswerden. An wenn sollte er sich sonst hängen, wenn sein Bruder schnarchend im Nimmerlang verweilte. Draußen sah ich mich um. Wie sollte ich es nun bewerkstelligen, den Wolf in mir hinauszuholen? Wie, das Gefühl hervorrufen das die wenige Sekunden andauernde Verschmerzung unserer beiden gestalten auslöste. Ich spürte wie die Wölfin in mir unruhig auf und abließ, als wäre sie in einem Käfig. Nein es war nicht die Wölfin, dass war ich. Das Gefühl war kaum zu beschreiben, sie war ich und dann doch wieder nicht. Es war das Tier in mir, das unter meiner Haut ruhte, bis ich es hinauslassen würde.
„Konzentrier dich. Dein Kopf ist ein Reiner Müllhaufen.“
„Du musst wirklich nicht mitkommen.“
„Er würde mich umbringen.“ Wieso gab er nicht zu, dass er mich leiden konnte? Natürlich gab es da den Hacken mit William, doch bis jetzt lief doch alles ganz gut. Es hatten sich noch keine Nebenwirkungen gezeigt und vielleicht würden sich auch keine Zeigen. Ich hatte bisher keine außergewöhnlichen Kräfte entwickelt. Hoffnung keimte in mir auf. Was wenn ich wie sie war. Einfach ein Wolf. Um nicht zu viel Hoffnung zu wecken, entschied ich den Gedanken bei Seite zu legen. Es würden noch genug Möglichkeiten dazu bestehen, es breit zu kauen.
Ich sah mich um, vielleicht würde mir die Umgebung etwas auf die Sprünge helfen. Das saftige Grün der Blätter bewegte sich kaum und keine einzige Schönheit der Natur zog mich an. Um nicht blöd dazustehen, ging ich los. Abwarten und Tee trinken, kam mir alber vor.
Ian brabbelte etwas Unverständliches und verwandelte sich. Ich konnte die Farben und das Licht im Augenwinkel sehen, sah jedoch nicht hin. So gut ich konnte ignorierte ich ihn.
Eine Zeit lang stapfte ich einfach durch den Wald, ohne genaues Vorhaben, in welche Richtung ich überhaut musste oder wollte. Ian sagte kein Wort, auch wenn er es gekonnt hätte. Er ging einfach vor, viel dann Mal wieder zurück oder verschwand ganz in den Büschen. In der Nähe war er immer.
Langsam schien ich mich zu entspannen. Ich öffnete mich und horchte. Jeder Baum, den ich berührte, fühlte sich wunderbar unter den Fingern an. Ihre Textur, ihr Leben berauschte mich, es war fast, als könnte ich ihre Impulse fühlen, die sie an die Erde abgaben. Wie sie atmeten und lebten.
Ohne weiter nachzudenken, kam ein Gefühl in mir auf, dem ich mich öffnete. Mein Körper prickelte, die Farben strömten auf mich ein. Die Verwandlung begann.
Ein fantastisches Gefühl wie sich die Formen veränderten und in mir etwas Wunderschönes hervorbrachten. Ich lief los, jetzt würde ich keine Zeit mehr verlieren. Immerhin sollte ich wieder da sein, wenn Sam aufwachte. So liefen ich und Ian durch den Wald, es war atemberaubend.
Keiner von uns sagte ein einziges Wort. Es war nicht nötig. Er schien es genau so zu genießen wie ich. Bei dem Gedanken musste ich grinsen.
So passierte es, dass unser Weg viel zu schnell endete. Als mein Haus in Sicht kam, verwandelte ich mich als wäre es das normalste der Welt. Langsam schien ich es kontrollieren zu können.
Ich sah mich um, kein fremder Geruch zu vernehmen, ansonsten sah auch alles aus wie immer, also gingen wir hinein.
„Einen Moment“, ließ ich Ian wissen und ging hoch. Ich duschte schnellstmöglich, um nicht weiterhin nach Sam zu riechen und es Ian ein wenig erträglicher zu machen. Es war schon für mich ein starker Geruch, also wie musste es erst für ihn wirken.
Das nächste Mal würde ich erst unter die Dusche springen, bevor ich die Wohnung verlassen würde. Auch wenn es schön war, nach Sam zu riechen. So signalisierte es, dass ich zu ihm gehörte.
In kurzen zehn Minuten war ich mit allem durch und stand in meinem Schlafzimmer. Koffer, Tasche, was wäre angebracht? Vielleicht hätte ich erst mit Sam reden sollen. Andererseits gehörten wir jetzt zusammen. Ich entschied mich für einen Rucksack, in dem schon einige Dinge hineinpassten.
Es war die Frage, ob wir nicht erst grundlegend renovierten. In Samuels Singlebude wollte ich nicht lange wohnen. So kahl und leer. Das würde ich auf jeden Fall schnellstmöglich ändern. Immerhin sollte ich dort leben. Für immer. Dann musste, ob er wollte oder nicht, Farbe ins Spiel. Samuel würde sicherlich einiges dagegen haben.
Ich ging hinab, Ian hatte es sich auf der Couch gemütlich gemacht und sah fern. Sollte er, dann hatte ich mehr Zeit für mich. Nach einem Abstecher ins untere Bad hatte ich genug, was man fürs Erste zum Leben oder herrichten brauchte. Zurück im Wohnzimmer war Ian fort.
„Ian?“ Der Fernseher lief, die Verandatür verschlossen. Ich sah hinauf, war er hochgegangen?
„Ian, das ist nicht witzig!“, rief ich hinauf. Keine Antwort. Er musste im Haus sein, das spürte ich. Nur wo?
Ich schmiss den Rucksack auf die Couch und ging um die Ecke in die Küche. Ian lag auf dem Boden.
„Ian!“, ich stürzte auf ihn und wendete ihn auf den Rücken. Seine Augen waren geschlossen, die Atmung normal. Ians Puls war nicht gerade hoch, aber stabil.
„Ihm geht es gut, noch.“ Mein Kopf donnerte, als ich die Stimme hinter mir vernahm. Wie ein Wirbelwind sah ich den Eindringling an.
„Was hast du mit ihm gemacht?“ Ich hatte nicht mal krach gehört, also wie hatte er Ian überwältigen können? Ich fixierte Veit.
„Er schläft, ein starkes Sedativum. Bevor ich es beende.“ beenden!? Was zur Hölle!?
„Veit, was soll das?“ Ich deutete auf meinen weggetretenen Schwager in spe.
„Ich wollte dich retten, Nida.“ Wovon zur Hölle sprach er? „Doch ich habe versagt. Es tut mir leid.“ Er kam mir seltsam vor, als wäre es nicht Veit. Seine Augen wirkten trüb, rot und glasig. Er zitterte, seine Stimme bebte. Was hatte er gemacht? Geweint?
„Dir sollte es leidtun, was du mit ihm gemacht hast. Mir geht es gut.“
„Nein! Du bist verloren. Bist wie sie, ich habe versagt.“ Langsam ging mir ein Licht auf. Er wusste es.
„Veit, das ist nicht schlimm. Es ist gut so, glaub mir.“ Er zog einen silbernen Dolch. Ich erkannte ihn sofort, denselben hatte Dante mir noch vor wenigen Stunden abgenommen. Ich stand langsam auf, trat einen Schritt vor Ian und hielt die Hände beruhigend hoch. Es wurde ernst. Panik stieg auf.
„Du hast doch nicht vor, mich mit dem Ding zu piksen?“ Was mir reichlich egal gewesen wäre, doch Ian.
„Es ist besser so, glaub mir. Es wird dich heilen.“ Er wollte mich abstechen!
„Veit. Ich bin nicht krank. Wieso zur Hölle willst du mich mit dem Ding malträtieren!?“ Ich wusste, dass die Jungs schon unterwegs waren. Ich musste Zeit schinden. Innerlich verfluchte ich mich, dass Gideon recht zu haben schien.
Veit war gefährlich und anscheinend, ein Jäger. Sam tobte vor Wut, ich spürte es deutlich, selbst auf diese Distanz. Wann er wohl aus dem Schlaf gerissen wurde? Ich war eben mit den Sinnen noch ganz bei Ian gewesen.
Das würde kein Freudiges wiedersehen werden, wenn er erst hier war.
„Es gibt nur die eine Heilung.“ Er trat näher. Zitterte, blinzelte.
„M-Moment! Herrje Veit. Ich bin es Nida. Ich bin doch nicht plötzlich ein Monster!“ Seine Augen weiteten sich. Schlechtes Wort.
„Hast du dich freiwillig dazu entschieden?“
„Nicht direkt“, gestand ich.
„Also haben sie dich ermordet.“ Er deutete auf Ian.
„Nein, du verstehst das falsch. Ich hatte dir doch von ...“
„Das reicht!“ Mir war es sowas von egal, wenn er mich damit pikste. Doch Ian. Ich sah es schon vor mir. Böse Nida kann ihren Schwager nicht schützen der in Flammen aufgeht. Eine Schlagzeile für sich. Da hatte ich gerade zu Samuel gefunden und würde nun seinen Bruder sterben lassen? Auf keinen erdenklichen Fall!
Er kam noch näher, innerlich wappnete ich mich gegen den ersten Hieb. Wehtun konnte es trotzdem und wer wusste schon, was passieren würde, wenn er lebenswichtige Organe reizte.
„Oooo. k!“ Ich hob die Hände höher. Es war nur noch knapp einen Meter entfernt. Die Jungs mussten sich beeilen!
Sein Blick war fesselnd, leid und Zorn lag in ihm, genau wie Feuer und was anderes? Ich konnte es nicht einordnen, er stank nach Alkohol und Zigaretten.
Er wollte es nicht, also wieso versuchte er es? Ich war weder hirnlos noch ein wildes Tier. Es schien ihn zu stoppen, dass ich die Hände in Sichtweite hielt.
„Veit. Ich weiß du willst das nicht.“ Die Tür wurde mit Ruck aufgebrochen. Sie donnerte zu Boden und rutschte mit einem scheuernden Geräusch über diesen. Sie kam vor Veits Füßen zum Stillstand.
Die schöne Tür.
Ich konnte meine Retter nicht sehen, da ich um die Ecke stand. Ich hoffte, sie würden ihm nicht allzu sehr verletzen.
„Schnappt sie!“ Ich stutzte. Das war weder eine bekannte noch nette Stimme. Jemand stürzte sich auf Veit. Der Mann war riesig, ob er als Wolf auch so groß war? Wutentbrannt donnerte er Veit zu Boden und fesselte ihn. Ich stand wie angewurzelt da.
„Verdammt.“ Um die Ecke kam ein sehr schmieriger Mann, der anscheinend zu viel Zeit mit seinem Styling verbracht hatte. Sein Gesicht war an einigen Stellen Blau. Mit einer unglaublichen Arroganz strich der Wolf sich mit einem Kamm durch die Haare. Ich rümpfte die Nase, sollte es mich beeindrucken?
„Einen schönen Guten Tag Liebes. Ich hörte, du bist neu?“ Seine Nettigkeit war eine Farce. Man spürte die Verachtung und den Hass. Was hatte ich ihm getan? Veit konnte sich nicht wehren, versuchte es jedoch tapfer. Er tat mir leid, wie er sich unter dem Bullen wand. Er röchelte, anscheinend war er kurz vor dem Ersticken, gab trotzdem nicht auf. Tapferer kleiner Mann.
„So ungefähr.“
»Nida, lauf weg!« Sam klang besorgt, mit einem Blick zurück, sah ich auf den machtlosen Ian. Ich konnte ihn doch nicht zurücklassen.
»Nida sofort!«, mischte sich nun auch Gideon ein. Es schien ernst zu sein.
„Schön, deine Bekanntschaft zu machen. Ich heiße übrigens Marcus Melak.“
„Wirklich?“ Sein Blick signalisierte mir, dass es wohl kein Scherz sei.
„Wenn ich dich nun bitten darf.“ Er deutete zur Tür. Leicht verwirrt sah ich um die Ecke. Dort standen noch fünf weitere Bullentiere, die bereit waren auch mich auf den harten Boden der Tatsache zu schmettern. „Ich weiß, du willst Zeit schinden, jedoch.“ Er schnippte und der Wolfsbulle der Veit umgenietet hatte, hob ihn hoch. „Hast du keine mehr.“ Er deutete auf Ian. Zwei weitere kamen hinüber und hoben ihn hoch. Ich wusste nicht, was das Ganze zu bedeuten hatte. Wieso sollten sie uns angreifen? Waren sie diese Halblichter? Oder sogar schlimmeres? Sie kamen mir nur nicht vor wie solche übermächtigen Wesen. Andererseits würde ich mich selbst auch nicht so bezeichnen. Vielleicht waren Halblichter nichts anderes, als wölfe mit einem kleinen Plus. Dies würde so einiges erklären. Auch über mich.
Er hielt mir eine Hand hin, Veit und Ian wurden hinausgebracht.
Ich ergriff sie. Samuels brannte vor Wut und hätte mich am liebsten geköpft. Wenn ich eine Wahl gehabt hätte, wäre ich sicherlich abgehauen. Nur hatte ich diese nicht. Weder Ian noch Veit würden von mir im Stich gelassen werden. Sam konnte so viel Fluchen und mich hassen, wie er wollte. Einen kühlen Kopf zu bewahren und mich nicht umnieten zu lassen, war nun meine höchste Priorität.
Die Jungs redeten wie wild auf mich ein, also schaltete ich sie stumm. Nur Sam hatte noch die Macht auf mich einzureden, doch er hatte es längst aufgegeben. Er kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich mich nicht umstimmen lassen würde. Wut und Verzweiflung, mehr bekam ich von ihm nicht. Schon das zweite Mal, dass ich ihn in solch eine Situation brachte.
Marcus führte mich hinaus zu einem weißen VW-Transporter und ließ mich einsteigen. Ein wahrer Gentleman. Die Frage war wie lange noch.
„Ich danke dir für deine Kooperation und bitte um Entschuldigung.“ Ohne mich protestieren zu lassen, bekam ich einen Taser in die Rippen gerammt. Ich knallte hart auf den Metallenden Boden, direkt neben dem gefesselten Veit und dem bewusstlosen Ian. Es wurde langsam alles dunkel. Innerlich betete ich, es würde alles gut werden. Mein letzter Gedanke galt William. Dieser verfluchte William. Nie da, wenn man ihn brauchte.

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beta
Fairy Dust

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