24. August 1926

Ich war gleichermaßen schockiert und erleichtert. Die Tatsache, dass ich meinem Verstand trauen konnte, wurde begleitet durch die Angst vor dem realen Geschehen. Ich realisierte nun erstmalig, dass sich hinter allem, nach dem ich in den letzten Monaten forschte und recherchierte, ein Mensch verbarg. Es gibt wirklich jemanden, der diesen Wahnsinn, mit dem sich mein Ordner - welcher beinahe zu platzen drohte - füllte, verfasst hatte. Verschlimmert wurde dies nur, durch den Inhalt des Briefes.

Nun musste ich mich entscheiden, ob ich dem Trieb der Neugierde, welcher nun stärker denn je war, nachgab oder mich den Drohungen Dantes unterwarf. Letztendlich obsiegte jedoch die Neugier. Ich konnte mich nicht damit abfinden meine bisherigen Forschungen und Fragen einfach in einer Schublade liegen zu lassen. Das Ende des Briefes, welches mich warnen oder davon abhalten sollte weiterzuforschen, wurde für mich letztendlich zu einem weiteren Ansporn. Denn er wusste, dass sich in seinen Unterlagen ein Schlüssel befand. Ein Schlüssel mit dem ich das Al-Azif finden konnte.

Das Originalstück von Abdul al-Hazred musste irgendwo im Umlauf sein. Dante schrieb darüber, dass die erste Ausgabe vom Patriarchen Michael verbrannt wurde und die Gefahr, die dieses abscheuliche Buch wohl mit sich brachte. Jedoch hätte er sich keine Sorgen über eben jenes, so grausam und furchtbar beschriebene Werk machen müssen, wenn es denn gar nicht mehr existierte. Es wäre also nicht notwendig gewesen mich davor zu warnen. Er wusste außerdem, dass ich seine Unterlagen schon seit längerer Zeit studierte und er selbst schrieb in einigen seiner Notizen über den Verbleib des Al-Azif und dessen späteren Auflagen und Übersetzungen, welche in den meisten Ländern den Namen „Necronomicon“ trugen. 

Ihm hätte auffallen müssen, dass Ich bereits wusste was mit Original geschehen ist!

War er wirklich so von Sinnen – oder zu seinen Sinnen zurückgekehrt – dass er vergaß, was er in seinen Unterlagen schrieb?

Da raste mir ein Gedanke, einer Gewehrkugel gleichend schnell, durch den Kopf. Was ist wenn er wollte, dass ich mich weiter damit befasste? Was ist wenn er will, dass ich des Rätsels Lösung finde? Oder wollte er, dass ich ein Teil seines Wahnsinns werde, wie ein Kultist oder Sektenanhänger? Was wenn –

Bevor ich mir erneut den Kopf zerbrechen konnte, nahm ich eine Pfeife aus meiner Jacke, welche auf meinem Stuhl lag, säuberte sie ein wenig aus, legte neuen Tabak ein, zündete sie an und rauchte. Eine Antwort wirft neue Fragen auf, und jede ist geheimnisvoller oder verwirrender als die andere. Etwa nach einer Stunde in der ich mich der friedlichen, nikotinhaltigen Überlegung hingab, entschied ich mich wie folgt:

'Ich werde vorsichtig forschen, von Zuhause aus. Ich werde Familie und engste Freunde nach Lebensmitteln fragen. Ich werde höchstens einmal in der Woche nach meinem Briefkasten sehen, um eventuelle wichtige Nachrichten erhalten zu können. Ich werde mich abschotten und wohl ein paar Tage oder Wochen nicht arbeiten.'

Dieser Plan wurde aber erst nach dem Erhalt meines nächsten Lohns ausgeführt. Danach würde ich mich einige Wochen krank melden und meinen guten Freund Dr. Stevens nach einer Bestätigung fragen um den Eindruck zu vermitteln, ich sei tatsächlich nicht in der Lage zu arbeiten. Dies sollte dann auch Paige davon überzeugen, dass ich seinem Rat gefolgt sei.

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