3. Kapitel

Ehe ich zu einer Antwort ansetzten konnte, die sicher nicht freundlich ausgefallen wäre, ließ das Knirschen und Kratzen mich zusammenzucken. Ein Schlüssel wurde umgedreht und ein Riegel über das rostige Metall gezogen. Instinktiv zog ich mich in die Ecke meiner Zelle zurück und rollte mich eng zusammen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich auf die bebende Tür. Jeden Moment würde sie aufgestoßen werden und Sie würde eintreten. Hoffentlich würde sie ein Tablet mit frischem Essen bei sich haben oder ein Eimer voll Wasser, wenn nicht … Ich wollte nicht einmal daran denken, was mir dann bevorstehen würde.
Isoke dagegen bewegte sich keinen Zoll von der Stelle und erwartete mit ruhigem Blick sein Schicksal, eine Eigenschaft, um die ich ihn beneide; Gelassenheit. Er verkrampfte nicht einmal als die Tür mit einem Ruck aufgestoßen wurde und blendendes Licht die Finsternis zerriss. Ich selbst wandte ruckartig den Blick ab, versuchte meinen tränenden Augen zu schützen, während sie als schwarzer Schemen vor dem gleißenden Licht den Raum betrat.

„Meine Lieben“, begrüßte sie sie mit zuckersüßer Stimme. Sie hätte auch Fauchen können, so sehr gingen mir ihre Worte durch Mark und Bein. Meine Lieben … das bedeutete sie brachte weder Wasser noch Brot. Ich wagte kaum den Kopf zu heben, vielleicht würde sie mich übersehen, wenn ich nicht ihrem Blick begegnete. Vielleicht würde sie einfach gehen, vielleicht … Sei nicht dumm, wies ich mich selbst zurecht. Es würde nicht so einfach werden.
„Catalina“, sagte Isoke trocken, starrte der Frau furchtlos entgegen. Mut, noch ein Charakterzug der ihm zu eigen ist und mir nicht. Selbst wenn er kurz vor dem Zusammenbrechen ist, ist Isoke mutiger und furchtloser als ich. Wieder einmal kam ich mir neben meinen Freund klein und unbedeutend vor.
„Isoke“, säuselte Catalina, kostet jede Silbe aus und lächelte ihn schief an. „Bist du bereit?“ Sie legte den Kopf schräg und zog einen langen, schwarzen Stab aus ihrem Gürtel. Ich zitterte bereits beim Anblick der Waffe und rollte mich enger in meiner Ecke zusammen.

Isoke richtete sich wortlos zu seiner vollen Größe auf und sah mit versteinerter Miene auf Catalina hinab. Sein Gesicht zeigte keine Regung, nicht einmal Hass war in seinen dunklen Augen zu erkennen, nur stille Akzeptanz. Catalinas Lächeln wurde breiter und sie strich ihm liebevoll über die dunkle Wange. „Mein Isoke“, hauchte sie und trat einen Schritt beiseite, um ihn aus seiner Zelle zu lassen. „Lass uns Spaß haben.“ Ihr Blick fiel auf mich und ihr Lächeln verrutschte beim Anblick meines zusammengekauerten und abgemagerten Körpers. Ich wusste wie sehr ihr mein kümmerliches Aussehen zu wieder war, sie mochte keine hässlichen Dinge, doch welch andere Möglichkeit zur Rebellion gab es für mich?
„Keine Angst, geliebter Jadan. Auch dir widme ich bald meine kostbare Zeit und Aufmerksamkeit.“ Sie funkelte mich verschwörerisch an. Auch Isoke sah auf mich hinab, einen eigenartigen Ausdruck in den Augen. Ich hielt mich an seinem Blick fest, um nicht unter Catalinas Worten zu zerbrechen. Bald. Was meinte sie damit?

Isoke nickte mir zu, bevor er mir den Rücken zuwandte und vor Catalina die Dunkelheit der Zellen verließ. Ich starrte ihm nach, verfluchte meine Feigheit und wünschte meinem Freund alles Gute. Wer wusste was sie mit ihm anstellte. Egon hatte immer mit zitternder Stimme von ihrem Tisch gesprochen und danach stundenlang in die Leere gestarrt. Seit seinem Tod nahm sie Isoke mit nach oben und auch er erzählte keine Einzelheiten, doch wann immer er in seiner Zelle zurückkehrte, glitzerten Tränen auf seiner dunklen Haut und ein gequälter, schmerzerfüllter Ausdruck lag in seinen Augen. Ewigkeiten bewegte er sich nicht und wiegte sich vor und zurück. Wenn sie selbst Isokes Mut brechen kann, was wird sie erst mit mir anstellen?
Ich zitterte und streckte die Beine aus. Isoke würde Schmerzen leiden, aber wie jeden Tag die Sonne aufging, so selbstverständlich war es auch, dass er wiederkam. Er war nicht wie Egon, er würde nicht aufgeben und so dumm sein sich gegen Catalina zu wehren. Und sie würde ihn nicht töten. "Sie wird auch mich nicht töten", murmelte ich in die Stille und starrte auf die Furchen und Fugen vor mir. Was immer sie tut, es wird mich nicht töten.

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