300 Galleonen

Lucius Malfoy änderte seine Sitzposition – um keinen Preis wollte er vor seinen Kollegen zeigen, dass ihn die intime Situation im Sessel neben ihm erregte. Unter dem Anschein, über eine Summe nachzudenken, starrte er auf die fast nackte Hermine Granger. Sie sah absolut verängstigt aus und gleichzeitig unglaublich erotisch. „Sie ist ein Schlammblut!“, schrie er sich stumm selbst an, doch er konnte seine eigene Erregung nicht leugnen. Der junge Frauenkörper war genug, um ihn das Blut vergessen zu lassen.

Mehr und mehr stieß ihn der Gedanke ab, dass ausgerechnet Greyback seine Sklavin entjungfern wollte. Der Werwolf war unter dem Fußvolk sehr beliebt, weil er grausam war und andere an seinen fiesen Späßen teilhaben ließ. Aber in der Führungsriege wurde er nicht geschätzt und Lucius wusste, dass der Dunkle Lord diesen Mann, der nicht mal ein richtiger Mann war und stets erbärmlich stank, nur duldete, weil er ihn brauchen konnte. Seine Sklavin war zu wertvoll für so jemanden.

Hermine hatte nach wie vor die Augen geschlossen. Angestrengt versuchte sie, nicht laut zu schluchzen, doch gegen ihre Tränen konnte sie nichts tun. Es gab keinen Grund, warum der blonde Zauberer sie nicht verkaufen sollte, hier und jetzt. Vielleicht war es sogar besser so – wenn sie es erst mal hinter sich hatte, musste sie sich nicht länger vor dem unvermeidlichen ängstigen. Vielleicht würde sie sich dran gewöhnen, vielleicht sollte sie lieber früher als später …

Nein, so sehr sie es auch versuchte, Hermine konnte sich nicht selbst überzeugen, dass irgendetwas Gutes an dieser Situation war. Genauso wie sie wusste, dass ihre Meinung nicht zählte und dass sie am Ende dieses Abends vermutlich endgültig und vollkommen gedemütigt sein würde. So sehr hielt die Angst und Hilflosigkeit sie gefangen, dass sie kaum mehr die reibenden Bewegungen des Werwolfes unter ihr wahrnahm.

„300 Galeonen, jetzt und hier!“

Hermine riss die Augen auf und starrte ihren Besitzer an. 300 Galeonen? Das war ein kleines Vermögen! So viel war ihre Jungfräulichkeit Lucius Malfoy wert? Unfähig zu irgendeiner Reaktion starrte sie einfach nur, sogar ihre Tränen waren in dem Schock versiegt.

Ihre Überraschung spiegelte sich in den Gesichtern aller anderen Anwesenden, besonders Fenrir Greyback war sprachlos. Seine Bewegungen waren erstarrt, nur seine Hände klammerten sich noch fest an die Hüfte von Hermine.

„300 Galeonen? Spinnst du?“, fragte er ungläubig, „so viel hab ich nicht hier!“

„Dann tut es mir leid“, erwiderte Lucius, äußerlich ungerührt, „sie ist nicht irgendein Schlammblut, sondern eine der wichtigsten Schachfiguren, die Dumbledore im Spiel gegen den Dunklen Lord gesetzt hat. Auch wenn sie ein Schlammblut ist, hat sie aufgrund ihrer Positionen einen hohen Wert!“

Dolohov und Macnair fingen beide an, langsam zu nicken – die Erklärung war einleuchtend und sie bewunderten den wachen Verstand ihres Kollegen. Nur Severus Snape schaute misstrauisch drein. Er bezweifelte, dass nur rationales Kalkül Lucius geleitet hatte – zu deutlich war die Erregung des Mannes zu spüren.

„Malfoy!“, stöhnte der Werwolf, „Willst du mich absichtlich quälen?“

„Nein, Greyback, aber ich gebe auch nicht leichtfertig Dinge von Wert auf, auch nicht für Kollegen.“

„Fick dich!“, schleuderte Fenrir Greyback ihm entgegen und stieß Hermine von seinem Schoß. Ohne ein Wort verließ er die Versammlung. Kopfschüttelnd blickten die anderen vier Männer ihm hinterher.

„Er ist eben doch halb Tier. Kann seinen Trieb nie richtig steuern und lässt seinen Verstand dann einfach untergehen. Widerlich!“, kommentierte Macnair das Geschehen. Höhnisches Gelächter von Dolohov ertönte und auch Lucius Malfoy zwang sich, darin einzustimmen.

Erleichterung machte sich in Hermine breit. Sie konnte nicht glauben, so knapp gerettet worden zu sein, ihr Verstand war nicht in der Lage, das Ganze zu erfassen. Für einen Augenblick gab sich die junge Hexe den Gefühlen hin, blieb ruhig auf dem weichen Teppichboden liegen und genoss einfach, dass ihr keine konkrete Gefahr mehr droht.

„Was liegst du da so faul rum?“, fauchte sie im nächsten Moment aber schon ihr Herr an, „zieh dich wieder anständig an und schenk Wein nach. Und glaub ja nicht, dass ich dich nicht dafür bestrafen werde, dass du einen meiner Gäste vertrieben hast! Du solltest ihnen zu Diensten sein und sie nicht vergraulen!“

Hermine riss die Augen auf ob dieser Ungerechtigkeit. Sie hatte Greyback vertrieben, sie hatte etwas falsch gemacht? Sie konnte nicht glauben, dass irgendein Mensch so verdreht sein konnte, ihr diese Situation zum Vorwurf zu machen. Andererseits war sie sich im Klaren darüber, dass sie keine Rechte besaß und Widerworte sicherlich nichts verbessern würden. Wut und Erleichterung über das Vorgefallene kämpften in Hermine, während sie ihren BH wieder richtete und das Kleid erneut herunterzog. Letztendlich gewann der Zorn die Oberhand, doch die Hexe ließ sich nicht gehen. Äußerlich unberührt griff sie wieder zur Weinflasche und füllte die inzwischen leeren Weingläser wieder auf.

„Nun, Severus, nachdem du uns nun die letzte Stunde so ausführlich darüber aufgeklärt hast, was der Dunkle Lord in näherer Zukunft plant, wäre s gut zu erfahren, wie wir das konkret hier umsetzen sollen!“, nahm Dolohov das Gespräch wieder auf. Hermine stellte sich in eine Ecke des Raumes und spitzte die Ohren. Auch wenn sie in ihrer derzeitigen Lage nichts tun konnte, war Wissen doch immer noch besser als Nichtwissen.

„Das würde ich gerne“, erwiderte der Angesprochene, „doch leider blieb der Dunkle Lord in diesem Punkt unklar. Er sagte mir, er würde sich persönlich darum kümmern, dass auch der Kontinent verstehen würde, dass er nun herrscht. Und er übertrug uns die Aufgabe, hier die Stellung zu halten. Das waren seine Worte. Leider hat er nicht gesagt, was er damit meint. Und genau das ist der eigentliche Zweck unseres Treffens hier heute Abend!“

„Gut, dass wir das so früh schon erfahren“, kommentierte Macnair und lachte trocken, „wir sind also hier, damit du uns sagen kannst, dass du uns nichts sagen kannst. Wirklich, sehr gut!“

Ein strafender Blick traf den Todesser, ein Blick, den Hermine nur zu gut noch aus ihrer Schulzeit kannte – so schaute Snape drein, wenn er gerade gar keinen Humor verstand. Trotz ihrer misslichen Lage freute sie sich, dass endlich mal nicht sie oder ein anderer Schüler Empfänger dieses Blicks war.

„Ja, genau, darum geht es“, antwortete Snape mit betont ruhiger Stimme, „ich hatte gehofft, zusammen mit euch Vieren einen mittelfristigen Plan entwickeln zu können, wie wir während der Abwesenheit seiner Lordschaft vorgehen wollen. Aber wenn dich das überfordert, Macnair, dann darfst du dich gerne dem Werwolf anschließen und gehen!“

„Na, na“, schaltete sich nun der Hausherr wieder ein, „lasst die Streitereien. Wir sollten es als eine Ehre empfinden, dass der Dunkle Lord uns so große Handlungsfreiheiten gelassen hat.“

Macnair, der zu einer wütenden Erwiderung angesetzt hatte, verstummte. Von der Seite aus hatten weder er noch sein bester Freund Dolohov die Information bisher betrachtet. Tatsächlich, mit der Erklärung von Lucius Malfoy erschien die Lage plötzlich nicht mehr so, als habe der Dunkle Lord sie im Stich gelassen, sondern vielmehr als großer Vertrauensbeweis. Severus Snape bemerkte die Veränderung im Blick seiner Kollegen und nickte Malfoy fast unmerklich zu.

„Vielleicht ist es am sinnvollsten, wenn wir die großen Leitideen vom Dunklen Lord aufschreiben und dann überlegen, welche Schritt wir auf dem Weg bis zu diesen Zielen gehen müssen“, schlug Snape vor. Zustimmendes Nicken und ernste Konzentration waren die Antwort.

„Dolohov, nenn mir ein Ziel, dass der Dunkle Lord hat!“, forderte Malfoy seinen Kollegen auf.

„Das Blut der Zauberer reinhalten!“

„Macnair?“

„Muggle unterwerfen!“

„Severus?“

„Zauberer und Hexen zu alter Stärke führen!“

„Bleibt noch ein Ziel von mir zu nennen … aber mir fällt nichts ein, was nicht unter eines der von euch drei genannten Ziele fallen würde“, sagte der blonde Zauberer nachdenklich.

„Ich denke auch, dass es diese drei Punkte sind, die als Hauptziele gelten können!“, schloss sich Snape ihm an.

„Gut, dann halten wir das also fest. Nun müssen wir überlegen, wie wir die einzelnen Punkte erfüllen wollen. Und vor allem: In welcher Reihenfolge!“

„Das ist ein guter Punkt, Malfoy“, nahm Macnair den Faden auf, „ich denke nicht, dass wir im jetzigen Zustand in der Lage sind, die Muggle zu unterwerfen. Zuerst müssen wir die Zauberergemeinschaft wieder stärker machen. Dazu brauchen wir bessere Schulbildung und wir müssen alle Schlammblüter ausschließen. Erst danach sind wir stark genug, dieser Masse an Muggeln gegenüberzutreten!“

„Ich fürchte, du hast recht“, stimmte ihm Dolohov zu, „im Moment sind die Muggle uns zahlenmäßig soweit überlegen, dass unsere jetzige Stärke kaum ausreichen wird. Wir müssen also vorerst im Geheimen bleiben und zu alter Stärke zurück finden!“

Malfoy notierte sich die Gedanken seiner Kollegen und versuchte dabei, sich seine Überraschung nicht anmerken zu lassen – so viel konstruktive Mitarbeit hätte er von den beiden Männern nicht erwartet. Vielleicht war es ganz gut, dass der stumpfsinnige Werwolf nicht mehr anwesend war.

„Werte Herren“, erhob da Snape seine Stimme, „ab wann zählt für euch Blut als verschmutzt?“

Auf kurze Verwirrung folgte einen Moment der Ruhe, während alle Anwesenden über die Frage nachdachten. Auch Hermine verstand die Intention von Snapes Frage: Es ging jetzt offenbar ganz konkret darum, wer künftig für die Zeugung von reinen Nachkommen in Frage kam. Mit anderen Worten: Welche Zauberer durften künftig mit anderen Zauberern Sex haben und Kinder kriegen? Bleich vor Zorn starrte sie ihren ehemaligen Lehrer an: Das hier drang tief in die Privatsphäre aller Menschen ein, sie wollten Beziehungen und Gefühle durch Regeln binden. Es war Hermine unbegreiflich, wie man so emotionslos sein konnte, dass man kaltblütig über so eine Frage nachdenken konnte.

„Schlammblüter haben unreines Blut“, begann Malfoy als erster, „das dürfte allen klar sein. Aber nehmen wir zum Beispiel den von allen so geliebten Potter: Beide Eltern waren Zauberer, sein Vater war reinblütig, aber seine Mutter war ein Schlammblut. Ist für euch Harry Potter ein reinblütiger Zauberer?“

„Das Blut seiner Mutter fließt auch in seinen Adern – er ist mindestens zu einem Viertel noch ein Muggle. Das kann ich nicht reinblütig nennen!“, nahm Macnair den Faden auf.

„Aber seine Kinder wären nur noch zu einem achten Teil Muggle. Ich denke, dass man das schon fast als reinblütig bezeichnen kann“, stimmte Dolohov mit ein.

„Gibt es Einwände gegen diese Überlegungen?“, erkundigte Snape sich. Kurzes Kopfschütteln, dann fuhr er fort: „Gut, halten wir also fest: Mindestens zwei Generationen, also Eltern und Großeltern, müssen jeweils alle Zauberer gewesen sein, damit man als reinblütig gelten kann.“

„Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nur jene Zauberer, deren Großeltern bereits Zauberer waren, künftig mit anderen reinblütigen Zauberern Nachkommen haben dürfen!“, beendete schließlich Lucius Malfoy das Gespräch, „ich halte den Punkt fest und formuliere es später im Ministerium mit Hilfe eines Rechtsmagiers in ein Gesetz um!“

Während die Beratung sich einem neuen Punkt zuwandte, ließ Severus Snape seine Augen zu der knapp bekleideten Sklavin im Raum wandern. Er konnte ihr ansehen, wie sehr sie abgestoßen war von der Diskussion, die vor ihr stattfand. Ihr Gesicht war blass, ihre Hände zu Fäusten geballt und ihr ganzer Körper zitterte leicht. Snape meinte zu verstehen, was in ihr vor ging. Unter diesem Gesetz würde Hermine, selbst wenn sie keine Sklavin mehr war, niemals mit Ron zusammen Kinder bekommen dürfen. Aber sie war nicht die einzige, die von diesem Gesetz betroffen war, auch wenn die anwesenden Männer sich dessen offenbar nicht bewusst waren.

Auch er selbst, der Halbblutprinz, würde niemals magische Nachkommen zeugen dürfen.

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    Ich liebe diese Geschichte. Sie vermittelt ein Zeichen von Macht. :) Freue mich auf viele Fortsetzungen ^^ 5/5

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Fairy Dust

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