4.

2 Wochen musste sie in diesem ihr unfreundlich vorkommenden Krankenhaus bleiben ehe sie nach Hause durfte. Als sie gerade ihre Sachen packte betraten ihre Eltern still das Zimmer, nur ihr Bruder war in heiterer Stimmung und rannte auf seine Schwester zu um sie und ihre Beine zu umarmen. Lächelnd strich sie mit der nicht durch den schwarzen Rucksack blockierten Hand durch seine Haare und sah fragend zu ihren Eltern, dessen Blick zwar in ihre Richtung wies, aber durch sie durch zu gehen schien, ihr Lächeln war seltsam leer. Mit langsamen Schritten näherte sich ihr Vater, nahm das Gepäck und verließ das Zimmer mit derselben Ruhe mit der er es betreten hatte, die Mutter folgte ihrem Gatten. Unwohlsein überkam Lucy, sie fürchtete um den weiteren Verlauf. Fürchtete was außerhalb des Krankenhauses geschah, was sie erwartete. Langsam wanderte ihr Blick zu dem an ihr Bein angeschmiegten Jungen, der seinen Kopf langsam hob. „Mama sagt du machst Urlaub!“, entgegnete er, als hätte er ihre Gedanken lesen können. Sie nickte etwas, fasste den kleinen an der Hand und folgte mit halber Geschwindigkeit ihren Eltern.

Sie standen auf dem schmalen Parkplatz vor einem großen, in verschiedensten Brauntönen gestrichenen Gebäude, das zwei Eingänge vorwies. Einer davon, der an der linken Ecke positioniert war, war durch ein mechanisches Gitter verriegelt und geschätzte vier Meter breit, ein kleiner Seiteneingang schloss sich daran. Hier mussten die Fahrzeuge ein und aus fahren, an dem Metallgitter davor hing ein Schild. „Einfahrt nur für Betriebsangehörige.“ Es musste für deren Fahrzeuge gedacht sein.

Lucys Blick wanderte nach rechts, wo der zweite überdachte Eingang zu finden war. Dieser war mit einer sich selbstständig öffnenden und schließenden Glastür zu beschreiben, davor stand ein gut gebauter Mann, in eine blaue Uniform gehüllt. Das einzig störende daran war der breite Bierbauch.

Langsam wandte sich Lucy ab und sah zu ihren Eltern, die hinter ihr standen. „Was machen wir hier...?“, fragte sie leise. Ihre Mutter sah mit besorgter Miene zu ihr runter. „Wir geben dich vorübergehend in die Obhut von Herr Jonker und seinem Team...“, meinte sie, in ihrem Lächeln konnte man viele Emotionen ablesen oder versuchen zu deuten. Lucy meinte Hilflosigkeit zu erkennen, Verwirrung, Trauer. Ein Hauch von Wut, so dachte sie, Verständnislosigkeit. Erleichterung. Woher auch immer diese Erleichterung kam, sie dachte diese in den Augen ihrer Mutter zu finden. Dann ging diese, fast schritt-gleich mit ihrem Mann, auf den kleineren Eingang zu, von dem aus der scheinbare Wärter sie schon beobachtet worden.

Wieder folgte Lucy, ein Band schien sich um ihre Organe zu legen, ihre Brust schmerzte höllisch. Ihre Lungen und ihr Herz schienen zusammengepresst zu werden, bei jedem Atemzug spürte sie einen immer schlimmer werdenden Stich.

Zu viert betraten sie den kleinen Eingang und fanden sich in einem kleinen, fünfeckig geformten Saal wieder. Vor ihren Füßen ein Mosaik aus lauter roter und gelber Steinchen, die eine große Sonne darstellten. Vor ihnen war der Ausgang, ebenfalls durch eine sich selbstständig öffnende und schließende gläserne Tür gekennzeichnet, rechts von ihnen zwei Abzweigungen. Die näher am Ausgang liegende ließ einen Einblick auf ein Treppenhaus, man sah wie sich eine aus Stein gebaute Treppe nach oben schwang. Die Abzweigung näher an dem von ihnen eben durchschrittenen Eingang führte tiefer hinein, eine rot gefärbte Wand und ein beiges Laminat führten zu einem Fahrstuhl, der Weg darin war links und rechts durch hölzerne Stangen verziert, die an die Stangen eines Barrens erinnerten.

Lucy sah auf, als ihr Name aus dem auf der linken Seite platzierten Gang drang. Ihre Eltern zogen sie in diese Richtung und sie betrachtete die auch hier rot gestrichenen Wände, an denen mit schwarzen Buchstaben „KJP- Kinder-,Jugendpsychiatrie stand. Lucy starrte diese Buchstaben an, bevor sie von ihren Eltern weiter gezogen wurde. Hielten ihre Eltern sie jetzt für irre? Wahrscheinlich, sonst hätten sie ihre Eltern nicht hier her gebracht. Ängstlich sah sie sich um, stemmte sich mit ihrem geringen Gewicht gegen das ihres Vaters, ein Misserfolg. Ihr Vater erhöhte den Druck den er auf ihren schmalen Arm ausübte und zog sie weiter durch den Gang in einen Raum, auf dem weißen Schild, welches auf Höhe ihres Kopfes angebracht war, stand deutlich mit schwarzen Buchstaben: Peter Jonker, Psychologe.

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    Ihre Eltern hätten sie wenigstens darauf vorbereiten können. Also auf die Einrichtung, in der sie ab jetzt ist.

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