4. Kapitel

Lerne etwas Anständiges mein Sohn, etwas mit dem du die Welt verbessern kannst, das hatte sein Vater mehr als einmal zu ihm gesagt und danach mit tief gerunzelter Stirn auf seine Hände gestarrt. Die Hände eines Mörders, hatte er sie genannt, aber Tevin hatte ihm widersprochen. Die Hände eines Rächers, hatte er früher betont und nach ihnen gegriffen. Du bringst den Menschen was sie verdienen. Damals hatte er nicht wirklich verstanden mit welcher Tätigkeit sein Vater ihr Essen bezahlte, aber auch heute würde er ihm wiedersprechen.
Anders als andere Entrückte, andere Blutdiener oder wie immer man sie nennen wollte, nahm sein Vater nicht jeden Auftrag an. Er tötete nicht aus Freude oder, um eine Kunst zu perfektionieren, sondern, weil er nie die Möglichkeit gehabt hatte etwas anderes zu tun und nun, da er Tevin besaß, auch nicht mehr bekommen würde. Er hasste seine Arbeit nicht, aber er genoss sie ebenso wenig. In Tevins Augen machte ihn das zu etwas Besonderen, nicht zu etwas, das man hassen und mit Abscheu behandeln musste.
Manche mochten den Blutdiener der Regenlande fürchten, doch für ihn, war er nur sein Papa. Der Mann, der ihn morgens weckte und Frühstück machte, der ihm beigebracht hatte, wie man dem Griff eines Tyrannen entkam und der ihm jedes Jahr einen Kuchen mit bunt brennenden Kerzen backte.

Fast jedes Jahr, schoss es Tevin durch den Kopf und ein kalter Stich ließ sein Herz verkrampfen. Mit zusammengebissenen Lippen widmete er sich dem Schreibtisch seines Vaters, einem schlichten, schmucklosen Möbelstück, auf dem sich wie überall Zettel und scheinbar sinnlos Gegenstände stapelten. Doch keine Nachricht an mich, stellte Tevin mit gerunzelter Stirn fest und sah sich abermals im Zimmer um, doch weder am Kräutertisch, den er ohnehin niemals berühren durfte, oder am festen Stoff des Vorhangs war ein Zettel befestigt.
Vielleicht war er nur in Eile und hat es vergessen, mutmaßte Tevin und stampfte mit gesenktem Blick zurück in den schummrigen Flur. Er nahm die Feuerhölzer zur Hand und entfachte die Kerze auf dem Beistelltisch seines Zimmers. Ich werde warten, nahm er sich vor und ließ sich auf die harte Matratze seines Bettes sinken, die Beine eng an die Beust gezogen.

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