40. Ériyor

Selbst die längste Suche findet eines Tages ihr Ende, entweder im Erfolg oder Misserfolg.

 

Ástilosisches Sprichwort unbekannter Herkunft

 

Als Hadassa die Augen aufschlug, schien die Sonne auf sie herab und quälte sie mit ihrer strahlenden Schönheit.

Vorsichtig sah sie sich um, doch schien ihr zumindest keine unmittelbare Gefahr zu drohen. In der Luft hing zwar der Duft eines vergangenen Kampfes, doch andere Löwen waren nicht in der Nähe.

Die Löwin richtete sich auf und schüttelte Staub und Sand aus ihrem Fell. Merkwürdig…

Sie fühlte sich zerschlagen und müde, doch fand sie keine einzige Wunde an ihrem blutverklebten Leib.

Wie es aussah, befand sie sich zwischen halb verfallenen Gebäuden in einer Sandwüste, welche auf den Norden Ikantjeys hindeutete. Auch konnte sie den kaum wahrnehmbaren Geruch einer großen Menge Wassers erschmecken. Nicht weit von hier musste sich ein Fluss oder der Alasar befinden.

Ein brennender Durst hatte sich in ihrer Kehle ausgebreitet und sie sehnte sich nach dem tosenden Wasser, doch wollte sie lieber hier Wasser finden, bis sie entschieden hatte, wie sie als Nächstes vorgehen sollte.

Es überraschte sie, dass niemand in der Nähe war. Bruchstückhafte Erinnerungen wirbelten durch ihren Kopf. Ein durchdringender Schrei, Angst, ein Sandsturm. Doch wenn man sie nach ihrem Alter oder ihrem gestrigen Tag gefragt hatte, hätte sie nicht zu antworten gewusst. Jegliche Erinnerung daran, was geschehen war und wer sie war, war verschwunden.

Da stockte sie, denn trat jemand in ihr Blickfeld. Doch obwohl die Person für ihre Sinne nicht wahrnehmbar gewesen war, jagte sie ihr keine Angst ein.

Und aus einem tiefen Urinstinkt, von dem sie nicht gewusst hatte, dass er existiert hatte, dem sie sich jedoch nicht erwehren konnte, sank sie in die Knie. Löwen beugten sich nicht, selbst ihr König konnte zwar mit ihrer Treue und Loyalität rechnen, aber niemals würde ein Sphinx seine Knie beugen wie es die Menschen taten. Hadassa jedoch wusste, dass allein dies hier angebracht war.

„Erhebe dich, Freundin.“, bat er.

Sie folgte seinem Wunsch und blickte ihn an. Sie konnte nicht beschreiben, woher ihre Ehrfurcht ihm gegenüber stammte. Seine Kleidung war aus gewöhnlicher grober Wolle gefertigt, sein Gesicht und Arme schmutzig wie die eines Mannes, der durch die Wüste gewandert war und dennoch…strahlte er auf eine eigenartige Art und Weise, die sie nicht benennen konnte

„Ériyor.“, flüsterte sie, langsam verstehend.

Er neigte den Kopf. „Dies ist der Name, mit dem ich vor langer Zeit bezeichnet wurde, aber kannst du ihn nutzen, wenn du es willst. Ich danke dir für deine Treue, Hadassa.“.

„Es ist mir eine Ehre.“.

Er lächelte und sie erkannte den Stolz in seinen Blick, als er sie betrachtete.

„Du hast dich auf die Suche nach dem Ursprung des Todes inmitten der Wüste gemacht und du hast sie in den Oteilon gefunden. Wenn du Fragen hast, so frage.“.

Weitere Erinnerungen, jetzt wo sie seine Worte vernahm. Schleier lösten sich von ihren Augen und verbargen doch wieder, als wäre es nicht mehr als ein kurzer Windstoß gewesen, der nur für einen Augenblick den Schleier lüftete.

„Wer sind sie? Woher kommen sie? Ihre Bosheit kann doch nicht immer so gewesen war.“.

„Ja.“, flüsterte Ériyor und ein schmerzhafter Ausdruck trat in seine Augen, als ob er sich an diese längst vergessenen Zeiten erinnern würde. „Sie waren einst ein Volk, nicht unähnlich dem deinen und einst lebtet ihr in den alten Zeiten Seite an Seite. Doch ihr Ehrgeiz wurde zu stark und sie wurden auf die Seite des Bösen, des Feindes gezogen, der ihnen im Austausch große Macht versprach. Doch diese Macht wurde auch zu ihrem Fluch, denn sie verzehrt sie von innen und zerstört sie. Mehr soll hiervon nicht gesagt werden.“.

„Ascarna…sie kämpfte gegen sie.“.

„Richtig.“, bestätigte Ériyor ihre Nachforschungen, „Ascarna vertrieb sie aus Ikantjey, in welches die Oteilon einzufallen versuchten. Es wurde ihr möglich, eine Niederlage in den Sieg zu verwandeln, weil sie glaubte.“.

Er sah sie an und erwiderte ihren Blick.

„Ich erkenne denselben Glauben in deinen Augen.“.

Erneut blickte er sie an.

„Es ist eine Gabe kein Fluch, doch ist es deine Entscheidung, sie anzunehmen.“.

Sie hatte es gewusst, kaum, dass sie ihn erblickt hatte.

„Aber wer wird kämpfen, wenn ich es nicht tue? Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist, doch habe ich nicht vergessen, dass mein Volk mich benötigt.“.

„Du hast Recht. Niemand wird deinen Platz im Gefüge der Welt so einnehmen können, wie du es vermagst. Dennoch ist es deine alleinige Entscheidung.“.

Tränen liefen ihr über die Wangen und doch kannte sie nur eine Antwort.

„Ich werde dir bis zum Ende dienen.“, erklärte sie leise.

Ériyor verneigte sich vor ihr. „Wenn dies dein Wunsch ist, dann soll es sein.“.

Und etwas veränderte sich. Es begann als ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen, doch schließlich durchzog es ihren ganzen Körper, bis es schließlich abebbte.

„Warum ich?“. Ihre Stimme erstarb in den tosenden Sandmassen, die um sie herum wirbelten und ihr dennoch nicht anhaben konnten.

  „Horche in dich hinein, dann weißt du es.“. Ériyors Blick ließ all die Zweifel schweigen, die in ihrem Inneren wüteten.

  „Ja.“. Sie nickte und obwohl sie keinerlei Erinnerungen besaß, kannte Hadassa die Antwort.

  „Wenn dies der Kampf ist, den ich führen muss, dann werde ich ihn für mein Volk kämpfen.“.

  „Ja.“, er lächelte, „Das wirst du.“.

  Und die Löwin erhob ihre Stimme, um ihren Kriegsschrei loszulassen, damit alle Welt wusste, dass es noch Hoffnung gab.

 

 

 

Alsra wusste nicht, wie lange sie schon unterwegs waren. Die Zeit verschwamm, während sie einen Fuß vor den anderen setzte. Niandos war neben ihr, seine vom Alter schwache Gestalt schlurfte mehr als dass sie ging. Den anderen ging es nicht besser. Die hochschwangere Jiadrahm war müde und Alsra konnte sich des Verdachts nicht erwehren, dass sie fieberte. Der Zwillingsreicher Amadir war derjenige, dem es am Schlechtesten ging. Eine Beinwunde, die er sich in den Kämpfen um Winterflucht eingeholt hatte, war entzündet und brandig. Er stützte sich auf einen Stock und humpelte mühsam neben ihnen her, doch war er nicht willig aufzugeben. Die Zwillinge Tiselier und Mirier hielten sich erstaunlich tapfer für die Dutzend Jahre, die sie zählten. Nicht willig Schwäche zuzugeben, waren sie die Einzigen, deren Gesichter noch ein Lächeln zierte.

Assur ging mit verbissener Miene voran, die Hand stetig auf dem Griff seines Schwertes ruhend. Seine Stiefel bahnten einen Weg durch karges Steppengras und graues Felsgestein. Über ihnen schob sich die Sonne auf den Horizont zu, ihre Strahlen weit entfernt und kaum Wärme aussendend. Dennoch schien der arthergische Soldat nicht gewillt, das Nachtlager aufzuschlagen, sondern trieb seine Begleiter unbarmherzig an.

Als Niandos auf ihn einzureden begann, zuckte er schließlich mit den Schultern und deutete auf eine Felsgruppe, die sich über die Steppe erhob. Abgebrochenen Zähnen gleich standen sie da, als hätte ein Riese sein Spielzeug achtlos vergessen. Sie waren bei Weitem die einzige Erhebung in dieser Steppe.

Schließlich erreichten sie die kahlen Felsen nach einer gefühlten Ewigkeit, in welcher auch das letzte Gefühl aus Alsras Füßen verschwand. Während Jiadrahm und die Jungen sich sogleich niederfallen ließen, bereiteten Niandos und Amadir das Lager.

Alsra dagegen betrachtete die Umgebung. Die Sonne ging eben unter und tauchte die Steppe in leuchtende Farben. Lange Schatten wurden von der Felsengruppe geworfen, dunkel glänzte das Steppengras. Ein kleiner Weiher lag eingegrenzt zwischen zwei Felsen als ruhige Oase der Stille, in der sich der Sonnenuntergang spiegelte.

In der Ferne der Steppe erkannte man soeben das dunkle Band eines Waldes, zu dem Assur vermutlich unterwegs war.

Schon den ganzen Marsch über hatte sie sich gefragt, was er vorhatte. Weder hatte er sie an das siegreiche Heer Alemets ausgeliefert, dem er immerhin angehörte, noch in irgendeiner Weise auf seine Pläne schließen lassen.

Sie sah zu Assur hinüber. Der Krieger lehnte still wie eine steinerne Statue an dem Felsen und starrte nachdenklich in die Ferne. Dennoch zweifelte sie nicht daran, dass er innerhalb von wenigen Lidschlägen kampfbereit sein würde.

Einen Moment zögerte Alsra, dann ging sie zu ihm.

Mit keiner Reaktion gab er zu erkennen, dass er sie bemerkt hatte.

„Du wirst nicht ewig so weitermachen können.“, meinte sie leise, „Die anderen können nicht mehr.“.

Assur schlug die Augen auf und wieder schreckte sie vor der Kälte zurück, die sie in ihnen fand. Zwei Eissplitter.

„Es warst du, den ich mit mir nehmen wollte, niemand sonst.“.

„Wenn wir Pferde finden wü…“.

„Nein.“, entgegnete er barsch, „Pferde würden uns nur aufhalten und gefährden.“.

Erneut fragte sie sich nach seinen Plänen, wenn er Pferde für unnütz hielt.

Schließlich gab sie sich einen Ruck.

„Wir reisen nicht nach Artherg.“, stellte sie fest.

Spöttisch blickte der Oleoner sie an.

„Wie kommst du darauf?“.

„Die Sterne sagen mir, dass wir nach Norden wandern und die Landschaft verrät mir, dass wir in kältere Gefilden kommen.“.

Assur schwieg und sie fand die Wahrheit nicht in diesem Gesicht, das dem ihren so fremd war. Von der fliehenden Stirn, der dicken Wulst über seinen Augen, der großen, fleischigen Nase bis zu der hervortretenden Mundpartie und dem kurz geschorenem, weißblondem Haar, alles an ihm deutete darauf hin, dass er nicht zu ihrem Volk gehörte.

„Es ist nie falsch, auf die Natur zu vertrauen.“, entgegnete er schließlich, doch statt Rätsel zu lösen, wandte er sich ab, löste den Spannenhelm und zog sich das Wams über den Kopf. Allein sein Oberkörper zeugte von den vielen Schlachten, die er schon gefochten hatte. Rosa Narbengewebe, das sich unterhalb des Schulterblattes zu einem dicken Knoten verdichtete, musste von einer Pfeilwunde stammen. Eine lange, weiße Narbe zog sich von seiner Brust bis zur Seite. Ein wahres Narbengeflecht wie von einer Auspeitschung bedeckte seinen Rücken und vermischte sich mit weiteren kleineren. Ebenfalls schien ihm jemand einst eine ernste Bauchwunde zugefügt zu haben, denn mehrere Knoten zeugten von Messerstichen.

Assur jedoch kümmerte sich nicht um die Blicke, als er sich auch der restlichen Kleidung entledigte und in den Weiher trat.

Das Wasser musste eiskalt sein, doch der arthergische Soldat reinigte sich mit einer Sorgfalt, die Alsra selbst als Prinzessin überraschte. Sorgfältig fuhren seine Hände über jeden Flecken Haut, den sie erreichen konnten. Inbrünstig vertieft vollführte er seine Reinigung, als wäre dies seine Art von Gebet. Es war ein reiner und auf seine Art heiliger Moment, dem sie sich nicht entziehen konnte, obwohl es tief in ihrem Inneren einen Punkt gab, der dies als unschicklich empfand.

„Gibst du mir meinen Beutel?“, bat er sie, nachdem er seine Wäsche beendet hatte.

Alsra ging zu dem aufgebauten Lager, wo Jiadrahm und Rivadiers Söhne zusammengerollt schliefen und kam mit Assurs Beutel zurück.

Sie wandte sich ab, als der Oleoner sich erneut ankleidete und versenkte ihre Finger in dem Fell ihrer Hündin.

Als sie aufblickte, hatte Assur seine Kleidung wieder angelegt, doch trug er zwar seine Rüstung, nicht aber seine Uniform. Stattdessen war er damit beschäftigt, etwas, das wie ein geflochtenes Band aussah, in komplizierten Mustern um seinen Körper zu schlingen.

Obwohl sie es noch nie gesehen hatte, verstand sie, was es war. Und ebenfalls erkannte sie, dass dieses Bad für ihn viel mehr als nur die Reinigung von Schmutz und Ungeziefer gewesen war, sondern Reinigung von Körper und Geist, von Erinnerungen und Zeiten der Gefangenschaft.

Sie schalt sich selbst, dass sie vergessen hatte, dass er selbst ebenso wie sie niemals freiwillig nach Artherg zurückgekehrt wäre.

„Nach Oleon also?“, flüsterte sie leise, als versuche sie der Bedeutung dieses Momentes gerecht zu werden.

„Nach Oleon.“, bestätigte Assur, „In die Heimat.“.

Fast hatte sie vergessen, wie sich dieser Begriff anhörte.

 

 

Hungrig fraßen sich die Fackeln durch die Finsternis der Nacht und verrieten, dass die Ruine der einst so stolzen Festung nicht verlassen war. Als dunkler Schatten erhob sich Winterflucht unter dem glitzernden Sternenhimmel. Eine Sternschnuppe verblasste soeben und auch wenn Hiskijar nicht an ihre Wunschmacht glaubte, so war er sich gewiss, dass in diesem Moment mehr als ein Zwillingsreichler den Wusch entsendete, dass sein Land über die Eindringlinge triumphieren würde. Doch Träume würden nichts an der Situation verändern, dies lag allein in der Möglichkeit der Taten.

Ein Versprechen war es, das ihn an diesen Ort der Niederlage getrieben hatte, doch wie es aussah, war er zu spät gekommen. Artherg hatte schneller und härter zugeschlagen, als er es für möglich gehalten hatte. Oder die Zwillingsreiche hatten idiotische Befehlshaber gehabt, denn er persönlich hätte sich nie auf einen offenen Kampf eingelassen.

Ein letztes Mal blickte Hiskijar zu der fernen Andeutung eines Wäldchens hinüber, wo er Malèhlti angebunden hatte. Er hoffte, dass es weit genug entfernt war, um keine Patrouillen anzulocken.

Dann verschwand er in der Dunkelheit, um herauszufinden, was mit Havinons Tochter geschehen war. Er war kein Mensch, der gerne Versprechen brach, vor allem, wenn er die Menschen gemocht hatte, denen er diese gegeben hatte.

Vorsichtig verschmolz er mit dem Schatten der Mauer, von wo er sich langsam vorwärts tastete. Einzelne Steine waren heraus gebrochen und kreuzten seinen Weg.

Dann erreichte er die Stelle, wo vor wenigen Tagen noch ein Tor aus Eichenholz gestanden hatte.

Der Geruch von verbranntem Holz stieg ihm in die Nase und als seine Hand die Mauer entlang strich, war sie schwarz von Ruß.

Das Licht einer Feuerschale leuchtete über ihm und als er durch das Tor schräg nach oben blickte, sah er einen Soldaten auf dem Wall, der sehnsüchtig zum Feuer blickte.

Narr! Das direkte Blicken ins Feuer blendete ihn, so dass es keinen Unterschied machen würde, wenn er seinen Posten verlassen würde. Wenn dies eine Festung im Belagerungszustand sein würde, dann wäre er jetzt tot und die Festung aufgrund seiner Unaufmerksamkeit gefallen.

Ohne, dass der junge Mann ihn bemerkte, schob Hiskijar sich durch das Tor und in das Halbdunkel der Ruinen. Steine, verkohlte Balken und Leichen waren alles, was von diesem Stolz der Zwillingsreiche geblieben war.

Es war sieben Jahre her, seitdem der ehemalige Rittmeister diesen Ort zuletzt aufgesucht hatte, doch es schmerzte ihn, diese Festung nun gebrochen zu sehen, unfähig, jemals wieder aufzuerstehen.

Mit einem wachsamen Auge auf die Wachen bewegte er sich durch die zerstörte Anlage, in der Hoffnung einen Hinweis auf Alsras Schicksal zu finden. Doch sowohl die große Halle als auch der Bergfried waren bis zur Unkenntlichkeit zerstört, jegliche Besitztümer in der Feuerbrunst verbrannt.

Den Geheimgang fand er dennoch wieder. Damals hatte er ihn zufällig entdeckt, jetzt fand er ihn nur, weil er wusste, wo er lag.

Das Holz der Falltür war ebenfalls verkohlt und sie knarrte, als er sie vorsichtig anhob. Wieder konnte er nur die Unaufmerksamkeit und Unintelligenz der Wachen bewundern.

Im Gang war es kühl und finster, der Gestank von Ruß und Feuer war nicht bis hier gedrungen.

Erst als er das Ende erreichte, roch er das Blut. Es war offensichtlich, dass hier ein Kampf stattgefunden hatte. Neugierig hockte Hiskijar sich vor Beginn des Ganges nieder und begann die verwirrenden Spuren zu lesen, die sich in der dunklen Erde abzeichneten.

Das Mondlicht, das helle Strahlen reinsten Weißes durch den Eingang hineinschickte, reichte nicht aus, etwas zu erkennen. Doch verrieten auch seine Finger ihm einiges. Einige Personen hatten hier gehockt und sich verborgen. Kleinere Abdrücke deuteten auf Kinder hin. An der Seitenwand fand er getrocknetes Blut und noch etwas Anderes, das er aufgrund des schwachen Lichtes draußen untersuchen musste. Jemand hatte diesen Gang als Fluchtweg genutzt und mindestens eine Person von ihnen war verletzt.

Ein angebrochener Pfeil deutete auf einen Kampf hin, vielleicht waren sie vor der Öffnung erwartet worden.

Einen Moment lauschte er auf Geräusche, dann wagte er sich durch den Gang nach draußen.

Im Mondlicht untersuchte er das, was er an der Felswand abgekratzt hatte und erkannte die Farbe, mit denen die Zwillingsreichler ihren Königsstand schmückten. Das Beige deutete auf die eingeheiratete Frau eines älteren Prinzen hin. Da die Königsfamilie es pflegte untereinander zu heiraten, gab es nur eine Frau, auf die diese Farbe passte: Jiadrahm, Gemahlin des Kronprinzen Rivadier, jedoch kein Teil der Königsfamilie.

Interessant.

Spuren des Kampfes zogen sich über einen großen Teil des Bodens. Das Heidekraut war vom Blut durchdrungen und der Boden war durch Waffen und andere Zeichen des Kampfes von Wunden überzogen. Ein arthergisches Wappen hatte sich in den Boden gedrückt und es fanden sich Stofffetzen von Uniformen der Zwillingsreiche. Hier hatte ein erbitterter Kampf getobt, wenn auch nicht hervorging, wer der Sieger gewesen war.

Doch führten Spuren fort in ein kleines Waldstück und dort fand Hiskijar endlich den unumstößlichen Beweis, das Alsra entkommen war.

Das Erste, was er fand, waren die Exkremente eines Hundes, der mindestens derselben Rasse wie Alsras Hund angehören musste. Der weitaus Bedeutenderer war jedoch die Botschaft, die er fand. Sie war ohne Zweifel gut verborgen und nur jemand, der den Überbringer kannte, vermochte es, sie zu lesen.

Es war nicht mehr als ein Seil, das wie vergessen zwischen Laub lag. Doch es gab nur ein Volk, das ihre Schriftzeichen als Knüpfwerk ausdrückte und Hiskijar hatte zumindest gelernt, einige Zeichen zu erkennen.

Beruhigt brach er kurz darauf wieder auf. Alsra war außerhalb seiner Reichweite, doch ebenfalls aus der Arthergs. Assur würde sie nach Oleon bringen, das zwar eine arthergische Provinz war, diese Fesseln jedoch am Liebsten abwerfen würde.

Alsra würde ihren Kampf alleine fechten müssten, ihn rief sein eigenes Land und er würde sich scheuen, Servina dieses Mal im Stich zu lassen.

 

Comments

  • Author Portrait

    Wie schade, jetzt ist es wirklich schon zu Ende, und das, wo es mit dem gerissenen Händler, Alsras Flucht und so manch anderem wieder so spannend ist. Vor allem habe ich das Gefühl, dass die Geschichte erst jetzt so richtig losgeht. Weißt du denn schon, ob und wann du weiterschreiben wirst? Es wäre wirklich schade, wenn diese Geschichte unvollendet bliebe. Sie gehört nämlich mit zu den fesselndsten und durchdachtesten Fantasy-Geschichten, die ich online je gefunden habe. // Bei den ganzen Listen, die du noch gepostet hast, merkt man erst mal, wie viel Arbeit in der Geschichte stecken muss. Beim Lesen war mir gar nicht bewusst, dass sooo viele Personen erwähnt wurden. Läppert sich ganz schön. // Ach ja, was mir im Text noch oft aufgefallen ist und du vielleicht noch in deine Überarbeitungsliste aufnehmen könntest: Bei Konjunktionen wie denn (und, ich glaube, teilweise auch aber, dennoch und evtl. noch ein paar andere) vertauscht du gern Subjekt und Verb (Bsp. „denn spie er auf den Boden“ statt „denn er spie auf den Boden“) und ich bin jedes Mal drüber gestolpert. ^^

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media