5. Ein Biss für zwei

Wir fuhren eine ganze Weile bis Owen das erste Wort, sagte. Ich hatte es als Segen empfunden, dass er zur Abwechslung keine scheiße laberte. Das Grinsen konnte ich ihm leider nicht aus dem Gesicht wischen.
„Weißt du, woran mich das erinnert?“
„Sag es nicht, Himmel, sag es nicht, oder ich fahre die Klippe hinab.“
„Da gibt es doch diese Serie.“
„Ich warne dich.“
„Ich sag nur, carry on wayward son ... !“, sang er laut, damit boxte ich ihn und brachte ihn zum Schweigen. Er moserte vor Schmerz. Was ich recht gut ignorieren konnte.
„Mann sei doch nicht immer so ein Miesmuffel.“
„Miesmuffel, wo bin ich gelandet?“, fragte ich mich selbst. Ich versuchte mich weiter, auf die Straße zu konzentrieren. Seine Anspielung ließ mich dennoch nicht los.
Denn sie zeigte, dass es auf der Welt Anspielungen auf uns gab. Dass Menschen zeigen wollten, was in den Schatten lebte. Und doch tat es jeder ab. Auch wenn es nicht immer der Wahrheit entsprach, Anspielungen gab es immer. Genau wie vor Jahrhunderten. Gut enden, tat es nie. Wie man an meinem lebenden Beispiel sah.
Ich drängte die Gedanken zurück, in denen so viele Beispiele hinauf gespült wurden. Unzählige Menschen, die als Märchenerzähler galten, Filme Macher, Werbe-Heinis. Natürlich waren nicht alles Zeichen. Doch viele dieser Leute wussten um die Welt neben unserer und hatten das dunkle der Nacht in ihren Geschichten eingebaut, um die Menschen zu warnen. Doch wie wir Menschen nun mal waren, waren wir ignorant und engstirnig in der Annahme wir seien allein.

Einen halben Tag waren wir schon gefahren. Bald würden wir in einem kleinen Dorf ankommen in dem etwas Böses vor sich gehen sollte. Menschen die verschwinden, und wie Zombies wieder auftauchen. Tote Mädchen, die im Wald gefunden wurden. Ein verlassendes Haus, aus dem schreie zu hören waren. Doch das Wichtigste ... Die Todesrate war auf ein Vielfaches angestiegen. In nur einer Woche auf das zehnfache. Was wohl bedeuten würde, wir hätten mit der Polizei zu tun.
Nie eine erfreuliche Zusammenarbeit. Das diese Leute nie mitten in eine Jagt geraten waren, in denen sie den Monstern begegneten, war mir schleierhaft. Vielleicht hatten sie es nie überlebt oder waren selbst welche von ihnen. Anders erklären konnte ich es mir nicht.
„Wo beginnen wir?“
„Bei den Leichen. Erst die Alten dann die Frischen.“
„Wunderbar“, sagte Owen, während er ein Kreuzworträtsel löste. Wir mussten aufpassen, welche Taktik wir verwendeten. Da die vermehrte Polizei auch die Bürger schneller reagieren lassen würde. Würden wir erst die Gräber ausheben. Erst wenn dies nicht fruchtete, würden wir in die Leichenhalle einsteigen. Wenn nötig den Nachtwächter für ein paar Stunden ausschalten und unseren Job machen.
Gesagt getan. Wir standen an einem der Drei Gräber mit Schaufeln bewaffnet.
„Welchen nehmen wir?“, fragte Owen, während er die drei Gräber betrachtete. Ich schnaubte und nahm das Rechte, so begann er in der Mitte.
„Was stand nochmal im Bericht?“, fragte er nach halber getaner Arbeit.
„Keine ersichtliche Todesursache. Wurden alle im Wald gefunden. Ohne Spuren, ohne Fingerabdrücke. Sie haben nichts.“
„Es waren nur Frauen.“
„Und alle im Alter von anfang zwanzig bis dreißig.“
Ich rammte die Schaufel in die harte Erde. Bald würden wir wissen, womit wir es zu tun hatten. Ich hatte schon eine Ahnung, doch wissen war Macht. Es brauchte nur ein weiteres Mal, in dem ich die Schaufel in die Erde stieß und ein dumpfer Laut ertönte.
„Owen.“ Er sprang aus seinem Loch und kam herüber. Ich legte alles so weit frei und öffnete den Sarg.
„Wie?“ Owen sah verwirrt aus.
„Du bist nicht erst seit gestern Jäger“, sagte ich genervt und blickte in den leeren Sarg.
„Echt jetzt Vampire? Ich dachte, der Hype hätte sie endgültig unter die Erde gebracht. Plötzlich waren sie beliebt, denk nur mal an ...“
„Nenn sie bloß nicht Vampir. Das letzte Mal als ich einen Upir traf zeriss er den Jäger, der ihn so nannte. Anscheinend fühlen sie sich diskriminiert.“
„Ernsthaft?“
„Verdammt ja. Jetzt Hals maul und hilf mir die Nächste auszugraben.“ Ich war jetzt schon genervt von seinem Gebrabbel.
Die Nächste war relativ schnell durch Owens Vorarbeit freigelegt. Auch diese Frau fehlte in ihrem Grab.
„Also ein waschechter Upir. Die gab es seit Jahren nicht.“
„Wie es scheint, sind sie zurück.“ Die Dritte mussten wir nicht erst freilegen. Wir begruben also leere Särge und machten uns auf zu der Leichenhalle.
Da es ein sehr verschlafendes Örtchen war, gab es in einer kleinen Klinik nur einen Nachtwächter und ein paar Schwestern. Es war eine Leichtigkeit an ihnen vorbei in die nicht besetzte Leichenhalle zu kommen. In Großstädten gab es Schichtdienst, was unsere Arbeit bei laufendem Betrieb deutlich erschwerte. Hier war es ausnahmsweise ein Kinderspiel.
Drinnen angekommen legte ich den Lichtschalter um. Die Halle lag im Keller, dorthin wo so schnell niemand sehen würde, was wir trieben.
„Mangelhafte Sicherheit.“
„Sei froh Idiot.“
„Arschloch", konterte Owen. Ich musste grinsen.
Die Halle war nicht groß. Gerade mal zehn Fächer hatten sie und einen Tisch. Der Raum war generell sehr beengt.
„Los gehts.“ Owen zog seine Machete ich mein Messer. Beides würde den Vampweibern nicht gefallen. Die Hälfte der Fächer war mit den Opfern des vermutlichen Upirs gefüllt.
Ich nahm ein taktisch kluges Fach, das in der Ecke lag und uns im Notfall nicht den Ausweg versperrte. Mit einem Ruck öffnete ich es. Owen stand bereit hinter mir. Doch die Frau rührte sich nicht.
„Entwarnung?“ Ich nickte. Sie mussten erst nach der Beerdigung erwachen. Ich sah mir die leichenblasse Frau genau an. Sie war schön und Jung. Wäre sie nicht so blass, hätte man gemeint sie würde schlafen.
„Und?“, fragte Owen. Ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Die Ungeduld in Person. Ich zog mein Messer zur Vorsicht. Würde sie Zähne Zeigen, würde sie mein gesegnetes Messer zwischen die Augen bekommen.
Ich öffnete ihren Mund. Ihre Zähne sahen normal aus, was wohl daran lag, dass sie erst nach der ersten Erweckung eine Veränderung durchlebten. Meistens vielen sie aus und wuchsen Spitzer nach. Danach konnten sie diese nach Belieben hinausfahren, was ein schmerzvoller blutender Anblick war. Jedes Mal wenn sie ihre Zähne ausfuhren, bluteten sie wie Sau. Wenn sie dann einen Menschen bissen, mussten sie ihn völlig aussaugen, damit er sich nicht auch verwandelte. Was ihnen natürlich nicht schwerfiel, einen Menschen abzuschlachten. Wollten sie es doch, bissen sie ihn und ließen dann von ihm ab. Die zweite Möglichkeit war unauffälliger und harmloser. Der Upir sorgte dafür, dass der Mensch sein Blut aufnahm. Innerhalb Tagen starben sie ohne viel aufsehen, woran konnte keiner sagen. Nach Stunden würden sie dann erwachen und sein wie ihr Schöpfer. Der gemeinsame Nenner war bei allem ihr Blut. Höchst ansteckend, wenn es in die eignende Laufbahn geriet. Wenn es passierte, war es für den Infizierten bereits zu spät. Er würde sterben und als etwas ganz anderes erwachen. Den Menschen vor seinem Tod gab es dann nicht mehr.
Ich nahm mein Messer und berührte ihre Haut. Es passierte nichts. Also schnitt ich sie und da war es. Ihre Haut glühte leicht, sie begann, sich in Asche zu verwandeln. Sekunden später hörte es auf und die Haut regenerierte sich.
„Scheiße“, hauchte Owen.
„Kannst du laut sagen.“
„Nein ich meine die Augen!“ Ich blickte in die hell leuchtenden Augen, nur um in der gleichen Sekunde von der Furie umgeworfen zu werden.
Owen hatte nicht die richtige Position, um mit der Machete zuzuhauen. Ich verlor das gleichgewischt und viel mit der nackten Frau zu Boden. Diese versuchte mir ihre Stummelzähne in den Hals zu rammen, ich hielt sie davon ab. Hatte jedoch mühe, da das Weib verdammt starke Kräfte in der kurzen Zeit entwickelt hatte. Owen riss sie von mir hinab nur, um als Nächster attackiert zu werden. Sie schleuderte ihn gegen die Wand. Wie eine Wild gewordene Bestie klapperte die Frau mit den Zähnen, die Augen weit aufgerissen. Ich kam hoch und stach ihr in die Rippen. Sie schrie auf und schlug zurück. Mit voller Wucht schleuderte ich zurück und donnerte gegen die metallenen Türen. Als Antwort bekam ich ein Donnern zurück. Die Weiber waren alle samt erwacht und hämmerten gegen die Türen ihrer Leichenzelle.
„Wir haben ein Problem!“
„Was du nicht sagst“, brüllte Owen, der die Leichenbahre zwischen sich und das Weib gebracht hatte. Ich musste Grinsen bei dem Anblick, das Owen versuchte, sie damit von sich fernzuhalten. Sie sprang grazil und mit gespreizten Beinen auf die Barre.
„Wow!“, schrie er schockiert.
„Schlag zu Vollidiot!“, schrie ich, als die Frau fauchte und ausholte. Sie konnte Owen leicht das Genick brechen.
„Mach vor!“, schrie er lachend zurück. Ich löste mich von der metallenen Wand und schnellte auf das Weib zu. Mit einem Sprung war ich bei ihr, riss sie mit mir hinab und nahm sie in den Würgegriff. Owen entwendete mir das Messer, uns stach ein paar Mal zu. Bis sein Messer zwischen ihren Augen landete. Nur Knapp verfehlte es mich, als es aus ihrem Hinterkopf hinaus trat. Sie sackte zusammen.
Fürs Erste.
Owen trennte ihr den Kopf von den Schultern. War das geschafft, begann sie sich in Asche aufzulösen. Leichte Glut glühte unter ihrer fahlen Haut, sie zerfiel in ein kleines Häufchen Asche und erlosch.
„Reine Sache.“ Zum Antworten hatte ich keine Zeit. Das Donnern aus den Boxen wurde leise. Ich wendete mich um.
„Himmel Arsch und zwirn“, fluchte Owen.
Vor uns standen vier wütende Vampweiber, die nicht aussahen, als hätten sie vor die Sache auf sich beruhen zu lassen.
Wir gingen in Deckung.
„Zwei, Zwei?“, schlug ich vor, Owen willigte ein. Und so entstand ein lautstarkes Gemenge. Die Polizei war sicherlich schon auf dem Weg. Die Frauen waren stark, kratzten, kniffen und bissen. Dennoch zog einer nach dem anderen den kürzeren. Die Prügelei hatte es in sich, es gab Messerstiche, Faustschläge. Owen fluchte die ganze Zeit vor sich her, beleidigte die toten Frauen bis aufs Blut, was ihm Fauchen und kriechen einbrachte. Doch am Ende waren wir es die mit Asche bedeckt im Raum aufrecht standen. Außer Atem und sichtlich mitgenommen, aber lebend.
„Verschwinden wir.“ Ich eilte hinaus, der Flur war hell beleuchtet. Was nichts Gutes hieß. Wir nahmen den Weg nach hinten. Tiefer in den Keller hinein. Es musste einen Hinterausgang geben. Allgemein hatte die ganze Sache nicht lange gebraucht. Wir kamen an eine Treppe, nahmen diese und schnellten zum Hinterausgang, der zur Parkanlage führte. Dort liefen wir nach hinten durch die vereinzelten Husergärten und in eine Nebenstraße, wo mein Jeep wartete.
Wir stiegen ein. Owen hustete Asche. Alles in allem waren wir mit ihren Überresten von oben bis unten besudelt, schwerere Verletzungen als ein paar Kratzer gab es nicht.
„Wir hatten Glück.“
„Sicher? Das sah anders aus.“
„Wären sie bereits verwandelt, hätte ein Biss genügt, deswegen hasse ich die Viecher“, erklärte ich.
„Trotzdem, das tat gut“, schnaubte er atemlos.
„Frauen den Arsch zu versohlen?“, fragte ich.
„Das auch.“ Er hob kurz die Augenbrauen, als er mich ansah. In deinen Augen lass ich eine seltene Gelassenheit. Es tat ihm gut das Anwesen Hawk zu verlassen und ich konnte es ihm nicht verübeln.
Ein Klatschen erhielt unsere Aufmerksamkeit. Wir zogen beide die Waffen und richteten sie auf den Rücksitz.
„Miststück“, fluchte ich, während ich sie genau im Visier hatte.
„Hunter.“ Die Unbestimmte hob grinsend die Hände. Dass sie ein durchsichtiges TOP trug, dass wunderbare Sicht, auf ihren schwarzen Spitzen-BH entblößte, machte es nicht leichter. Auch ihre Haare waren mal wieder von einer anderen Farbe besudelt. Diesmal in einem Grau mit unzähligen Locken. Ihr verführerisches grinsen, ließen mich die Zähne zusammenbeißen. Sie bemerkte es gleich mit ihren saphirblauen Augen.
„Wer ist das?“
„Ich bin eine Freundin.“
„Sicherlich nicht.“
„Ich bitte dich, Hunter. Du kannst ruhig die Wahrheit sagen. Ich habe ihm bei einem Fall geholfen.“
„Nein.“
„Was denn jetzt?“, fragte Owen. Während er weiter die Waffe auf sie richtete. „Ist sie nun Freund oder Feind?“
„Weder noch“, antwortete sie. „Ich bin seine Geliebte.“
„Du hast eine Geliebte?“
„Scheiße nein!“ Die Situation wurde immer dämlicher.
„Wir müssen langsam. Die Polizei ist nicht weit und ihr beiden seht nicht gerade unschuldig aus.“ Sie deutete auf die von Asche gefärbte Kleidung.
„Sie hat recht.“
„Verdammt!“ Ich richtete mich nach vorn und fuhr los. Die Hexe war momentan mein kleinstes Problem. Owen jedoch ließ die Waffe nicht sinken und richtete sie weiter auf unseren unangemeldeten Gast.
Kurz vor der ersten Straße, legte ich die Hand auf seine Waffe und drückte sie hinab. Zu viel Aufmerksamkeit. Er nahm sie fort und sah mich an.
„Also kein Problem?“
„Momentan nicht.“
„Sag ich doch.“ Wir machten und auf den schnellsten Weg in ein Motel am Stadtrand. Dort würden uns wenige Augenpaare beobachten. Der Rezeptionist interessierte unser Aussehen nicht, sah nicht mal auf, weswegen wir umgehend sie Schlüssel bekamen. Die Klette an Hexe wurden wir dennoch nicht los. Sie folgte uns munter bis ins Zimmer.
„Nett.“
„Sag mal was hast du mit dieser Frau?“, fragte Owen, als er sich die Jacke entledigte. Sein Anblick brachte mich zum Grinsen. Sein ganzer Kopf, ein schmaler strich auf seiner Brust zur Hose hinab und die Hose selbst waren voller Asche. Der Rest war unter der Jacke geschützt gewesen.
„Sie ist eine Unbestimmte.“
„Ich habe auch einen Namen.“
„Eine echte Unbestimmte in deiner Nähe, was will sie gerade mit dir, Hexenjäger?“
„Ich habe keine Ahnung, sie ist eine grausame Klette.“
„Hallo!? Ich bin hier im Raum!“
„Hast schon an einen Hexenbeutel gedacht.“
„Ich habe einen im Auto.“
„Sowas hält mich nicht ab.“ Sie setzte sich beleidigt auf das Bett.
„Also eine starke Unbestimmte. Noch seltener.“
„Die Frage ist, ob ich sie erwürgen soll oder nicht.“
„Natürlich nicht? Ich bin immer noch hier!?“ Wir grinsten beide und wendeten uns ab. Owen ging ins Bad, wohingegen ich mich langsam entkleidete. Der Fall gegen das Metall hatte spuren hinterlassen. Mein Rücken schmerzte und auch die Blauenflecken und die Kratzer machten es nicht leicht. Diese Weiber hatten es in sich, und wenn man bedachte, das es von ihnen noch viele mehr gab, wurde mir leicht schwindelig.
Die Hexe kam zu mir herüber und half mir aus der Jacke. Ich konnte sie durch den Spiegel sehen. Ihre Belustigung war verschwunden, etwas Unbestimmtes blieb zurück. Es war kein Mitleid, war es Mitgefühl?
Ich ließ mich auf den Stuhl nieder. Der Rücken heulte auf, was mir ein Stöhnen entlockte. Es würde etwas dauern, bis diese Prellung vorüberging. Ich hielt mir die Schulter, um den Schmerz zu lindern. Dann sah ich mir die Hexe an, die genau hinter mir stand und mich beobachtete. Ihre Hände legte sie auf meine Schultern.
„Wie ist dein Name Hexe?“ Kaum hatte ich es gesagt, presste ich die Kiefer aufeinander. Erneut lockte sie mich aus der Reserve, erneut wusste ich nicht, was richtig und falsch war.
„Rachel.“
„Ist es dein richtiger Name Rachel?“ Sie nickte leicht. Ob ich ihr glauben konnte, wusste ich nicht. Hexen waren bekannt über das Lügen ihrer Namen. Zu viel konnte man mit ihnen anstellen.
„Ihr solltet Hilfe holen.“
„Hilfe?“ Ich lachte auf.
„Es sind viele.“
„Und wir sind Jäger.“ Nun blickte ich sie mit ernster Mine an. Ich war Jäger und ich würde einen Weg finden, sie zu vernichten, sie alle, bis auf den letzten Beißer.
„Du musst es nicht alleine machen.“
„Ich bin nicht allein.“ Sie legte den Kopf zur Seite und ich sah fort. Diese Frau wusste mehr über mich, als ich zugeben wollte. Eine Weile lang blieb es ruhig, bis ich bemerkte, wo meine Hand lag.
Sie lag immer noch, auf der Schulter doch sie war über ihre gerutscht, sodass meine nun auf ihrer ruhte. Ihre Wärme tat gut, linderte die Schmerzen, doch es war falsch.
Ich löste mich und stand auf. Der Schmerz war hart, doch die Distanz musste sein. Ich ging zum Bett und entledigte mich beschwerlich von dem Shirt. Mit einem Blick zum Bad hörte ich, dass Owen längst nicht fertig war. Ich blickte zu Rachel zurück. Sie stand mit verschränkten Armen vor dem Stuhl und sah mich an.
Das Schweigen ihrerseits plagte mich, also nahm ich ein neues Shirt.
„Wo willst du hin?“
„Raus.“
„Du bist verletzt.“ Sie kam zu mir herüber und hielt das Shirt fest.
„Was glaubst du ...“
„Wer ich bin? Ich bin eine Hexe Hunter, etwas was du nicht akzeptieren willst. Du glaubst, ich sei Böse, weil ich bin, was ich bin und trotzdem schnappst du dir nicht deinen Colt und jagst mir eine Kugel ins Herz.“ Mir drehte sich der Magen um bei dem Gedanken. Wie konnte das sein. Sie war eine Hexe und ja ich glaubte, dass sie alle zu einem Pack gehörten, doch wieso war es bei ihr anders?
„Du bist unbestimmt. Du bist weder gut noch böse.“
„Wer sagt das?“ Sie legte eine Hand auf meine Brust, genau dorthin, wo mein Herz verblieb.
„Wer sagt nicht, dass ich beides gut kann. Wer sagt, dass ich nie einen Mord begangen habe? Ihr kennt unsere Regeln nicht, unsere Lebensweisen. Ihr glaubt zu wissen und doch wisst ihr nichts Jäger.“
„Wieso bist du hier?“
„Das sagte ich bereits. Doch du hörst nicht zu. Du hörst nie zu.“ Sie stand so nah vor mir, dass ich ihren Duft von frischen Beeren fast schmecken konnte. Ihre Lippen waren leicht geöffnet, ihr Blick sprach von Trauer und leid. Ich wollte es lindern, wollte es beenden. Nur war es nicht richtig. Wir waren zwei Wesen einer so unterschiedlichen Art und vielleicht hatte ich recht. Vielleicht wusste ich nichts über sie, was genau der Grund sein sollte, mich von ihr fernzuhalten.

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beta
Fairy Dust

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