6.

Der Torbogen kam gerade in Sicht, als die Gruppe ins Stocken kam. Die beiden Gonaii waren stehen geblieben und hatten die Arme ausgebreitet um die anderen Mitglieder ab weitergehen zu hindern. »Was ist los?«, wollte De La Fuente wissen. Gunnardson, der hinter ihm stand, drehte sich um und betrachtete die beiden Marsianer. Ihre Augenfarbe hatte sich von Violett in Eisblau verfärbt und sie gestikulierten wild mit zwei Armen, während die anderen Arme weiterhin ausgebreitet waren. »Sie haben Angst.«, antwortete Gunnardson. »An diesem Ort sollen böse Geister hausen und sie wollen nicht, dass wir deren Ruhe stören. Sie fürchten deren Zorn.«

»Ach Papperlapapp«, wehrte De La Fuente ab. »Woher wollen sie das Wissen?«

»Es sind die Glyphen.«

»Wie bitte? Das kann nicht sein. Die Glyphen sind die gleichen wie bei den anderen Funden. Grob übersetzt steht da nur, das der Wanderer in Begriff ist die Stadt Tarkub zu betreten mehr nicht.« Bei der Erwähnung des Namens wurden die Bewegungen der Gonaii noch hektischer. »Erwähnen Sie diesen Namen nicht!«, fuhr Gunnardson De La Fuente an.

»Verstehen diese Barbaren nicht, dass sie mit ihrem kindischen Verhalten die Forschung behindern? Ich lasse mich nicht von diesen Wilden aufhalten. Wenn es sein muss, werde ich die Stadt auf eigene Faust erkunden!«

»Das werden Sie nicht tun! Ich werde versuchen einen Kompromiss auszuhandeln. Unsere Führer werden zurückbleiben, während wir uns in der Stadt umsehen und die Ruhe der Geister nicht stören. Und so lange werden Sie sich zurückhalten, ist das klar?«

De La Fuente nickte widerstrebend und murmelte mürrisch vor sich hin. Gunnardson unterhielt sich weiter mit den Führern, die nur widerstrebend in den Kompromiss einwilligten. Die Gonaii würden in die Höhle zurückkehren und auf die Rückkehr der Expedition warten. Als zusätzlichen Schutz, falls die Geister doch erwachen würden, würde die Gruppe das Strahlengewehr mitnehmen, welches die Marsianer als himmlische Waffe ansahen. Da alles gesagt war, trennten sich ihre Wege.

Die Strahlen der elektrischen Taschenlampen durchschnitten die Dunkelheit der riesigen Höhle und enthüllten Fragmente der untergegangenen Hochkultur von Tarkub. Riesige Häuser mit Kuppeldächern wurden für einen winzigen Moment aus ihrem Jahrtausenden währenden Schlaf geweckt. Gespenstisch hallten die Schritte der Expeditionsteilnehmer von den gigantischen Triumphbögen wieder und die Reste von gebrannten Ziegeln, die einst Bestandteil breiter und langer Prunkstraßen waren, knirschten unter ihren Füßen. Was in den Inneren der verlassenen Gebäude ruhten, würden sie wohl nie erfahren, denn De La Fuente hatte ein besonderes Ziel ins Auge gefasst. Es war das größte Gebäude der Stadt; ein gigantischer Bau, dessen Kuppeldach von mehreren tausend Säulen gestützt wurde. Begrenzt wurde das Areal von einem Ring aus minarettartigen Türmen und kein Tor hielt die Wissenschaftler davon ab in das Innere des Gebäudes vorzustoßen. Ein Gang führte die Gruppe in eine Halle, die vermutlich den größten Teil des Prunkbaus einnahm. Direkt in der Mitte der Halle standen vier steinerne Konstruktionen, die sich nach den Himmelsrichtungen orientierten.

»Ist das ein Thronsaal?«, fragte El-Hashem neugierig, während er über den Sockel einer der Konstruktionen strich.

»Es scheint so. Ein Doppelthron macht bei einem Königspaar noch Sinn, aber warum vier?«, erwiderte Korrapati.

»Die animistische Religion der Gonaii basiert auf der Zahl vier«, antwortete Chung. Verdutzt sahen Konstantinov und Korrapati den Theologen an. Sie konnten nicht begreifen, wie ein Mitglied des Ordens der zweiten Genesis sich ernsthaft mit der marsianischen Religion auseinandersetzte. »Woher wissen Sie das«, fragte Konstantinov an. Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Züge des Ordensbruders und weiße Zähne blitzten zwischen den schwarzen, sorgsam gestutzten Barthaaren auf. »Durch bloße Beobachtung und Schlussfolgerung. Die vier Elemente beherrschen ihren Alltag, sie besitzen Vier Arme, sie kennen die vier Himmelsrichtungen, eine Überquerung des Planeten auf dem Ahnenpfad dauert vier Marszyklen. Die Liste ließe sich noch beliebig lange fortsetzen.«

»Aber bisher ging die Forschung doch davon aus, dass es sich bei den Gonaii um einen Volk handelt, das den indigenen Kulturen der Menschheit ähnelt. Die bisherigen Funde haben keinen Hinweis geliefert, dass die Gonaii von dieser Hochkultur abstammen.«, warf De La Fuente ein.

Chung zuckte mit den Schultern. »Es gibt auch auf der Erde viele ungelöste Rätsel. Es würde mich nicht wundern, wenn die Gonaii, wie wir sie kennen, die Hinterbliebenen dieser untergegangenen Hochkultur sind. Denken Sie an das alte Babylon oder an Atlantis.«

»Und was hat dann zu diesem Wandel geführt? Auch etwa Gottes Zorn?«, wollte De La Fuente wissen.

Erneut zuckte Cheung mit den Achseln und wandte sich ab. Er wusste, dass er eine Sonderstellung in der Expedition darstellte und daher die eine oder andere Stichelei hinnehmen musste. Aber im Gegensatz zu manch anderen seiner Ordensbrüder verzichtete er darauf sich provozieren zu lassen und ging solchen Disputen aus dem Weg. Zumal er die Antwort auf die Frage nicht kannte. Stattdessen ging er weiter und betrachtete die Wände der Halle. In Regelmäßigen Abständen reihten sich detailreiche Malereien mit gemeißelten Glyphen aneinander. Den Anfang schien die Nordseite des Gebäudes zu bilden, wo die ersten Siedler in die Höhle kamen und die Stadt errichteten. Im Uhrzeigersinn ging es anschließend weiter, bis die Westseite mit einer Abbildung des Palastes und den Beherrschern endete. Vor einer Szene, die anscheinend ein traditionelles Begräbnis zeigte, stand Gunnardsons und musterte die Malerei interessiert. Er drehte sich um, als Chung sich ihm näherte. Dieser deutete auf die Wandmalerei.

»Interessant, nicht wahr? Haben Sie eine Vermutung, was es mit diesem Totenkult auf sich hat?«, fragte er. Ein Kopfschütteln war die Antwort. »Nein, leider nicht. Ich weiß nur, dass die jetzige Generation der Gonaii ihre Toten einbalsamiert und mit Gaben für die Geisterwelt zurücklässt. Somit werden ihre Angehörigen wieder eins mit dem Planeten und seiner Natur, die ihnen heilig ist.«

Chung deutete mit einer Hand in einen Gang, der von der Westseite der Halle leicht abfallend in die Tiefe führte.

»Meinen Sie wir sollten weiter hinein gehen?«

»Ich weiß nicht, ich mache das von der Gruppe abhängig.«

»Ich vermute, dass De La Fuente darauf beharren wird, diesen Gang zu erkunden. Und die anderen werden sich ihm anschließen.«, sagte Chung.

»Sie scheinen Bedenken zu haben. Hat das einen bestimmten Grund?«

»Es ist immer noch eine Ruhestätte und ich finde, die sollte nicht gestört werden. Besonders Grabschändungen sollten unterlassen werden, vergessen Sie nicht das Versprechen, welches Sie unseren Führern gegeben haben.«

»Ich weiß und das werde ich auch nicht brechen. Solange nur Daten gesammelt werden und keine Gräber geöffnet werden sehe ich kein Problem. Sollte jemand dagegen verstoßen, werde ich eingreifen.«

»Vielen Dank. Sie sind ein aufrechter Mann.«, antwortete Chung und ging weiter in der Halle umher. Es dauerte nicht lange, bis der Archäologe den Wandmalereien folgte und zu Gunnardson stieß, der immer noch den Gang, der in die Tiefen unter die Stadt führte, bewachte. Unentwegt murmelte er vor sich hin, während er den Bildern und den Glyphen folgte. Er achtete nicht auf seine Umwelt, bis er Gunnardson aus Versehen anrempelte. Perplex starrte er erst den Leiter der Expedition, dann den Gang und anschließend beide abwechselnd an. Er schien nur langsam zu begreifen, denn zu groß war die Menge an Informationen die er verarbeiten musste.

»Wir müssen diesen Gang erkunden!«, brachte er schließlich hervor.

»Erst möchte ich wissen, was uns dort erwartet. Sie scheinen ja einiges aus den Bildern und den Glyphen erfahren zu haben.«

»Es handelt sich um eine Chronik aus den Gründertagen der Stadt. Sie endet mit dem Tod der ersten Herrscher und der Errichtung der Nekropole, tief unter der Erde.«

»Und die wollen Sie untersuchen.«

»Was denn sonst? Wir haben hier die einmalige Möglichkeit die Existenz einer untergegangenen Hochkultur zu beweisen! Das wird unser gesamtes Bild vom Mars und seinen Bewohnern verändern!«

»Das mag sein, aber rühren Sie die Gräber nicht an.«

»Aber…«

»Keine Diskussion! Ich habe unseren Führern ein Versprechen gegeben und daran werde ich mich halten. Sollten Sie meinen die Kultur der Gonaii nicht zu respektieren, werde ich das in meinem Bericht erwähnen, der auch dem Komitee zur extraterrestischen Verständigung vorgelegt wird.«

De La Fuente war anzusehen, dass er Gunnardson am liebsten gewürgt hätte, aber er hatte keine Wahl. Der Expeditionsleiter stellte die Regeln auf, an die sich die Teilnehmer halten mussten. Verstöße wurden umgehend geahndet. Besonders wenn sie das friedliche Zusammenleben der Menschen mit den Marsianern betrafen. Um das sicherzustellen wurde das Komitee zur extraterrestischen Kommunikation gegründet, die jede Expedition überprüfte und im Falle eines Verstoßes entsprechende Strafen und Sanktionen verhing. Der Umfang reichte von einfachen Geldstrafen bis hin zum Berufsverbot als Forscher für das Institut für Xenologie. Letzteres konnte sich De La Fuente als junger, aufstrebender Wissenschaftler nicht erlauben.

Langsam ging die Gruppe den Gang entlang und dokumentierte dabei sowohl die Bilder als auch die Glyphen, die die Wände verzierten. Es wurde immer offensichtlicher, dass an diesem Ort eine Hochkultur existiert hatte, die jedoch wegen eines noch unbekannten Grundes untergegangen war. Der Gang schien sich kilometerweit zu erstrecken und führte sie hinab in die schier endlosen Tiefen des roten Planeten. Erst als das Licht ihrer Lampen den Rand eines Schachtes, der senkrecht in die Tiefe führte, erhellte, wussten sie, dass sie die Nektropole erreicht hatten. Rund um den Schacht standen Schalen verteilt, die einst die Nekropole erhellt haben mögen. In die steinernen Wände der Höhle waren Alkoven eingelassen in denen die Überreste der jeweiligen Herrschergenerationen in steinernen Sarkophagen ruhten, während vereinzelte Malereien die Geschehnisse der jeweiligen Dynastie festhielten. Allem Anschein nach fanden die Errichter der Nekropole die Höhle bei ihren Grabungen vor und formten sie nach ihren Vorstellungen um. So wurden weitere Gänge und Stollen errichtet, die als letzte Ruhestätte der Herrscher und Chronik für die Nachwelt dienten. Die meisten waren miteinander verbunden, jedoch endeten einige Stollen in einem toten Ende, das von einer Statue markiert wurde, die einen Gonaii mit einer großen, fächerförmigen Maske darstellte. Aus der Chronik ging nur hervor, dass bei den Grabungen die Geister der Tiefe gestört wurden und die jeweiligen Dynastien mit großem Unheil straften. Was genau das bedeutete, wurde nicht erwähnt. Der letzte Stollen, der auch anscheinend der jüngste war, unterschied sich von den anderen. Nicht nur, dass nur ein einziger Alkoven in die Wand gehauen, in dem ein Sarkophag lag, war, es gab auch keine Statue. Stattdessen lag ein mumifizierter Leichnam vor einer Wand, die anscheinend eine weitere Höhle versiegelte. In die Wand waren Glyphen eingeritzt, deren Autor wohl zu ihren Füßen lag. Gunnardson gab De La Fuente einen Wink und deutete auf die Wand. Dieser trat näher, musterte die Glyphen, schüttelte den Kopf und musterte sie erneut. Es schien als ob er nicht begreifen konnte, was dort geschrieben stand. »Was steht da?«, fragte Gunnardson unruhig. Dieser Ort ließ ihn schaudern. Der Archäologe räusperte sich und versuchte das gelesene so gut es ging zu übersetzen.

»Hier ruht Udarisia, der letzte Yitan von Tarkub. Möge sein Name für alle Zeiten verflucht sein, da sein Graben nach verborgenen Wissen Verderben über uns brachte. Ich, der ich Queelag heiße und das Amt des Höchsten Chronisten innehabe, hinterlasse diese Warnung im Angesicht meines Todes, auf dass jeder Wanderer diesen Ort meidet, da hier nur noch die Geister der Tiefe hausen.«

Einen Moment stand die Gruppe vor diesem Anblick und war unfähig sich zu rühren. Die Tatsache, dass sie hier vor den letzten Bewohnern Tarkubs zu stehen und eventuell sogar die Ursache ihres Untergangs zu finden erfüllte sie zeitgleich mit Unwohlsein und wissenschaftlicher Neugier.

»Kann es sein, dass er an einer Krankheit gestorben ist?«, fragte Konstantinov.

»Das kann gut sein. Über die Biologie und die Bakteriologie ist noch nicht genug bekannt um eine entsprechende Aussage zu treffen. Aber anhand der Position und der Unversehrtheit der Leiche, schließe ich eine Gewalteinwirkung aus. Was sagen Sie dazu, Monifa?«, erwiderte Korrapati. Die Angesprochene blieb ihm eine Antwort schuldig, ging auf den Leichnam zu und entnahm ihm von diversen Stellen Proben, die sie nach ihrer Rückkehr im Labor des Instituts untersuchen wollte. »Es könnte eine Art… Pest gewesen sein, die ausgebrochen ist. Ich bin gespannt was wir in der Lunge finden werden.«, antwortete sie schlussendlich. El-Hashem untersuchte inzwischen die Wand und kratzte eine Schicht ihrer Oberfläche ab. »Ich wüsste zu gerne, was sich hinter dieser Wand befindet.«, murmelte er.

»Das wollen Sie nicht.«, sagte Chung. »Es ist besser, wenn manche Dinge im Dunkeln verborgen bleiben.«

»Was soll schon passieren? Weder Bakterien noch Viren können die Filter unserer Schutzanzüge durchdringen. Und durch die Desinfektion werden sie auch nicht in die Kolonie gelangen.«

»Da wir keine Gewissheit haben, werden wir die Versiegelung nicht aufbrechen.«, schaltete sich Gunnardson in das Gespräch ein.

»Können wir wenigstens ein kleines Loch bohren um eventuelle Proben aus der Atmosphäre zu sammeln?«, fragte Monifa. Gunnardson dachte einen Moment nach. Sein Instinkt riet ihm von dieser Idee ab, aber es würde sicherlich nicht schaden, darauf zu achten wo die Bohrung stattfand und dass die Stabilität der Wand nicht gefährdet wurde. Schlussendlich nickte er und wies El-Hashem an die Wand vorher zu untersuchen. Der Geologe machte sich umgehend daran ein kleines, mobiles Röntgengerät aufzubauen und die Wand abzutasten, während De La Fuente die neuesten Entdeckungen in einem Memo festhielt. Korrapati und Afolayan standen über der Mumie gebeugt und unterhielten sich angeregt, während sich Konstantinov und Chung zurückzogen um die Malereien zu betrachten. Gunnardson trat ein paar Schritte zurück und verstärkte seinen Griff um das Strahlengewehr. Gebannt beobachtete er wie El-Hashem einen kleinen Handbohrer ansetzte und ein Loch in die Wand bohrte. Das herausrieselnde Gestein fing er auf und verstaute es in einem Behälter, den er beschriftete und zu den anderen Proben stellte. Ein heulender Luftzug zog durch das Loch und es schien als ob etwas in der Höhle, die sich hinter der Wand verbarg einatmete. Der Geologe leuchtete durch das Loch und versuchte etwas zu erkennen.

»Was sehen Sie?«, fragte Gunnardson. Noch ehe er Antwort erhielt zerbarst die Wand mit einem lauten Knall und jagte eine Wolke aus Schutt und Staub durch den Stollen. Ein starker Luftstrom wehte heulend durch den Gang und dröhnte in seinen Ohren. Gunnardson rief mehrmals nach allen anderen Expeditionsteilnehmern und erhielt bis auf El-Hashem eine Rückmeldung. Blind tastete er nach dem Geologen und stellte mit erschrecken fest, dass ein größerer Gesteinsbrocken sein Visier eingeschlagen hatte. Sein Gesicht bedeckte eine Schicht aus Staub und Blut. Der Wind hatte inzwischen nachgelassen und Gunnardson konnte endlich wieder klar hören.

»Korrapati! Kommen Sie schnell!«, rief er. Der Mediziner kam angelaufen, beugte sich über den Verletzten und schüttelte nur bedeutungsvoll den Kopf. Langsam erhob Gunnardson sich und blickte sich um. Der Staub legte sich langsam und er atmete auf, als er sah, dass die verbliebenden Expeditionsteilnehmer allesamt wohlauf waren. Die Gruppe versammelte sich am Durchbruch und blickte schweigend auf El-Hasheems Leiche.

»Was war das?«, frage De La Fuente. Gunnardson zuckte mit den Schultern. »Ich vermute, dass in dem Tunnel ein großer Überdruck herrschte, der durch die Bohrung entweichen und somit zum Bersten der Wand führte. Wollen Sie immer noch wissen, was sich dahinter befindet?«

Zögernd nickten die anderen. Nach einiger Zeit wich die Dunkelheit einem bläulichem Leuchten, das immer heller wurde, je tiefer sie gingen. Am Ende des Tunnels erreichten sie einen weiteren Durchgang, der sie zu der Quelle des Leuchtens führte. Sie befanden sich in einer Höhle gigantischen Ausmaßes, deren Decke mit einem bläulich schimmernden Moos bedeckt war, während auf der Boden der Höhle von unterschiedlichen, bisher unbekannten Pflanzen bedeckt war. Erstaunt blickten die Menschen auf ihren Fund und brachten kein Wort hervor.

»Mein Gott!«, flüsterte Konstantinov. »Träume ich oder sehe ich allen Ernstes blühendes Leben auf dem Mars?«

»Sie träumen nicht, denn ich sehe es auch.«, antwortete Korrapati.

»Es scheint als haben wir die marsianischen Gärten der Seramis gefunden.«, sagte De La Fuente.

»Oder den Garten Eden.«, flüsterte Chung. Moinfa war die erste, die sich aus ihrer Erstarrung löste. Mit wenigen Griffen entnahm sie den Multimodulextraktor und entnahm von einigen Pflanzen, die in ihrer unmittelbarer Umgebung wuchsen einige Proben. Als sie fertig war ging die Gruppe langsam weiter und erkundete den Rest der Höhle.

Staunend gingen sie eine breite Schneise entlang, die wohl einst eine Prozessionsstraße gewesen sein musste, die im Laufe der Jahrtausende von der unberührten Natur zurückerobert wurde. Bunte Kletterpflanzen umrankten gigantische Säulen, saphirfarbenes Moos bedeckte verfallene Mauern einstiger Prachtbauten und aus der Ferne drang ein leises Brummen an die Ohren der Menschen. Chung trat näher an eine der Säulen heran und streckte vorsichtig die Hand nach einem herzförmigen Blatt aus. Fast schien es, als würde es sich ihm entgegen recken und sich freiwillig in seine Hand legen. Erstaunt blickte er auf die unzähligen kleinen Härchen, die die Oberfläche des Blatts bedeckten und, ebenso wie alles andere, bläulich schimmerte. Sanft fuhr er mit der Hand über die Oberfläche und zog sie schnell zurück, als er plötzlich ein Stechen bemerkte, das sich zu einem Brennen ausdehnte. Verdutzt starrte er die Pflanze an. Hatten die kleinen Härchen die Schutzschicht seines Handschuhs gerade durchdrungen? Und wenn ja wie war das möglich? Schließlich waren die Anzüge so entworfen, dass nichts eindringen konnte. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Er musste sich geirrt haben, schließlich klang auch das Brennen langsam ab. Als er merkte, dass die Gruppe ohne ihn weiter gegangen war, setzte er sich in Bewegung um zu den Anderen aufzuschließen.

Je weiter sie der Straße folgten, desto stärker wurde das Brummen. Als sie schließlich in eine weitere, durchaus kleinere Höhle kamen fanden sie auch die Quelle des Geräusches. Haushohe Maschinen, unbekannten Zwecks füllten reihten sich aneinander und schienen immer noch zu arbeiten, obwohl die Flora sie bereits überwucherte. Der Bizarre Anblick vor einer Symbiose aus Technik und Biologie zu stehen, jagte allen einen eisigen Schauer über den Rücken. Gunnardson nahm das Strahlengewher von der Schulter und hielt es fest in den Händen. »Monifa, wie weit sind Sie?«, richtete er das Wort an die junge Biologin. Sie zuckte nur mit den Schultern. »Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es gibt hier zu viele Formen, aus denen ich Proben extrahieren kann. Ich habe kaum noch Behälter und ich müsste mit einem mobilen Labor arbeiten um alles katalogisieren und analysieren zu können.« Gunnardson nickte nur bestätigend. »Dann melden Sie sich, wenn Sie genug Proben gesammelt haben. Wir brechen anschließend auf, wir haben hier mehr als genug Zeit verbracht.«

»Hört ihr das auch?« Korrapati war etwas weiter vorgedrungen und stand vor einem Durchgang, der nicht von dem Moos erhellt wurde.

»Was?«, fragte Gunnardson.

»Ich meine, ein Klicken gehört zu haben.«

Gunnardson konzentrierte sich. Ja er hörte es auch. Es kam aus dem Durchgang, vor dem Korrapati stand. Und es wurde lauter. Langsam hob er das Strahlengewehr und legte den Finger um den Abzug. Was immer sich ihnen auch näherte, es musste groß sein. Er schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass es ihnen nicht feindlich gesinnt war und sich gegebenenfalls mit ein paar Schüssen wieder vertreiben lassen würde. Auch die anderen hörten inzwischen das Geräusch und hatten sich in einiger Entfernung zu Korrapati vor dem Durchgang versammelt. Dieser hatte inzwischen seine Lampen eingeschaltet und leuchtete in den Durchgang. Ja etwas Großes kam näher. Ein gigantischer, wurmartiger Leib schob sich aus dem Innern der Höhle. Die bleiche Haut des Wesens war mit einem feinen Netz, blau schimmernder Äderchen überzogen. Seine massiven, vielgliedrigen Beine klackten auf dem Boden, seine sich seine fünf Augenpaare auf die Expedition richteten bläulich schimmerten. Das Ding bäumte sich auf und entblößte dabei ein riesiges, rundes Maul, das mit tausenden rasiermesserscharfen Zähnen besetzt war. Das Brüllen, das diese Bestie ausstieß, lies die Wände der Höhle erzittern. Erst als Korrapati in dem Schlund der Bestie verschwand, fiel die Erstarrung von den anderen Mitgliedern der Expedition ab. »Zur Nekropole! Beeilt euch!«, rief Gunnardson, ehe er auf das Monstrum feuerte. Obwohl er traf, richtete der Schuss nichts aus. Im Gegenteil, das Wesen schien nur noch wütender zu werden und preschte vor. Fluchend drehte er sich um und rannte davon. Konstantinov, der gestolpert und hingefallen war, zerrte er einfach mit sich, während hinter ihm der Tod heranraste. Als der Meteorologe erneut stürzte bohrte sich eines der Beine des Ungeheuers durch seinen Oberkörper. Erneut feuerte Gunnardson und traf eines der Augen. Das Wesen brüllte schmerzerfüllt auf und zog sich etwas zurück, was Gunnardson dazu nutzte weiter zu rennen. Er blickte nicht zurück sondern ließ sich von seinen Instinkten leiten. Kaum hatte er den Raum mit dem Schacht im Boden erreicht, gab er den anderen zu verstehen sich in den Gang zum Thronsaal zurückzuziehen. Die Bestie hielt inne und verharrte am Rand und musterte die Umgebung. Erst jetzt sah Gunnardson, dass sein Treffer eines der Augen zerstört hatte. Ehe sich die Kreatur orientieren konnte, feuerte er erneut. Jedoch zielte er dieses Mal auf den Boden vor der Kreatur, sodass große Stücke abbrachen und die Bestie in die Tiefe stürzte. Erst als das Brüllen verklungen war, wagten die Anderen aufzuatmen und sich zu rühren.

»Was war das?«, stieß De La Fuente keuchend hervor.

»Ich glaube das war der besagte Geist der Tiefe, vor dem uns der Chronist warnte.«, antwortete Gunnardson.

»Wo ist eigentlich aus Konstantinov?«, fragte Chung, als er wieder Atem schöpfen konnte Gunnardson blieb ihm die Antwort schuldig sondern machte sich auf dem Weg zurück zur Höhle.

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beta
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