6. Loslassen oder Halten

Was zur Hölle war das? War es Rache? Murrend zog ich mein Kleid hinab und zog es über. Mal wieder hatte er mich benutzt. Ich zitterte am ganzen Körper, ohne seine Wärme war ich ein Eiszapfen. Weshalb ich mich auf dem schnellsten Weg hineinmachte und unter die warme Dusche sprang.
Ich stand unter dem warmen Strahl und doch bibberte ich. Es viel mir schwer zu stehen, meine Beine hatten nicht mehr genug Kraft. Also ließ ich mich an der Wand hinabsinken.
Wie konnte er nur so mit einem anderen Lebewesen umgehen? Wieso benutzte er mich auf diese schreckliche Weise? Was hatte ich dem Kerl denn getan? Mir lief eine Träne über die Wange. Ich fühlte mich schmutzig und falsch. Einen größeren Fehler hatte ich nie begangen.
Wie konnte ich auch? Eben hatte ich ihn noch gehasst und nun? Was empfand ich nun für diesen Psychopathen? Hass war es nicht, obwohl ich es sollte. Das war doch krank!
Ich war verletzt, nicht nur körperlich, innerlich mehr als ich es mir je eingestehen wollte. Wie sollte das nur weitergehen? Ich musste mir unbedingt mehr Schlösser zulegen, vielleicht sogar fortziehen. Ich würde es nicht noch einmal ertragen, von ihm so behandelt zu werden.
Mehr als eine Stunde saß ich unter dem dampfenden Wasser, als meine Haut drohte sich aufzulösen, stieg ich hinaus. Schnell war ich bekleidet und stand wieder unten. Die Veranda Tür stand immer noch offen. Ärger über mich selbst machte sich breit. Mit tropfenden Haaren stand ich im kalten Raum. Es war meine Schuld. Ich hatte es zugelassen. Mit Wucht schmiss ich die Tür zu und verriegelte sie.
Ich hätte es gleich stoppen können. Hätte es stoppen müssen. Es war nicht gut. Weder für ihn noch für mich.
Mein nächster Weg führte zum Sofa, wo ich mich einfach fallen ließ. Mir war zum Reden zu Mute, doch Mark konnte ich nicht anrufen. Die Mädels hatten sich immer noch nicht gemeldet. Meine Mutter würde nur einen Herzinfarkt erleiden, ihr konnte ich die Situation erst schildern, wenn es keinen Ausweg mehr gab. Ich nahm mein Handy und schrieb Kathy eine SMS.
»Hey, ich glaube wir müssen reden. Hast du Zeit? Bin Zuhaus.« Abby und Donna wollte ich nicht sehen, immerhin war eine der beiden der Hauptgrund, warum ich nun in diesem Schlamassel saß, abgesehen davon hätte Donna mich nicht verstanden. Es surrte.
»Bin unterwegs«. Also doch noch am Leben. Ich sah mich in der Wohnung um. Erblickte mich gegenüber im Spiegel und erstarrte. Was war das für ein Wesen? Mit tropfenden Haaren, glasigen Augen und bleich wie ein Nebeltag? Das war doch nicht ich.
„Scheiße so nicht!“ Ich ging ins Bad und richtete mich her. Das würde dieser Mann nicht mit mir machen! Ich hatte immer die Kontrolle über meine Gefühle, wieso war es nun anders? Mit überschwänglichem Enthusiasmus, machte ich mir einen Dutt, wusch erneut mein Gesicht und fasste mich. Kein Mann würde mich in ein weinerliches Häufchen verwandeln, auch nicht wenn er Samuel hieß! So nicht!
Ich redete mir einige Minuten Rückrad an, bis es an der Tür klingelte. Ich ging mit neuem Mut hin und öffnete sie. Was ich erblickte, gefiel mir nicht. Kathy sah aus, wie ich eben noch gewirkt hatte, doch das schlimme war. Sie war nicht allein.
Alex war bei ihr. Das Miststück traute sich noch in unsere Nähe!? Mein Mund presste sich zusammen, was ein schmales Grinsen ergab.
„Ich hoffe, es ist o. k. Sie war bei mir.“ Kathy Stimme kratzte, sie war zu Tode unglücklich. Ich nickte nett und deutete hinein. Sie war die Letzte, die ich sehen wollte. Weshalb es auch unter keinen Umständen o.k war, dass sie gerade jetzt hier auftauchte.
Alex grinste mich an, sie hatte den Braten noch nicht gerochen. Ich hätte ihr am liebsten das Grinsen umgehend aus dem Gesicht Gewicht! Doch das hatte Zeit ...
„Setzt euch.“ Ich ging in die Küche und wendete ihnen den Rücken zu. Ich kochte vor Wut. Mein Gesicht war heiß und prickelte. Meine Kiefer pressten sich aufeinander. Doch dann entspannte ich mich, bemerkte, wie die Hitze abließ und ich zur gespielten Ruhe kam.
„Kann ich dir helfen?“, ertönte die Stimme der Verräterin.
„Alles gut.“ Ich nahm drei Gläser aus dem Schrank und ging zu ihnen zurück. Ich würde sie noch früh genug häuten! Ich griff nach einer Weinflasche zu meiner rechten und schüttete einfach ein.
Mein Hintern bewegte sich um Sessel, von dort hatte ich die beiden fest im Blick. Kathy und Alex saßen auf dem Sofa. Die eine zu Tode betrübt die andere leicht grinsend zu mir blickend. Was in mir nicht nur den Wunsch nach Mord aufkommen ließ, sondern auch der nicht angerufen zu haben. Immerhin hatte meine beste Freundin dieses Biest zuerst angerufen und nicht mich.
War ich plötzlich abgeschoben? Dabei war es diese Schlampe schuld!
„Du siehst bedrückt aus.“ Ich sah Kathy an. Sie strich sich über ihr Kleid, rieb sich immer wieder die Handflächen. Sie war am Boden zerstört. Ich hingegen hatte mein volles Rückrad wieder erlangt und war die harte Geschäftsfrau, die ich schon lange hätte sein sollen. Ich sah sie erhobenen Hauptes an.
„Gestern, war eine chaotische Nacht“, begann Alex.
„Mit dir habe ich nicht geredet.“ Ich konnte ein Arschloch sein, was ich sie auch spüren lassen würde. Sie zog die Augenbrauen hoch und war still. Zu ihr würde ich noch schnell genug kommen.
„Als du auf mich zukamst, hätte ich mit dir gehen sollen“, sagte sie leise, ihre Augen füllten sich mit Tränen. Dieser Schmerz befiehl uns wohl alle. Was hatten diese Typen nur an sich? Was es auch für Drogen waren, sie mussten in der Szene boomen. Dieser Dunst ... Ich würde es schon noch herausfinden.
„Weiter.“ Sie blickte bedrückt auf.
„Du bist sauer.“
„Weiter Kathy.“ Sie atmete tief ein, um die Tränen zurückhalten. Hatte sie es verdient, dass ich mich so verhielt? Teilweise. Immerhin wendete sie sich an Alex, nicht an mich und ich hatte sie gewarnt. Sogar versucht sie abzuhalten, doch auf mich wurde mal wieder nicht gehört.
„Dieser Typ, er war -“
„Berauschend?“ Sie nickte.
„Ich konnte nicht, aufhören.“
„Ihr hattet Sex.“ Sie nickte und wurde knallrot. „Viel Sex und dann hat er dich rausgeschmissen“, ergänzte ich. Sie nickte erneut. Was für eine Masche, ich wettete darauf, dass es den anderen auch so ging.
„Nida ich -“
„Nein, schon gut“, unterbrach ich sie. Mit zitternden Liedern blickte sie mich an. Sie hatte es nicht verdient. Ich war ein Arsch, obwohl ich eine gute Freundin sein sollte. Sie war verletzt. Kathy war niemand, der einfach so mit jemandem schlief. Für sie musste eine Welt zusammenbrechen. Genau wie für mich, vor noch so wenigen Stunden.
Ich nahm einen großen Schluck aus dem Glas und faltete die Hände.
„Da geht es dir nicht anders wie mir.“ Sie erstarrte und blickte mich fassungslos an.
„Nida.“ Ihr liefen die Tränen über die Wange. Schuld, spiegelte sich in ihren Augen. Ich winkte es ab, als wäre es nichts, weshalb Alex die Stirn runzelte. Weshalb war das Biest hier? Um zu sehen, wie wir fallen?
„Schon gut, alles bestens.“ Kathy verstand meine Regung nicht. Sie wusste das ich ähnlich, wie sie zu solchen Dingen stand. Ich schlief nicht einfach mit einem Mann. Wo Samuel nun wohl die gravierende Ausnahme war. Ihr Blick verriet mir Trauer, leid und erstaunen.
„Ich hab es ihm bereits ausreichend gezeigt.“
„Gezeigt?“ Alex hielt sich bis jetzt raus, sagte noch kein Wort.
„Ich habe ihm seine Matratze über den Balkon entledigt. Das Teil war nicht mehr zu gebrauchen, weshalb es umgehend auf dem Mull landete.“ Sie prustete augenblicklich los. Herzhaft erfüllte ihr weiches Lachen den Raum, was mich zum Schmunzeln brachte.
„Wieso ist mir das nicht eingefallen?“ Ich schnalzte mit der Zunge.
„Dieser Idiot hat es nicht mal kommen sehen, abgesehen davon, dass er es verdient hätte, wenn ich seine ganze Habe über den Jordan geschmissen hätte. Wie hieß dein Herzblatt von Arschlochhausen den?“ Ich beobachtete Alex Reaktion genau, umgehend wurde ich belohnt. Sie hatte die Hände in den Schoss gelegt, eine davon ballte sich zu Faust. Sie lächelte mich an. Scheinheiliges Miststück!
„James.“ Sie blickte hinab.
„Oh mein Gott. Ist ja grausam! Ich hoffe, du hast unanständige Dinge geschrien, während ihr es getrieben habt.“
„Bitte?“ Sie sah mich grinsend an, auch wenn sie knallrot anlief. Meine Aufmunterung wirkte bereits.
„Na sowas wie ... Ja, böser Butler! Gib dir mühe! Ja schneller! Butler ja!“, schrie ich durch mein eigenes Haus voller Enthusiasmus. Es hallte an den Wänden wieder, während ich herzhaft stöhnte. Kathy lachte kriechend auf, der Abend war fast schon vergessen.
Es war wie Musik in meinen Ohren. Alex gefiel meine Vorstellung gar nicht, ihr Körper spannte sich an. Wann sie wohl explodieren würde? Es machte mir immer mehr Spaß, sie zu reizen und zu sehen, wann es wohl knallen würde.
„Wer war dein Ar...“ Sie sah mit einem flüchtigen Blick zu Alex, immerhin waren es ihre Freunde. „Arschloch?“, ergänzte ich. Sie blickte mich genau an, suchte etwas in meiner Mine. Sie ahnte wohl, dass ich nicht im geringsten so fröhlich war, wie ich tat.
„Samuel, das dicke Tier, das dich weggescheucht hat.“
„Dick?“, fragte sie belustigt, sie konnte sich denken, was jetzt kam, dafür liebte ich sie. Denn wie es schien, schwamm sie bereits mit mir auf der gleichen Wellenlänge.
„Ich wüsste sonst keine andere Beschreibung für dieses Ungetüm und sein mehr oder weniger gut bestücktes Würstchen.“ Sie kicherte. Alex verzog keine Miene.
„Das klingt nicht sehr großartig.“
„Ich bitte dich wie auch.“ Ich hoffte, das Miststück würde gleich platzen, es war nur noch eine Frage der Zeit.
„Und wie hat er ...“ Sie stockte, das Lächeln verschwand.
„Mich überredet? Samuel ist einer von der harten Sorte. Wie ein ...“ Ich sah mich um Raum um und suchte das richtige Wort. „Bulle. Wild, ungehobelt, Dicke Eier, zum Selbstreiten Reiten vielleicht, mehr auch nicht fürchte ich. Wirklich schade, denn ganz nett sieht er ja aus. Aber im Bett.“ Ich zuckte mit den Schultern. Alex schnaubte. „Ist was Schätzchen? Ist dir nicht gut?“ Sie verneinte mit einer kurzen Kopf Bewegung.
„Gut.“ Ich wendete mich wieder Kathy zu, ein Lächeln war in ihr Gesicht zurückgekehrt. Es würde so schnell nicht mehr verschwinden.
„Du scheinst es ihm gezeigt zu haben“, deutete sie vorsichtig an.
„Was heißt gezeigt. Er wollte mich benutzen und hat es im ersten Moment geschafft. Ich habe mich gerächt und dafür -“ ich hielt inne. Sollte ich es jetzt thematisieren?
„Dafür?“
„Sagen wir, es war nicht das letzte Mal und er wird es eindeutig bereuen.“
„Meinst du, er kommt wieder?“ Ich begann zu grinsen und sah zu Alex rüber.
„Ich weiß, dass er es wird.“ Ihr Blick war feurig, am liebsten hätte sie mich erwürgt. Kathy sah zwischen uns hin und her.
„Nida?“
„Sag mal Kathy, wieso ist Alex bei dir?“ Ich wendete den Blick nicht von ihr ab. Wir starrten uns wie zwei mordlustige Tiger an, die bereit zum Angriff die Krallen ausfuhren.
„Sie ist vorbei gekommen und ... Ich hab ihr alles erzählt. Ich hätte dich angerufen, doch dein Handy war aus.“
„Eher kaputt. Es stellt sich mir grad nur ein kleine Frage.“
„Welche?“
„Was die Hure noch will!?“ Ich sprang auf.
„Halte dich zurück!“, fauchte Alex. Drohte sie mir? In meinem Haus!
„Wieso sollte ich? Verlogene Schlange du kannst von Glück reden, wenn ich dir nicht die Augen auskratze!“ Sie trat um den Tisch, ich tat es ihr nach. Somit standen wir uns fast Nase an Nase.
„Du redest du nicht über ...“
„Deine schwanzlosen Freund?“, unterbrach ich sie. Sie blähte sich auf, war sie schon immer so groß gewesen? Doch im Gegensatz zu Angst, entfachte es in mir ein Wirbelsturm an Hass und Wut. All das, was sich mit Sam angestaut hatte. Sie wäre sicherlich stärker, doch machte es mir nichts aus die ein oder andere auf die Glocke zu bekommen, wenn ich damit endlich die Entladung aus Wut, Trauer und Zorn loswurde.
„Alex?“ Kathy klang enttäuscht. Wie konnte es sein, dass sie Alex nicht durchschaut hatte.
„Glaubst du wirklich, dieses Luder ist deine Freundin? Es ist alles ihre Schuld! Das Treffen ihre Idee, die Arschlöscher Ihre Freunde. Du bist eine wirklich reizende Fliegenfalle Miststück! Wie oft hast du schon Mädels in diese Bruchbude mitgebracht? Wie oft spielst du die Dienstbotin für diese bemitleidenswerten Wesen!?“ Kathy stand empört auf, es war, als würden ihr erst jetzt die Augen geöffnet. Sie entfernte sich von Alex und gesellte sich an meine Seite.
„Du hast gesagt, es war nicht beabsichtigt, das es ein Missverständnis war.“ So gutgläubig konnte auch nur Kathy sein. Alex war von dem plötzlichen Wandel nicht begeistert. Warum sie überhaupt aufgetaucht war, war mir ein Rätsel. Außer sie wusste, Kathy würde zu mir kommen, doch was hatte es für einen Sinn? Ich konnte mir einfach keine Erklärung für das Verhalten dieser Psychopathen bilden. Andererseits, konnte man das bei verrückten je?
„Du elendes Miststück.“ Ein Knurren kam aus ihrer Kehle.
„Alex du bist das Letzte!“ Ich machte erneut einen Schritt, nun standen wir Nase an Nase. „Sehe ich dich Fliege nochmal in unserer Nähe, kette ich dich wie eine Töle an einen Pfahl und glaub mir, du wirst den Tag bereuen, dich bei uns eingeschlichen zu haben.“ Ich war ganz ruhig, ohne jegliche Anzeichen von Wut flüstere ich diese bösartigen Worte. Sie presste die Lippen aufeinander. Wenn sie mir jetzt keine verpassen würde, wusste ich es auch nicht. Ich hätte es.
„Deine Worte, wirst du bereuen.“
„Das Einzige, was ich bereuen werde, ist meine Drohung nicht gleich in die Tat umzusetzen, Miststück.“ Ohne ein weiteres Wort ging sie an mir vorbei und aus der Tür. Sie knallte hinter ihr ins Schloss, die Wände bebten.
Ich atmete auf. Ich wartete eine Minute.
„Verdammtes Glück. Ich dachte schon, ich müsste ihr die Augen auskratzen.“, grinsend sah ich Kathy an. Ihr stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.
„Wie konnte ich nur so dumm sein?“ Sie ließ sich auf das Sofa fallen. Ich tat es ihr gleich.
»Böses Mädchen«, hallte seine Stimme in mir wieder. Ich musste grinsen, was er wohl darüber sagen würde, wenn Alex es ihm erzählt? Innerlich knisterte es vor Freude, die nächste Begegnung konnte kommen und würde sicherlich blutig enden.
Ich musste mir auf die Lippe beißen. Nie mehr würde er mich manipulieren. Nie wieder mich benutzen. Mein Rückrad war zurück und stärker als je zuvor. Das dumme Ding, von gestern war leider nicht mehr zu erreichen. Ich würde die Situation endlich unter Kontrolle bringen. Mein Grinsen wurde breiter. Das nächste Mal würde ich die Ketten in der Hand halten und ihn so richtig ficken.

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beta
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