7

Tausend Farben explodierten, als ich seine Zunge in meinem Mund spürte und sein Geruch berauschte mich so sehr, dass ich beinahe das Gefühl in den Beinen verlor und er mich festhalten musste. Das Denken fiel mir in dieser Sekunde unendlich schwer und so gab ich es auf. Für den Moment. Ich sollte meine Antworten schon noch bekommen.

Was war nur in ihn gefahren, dass er mich beinahe überfiel und grob an die Kabinenwand presste? Sein Kuss war hart, fordernd, heiß und machte deutlich, dass ihm nicht nach Schmusen zumute war. Vor mir stand ein Mann randvoll mit sexueller Energie, der wollte nicht nur Kuscheln. Und erschreckenderweise war mir das Recht. Sollte er mit mir machen, wonach ihm der Sinn stand. Alles war mir recht, wenn ich ihn nur haben konnte. Ich machte meine Hände aus seinem Griff los und schlang sie ihm um den Nacken, um ihn näher ranzuziehen. Sein Bärtchen kratzte mein Kinn, doch das war mir gleich. Ich spürte es kaum.

Als er sich einen Moment losmachte, um Luft zu holen, versuchte ich, seinen Blick festzuhalten und erschrak fast. Seine Augen waren dunkel, glitzerten und erinnerten zum ersten Mal wirklich an ein Raubtier. Ein lustvoller Schauer krabbelte über meinen Rücken, doch die Gelegenheit, etwas zu sagen, ließ er mir nicht. Er drehte mich mit dem Gesicht zur Kabinenwand, während er mir fest und zärtlich zugleich in den Nacken biss. Hitze brach in meinem Körper aus, als seine warmen Hände unter meinen Pullover glitten und über meine Haut fuhren.

»Was machst du denn...?«, hauchte ich so leise, dass ich vermutete, er hätte es nicht gehört, doch weit gefehlt. Er saugte leicht an meinem Ohrläppchen und ich spürte seinen Atem auf meiner Haut.

»I’m gay... just like you and you’re driving me crazy. I hardly found sleep during the last two weeks, ’cause I was thinking of you.«

Mein Herz machte einen Satz, als diese Worte in meinen Verstand vorgedrungen waren. Er hatte an mich gedacht? Wie ich an ihn? Hatte nicht schlafen können?

»Me too«, flüsterte ich.

»Ich dachte, du wüsstest es«, murmelte Tiger mit den Zähnen an meinem Nacken, doch ich schüttelte den Kopf.

Wie hätte ich das wissen sollen, wenn er nie auch nur einen Hinweis gegeben hatte. Ich hatte die Küsse als einen Scherz empfunden, weil sie immer in Verbindung mit einem Mistelzweig geschehen waren und er überhaupt nicht den Eindruck machte, für das andere Team zu spielen. Doch er tat es. Und er wollte mich. Ausgerechnet mich.

»Stop thinking«, hauchte er mir in den Nacken und ich keuchte leise, als seine Finger unter dem Shirt über meine Brustwarzen glitten. Er presste sich an mich und streichelte mich, bis ich tatsächlich aufhörte zu denken. Das Blut, welches das Gehirn dafür gebraucht hätte, wanderte nämlich, zu meiner Verlegenheit, immer weiter südlich ab. Ein Umstand, den auch Tiger mit einem leisen Lachen bemerkte und durch gezielte Berührungen schlimmer machte. Ihm ging es ähnlich. Da er dicht an mich gepresst stand, konnte ich ihn ebenso an meiner Hüfte spüren. Die Tatsache jagte einen weiteren heißen Schauer über meine Haut.

»I can’t stand it, Bunny. I wanna fuck you...« Seine Stimme zitterte und sein Atem kitzelte die erhitzte Haut in meinem Nacken mit einem Hauch von Kühle. Wieder biss er mich sanft und ich keuchte auf. Ich schwitzte und zitterte und hatte das Gefühl, würde ich die Wand loslassen, an die ich noch immer gelehnt war, würde ich zusammenbrechen. Seine Worte waren nur ein weiterer Tropfen, der mein Fass zum Überlaufen bringen würde. Ich war mir bewusst, was das bedeutete... was er tun wollte, aber ich hatte die vergangenen Nächte jede einzelne Nacht genau das geträumt – dass wir es tun würden, immer und immer wieder und ich wollte es. Ich wollte alles nehmen, was er mir zu geben hatte und so nickte ich schließlich und ließ es zu, dass er meinen Gürtel öffnete und seine Hand in meine Unterhose glitt. Als er nach mir griff, sah ich Sternchen und kniff die Augen zusammen. Ein Gefühl, heißer als Feuer, breitete sich von meinem Schoß aus in meinen ganzen Körper aus und ich stöhnte leise auf. Er kicherte und setzte unbeirrt seine Handarbeit und seine Knabbereien an Nacken und Ohrläppchen fort, während seine zweite Hand über meine Haut wanderte.

Ich keuchte, als ich seine Hand an meinem Gesäß spürte und zuckte, als er mich dort berührte, aber ich verspürte keine Schmerzen. So hart seine Küsse und seine Bisse waren, so sanft war er dennoch. Ich musste inzwischen am ganzen Körper glühen wie ein Hummer, so heiß war mir und das, was Tiger mit seinen Händen tat, sorgte für zusätzlichen Temperaturanstieg. Ich keuchte und jammerte leise vor mich hin und nahm kaum war, dass er darüber ein bisschen kicherte.

»You’re sure you want it?«, flüsterte er an meiner Wange und ich drehte den Kopf, um seine Lippen küssen zu können. Seine Zunge versetzte mir einen weiteren Schauer und ich zuckte unter seinen Händen zusammen. Ohne den Kuss zu unterbrechen, nickte ich und er löste sich von mir. Ich bekam nicht wirklich mit, was er tat, aber als ich etwas Feuchtes an meinem Hinterteil spürte, wusste ich, dass er sich auf die Finger gespuckt haben musste. Seine linke Hand streichelte noch immer meinen Rücken und massierte meine Haut, während seine Rechte was auch immer tat. Ich hörte ein metallisches Geräusch und schob es auf seinen Gürtel. Mit verschleiertem Blick und schwer atmend wandte ich den Kopf zu ihm um, um ihm zuzusehen und erschauderte lustvoll, als ich sah, wie es körperlich um ihn bestellt war. Er zitterte ebenso wie ich, ich hatte es nur nicht gemerkt. Sein Gesicht war gerötet und er hatte Schweißperlen auf der Stirn. Seine noch immer dunkel aussehenden Augen trafen auf meine und das Lächeln in seinem Gesicht war liebevoll. Seine rechte Hand lag auf seinem Gemächt, welches mir erschreckend groß vorkam, und seine linke strich mir über die Wange. Er trat wieder einen Schritt an mich heran und küsste mich, diesmal weniger hart, eher so wie beim ersten Mal, flügelzart und süß.

»Stay calm. It maybe hurts first«, sagte er leise und wanderte mit seinen Lippen über mein Ohrläppchen zurück zu meinem Nacken, von dem ich niemals gedacht hätte, dass es so erregend war, dort geküsst zu werden.

Ich spürte seine sanfte Berührung und auch seine Hand, die wieder nach vorne griff, um mich zu umfassen. Als er leichten Druck ausübte und sich schließlich in mich schob, schrie ich dennoch auf, denn es tat wirklich weh. Ich ballte die Hände zu Fäusten und biss die Zähne aufeinander, um es zu ertragen, während er leise, beruhigende Geräusche machte und über meine Haut streichelte. Es dauerte nur wenige Augenblicke – freilich kamen sie mir viel länger vor –, dann wurde der Schmerz weniger und wich einem anderen Gefühl. Einem, das gut war. Verdammt gut. Einem, das mich den anfänglichen Schmerz ziemlich schnell vergessen ließ. Ich stemmte meinen Kopf haltsuchend gegen die Kabinenwand und schlug mit den Händen immer wieder leicht dagegen, während Tiger in einem langgezogenen Rhythmus verblieb, der mich rasend werden ließ.

»Gut?«, brummte er schwer atmend.

»It feels good...«, presste ich hervor. Ein Wunder, dass ich ihn durch das laute Rauschen meiner Ohren überhaupt hören konnte. Er zog mich mit dem Rücken an seine Brust, was unsere Verbindung intensiver werden ließ, sodass wir beide aufstöhnten. Wieder knabberte er an meinem Nacken und ließ seine Hand unter meinen Pullover fahren. Ich wiederum griff nach hinten, um seine Hüfte zu umfassen. Da er mich mit dem Rücken zu sich gedreht hatte, hatte ich noch keine Gelegenheit, seine Haut zu berühren. Dieses Gefühl erregte mich und ich hinterließ erste Spuren auf seiner rechten Hand, die mich noch immer in der Umklammerung hielt.

Tigers Rhythmus wurde zunehmend schneller und auch härter, sein Atmen wurde lauter und die Farben vor meinen Augen wirbelten schneller und intensiver. Lange würde unser beider Absturz nicht mehr auf sich warten lassen. Und tatsächlich hatte ich plötzlich das Gefühl, mein Kopf wäre mit Watte gefüllt, vor meinen Augen wurde es einen Moment schwarz und dann entlud sich eine Explosion tausender Farben, ich schrie leise auf und hörte ein Platschen. Tigers Absturz folgte auf dem Fuße und ich spürte ihn heiß in mir. Schwer atmend verharrten wir einen Moment in der Position, in der wir waren und versuchten, wieder zu Atem zu kommen. Sanft zog Tiger sich zurück und machte sich mit etwas Toilettenpapier sauber, bevor er mir den Gefallen tat. Ich lehnte noch immer mit dem Kopf an der Kabinenwand, peinlich berührt über was, was ich sah. Ich hatte, als ich kam, die Wand besudelt. Beschämt ließ ich mir etwas Papier geben, um es wegzuwischen.

Belustigt stellte ich fest, dass Tiger mir sogar die Hose wieder hochzog und zumachte. Ich vertraute meinen Beinen nicht und wollte die Wand lieber nicht loslassen. Ganz zu schweigen von dem immensen Gefühl der Scham über das, was soeben geschehen war.

Ich hatte Sex! Mit einem Kerl. Und es war der Wahnsinn. Doch ich hatte mich entsetzlich gehen lassen, hatte in meiner Raserei auf die Kabinenwand eingedroschen und sicherlich Sachen gesagt, die ich im normalen Zustand so niemals zu Tiger gesagt hätte. Besonders das F-Wort nicht...

Tigers Hände kamen unter meinen Armen durch und verschränkten sich vor meiner Brust, bevor er mich an sich zog.

»Alles ok?«

Müde, aber unendlich zufrieden, lehnte ich mich an ihn und schloss die Augen.

»I’ve never felt better.«

»I’m sorry. It hurts, hm?« Seine Stimme war wieder wie immer, das Dunkle und Brummige war verschwunden.

»First, yeah«, bestätigte ich leise.

»Let’s go and have a date. I’m hungry now.« Er ließ mich mit einem Schmatzer auf die Wange wieder los und öffnete die Kabinentür. Ich sah ihm mit einem Lächeln und kopfschüttelnd hinterher, folgte ihm aber ans Waschbecken, wo er sich gründlich die Hände wusch. Durch den Spiegel hinweg betrachtete ich ihn und seufzte leise. Das machte ihn aufmerksam und er hob den Kopf.

»Hm?«

»Warum hast du nicht von Anfang an gesagt, dass du schwul bist?« Der Gedanke hatte sich unterschwellig die ganze Zeit in meinem Kopf befunden.

»Why should I? Es reicht doch, wenn der, den ich mag, das weiß. You know, in London weiß es jeder. That’s why Charlotte always looks like that when she sees us together. She knows I’ve a crush on you from the first second we met.«

Meine Wangen röteten sich, ich konnte es im Spiegel sehen. Von der ersten Sekunde an? Wollte der mich verkohlen? Liebe auf den ersten Blick?

»You’re kidding me, right?«

Ohne das geringste Grinsen, sondern mit ernstem Gesichtsausdruck, wandte sich Tiger nach dem Händeabtrocknen zu mir um, griff nach meiner Hand und zog mein Gesicht an seine Lippen. Wieder küsste er anders als zuvor, diesmal zärtlich, mit dezentem Zungeneinsatz, aber süß und zum Dahinschmelzen, was ich auch getan hätte, hätte ich mich nicht festgehalten. Als er sich löste, funkelten seine Augen und er grinste wieder.

»I would never make jokes with that. I’m in love with you, Bunny.«

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