7. Ist es Stolz? - Samuel

Ich konnte es nicht aufhalten. Ich stand grinsend im angrenzenden Wald des Sees und starrte hinauf zum Haus. Ich hatte jedes Wort mitbekommen, einige von ihnen wüteten wie Feuer in meinem Bauch und trotzdem war das stärkste Gefühl von ihnen der Stolz. Eine Tatsache, die ich vor den anderen verbarg.
Alex kam auf mich zugerauscht.
„Ich bring sie um!“, fauchte sie.
„Das wirst du nicht.“
„Ach nein!?“
„Nein.“
„Hast du überhaupt bemerkt, wie sie mit uns geredet hat!?“ Alex Augen funkelten vor Zorn. Wie hätte Nida am liebsten zerrissen. Etwas was ich nie zulassen würde, da sie momentan nur mir gehörte.
„Was hat dir das gebracht? Was sollte die Aktion?“, fragte sie mich mit geballten Fäusten.
„Ich wollte sehen, wie sie reagiert.“
„Ach wirklich? Und das hat nicht zufällig damit zutun, dass du bereits zwei Mal in der Schlampe warst?“ Ich sah Alex nur an. Sie verstummte sofort, denn sie wusste, dass sie zu weit gegangen war. Ich deutete auf den Wald, blitzschnell verschwand sie und machte das sie davon kam.
Ich blickte wieder hinauf zum Haus, durch den Schutz der Bäume konnte ich es gut im Blick halten und gleichzeitig verborgen bleiben. Sie tröstete ihre Freundin, die bitterlich weinte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass James ihr was getan hatte, andererseits wusste ich es auch. Es war nur der Nachhall seiner Berührung. Wie ich hat er das Weib durch unsere Fähigkeiten dazubekommen, sich ihm zu ergeben. Wie es uns passte konnten wir den Geruch unseres Körpers verändern auf eine weise die Weibchen folgsamer machte, wenn sie dafür offen waren. Passierte dies befanden sie sich in einem Rausch, einem Dunst aus Erregung und Hingabe. Dieser machte es ihnen fast unmöglich zu fliehen. Zumindest für Menschen. Unsere Art, war um einiges schwerer zu verführen.
Ich dachte an die vergangenen Stunden zurück. Mein Auftritt im Café der sie genau so reagieren ließ wie ich es erhofft hatte. Am Boden zerstört. Es hatte nur ein Blick gebraucht und sie war aus ihrem vorigen professionellen Spiel katapultiert worden und zu einem hilflosen Reh geworden. Mehr hatte es nicht gebraucht.
Bevor ich sie dort besucht hatte, schickte ich Alex zu ihrer besten Freundin. Ihrem Geschäftspartner hätte sie nichts von der Nacht erzählt, nicht bei solch einem Termin. Doch ihrer besten Freundin, die auf allen Fotos auftauchte und die dabei gewesen war. Sicherlich. Der Plan war aufgegenagen. Zumindest ein Teil. Denn mein dritter Besuch war eher eine Spontanentscheidung und wie es endete eine Enttäuschung. Mein Wolf ging unruhig auf und ab. Er hatte es schon wieder nicht geschafft, sie zu unterdrücken. Er hatte sie zwar wütend gemacht, doch hatte sie das Spiel nur Minuten später für sich gedreht. Hatte ich gedacht die Oberhand zu behalten, hatte sie diese spätestens im See, wo ich sie nahm, ganz für sich beansprucht.
Meine Kiefer pressten sich aufeinander. Sie hatte mich durchschaut, und hatte mir verwehren wollen, weshalb ich dort gewesen war. Hatte mir sogar ein Ultimatum gestellt. Ein Kuss, für ihre Unterwerfung. Ein Sieg, den mein Wolf und ich nicht akzeptieren konnten. Denn er beruhte auf einer Niederlage. Ein Kuss bedeutete nähe. Um das Weib in die richtige Bahn zu leiten, war es nötig, doch danach. Ich vermied es solch eine Nähe zuzulassen. Sex war ein Bedürfnis, das man ohne Bindung stillen konnte. Doch Küssen bedeutete Bindung. Bindung, die nicht zulassen würde.
Ein Knurren drang aus meiner Kehle. Der Wolf wollte hinaus, wollte sie unter sich werfen und so unterwerfen, wie er es kannte. Nur leider war sie ein Mensch. Ein Wesen, das nichts mit meiner Welt gemeinsam hatte. Ich musste also einen anderen Weg finden ...
Langsam bewegte ich mich die Bäume entlang, beobachte weiter, was als Nächstes geschah. Nida hatte ihre Freundin zugedeckt, die irgendwann als der Fluss der Tränen endlich versiegte eingeschlafen war. Sie begab sich in die Küche und suchte wie es schien nach einem Wein. Sie wirkte selbstbewusst und gefestigt. Mein Abgang hatte sie bei weitem nicht so getroffen wie beim ersten Mal, im Gegenteil.
„Was willst du hier.“ Ich zuckte und blickte zu meinem Bruder der mich mit seinem auftauchen überrascht hatte. War ich so fixiert auf das Weib, das ich nichts mehr außer sie wahrnahm? Eine gefährliche Kombination.
„Verschwinde.“
„Willst du mich verarschen? Du warst zum zweiten Mal bei ihr? Nein Scheiße zum dritten! Lass die Schlampe gehen.“ Ich wendete mich ab von Nida und meinem Bruder zu. Meinem Wolf gefiel nicht, wie er über sie sprach, er setzte zum Sprung an, doch ließ ich ihn nicht hinaus. Noch nicht. Eine Gefahr die mein Bruder nicht spürte, da ich mich vor ihnen allen verschlossen hatte. Sie mussten nicht wissen was ich fühlte, was ich wollte. Sie sollten sich nur raus halten.
„Ich bin noch nicht fertig mit ihr.“
„Noch nicht fertig? Scheiße Mann du verrennst dich in das Weib!“ Ich verschränkte die Arme und lehnte mich gegen einen Baum.
„Nein.“
„Nein? Bist du blind? Du setzt unsere Leute auf sie an.“
„Ian“, warnte ich. Er ballte die Fäuste. Er verachtete sie, das konnte ich trotz meiner Distanzierung zu ihm spüren. Es war nichts neues, denn er hasste alle Frauen, doch sie schien er langsam als Feind nummer eins zu betrachten. Sein Problem, denn ich war noch nicht fertig mit ihr.
„Du willst nicht wirklich hier rumlungern wie ein Stalker. Beende es und hol dir ein Weib womit du sie aus den Venen spülen kannst. Das Miststück vernebelt dir sonst noch die Sinne.“ Er hatte recht, zu gern wäre ich gegangen, doch mein Wolf hätte sich keinen Meter bewegt. Er würde bleiben, solange es ihm ein Bedürfnis war und ich würde es ihm nachtun.
„Das wird nicht passieren.“
„Du willst das Spiel fortführen? Du bist wansinnig, wenn du glaubst, dass du es gewinnen kannst.“ Er wusste also mehr als er sollte.
Ich vernahm ein Geräusch auf dem Steg, Ian und ich blickten gleich zu ihr. Sie hatte sich auf den Steg am See begeben, stand in der Nähe der Stelle, wo ich sie genommen hatte, und trank Wein. Ein Grinsen entfuhr mir.
„Samuel. Lass es. Mann das Weib wird dich nicht befriedigen.“ Was wusste er schon.
„Bleib.“ Ein klarer befehle, den er nicht missachten konnte wenn er meinen Rang nicht infrage stellen wollte. Damit verwandelte ich mich und nährte mich ihr. Wie sie sich wohl im Angesicht mit einem Wolf verhielt. Innerlich hoffte er, sie würde schreien und er könnte sie endlich so unterwerfen, wie er es sich schon die ganze zeit wünschte.

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