7. Sterben, um gelebt zu haben

Wir standen da. Das Einzige, was nicht zerfallen war, war die Blondine.
„Wie wird man die los?“, fragte Owen. Etwas wovon ich diesmal keine Ahnung hatte, doch schätze ich auf die Art wie man alle Upire sicher los wurde. Köpfen. Andererseits wurde man die Viecher auch durch Sonne los, was hier wiederum nicht der Fall war ...
„Keine Ahnung. Sie ist ein reiner Dämon. Kein Mischling. Vielleicht ziehen die normalen Methoden nicht bei ihr. Ist das erste Mal, dass ich einem so alten Dämon begegne.“
„Schatten.“ Wir blickten alle Rachel an. „Der richtige Begriff lautet Schatten.“
„Davon habe ich schon mal gehört“, gestand Owen. Die Wesen unterteilten ihre Arten, zischen Licht und Schatten. Hexen der alten Art gehörten damals durchweg noch zu den Schatten. Heute war nichts mehr hell und dunkel, sondern Bund wie ein Regenbogen, wenn man die Unbestimmten betrachtete.
„Man begräbt sie in heiliger Erde.“ Rachel ging näher an das Biest. “Am besten mit einer dicken Kette um den Sarg und einer Warnung für jeden anderen für die Zukunft.“ Rachel gesellte sich mit verschränkten Armen neben mich. Sie wirkte nicht im geringsten mitgenommen. Im Gegensatz zu und Männern.
Ich sah hinüber zu Jasper, der aus der Asche eine goldene zierliche Kette zog. Seine Schultern waren gesenkt. Ich deutete Owen zu ihm.
„Wieso ich?“, flüsterte er.
„Mach“, befahl ich. Mit nervösem Blick auf den Jungen, grummelte er und ging zu ihm um mit dem Neuen zu reden.
„Ihr seid ein gutes Team.“
„Schnauze.“ Nun war sie es, die mich boxte. Ich stöhnte auf und hielt mir den Arm. Rief die geschundene Stelle.
„Entschuldig.“ unwillkürlich musste ich grinsen, „Arschloch!“ und bekam noch einen Stoß. Was mein Grinsen nur wachsen ließ.

Zeit zum Verschnaufen blieb nicht. Die Arbeit war längst nicht beendet. Ich trennte der Blondine den Kopf von den Schultern nur um keine bösen Überraschungen zu erfahren, nahm mir ihre Füße, klemmte mir ihren Kopf zwischen die Arme und schleifte sie hinaus.
Die nächsten Stunden vergingen rasch. Ein Sarg war schnell gefunden, starke Ketten auch. Wir trugen das Zeug zu einer Kirsche. In einer Ecke, wo kein Sarg je vermutet wurde, oder gesetzt werden würde. Ganz nah an der Bauer der Kirsche und gruben.
Rachel unterhielt sich eine Weile mit Jasper. Ich wusste, nicht ob ich es gut heißen sollte, andererseits hatte sie uns das Leben gerettet. Nur um welchen Preis? Was würde uns nun erwarten oder schätzte ich sie falsch ein? Ihre Worte gingen mir immer noch nicht aus dem Kopf.
Du weißt nichts.
Ich schmiss den Gedanken beiseite und machte weiter. Owen hatte bisher kein weiteres Wort mehr gesagt. Ich sah kurz zurück, um sicherzugehen, dass wir keine unerwünschten Besucher hatten.
„Was meinst du?“, fragte ich.
„Zu ihr oder zu dem Jungen?“
„Beiden.“
„Der Junge ist ausbaufähig. Falls er noch das Verlangen hat weiterzujagen.“
„Wir werden sehen. Die Hexe?“
„Du hast sie geküsst.“ Ich schluckte schwer, natürlich hielt er mir das vor. War er deswegen so distanziert?
„Aber sie hat uns auch das Leben gerettet“, ergänzte er. „Trotzdem solltest du ihr nicht trauen.“
„Das werde ich nicht.“
„Sicher? Sieht danach aus. Es ist immer noch eine Hexe. Auch wenn sie ein Unbestimmte ist.“ Ich nickte. Eine ganze Zeit lang blieb es still, bis wir das Biest fast begraben hatten.
„Nimm ihn mit. Lass ihn von deiner Familie lernen.“
„Glaubst du wirklich, er hat die Eier dafür?“ Owen blickte zu dem Jungen, dessen Schultern hingen nun nicht mehr ganz so tief.
„Er ist an dem Punkt, an dem wir alle waren. Er hat jemanden verloren den er liebt, durch das Böse, dass er nicht mehr ignorieren kann. Er wird seinen Weg gehen.“ Ich sah wie Owen zu dem Jungen. „Und er wird gut.“ Die nächste Generation.
„Dein Wort in Gottes Ohr mein Freund.“ Damit ging er zum Jeep. Ich gesellte mich zu den beiden.
„Jasper.“ Er blickte mich an, ein allzu bekannter Ausdruck war in seine Augen gefahren. Ich sah ihn jeden Morgen, wenn ich in den Spiegel sah.
„Owen nimmt dich mit zu seiner Familie, wenn du das möchtest. Du musst ne Menge lernen, allem voran, wie man sich einem Bann entzieht.“ Er lachte auf. Ich schlug ihm auf die Schulter.
„Komm. Ist ein langer Weg.“ Er ging los. Also hatt er sich entschieden ... Mit erhobenem Haut ging er auf Owen zu. Der Gang eines Jägers, der schwor die Dunkelheit zu erhellen.
Rachel rührte sich nicht. Starrte in den Wald.
„Brauchst du eine extra Einladung?“
„Ich komme nicht mit.“
„Dann ... Danke.“ Nun hatte ich ihre Aufmerksamkeit. Ihre Augen fixierten mich, ihr Blick undeutbar. Woran sie dachte ließ sie sich nicht ansehen.
„Und dass von einem Jäger.“
„Du hast uns das Leben gerettet.“
„Du wolltest ja nicht hören.“
„Mal wieder.“ Sie lachte auf. Trotzdem schwang trauer in ihrer Stimme mit. Ich sah zu den Jungs, die uns den Rücken gekehrt hatten, also ging ich näher, sodass ich die Wärme spürte die ihr Körper ausstrahlte. Ihr Atem ging schneller, langsam sah sie zu mir hoch. Ich verstand, was es bedeutet. Es war ein Lebwohl.
„Ich habe Regeln gebrochen.“ Ich nickte und fuhr mit den Fingern geistesabwesend über ihre Weiche Haut am Arm. Eine Reaktion, die ich hätte unterdrücken sollen. Wie schnell konnte man sich an ein Wesen gewöhnt haben, obwohl man so wenig Zeit geteilt hatte.
„Lebwohl Hunter“, hauchte sie, was mich zu meinem nächsten Schritt drängte. Ich nehm ihr Gesicht in meine Hände und küsste sie. Ich hatte geglaubt nie wieder für eine Frau etwas zu entwickeln, wie für meine Frau, doch Rachel schaffte es, etwas in mir zu wecken, auch wenn es nur intensiveres Interesse war. Es schmerzte Rachel nicht wiedersehen zu könne, auch wenn ich wusste, dass es genau das Richtige war.
Ihre weichen Lippen, fühlten sich gut auf meinen an. Ich spürte ihre Wärme, ihre Intensität, was ein Kribbeln auslöste. Es fühlte sich gut an, allein das zählte in diesem Augenblick. Ich spürte, dass etwas feuchtes meine Hand berührte. Mit dem Daumen fing ich ihre Träne auf und wusch sie fort.
Ich ertrug ihr Leid nicht, ihren Schmerz. Es war kaum vorzustellen, was sie erwarten würde. Ob sie nun eine Strafe erhalten würde? Am liebsten hätte ich sie mit mir genommen und sie vor dem bewahrt. Doch war es nicht richtig. Owen hatte recht. Sie war eine Hexe und ich ein Jäger. Ein Band das nie existieren durfte, ein Band, das ich nicht wollte. Langsam löste ich mich von ihr. Ihr Blick lag in meinem. Ihre Hände lagen zitternd auf meiner Brust.
„Vergib mir.“ Dann verschwand sie.

Monate vergingen, ohne dass ich ihr wiederbegegnete. Ich glaubte nicht mehr daran, sie je wiederzusehen. Sie hatte Regeln ihresgleichen gebrochen, wer wusste schon, was es bedeuten würde. Ich hoffte nur, es wäre nicht die Höchststrafe.
Ich saß vor meinen Whisky, John polierte vor mir seine Gläser. Ich hatte mich zurückgezogen, von allem, dem ich zuletzt zu nah gekommen war. Es war zu viel Zusammenarbeit, zu viel Nähe zu anderen Leuten entstanden. Ich hatte mich hinreißen lassen, was ein eindeutiger Fehler gewesen war.
Nun war wieder der alte Trott eingekehrt. Ich fuhr, um die halbe Welt um Aufträge zu erledigen. Gelegentlich gönnte ich mir einen Stopp. Doch heute, heute würde ich nichts tun. So wie damals.
Jasper trat mit Owen in die Bar. Soviel man hörte, waren die beiden ein gutes Gespann. Jasper lernte schnell und Owen blühte in der Lehrerolle auf. Was gut für die beiden war. Trotzdem begannen sie bereits wieder, eignende Wege zu gehen.
Beide kamen rüber zu mir und setzten sich zu mir. Glücklicherweise bedeutete den beiden Freundschaft genau so viel wie mir. Weshalb sie nie wieder ein Wort über den Tag verloren hatten.
„Wie läufst.“
„Momentan gut, solang der Mann reichlich nachschenkt.“ John verzerrte die Mine.
„Der Kerl sitz schon den ganzen Tag hier und säuft mir meinen guten Whisky weg.“
„Gut? Du verarschst mich mit deinem zehn Piepen Zeug.“ Ich lehnte mich weiter nach vorn. Dass ich betrunken war, musste er keinem erzählen, dafür hatte ich selbst schon gesorgt. Immerhin würde ich bald schon nicht in der Lage sein geradeaus zu laufen. Jasper sah zu Owen, der mit dem Kopf verneinte.
„Ich bin betrunken aber nicht blind“, versicherte ich ihnen. Abgesehen davon ging es mir wunderbar.
„Es gibt eine Häufung in der Nähe.“
„Nicht heute.“
„Von Hexen. Es braut sich was zusammen Hunter.“
„Schön für euch, legt los.“ Ich lachte auf. „Geht hin und macht ihnen Feuer unterm Arsch, so wie es sein soll.“
„Rachel war da.“ Auf einen Schlag war ich nüchtern. Ich hasste Adrenalinstöße.
„Wo?“
„Im Norden an einem Berg. Man glaubt, dort findet ein schwarzer Hexensabbat statt.“
„Scheiße. Ich hätte die töten sollen, als ich konnte.“ Damit stand ich auf. Die beiden folgten mir. Ich stieg in meinen Jeep während Owen und Jasper seinen Oldtimer nahmen. Sie fuhren vor, während ich hinterherfuhr.
Mein ganzer Körper spannte sich an. Sie war am Leben, ein gutes Zeichen. Doch die Tatsache, dass sie an einem schwarzen Hexensabbat teilnahm, wo eine Unbestimmte nicht hingehörte, war gefährlich.
Die Enttäuschung ließ meine Brust fast zerspringen. Ich wusste nicht, was ich glauben sollte, war es nun ihre Strafe oder ihr Plan. Ich würde es sicherlich bald herausfinden.
An einem Waldstück angekommen, sah ich old Hawk schon mit einigen Männern reden. Sie hatten einiges aufgefahren. Jede Menge Jäger und Werkzeug um den Sabbat zu sprengen. Ich stieg aus und ging zu Hawk. Er reichte mir die Hand.
„Gut das du dabei bist Junge.“
„Ihr hättet mich nicht gebraucht.“
„Das sehen wir anders“, pflichtete Owen seinem Vater bei. Ich nickte und ging zu meinem Wagen. Ich lud meine Winschester mit silberner Munition. Hexenkraut und Silber. Für jede Hexe hundert prozentig tödlich. Sie verbrannten bei Berührung bei lebendigem Leib, mit unsichtbaren Flammen. Immer ein Specktakel wert. Ich warf sie mir über die Schulter. Meinen Colt lud ich ebenfalls mit dieser beinharten Munition. In die Taschen packte ich mir Nachschub. Mein Messer würde das übrige tun und zu guter Letzt. Ein Amulett. Jeder der Jäger trug eins. Es schwächte die Magie der Hexen, wenn die Biester sie gegen uns verwendeten. Leider setzten sie ihre Wirkung nicht ganz aus, was Hexen zu einer der gefährlichsten Gegner machte. Ich ging zu den anderen.
„Bereit eine Party zu sprengen.“ Die Jäger lachten. „Dann last und die Mädels mal flachlegen.“

Es dauerte eine Weile, bis wir alle nah genug herangekommen waren. Der Schutz des Waldes und der Berge versperrte den Hexen jegliche Sicht auf ihre Beobachter.
Ein bekannter Ort der Sichelberg. Er schien wie ein Magnet auf die Hexen zu wirken, die tagelang um ihre heilige Stelle schwirrten, bis es so weit war. Ich sah mir die Lage genau an. Es wurden große Feuerstellen in einem Kreis angeordnet. Zeichen zierten die schützenden Wände des Berges. Einige sagten mir etwas, andere nicht. Schutzsymbole, Beschwörungen und mehr.
Ich hielt Ausschau, ein paar Gesichter kannte man, andere nicht. Doch alle samt waren es schwarze Hexen. Gut erkennbar durch ihre Erscheinung, die verschieden und dennoch immer die gleichen schienen. Alles war vertreten, struppiges oder gepflegtes Haar, alt und Jung. Buntes oder grauses Haar. Mit schwarzen Zeichnungen auf der Haut, die sich wie lebende Tiere unter der Haut windeten. Gelben, rote und schwarze Augen.
Ich schluckte schwer, als ich auch Rachel unter ihnen sah. Mit einem Schwarzen engen Kleid und strahlend roten Haaren. Ihre Augen waren ihre. Ihr Blick lag in den Flammen eines Feuerkelchs. Sie selbst schien weit weg zu sein.
Als sie eine Frau ansprach, grinste sie und wendete sich ihr zu. Was ich sah, gefiel mir gar nicht. Ihr Blick war der einer schwarzen Hexe. Wir warteten ab, blieben alle im Schatten, bis sie kam.
Die Oberste.
Ein arrogantes Miststück, Blut jung, schön wie ein Modell und genau so selbstsicher. Sie schritt mit einem langen schwarzen Kleid das einem Brautkleid ähnelte an all den Hexen vorbei. Erst an ihrem steinernen Thron blieb sie stehen und wendete sich zu ihresgleichen.
„Schwestern heute ist unsere Nacht!“ Sie jubelten, sie alle. Mir wurde schlecht. Worauf hatte Rachel sich eingelassen? War sie überhaupt je anders gewesen. Eine Unbestimmte unter den Schwarzen. Das durfte es nicht geben.
Das Obermiststück hielt eine tosende Rede von Rache und Blut. Das Ziel war uns allen klar, die weißen Hexen. Die, die ihre Bestimmung verraten hatten.
Ich sah zu old Hawk und nickte ihm zu, es war so weit. Musik erfüllte die Luft und die Hexen begannen zu tanzen. Erst wenn der Mond am Himmel stand, würden die ihr Ritual vollführen. So weit durfte es nicht kommen. Die Jäger waren in Bereitschaft.
Der erste Teil rückte vor. Es war nicht das erste Mal, das wir einen Sabbat sprengten und das mit Hilfe von einem Haufen von Jägern. Schon vor langer Zeit hatte jeder seine Aufgabe bekommen, damit jeder seinen Zweck erfüllen konnte und das Ganze nicht in die Hose gehen würde. Der Plan wurde jedes Mal neu koordiniert.
Ich litt einen Trupp von fünf Mann, den ich in Stellung brachte. Owen den zweiten Trupp, der uns Deckung gab. Old Hawk nahm die andere Seite mit seinem ältesten Jägerfreund Hans. Dazu Kamen noch zwei Notfalltrupps. Damit waren wir komplett. Mehr Jäger würde es nicht brauchen, um ihre Zahl zu dezimieren und sie aufzuschrecken. Sie alle töten zu wollen wäre wahnwitzig. Hexen wurden nicht um sonst gefürchtet und standen an der Jagtspitze an erster Stelle. Schon eine relativ Geübte konnte Menschen mit einem Fingerschnipsen sprengen. Was unsere Amulette verhindern würden, doch die wirklich Alten, ließen sich nicht so leicht beeindrucken. Ich hatte bisher eine Hand voll von denen gesehen, die uns trotz der Kristalle mit Leichtigkeit die Haut abziehen konnten, weshalb außerordentliche Vorsicht geboten war.
Ich manövrierte uns so nah heran, wie es ging. Die Hexen schienen nichts zu ahnen. Erst als alle in Stellung waren, ging mein Trupp vor. Wir warteten den Vollmond gar nicht erst ab, weshalb wir aus der Deckung stürmten und ich die erste beste Hexe erschoss. Sie schrie bestialisch auf, was die Nacht Geriss. Die Frau brach augenblicklich danach zusammen. Und die Hölle brach los.

Der Schuss zwischen die Augen hatte gesessen. Schon war die Nächste dran, die sich mit einem Kreischen auf mich schmiss, doch nicht schnell genug. Ich hatte fünf erwischt, bis die Oberste „Halt!“, schrie. Meine Männer waren ebenfalls fleißig gewesen. Insgesamt zählten wir fünf, etwa dreißig verbrannte Hexen. Eine genau neben Rachel, mit Absicht. Bleich starrte sie mich an. Als hätte sie mich nicht erwartet. Gut so. Denn auch sie würde heute eine Kugel ereilen, aus keinem anderen Lauf als aus meinem.
„Abend Mädels. Bock flachgelegt zu werden?“, lachte einer meiner Männer. Es roch nach verbranntem Fleisch. Die am Boden liegenden Hexen hatten fürchterliche Brandwunden, die aus dem nichts kamen. Sie brannten von innen heraus, bis auch sie nur noch ein Haufen Asche sein würden.
„Ihr wagt es!“, drohte die schwarze Hexe und stand auf.
„Mit Kindern verhandeln wir nicht“, rief ein anderer Jäger. Sie alle samt lachten, nur ich nicht. Sie nahmen es zu leicht. Dachten der Sieg wäre bereits unser, doch so war es nicht. Immerhin lebten sie noch und flohen nicht, wie sonst.
„Auf die Knie“, befahl ich.
„Damit du uns in reih und Glied erschießen kannst?“
„So sieht es aus.“ Sie lachte.
„Ein guter Soldat. Doch du hast etwas vergessen Liebster.“
„Schieß los.“ Meine Kumpanen lachten.
„Unser böser kleiner Hunter wird uns kein Haar krümmen, nicht wahr Rach?“ Ich erstarrte, nun sah ich zu ihr. Ihr Blick lag auf dem Boden. Ihre Lippen leicht geöffnet.
„Nein“, hörte ich ihre Stimme sagen. Meine Hand zitterte. Es viel mir schwer weiter auf die Oberste zu ziehen.
„Gehorche Jäger“, lachte die Hexe. Ich blieb stark, auch wenn der Lauf herumfuchtelte. Die Enttäuschung ließ mir das Herz zerspringen. Nun wusste ich, warum sie bei mir gewesen war. Sie hatte mich benutzt. Mit mir gespielt.
„Hunter“, sagte sie und ich ließ meine Waffe sinken. Sie hatte es geschafft. Sie hatte mich gebrochen und nun die Kontrolle. Ich würde alles tun, was die Hexe sagte. Der Bann zwang mich dazu. Sie hatte sich Zugang zu meiner Seele verschafft. Traue nie einer Hexe. Ich hätte kotzen können, denn ich hatte es getan und bezahlte nun den Preis.
„Nein.“ Meine Hand zitterte, mit aller Macht versuchte ich, sie wieder in Position zu bringen.
„Erschieß sie.“ Befahl die Oberste und als wäre es aus Rachels Mund gekommen, wendete ich mich blitzschnell um und erschoss meine eignenden Leute. Schreie ertönten aus dem Wald. Andere Jäger kamen rückwärts aus dem Wald und zielten auf ihre eigenen Leute. Erst neben mir kamen Sie zum Stehen, auch sie waren in einem Bann gefangen.
„Verdammt.“ Zitternd stand ich da. Das Blut treuer Leute floss über den dreckigen Boden. Als würde es meines sein sackte es in mir ab.
Ich zeriss bei dem Anblick innerlich. Kahn, ein lter Freund, röchelnd mit aufgerissenden Augen. Blut floss aus der Schusswunde in seinem Hals. Ich sah einem Freund beim Sterben zu, einem Freund, den ich selbst ermordet hatte.
Ich hatte es getan.
Ich hatte Unschuldige ermordet.
Alles in mir brach zusammen, Schmerz und Stille vermischten sich. Alles, was mich all die Jahre auf den Beinen gehalten hatte, drückte mich nun nieder in ein schwarzes Loch voller Schuld. Wut und Schmerz stürzte wie ein Wasserfall auf mich ein.
Ich zerfiel.
„Tötet ihn.“ Ein Befehl der Obersten. Ich legte an und zielte in den Wald. Panik erfasste mich. Meine Hand zitterte, ich versuchte den Impuls zu unterdrücken. Old Hawk war das Ziel.
„Lauf!“, schrie ich in den Wald. Alles passierte zu schnell. „Erschieß mich!“, schrie ich hinauf zum Berg. Ich sah Owens leichenblasses Gesicht. Schon schossen die anderen in den Wald.
„Erschiss mich du Mistkerl! Schick sie zur Hölle!“ Der Schmerz, der folgte, war nichts zum Vergleich des Verrats von Rachel.
Ich viel um wie ein Stein und doch fühlte es sich so leicht an.
Ich hörte schreie und auch die Kameraden neben mir vielen zu Boden. Einige mit direktem Kopfschuss. Es gab keine Rettung, nicht jetzt sofort. Also war es die einzige Lösung.
Ich röchelte, das Loch in meiner Brust brannte. Ich spuckte Blut, immer mehr. Sie hatten meine Lunge getroffen. Das Atmen viel immer schwerer. Kein sauberer Schuss, kein schnelles Ende.
Verdammter Owen. Nicht mal das gönnte er mir.
Ich sah, wie Hexen über mir fortflogen. Sie hatten es geschafft, vertrieben sie. Doch die schreie und den Lärm vernahm ich nicht. Alles war wie verstummt, nur mein Röcheln, das Rasseln in meiner Lunge und die Dunkelheit, die immer näher rückte.
Zu sterben war schmerzvoll, doch weit weniger als meine letzte Tat auf Erden. Ich hatte unschuldigen Freunden das Leben genommen, durch meine Dummheit würden Kinder ihre Väter nie wiedersehen.
Ich hustete, immer mehr Blut sprudelte aus mir heraus. Ich umklammerte meine Waffe, der letzte Ausweg. Owen hatte es nicht geschafft, mir einen sauberen Kopfschuss zu geben. Ich musste grinsen. Ob die Hawks meinen tot verkraften würden? Sicherlich würden sie es.
Es wurde still um mich. Ich spürte, wie meine Kraft mit jedem Tropfen Blut entwich. Mit mühe konnte ich die Waffe heben und setzte sie mir unters Kinn. Sauber, umgehend, ohne Schmerz.
„Leben um Leben zu retten. Sterben, um gelebt zu haben“, vollendete ich den Satz eines einst guten Freundes. Ich wollte abdrücken, doch eine weiche Hand hielt mich davon ab.
Mit mühe öffnete ich die Augen. Rachel kniete über mir. Ihr Gesicht tränenerfüllt. Flimmernde Lichter um sie. Schüsse, Feuer. Ich wusste nicht, was ich noch glauben sollte, war ich schon im Dämmerzustand? Wunschdenken über etwas nie Passiertes? Sollte dies mein Blick ins Jenseits sein. Ich spuckte weiter Blut, es war, wie eine nie enden wollende Fontäne.
Es war nicht der Himmel.
Es war die Hölle.

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beta
Fairy Dust

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