8

Mein Kopf musste karmesinrot gewesen sein, als wir die Umkleide verließen und das Schulgebäude verlassen wollten. Unterwegs trafen wir den alten Hausmeister, der schon mit den Schlüsseln rasselte.

»Wo kommt ihr denn noch her, Jungs? Na da habt ihr aber Glück, ich wollte gerade alles zumachen.«

»Äh... w-wir waren noch in der Bibliothek«, stammelte ich, aber die Röte meines Gesichts strafte meine Worte sicher Lügen. Der Hausmeister nickte jedoch nur und scheuchte uns aus dem Haus.

Der Winter hatte uns noch immer voll im Griff und so rieselte es langsam und beständig vor sich hin, als wir die Straße lang gingen zu dem Café, in dem wir den einen Tag vor einigen Wochen schon einmal waren.

»What a pity«, nuschelte Tiger und sah sich um. Ich glaubte zu wissen, was er meinte, denn die meisten Leute in der Straße hatten ihre Weihnachtsdeko bereits abgenommen und so sah die Straße langweilig und gewöhnlich aus wie jede andere Kleinstadtstraße auch.

»Hält die Weihnachtsstimmung in England etwa länger? Das ist ja wieder ganz anders.«

Tiger nickte.

»Yes. Deswegen hat mir das hier so gefallen.« Er sah bedauernd aus und ich knuffte ihn, was ihn zum Lachen brachte. Ich zitterte bereits wieder vor Kälte, als wir das Café erreichten und Tiger schob mich als ersten hinein.

»Just get a little bit thicker, Bunny. So you’re less freezing.«

»Jeez, shut up«, lachte ich und wir setzten uns an den selben Tisch wie das letzte Mal. Sogar die gleiche Kellnerin war da, begrüßte uns mit einem Lächeln und wir bestellten als erstes die heiße Schokolade mit Sahne. Tigers Augen hatten mittlerweile wieder die Farbe von Karamell und er lächelte über den Tisch.

»How’s your body?«, fragte er leise, damit uns niemand hören konnte. Die Wärme der Erinnerung stieg mir wieder in die Wangen und ich hätte gelogen, wenn ich nicht noch immer anhand eines leichten Schmerzes gespürt hätte, was geschehen war. Also neigte ich leicht den Kopf und schmunzelte.

»Ich werde es überleben, glaube ich.«

»I’m still sorry for hurting you. Really.« Er strich mit seinem Zeigefinger über meinen Handrücken und ich spürte, wie mein Herz hüpfte.

»And I meant what I said. The love-thing.«

Er lächelte noch mehr, als er sah, dass ich rot wurde und mir die Worte fehlten. Was hätte ich ihm sagen sollen, was er nicht ohnehin wusste? Immerhin hatte er gesagt, er hätte die vergangenen Wochen immerzu an mich denken müssen und ich hatte ihm bestätigt, dass es auch bei mir so war. War das nicht schon ein halbes Liebesgeständnis? Mir wurde erst jetzt bewusst, was das bedeutete. Ich hatte ein Liebesgeständnis bekommen und ich hatte Sex. An einem Tag, nachdem es zuvor Jahre gedauert hatte, bis ich überhaupt aus dem Knick kam.

»Ich hab anfangs versucht, es zu ignorieren. Dass ich dich mag, meine ich. Immerhin musst du bald zurück...«, murmelte ich und er nickte.

»But now we can cherish the remaining time even more.« Er umschloss meine Finger und zog diese an seine Lippen. Ich himmelte ihn an, ich war mir ganz sicher und auch, dass das dusselige Lächeln der Kellnerin, die den Kakao brachte, daher rührte. Schon wieder so ein Yaoi-Fangirl?

Wir ließen uns Kakao und Waffeln schmecken, teilten uns zwei Kugeln Eis mit Schokosoße und verließen randvoll bis oben hin das kleine Lokal, nachdem diesmal ich die Rechnung beglichen hatte.

»Würdest du gern noch etwas mit reinkommen?«, fragte ich ihn, als wir vor meinem Zuhause standen. Cherish the remaining time, hatte er gesagt. Dann sollten wir am besten sofort damit anfangen. Tiger nickte und zusammen betraten wir das Haus, welches noch immer nach Keksen roch. Er grinste schon wieder und sah sich um. Diese Naschkatze, dass der nicht fett wurde.

Meine Mutter begrüßte mich und unseren Gast überrascht, freute sich aber, Tiger wiederzusehen. »So ein höflicher junger Mann«, waren ihre Worte nach seinem ersten Besuch. Er begrüßte sie wie eine alte Bekannte und sie lachten ziemlich schnell über irgendetwas, während meine Mutter ihm einen Teller Kekse herrichtete. Ich kam gerade aus dem Badezimmer im Flur, als ich ihn sagen hörte: »So I hope you’ll give your blessing to Bunny being my boyfriend.«

Meine Mutter lachte verlegen, denn sicher hatte sie ihn nicht verstanden. Sie wandte sich hilfesuchend an mich, als sie mich sah. Ich rollte mit den Augen, lächelte dann aber.

»Er meinte nur, dass er hofft, du gibst deinen Segen, dass ich... sein Freund bin... sein fester... Freund.« Ich spürte die Hitze in meinen Wangen, als meine Mutter ein strahlendes Gesicht aufsetzte und Tiger zunickte. Dieser lächelte ebenfalls zähneblitzend, kam auf mich zu, schloss mich in die Arme und drückte mir einen Schmatzer mitten auf die Lippen. Er roch und schmeckte nach Keksen und ich wollte ihn gar nicht mehr loslassen. Meine Mutter betrachtete das Spektakel solange, bis ein verächtliches »Bäh!« uns auseinander trieb. Meine Schwester stand in der Tür, neben ihr Emilia. Lilli hatte das Gesicht zur Faust geballt, ihr stand der Ekel ins Gesicht geschrieben, während Emilia scheinbar nicht wusste, ob sie Nasenbluten angesichts des Yaoi-Moments bekommen sollte oder heulen, weil ich, den sie insgeheim mochte, auf Männer stand. Was sie sicher schon wusste, denn Lilli wird es ihr in den düstersten Farben erzählt haben.

»Hast du ein Problem?«, fragte ich sie mit hochgezogenen Augenbrauen.

»Könnt ihr diesen Scheiß nicht da machen, wo euch keiner sieht?«, maulte Lilli zurück. Emilia sah immer noch weggetreten aus, aber die Röte in ihrem Gesicht ließ mehr auf Nosebleed tippen als auf Schock.

»Kannst du vielleicht endlich mal erwachsen werden, bitte? Ist ja nicht so, als hättest du noch nie küssende Männer gesehen oder als wären wir nackt, Mensch.« (Emilias Augen begannen nun endgültig, zu leuchten.)

Ich nahm Tigers Keksteller in die eine Hand und seinen Ärmel in die andere, um ihn an meiner Schwester vorbei in mein Zimmer zu führen. Ich konnte das Theater Lillis nicht verstehen. Gut, wenn sie das nicht sehen wollte, war das ok, das akzeptierte ich, aber deswegen so einen Aufstand zu machen, wenn man einen Gast im Haus hatte, ging einfach mal gar nicht. Schon gar nicht, wenn dieser Gast mein... mein Freund war. Ich würde das bei ihren auch nicht machen, sofern sie denn jemals einen mitbringen würde.

»Is your sister a homophobic?«, fragte mich Tiger überrascht, als ich die Zimmertür hinter uns zuschloss.

»Hm, I guess not. She’s just unaware and it’s maybe a bit too much for her.« Ich stellte den Teller auf meinen Nachtisch und nahm Platz, während Tiger schon wieder grinsend vor meinen CDs stand.

»Leave them alone!«, fauchte ich und zog ihn zu mir. Er lachte und ließ sich auf meine Tagesdecke fallen.

»Mein Dad war auch überfordert, als ich ihm sagte, ich bin schwul. But he’s cool with it now. Some things just needs time. She’ll get it when she’s in love for the first time.«

Ich ließ mich neben ihn sinken und legte meinen Kopf an seine Schulter.

»Oh, da gibt es jemanden. You already know him.«

»What, me?«, lachte er und die Erschütterung ließ meinen Körper mitvibrieren. Ich musste lachen, denn so verkehrt lag er da nicht. Nicht wirklich.

»Jein... Yes and no. Du bist zweite Wahl. Sie will Roman König. Schon seit der 7. Klasse und ich bin schuld, dass das nicht klappt, weil ich nicht mit ihm befreundet bin.«

Wieder verfiel er in ein Lachen, aber diesmal ein richtiges. Er hielt sich sogar den Bauch und schnappte nach Luft, als er sich beruhigte.

»Oh crap... she really got nuts, your sister... this piece of shit...« Tiger mochte Roman vom ersten Tag an nicht, weil dieser ihn wie einen Konkurrenten behandelt und ihm klargemacht hatte, dass er die Finger von den Mädels zu lassen hatte. Absurd, aber ich wusste damals ja noch nicht, dass Tiger gar nicht an Mädchen interessiert war.

»Yeah... sie hat die naive Vorstellung, dass sie ihn würde ändern können«, kicherte ich mit ihm um die Wette. Lästern machte hin und wieder wirklich Spaß.

»No... Shit stays shit, whatever you’ll do. But anyway... lass uns nicht über den reden, ich lach mich sonst tot.«

Tiger rollte sich auf die Seite und stemmte sich auf seinen Arm, sodass er auf mich runtergucken konnte. Er lächelte und seine Augen schienen jeden Zentimeter meines Gesichts zu scannen. Ich wurde rot unter seinem Blick und schlug die Augen nieder, weil ich nicht standhalten konnte.

»I love your green eyes. Reminds me of emerald.«, flüsterte er und küsste meine Stirn und meine Schläfen. Ich seufzte leise und legte ihm meine Hand in den Nacken.

»I love your hair...«, murmelte ich und zog ihm den Haargummi raus. Seidig strichen seine Haare über meine Hand und ich fuhr mit meinen Fingern hindurch. Seine Lippen wanderten über meine Nase zu meinem Mund und endlich bekam ich alle seiner drei Arten, zu küssen, auf einmal zu spüren. Ich verschränkte meine Arme um sein Genick und er schob sich halb auf mich. Diese Schmuserei führte soweit, dass sowohl er als auch ich einen Ständer hatten, als meine Mutter uns zum Abendessen rief. Tiger setzte sich überrascht auf und sah auf die Uhr.

»Oh crap... Ich rufe mal schnell meine Gastmutter an, dass ich vielleicht nicht nach Hause komme... oder soll ich nachher gehen?« Er grinste frech und deutete auf das Offensichtliche, was meine Hose belastete. Ich errötete heftig, hielt aber seinem grinsenden Blick stand und schüttelte den Kopf.

»Stay if you want to... I would love it.«

»I can imagine that«, kicherte er und zog sein Handy aus dem Rucksack, während ich nach unten rief, dass wir gleich dasein würden. Vorher musste ich wieder klar werden und die verdammte Beule aus der Hose kriegen. Ich verschwand im Bad und warf mir gegen die roten Wangen etwas kaltes Wasser ins Gesicht. Was ich mit dem Ständer machen sollte, wusste ich allerdings nicht. Mein Blut war noch so aufgepusht, dass das nicht schnell weggehen würde.

»I could jerk it off for you, if you like«, vernahm ich Tigers Stimme an der Türe, der grinste und nicht im mindesten mehr erregt aussah, was seine Körpermitte anging. Sicher, warum auch, wenn er gerade mit seiner Gastmutter gesprochen hatte. Ich schüttelte den Kopf. Zum Runterholen blieb keine Zeit, sonst würde meine Mutter sich nur wundern.

»Fuck... was mach ich denn?«

“Two choiches. First: Put on a big sweater. Second: Imagine how your parents have sex... sticky, dirty, naughty and filthy sex. How your father comes over the body of your mom and how they’re moaning...«

»AUFHÖREN!!«, quiekte ich. Diese Bilder würde ich nie wieder aus meinem Kopf bekommen, aber es hatte funktioniert. Mein Problem war beinahe augenblicklich in sich zusammengefallen.

»Ich hoffe für dich, dass ich nun nicht jedes Mal diese Bilder im Kopf habe, wenn ich einen Ständer bekomme«, funkelte ich ihn an, doch er lachte nur.

»Ich werde dich schon ablenken.«

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media