8. Der Tod steht ihm gut

Beschwerlich kam ich zu mir. Wie aus einem Dunst erwachte ich nur langsam, musste mich erst zurück ins Bewusstsein kämpfen. Schmerz erfüllte meine Brust. Einen Schmerz, den nur eine Kugel hinterlassen konnte.
Ich öffnete die Augen. Dunkelheit umgab mich. Kerzenlicht deutete mir steinerne hohe Wände.
Ein Kerker?
Ich kam ächzend hoch. Doch mehr als das gab es nicht zu sehen. Ich spürte die Ketten um meine Handgelenke. Ein Verband befand sich um meine Brust. Man hatte mich gerettet. Nicht durch Menschenhand. Das war sicher. Ich schlug gegen die Wand. Die Ketten rasselten, der Laut hallte durch den anscheinend größeren Raum.
Eine Tür schwang auf. Ein Licht war am Ende eines Tunnel zu sehen. Kein Tunnel, eine Treppe.
Schritte kamen näher, bis ein Mädchen erschien. Sie trug eine Kerze vor sich, die das einzige Licht in der Dunkelheit bildete. Nun erkannte ich den kargen Raum. Leer, bis mich und meinen Schlafplatz.
Sie kam zu mir hinüber.
„Du bist wach“, stellte sie verwundert fest. Ich presste die Zähne aufeinander. Am liebsten hätte ich ihren Kopf gegen die Mauer geschlagen, um zu sehen, wie sie vor Schmerz schrie. Sie konnte die glühende Wut in meiner Brust wohl durch meine Augen sehen, denn sie sah zurück, als wenn sie jemanden ungeduldig erwartete.
„Sie kommt sicherlich bald.“
„Fahr zur Hölle“, brummte ich und spuckte auf den Boden. Der metallische Geschmack von Blut war immer noch zu schmecken. Es konnte also erst Stunden her sein, wenn überhaupt. Sie blickte verunsichert zur Seite.
„Hast du hunger?“, fragte sie verunsichert.
„Ich hätte Lust auf Silber und Hexenkraut.“ Sie wurde bleich. „Bring mir doch welches, du kleine Hure!“, brüllte ich. Sie stand mit großen Augen da.
„Sie hat dir das Leben gerettet.“ Ich lachte verächtlich. Es musste so aggressiv herüberkommen, das sie zwei Schritte zurücktrat. „Das hätte nicht passieren dürfen.“
„Du hättest nicht passieren dürfen, genau wie deine ganze Sippe, Hexenbiest.“ Sie sah verängstigt auf den Boden, bis sie sich plötzlich abwand und davonlief.
Zurück blieb die Dunkelheit. In der ich Zeit hatte darüber nachzudenken, wer ich war und was ich tun würde, sobald die Ketten mich nicht mehr hielten und ich Hexen brennen lassen konnte.
Ich war ein Jäger, ein Gefallener und doch ein Jäger. Ich würde sie auslöschen alle samt. Ich hatte mich ablenken lassen, hatte meinen roten Pfaden verloren, doch nun war ich mir meiner Aufgabe bewusster als je zuvor.
Schwarz und weiß, waren noch nie so starke Unterschiede gewesen, meine Fehler drängten sich mir vor meinem inneren Auge auf.
Die Unbestimmte.
Sie leben zu lassen war mein erster Fehler. Sie in meiner Nähe zu lassen, der Zweite. Ich musste grinsen. Nun wusste ich was Tod und was lebendig sein musste und die Unbestimmte gehörte sicherlich zu Ersten.
Eines musste ich dieser Hexe lassen. Sie hatte mich auf den richtigen Weg gebracht. Nun würde ich sie alle töten, denn keiner von ihnen war Gut. Sie hatte gezeigt das auch Unbestimmte, die sich aus allem heraushalten sollten, in der Lage waren Böse zu sein. Es gab keine Graustufen, nicht bei ihnen ...
Von Natur aus Böse, von Natur aus falsch.

Es dauerte eine ganze Weile, bis das Licht wiederkehrte. Doch diesmal war das junge Ding nicht allein. Ihr folgte eine ältere graue Frau. Ich konnte sehen, wie sie über die Treppe am Ende des Ganges immer näher kamen, bis sie schließlich durch die Tür traten. Im gleichen Augenblick, in dem die Alte die Schwelle betrat entfalmmten Hunderte Kerzen im ganzen Raum.
Ich sah ihn mir genau an. Jedes Detail konnte nützlich sein, doch zu meinem Bedauern, war er wie schon einmal bemerkt leer. Außer festintegrierte Regale in der Wand, befanden sich nur Kerzen im Raum.
Mein Blick viel zu den beiden, wonach ich gleich grinsen musste. Die Jüngere blickte verstört zu Boden. Traute sich nicht mich erneut anzublicken.
„Was ist so lustig Jäger?“ Die Blicke der Alten und meine trafen sich. Ich sah es gleich, musste nicht mal suchen.
Dunkelheit.
Schatten.
Sie hatte leben genommen. Jahre verschenkt.
„Mit der Kleinen wäre ich gerne eine Nacht allein. Danach würde sie nie wieder jemandem in die Augen sehen.“ Sie schnappte nach Luft.
„Arschloch.“
„Schabracke.“ Das Weib kam näher, ohne scheu kam sie zu mir, kniete sich vor mich und sah zwischen den Verband.
„Er dürfte nicht ...“ Weiter kam sie nicht. Ich riss sie an mich und windete die Kette um ihren Hals. Dann stand ich auf, stemmte mich gegen sie und riss mit aller Kraft, die mir blieb an der Kette.
Die Alte hatte nicht einmal die Chance sich zur Wehr zu setzten, zappelte wie ein hilfloser Fisch und röchelte. Glück für mich, dass ich ihr nicht gleich das Genick gebrochen hatte, denn so würden ihre letzten Minuten aus purem Leid bestehen.
Das Mädchen schrie panisch auf, während ich ihre nette Alte erdrosselte. Hämmernde Schritte kamen hinab. Die Alte versuchte sich zu befreien, zappelte, wurde Blau. Ihre dürren Finger, versuchten die Kette fortzureißen. Sie war in Panik, dass sie nicht daran dachte, ihre Macht einzusetzen.
„Nein! Stop! Bitte!“, flehte die Kleine. Ich lachte auf, sah nur zu, wie das Licht aus den dunklen Augen der Alten verschwand und sie langsam erschlaffte. Ihre Augen wendeten sich bereits nach oben als ...
„Hunter stop!“ Die Stimme kannte ich, was meine Aufmerksamkeit erhielt. Rachel stand mit großen Augen hinter den anderen Damen.
„Hör auf!“, befahl sie. Meine Hände zitterten. Ich wollte die Alte sterben sehen, doch mein Körper gehorchte mir mal wieder nicht. Ich presste sie nicht weiter an mich, doch verharrte in der Position. Das Weib regte sich langsam nicht mehr, gleich hätte ich es geschafft, gleich hätte ich mein Ziel erreicht!
„Hunter!“ Ich ließ los.
„Fuck!“, schrie ich und donnerte gegen die Mauer. Die Alte schnappte nach Luft und wurde von mir fortgezerrt. Ich wendete mich zu den Frauen. Mit geballten Fäusten, voller Wut. Ich hätte sie alle töten können, mit bloßen Händen!
Sie alle sahen mich mit weit aufgerissende Augen an, einige sprachen von Angst wie von Zorn andere nur von blanker Angst. Rachel stand da, irgendwie verloren, leer. Ich sah es in ihren Augen. Sie erkannte mich nicht wieder, was mir erneut ein boshaftes grinsen ins Gesicht hauchte.
„So kann man einem Mann auch seine Eier nehmen, aber keine sorge Engel. Ich hole sie mir zurück, und wenn es so weit ist, bringe ich dich zum Schreien, bis du mich anflehst, dich zu erlösen. Genau, wie du es wolltest.“
Sie sah fort, wendete sich langsam ab.
„Verzieh mir, ich hätte dabei sein sollen“, sagte sie zur Alten, deren Augen blutunterlaufen glitzerten, sie hielt sich die Kehle, zitterte am ganzen Körper. Sie sah kurz zu mir zurück. Ich zwinkerte ihr zu.
„Dieser Mann ist der Teufel!“, schrie sie erstickt und hustete. Ich lachte.
„Du wirst noch sehen, was ich bin, Mütterchen. Ich werde der Auserwählte sein, der euch alle fickt! Das schwöre ich bei meinem Blut!“, brüllte ich. Damit entfernten sie sich alle und ließen mich erneut zurück in der Dunkelheit.

Nie nächsten Tage sah ich sie nur selten. Eine Hexe brachte mir regelmäßig Wasser und Brot. Den Rhythmus hatte ich schnell raus, weshalb ich mich meiner Rutine widmen konnte. Die meiste Zeit verbrachte ich mit Training und den Ketten, die ich Stunde um Stunde bearbeitete. Ich musste vorbereitet sein, wenn ich aus diesem Keller entfliehen wollte. Nur wenig Licht drang durch die vergitterten und abgedunkelten Fenster. Ich achtete dennoch genau drauf, sodass ich jeden Tag zählte, bis der Fünfte zu neige ging.

Die Tür zum Keller öffnete sich harsch. Ich vernahm mehrerer Schritte, gleich danach sah ich ihre Füße die Treppe hinabkommen und auf meinem Raum zu. Ihre Gesichter waren angespannt, fast verschwitzt. Sie fürchteten sich vor mir.
„Zeit zum Ficken was.“ Meine Sprüche ließen ihre Verunsicherung stetig wachen. Ein nutzloser Haufen von Hexen, immerhin eine wagte es, auf mit zuzustürmen und mir wutentbrannt in den Magen zu schlagen.
„Mira!“, ermahnte sie eine Ältere, mit wallend blonder Mähne. Ein Weib was ich sicherlich gerne benutzen würde.
Sie traten gemeinsam näher, die Anspannung war in der Luft zu greifen. Eine von ihnen nahm ein Halsband hinterm Rücken hervor. Wie ich mir denken konnte, kein Stinknormales. Es schimmerte in einem Grün, was der Zauber sein musste, der auf dem Metall lag.
„Ein Schoßhund“, lachte ich, doch die Wut in mir hätte sie am liebsten gleich abgebrannt. Es machte mich rasend, was ich mit aller Macht unterdrückte. „Wer peitscht wen?“, fragte ich belustigt, als sie mir die Fesseln gegen andere tauschten. Vor der Brust spannten sie mir etwas wie eine metallene Zwangsjacke, worin meine Arme über Kreuz befestigt wurden. Erst dann legten sie die anderen Fesseln ab. Ich wusste, ohne es zu versuchen, dass ich keine Chance hatte, sie zu lösen.
„Eine Irrenjacke für den Köter, wirklich originell. Hauptsache mein Schwanz bleibt frei, damit ich euch eine nach der anderen ficken kann.“ Verächtliche Gesichter musterten mich. Rabiat legten sie mir das Halsband an. Nicht dass ich es nicht provoziert hätte. Meine derbe Sprache sollte sie dazu bringen, unvorsichtig zu werden, wütend und dadurch Fehler zu machen.
Ich entschied erst einmal mitzuspielen, immerhin würde ich Freigang bekommen, den ich dringend benötigte. Die dummen Weiber begannen jetzt schon, Fehler auf Fehler zu stapeln. Sie verbanden mir nicht die Augen. Was hieß, dass ich alles sehen würde. Jeden Weg, jeden Gang, an dem sie mich vorbeiführten.
Die Treppe hoch wurde ich kurz geblendet. Ich war Sonnenlicht nicht mehr gewöhnt. Doch schnell fand ich mein Augenlicht wieder und betrachtete unauffällig die Umgebung. Die Weiber waren viel zu selbstsicher. Einen Jäger so durch ihre eigenen Mauern zu führen, ein fataler Fehler.
Eine Schwesternschaft stellte ich verwundert fest. Ein altes Haus, in dem jung wie alt Schutz fanden. Es war außergewöhnlich, da schwarze Hexen sich so zusammenrotteten. Für gewöhnlich waren sie Eigenbrötler, doch andere Zeiten erforderten wohl andere Maßnahmen.
Ich sah mir alles in Ruhe an, merkte mir Gänge, Schrittzahlen, Geräusche und Fenster, während mich die Weiber hinaufführten. Schließlich kamen wir in einem großen Zimmer mit vielen Büchern an. Wohl Ihre Bibliothek.
An einem Schreibtisch saß die junge Oberste. Neben ihr ... Rachel.
Ich kam aus dem Grinsen nicht raus.
„Warum grinst der so?“, fragte sie gereizt. Niemand antwortete ihr. Weshalb sie mit erzürntem Blick mich ins Visier nahm. „Dummer Sterblicher.“
„Hexenhure.“ Ich machte eine Verbeugung, nun war sie es, die grinsen musste.
„Warum glaubst, du bist du hier?“
„Trennungsschmerz?“ Sie sah herüber zu Rachel, die mich keines Blickes gewürdigte. Mal wieder erfasst mich blanke Wut bei ihrem Anblick, doch ich war in der Lage, sie zu überspielen, sie zu schlucken, solange es auch sein musste.
„Du gehörst zu ihnen, du denkst wie sie. Du wirst uns helfen, unseren Sabbat zu halten. Da ja leider niemand außer du überlebt hat.“ Angewidert sah sie mich von oben bis unten an. Das gerade ich überlebt hatte, schien ihr gar nicht zu passen.
„Wieso sollte ich das tun?“ Sie starrte mich an. Sie hatte die Eier in der Hose verwirrt auszusehen.
„Weil du musst.“ Ich lachte. Blikte zu der Hexe neben mir und deutete auf die Oberste.
„Die hat ein Knall.“ Die Hexe neben mir schmunzelte nur eine Sekunde lang und sah Dan fort. Dann wendete ich mich wieder ihr zu. „Nein, sicherlich nicht.“ Ich begann im Raum auf und ab zu gehen, sah aus dem Fenster und wendete mich dann um. Die Hexen ließen mich, wohl aus Angst, wie ich reagierte, oder weil sie glaubten, ich sei machtlos. Für den Moment, hatten sie wohl recht. Doch es würde sich schon bald ändern ...
Ich ließ mich auf der Fensterbank nieder und streckte die Füße aus. Atmete entspannt aus und sah mir die Hexen an. Einige amüsierte mein Verhalten, andere hätten mich am liebsten in der Luft Zerissen, wegen meiner Respektlosigkeit.
„Ich muss nicht mal Scheißen, wenn du das sagst.“ Ihr Körper bebte, ihre Hände ballten sich zu Fäusten und ein seltsames gelbes Flackern entstand zwischen ihnen. Ihre Haare färbten sich rot, genau wie ihr Gesicht. „Ist sie nicht süß, wenn sie rot wird?“
„Das wirst du!“, schrie sie.
„Wer soll mich Zwingen? Frau, ich bin eine unglaubliche Heuchlerin, vielleicht?“ Ich deutete auf Rachel. Sie wendete sich ab. Ob sie Tränen verbarg? Mein Grinsen wurde breiter.
„Du bist so ein Arschloch“, warf mir die kleine Boxerin von eben vor.
„Wer hat je etwas anderes behauptet? Das Miststück? Ich bin ein Jäger Baby, ich würde dich aufschlitzen wie ein Schwein und den Wölfen zum Fraß vorwerfen, wenn ich die Gelegenheit bekomme und glaub mir, die bekomme ich.“ Sie zog sich zurück, hinter die ältere Blondine die nun nicht mehr so beschützerisch wie eben wirkte. Sie hatte unverkennbare Ähnlichkeiten mit der Obersten. Blond, strahlend blaue Augen, schlank und groß. Es mussten Schwestern sein, gebrandmarkt durch einen kleinen silbernen Armreif, den beide trugen. Der Tag hätte nicht besser werden können ...
„Das Schöne daran ist ...“ Ich sah hinaus. „... Das werde ich mit jeder Einzelnen von euch tun. Ich werde euch jagen und euch schlachten und wenn es das Letzte ist, was ich mache. Ganz zuletzt, wenn ihr dann alle verfault, nehme ich mir sie.“ Ich deutete auf Rachel, dessen ich Aufmerksamkeit ich nun hatte. Ihr Leib zitterte, ihre Augen seltsam leer. „Ich werde dir alles nehmen, Engel. Bis auf das letzte Leben. Du wirst freiwillig zu mir kommen, um es zu beenden, aber das werde ich nicht. Ich nehme dir alles, jeden Moment, jede Erinnerung, bis es alles verbrannt. Erst dann Engel, werde ich dich fliegen lassen und wir sind frei.“ Sie brach fast zusammen bei meinen Worten. Hielt sich haltsuchend an der Tischkante, Tränen liefen über ihr Gesicht. Es war ein schönes Schauspiel ihrerseits. Sie wollte Gefühle wecken, die längst gestorben waren, mit dem Hunter, der nun auf dem Sichelberg verfaulte. Wollte, dass sie die Macht wiedererlangte, die von Minute zur Minute schwand. Ich konnte schon fühlen wie sich meine Barriere, die niedergerissene Mauer, Stein für Stein zusammensetzte.
„Er ist ein Psychopath!“, schrie eine Hexe fauchend.
„Wir sollten ihn loswerden", bestätigte eine andere. Ich nahm einen tiefen Zug der Luft.
„Angst. Nur weiter, ihr Schlampen. Gibts mir!“ Damit schnippte die Oberste und ich wurde umgehauen. Ich wurde grinsend ohnmächtig, denn mein erstes Ziel war erreicht.

Ich wurde im Keller wieder wach. An meinen Händen die gewohnten Fesseln. Ich kam hoch und setzte mich auf. Ich rieb mir den Kopf und musste schmunzeln. Die waren verunsichert, verängstigt und durcheinander. Ein kolossaler Auftakt.
„Sie hat dich geliebt, weißt du.“ Ich sah in die dunkle Ecke, die nun langsam von Kerzenschein erhellt wurde. Das junge Mädchen vom Anfang saß in der Ecke. Sie hielt eine Puppe in der Hand.
„Ich glaube ja, sie liebt dich immer noch, auch wenn sie nun sieht, was für ein Monster du bist.“
„Monster sind Ansichtssache, meine Liebe.“ Nun Fand ihr unsicherer Blick meinen.
Für schwarze Hexen war viel zu viel Trauer in diesem Gebäude. Was war nur los mit den Guten allen Hexenbiestern, die die Sau rausließen und zeigten, was für Huren sie waren?! Langsam vermisste ich die Kinderfresserin, die Vaterhure und die Goldsucherin. Einige meiner besten Fälle und die schwierigsten schwarzen Hexen in meiner ganzen Laufbahn. Hatte den sonst niemand mehr Eier in der Hose? Es verdarb fast den Spaß an der Sache.
Sie blickte mich verwirrt an. Ihr haselnussbraunes Haar glänzte im Kerzenschein. Sie war erst um die sechzehn, vielleicht was jünger und sie war eine Unbestimmte, wie sie ...
„Ist sie deine Mutter?“
„Schwester.“
„Klar.“ Ich sah sie mir noch genauer an. Die Grünen Augen waren mir gleich bekannt vorgekommen, auch wenn sie drei Punkte, statt einer in ihrer Iris trug.
„Du glaubst ...“
„Ich weiß“, korrigierte ich. „Deine Schwester ist eine Abscheulichkeit. Sie spielt mit den Seelen anderer. Wer also Liebes ist das Monster?“
„Du wirst und töten.“
„Ihr habt mir einen Grund gegeben, es zu tun. Einen sehr guten sogar. Also mache ich, wozu ich geboren wurde. Ich töte Schatten.“
„Sie hat dein Leben gerettet, zählt das nichts?“
„Um es mir zu nehmen.“ Ihr Blick lag tief in meinem. „Nein. Deine Familie hat eine seltene Gabe Liebes. Ihr entlockt einer Seele die Wahrheit, deswegen gebe ich dir einen guten Rat. Lauf weit weg oder ich komme und hole dich. Egal, wo du dich versteckst. Denn du bist der Schlüssel.“ ich unterbrach, da ich das Grinsen nicht mehr zurückhalten konnte und auflachte.
„Schlüssel?“
„Zu dem unendlichen Schmerz deiner Schwester.“ Sie schluckte schwer. Ihr halbes Gesicht lag im Schatten, dennoch sah ich deutlich, wie sehr ihr Körper zitterte. Wie angsterfüllt ihre Augen waren, genau wie die ihre Schwester vor wenigen Minuten einige Meter über uns. „Deswegen werde ich dich finden, wenn es sein muss werde ich Jahre suchen. Und wenn ich dich dann endlich finde ...“ Ich leckte mir die Lippen. „Werde ich dir etwas hinausreißen. Auf die schrecklichste Art, die ich lernen durfte. Natürlich verrate ich dir nicht viel mehr, um dir die Überraschung nicht zu verderben. Nur, dass es grausam und bestialisch wird und du dir wünschen wirst, dass Rachel mich nie getroffen hätte. Oder besser noch. Dass du nie eine Schwester besessen hättest. Wie hört sich das an? Dass ich dir alles nehme?“ Ich zwinkerte ihr zu. Mittlerweile war sie so bleich wie die Wand. Ihr Körper bebte. Dann erhob sie sich, wobei sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Sie schlich hinaus und die Treppe hinauf. Das Licht erlosch und ließ mich ein letztes Mal zurück in meiner Dunkelheit.

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beta
Fairy Dust

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