8. In Florenz

In einem atemberaubenden Tempo erreichten wir seine Villa in den Hügeln hinter der Stadt. Es war ein Bau aus der Renaissance. Schlicht, ohne Schnörkel, mit einem Säulengang an der Vorderseite und einer Marmorfassade. Zur Stadt hin befand sich eine große Terrasse, die von einem Marmorgeländer umgeben war und ein riesiger Garten erstreckte sich um das Haus. Innen war es modern eingerichtet. Wegen seinem Alter hätte ich es anders erwartet. Doch vereinzelte Antiquitäten fanden sich natürlich auch darin und alte Gemälde. Magnus wies einladend auf das weiße Ledersofa im Wohnzimmer: „Setz dich!" Er beobachtete mich, wie ich mich umsah: „Und, gefällt es dir?" Ich nickte: „Ja, ich mag diese klassischen Häuser." Mit einem lüsternen Blick, setzte er sich neben mich und streichelte meinen Schenkel: „Schön. Du sollst dich hier wohl fühlen. Möchtest du noch oben nachsehen?" Seine Berührungen, entfachten wieder einmal das Feuer in mir und ich antwortete: „Ja, trag mich rauf."

„Gern." Dabei drückte er mir seine Lippen auf den Mund und hob mich auf seine Arme.

Wild küssend fielen wir auf ein großes Bett, in einem der Schlafzimmer und liebten uns leidenschaftlich. Diesmal konnte ich selbst meine funkelnden Augen und mein Gebiss im Spiegel, der über dem Bett angebracht war, sehen. Magnus Rücken zierten abermals tiefe Kratzer von meinen Nägeln. Ich meinte, solange er noch atmend auf mir lag: „Der Spiegel ist originell. Es macht mich an, wenn ich dich beobachten kann, wie du mich fickst." Er sah zu mir auf: „Das ist sonst mein Speisezimmer." Verwundert fragte ich: „Du machst es im Haus? Immer?"

„Nicht immer, aber oft." Ich bekam das Gefühl, dass sich bei ihm noch tiefe Abgründe für mich auftun würden. So wie sterbliche Männer sich aufgeilten, wenn sie sich selbst beim Sex im Spiegel sahen, so erregte es ihn wohl, wenn er sich beim Töten zusah. „Wann ist es wieder soweit?", fragte ich unverblümt. Auf Magnus Gesicht breitete sich ein teuflisches Grinsen aus: „Morgen. Möchtest du dabei sein? Wir können uns wieder ein Paar nehmen." Ich schüttelte den Kopf: „Nein, ich gehe lieber allein auf Jagd. Wenn wir uns besser kennen vielleicht." Er richtete sich enttäuscht auf: „In Irland war es dir egal gewesen."

„Da war ich auch zu hungrig", entgegnete ich.

Morgen würde ich zum ersten Mal in seinem Revier auf Beutefang gehen. Wie groß war sein Gebiet überhaupt und wo befand es sich? Als ich ihn danach fragte, antwortete er stolz: „Ganz Florenz! Ich sagte doch, dass ich der Herr der Stadt bin." Ich nickte anerkennend: „Welch ein Luxus, für mich! Aber ich dachte zuerst, es ist so wie bei Antonio. Er hat nur einen Teil von San Francisco als Revier und ist trotzdem der Herrscher der Stadt." Magnus lächelte: „Ich kenne ihn. Als ich mit Catherine in dieser Stadt war, hatten wir bei ihm gewohnt. Bis ich uns ein eigenes Haus erobert habe." Ich fragte erstaunt: „Du hast ein Haus in San Francisco?" Er lachte: „Ja. Ich bin an vier Furien geraten, die mich aussaugen wollten und habe sie vernichtet."

„Erzähl!", forderte ich ihn auf. Magnus grinste: „Willst du das wirklich hören? Eine Horrorgeschichte vor dem Einschlafen."

„So schlimm?" Er meinte: „Na, zumindest für die Frauen." Ich blickte ihn immer noch erwartungsvoll an, da sagte er: „Also schön. Du willst es ja nicht anders. Ich besuchte zum ersten Mal diesen Vampir-Club der Stadt. Ich war einer Gruppe von Jungen auf dieses Dach gefolgt. Drinnen sah ich mich ein wenig um und eine Unsterbliche sprach mich an. Sie lud mich zu sich nach Hause ein und als ich fragte, was sie denn zu bieten hätte, tauchten noch drei andere Frauen auf. Das wären ihre Freundinnen und ich könnte alle haben. Tja, die Aussicht auf eine Orgie mit vier Frauen, wollte ich mir nicht entgehen lassen und Vivian, die Anführerin, gefiel mir. Wir fuhren alle fünf in Vivians Limousine zu ihrem Haus und schon im Auto gingen sie mir gehörig an die Wäsche. Ich genoss es, so verwöhnt zu werden. Im Schlafzimmer tranken die Frauen zuerst von einem Mann, den sie schon dort gefangen gehalten hatten. Eigentlich war er für mich gedacht gewesen, aber ich hatte kein Bedürfnis. Mich interessierte nur diese Vivian. Nach dem sie einige Züge von dem Sterblichen genommen hatte, überließ sie ihn, den anderen. Das Blut hatte ihren Körper erwärmt und nun bewies ich ihr meine Stärke. Danach nahm ich mir die drei anderen Hübschen vor und es war auch alles wunderbar, bis zu Vivians letzten Biss in meine Kehle. Ich lag mit geschlossenen Augen da, solange sich mein Körper beruhigte und ich fühlte, wie sie sachte zubiss und trank. Ich dachte mir nichts dabei. Erst, als ihre Kiefer fester zupackten, der Sog stärker wurde und ich auch die Zähne der anderen im Fleisch spürte, erkannte ich, dass sie meine Kraft rauben wollten. Im selben Augenblick wurden ihre Umklammerungen stärker und ich fühlte Nägel, die sich in meine Haut bohrten. Sofort war ich wieder bei klarem Verstand, packte Vivian an den Haaren und riss ihren Kopf zurück. Sie schrie: »Haltet ihn fest.« Und sie versuchten, mich aufs Bett zu drücken. Ich wurde wütend und das mobilisierte meine Kräfte. Ich schlug nach den Frauen, zerrte sie von meinen Gliedern und schaffte es, aufzuspringen. Ab da hatten sie keine Chance mehr, gegen mich. Wie lauernde Katzen, umschlichen sie mich. Ich registrierte jede ihrer Muskelbewegungen und wartete auf ihren Sprung und als sie alle vier gleichzeitig angriffen, schleuderte ich sie gegen die Wände, zertrat Rippen, Arme und Beine und riss ihnen tiefe Wunden. Das herausfließende Blut, ließ sie schnell schwächer werden. Vivian kroch mit ihren zerschmetternden Beinen zur Tür. Sie versuchte zu entkommen. Während unseres Kampfes hatte ich ihre Absichten in ihren Köpfen gesehen. Sie hätten mich ausgesaugt und dann verbrennen lassen. Schließlich stand ich zwischen blutigen, gequetschten Frauenkörpern, die sich hilflos am Boden bewegten, wie gestrandete Fische. Ihre Kräfte waren versiegt. Auf dem Nachbargrundstück lagen dicke Holzpfosten, für einen Zaun herum und ich rammte vier davon in Vivians Rasen. Dann schleppte ich eine nach der anderen hinaus und spießte sie auf, wie früher, die Gepfählten. So konnten sie sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien und der zusätzliche Blutverlust schwächte sie sehr. Sie waren schon richtig ausgezehrt. Als Erste nahm ich mir die Anführerin vor und als ich ihr das Holz zwischen die Beine rammte, sagte ich: „Na, wie fühlt sich der an? Groß und hart, was!" Sie jammerten und fluchten, als der Morgen anbrach. Ich zog mich dann ins Haus zurück, schloss die Jalousie und wartete ab. Kurz darauf begannen ihre furchtbaren Schreie und trotz meiner Wut auf sie, erschütterte mich dieses Schauspiel. Durch einen winzigen Spalt beobachtete ich, wie sich ihre Haut schwarz färbte und sie mehr und mehr verschmorten, bis nur noch verkohlte Skelette an den Pfosten hingen. Diese Minuten kamen mir ewig vor und ich dachte, dass ich sie hätte vorher köpfen sollen. Nun legte ich mich, im Keller meines neuen Reiches, zum Schlafen nieder und am nächsten Abend habe ich ihre Gerippe in einen der Kellerräume geworfen, wo schon andere lagen. Mir wurde klar, dass ich fast hier gelandet wäre. Die hatten das als Sport betrieben, anderen die Kraft zu rauben. Das war die Geschichte mit den Furien."

„Apropos Morgen! Ich merke ihn bereits. Wo kann ich schlafen?" Magnus stand auf: „Ich zeige es dir. Lass die Klamotten liegen. Ich ziehe mich immer hier an. Unten sind nur die älteren Sachen." Ich trat durch die Tür zum Keller, da stellte ich fest, dass er die steinerne Treppe zerschlagen hatte und sich nach einigen Stufen, ein Abgrund vor mir auftat. „Das ist meine Absicherung vor unliebsamen Besuchern." Ich nickte nur und folgte ihm hinab. Wir betraten sein Zimmer, das angefüllt war mit Schränken und Truhen. „Das sind meine früheren Kleider", sagte er und deutete auf die Schränke. Ich entdeckte kein Bett in diesem Zimmer. Magnus öffnete eine weitere Tür und wir betraten einen kahlen Raum, in dem ein schwarzer Granitsarkophag stand. Ich erschrak ein wenig, denn ich hatte bisher noch nie in etwas geschlafen, was mit Tod zu tun hatte. Magnus schob den Deckel zur Seite, der mit Ranken aus Gold verziert war: „Du bekommst was Eigenes. Jetzt musst du eben noch mit meinem vorliebnehmen. Darin haben wir Beide Platz." Das Innere war angefüllt mit samtenen Decken und seidenen Kissen. Da konnte man sich richtig darin vergraben und es duftete nach Blumen. Ich sah zerknitterte Blüten zwischen den Stoffen. Wir bestiegen seinen Schlafplatz, ich kuschelte mich in die weichen Decken und Magnus schmiegte sich an mich. Er hielt mich im Arm, bis ich eingeschlafen war.

 

Am nächsten Abend machte sich Magnus im Bad vor den großen Spiegeln zurecht. Eitel begutachtete er seine wohlproportionierten Muskeln am ganzen Körper. Er griff zum Kamm und fuhr damit durch seine nassen, hellblonden Haare, die ihm bis zur Mitte des Rückens reichten. Sie dufteten nun stark nach diesen Shampoos, die er heutzutage benutzte. Er wusch sie nicht so häufig, wie seine Haut. Doch heute war ja ein besonderer Abend! Wie seine Gefährtin ging er heute ebenfalls auf Jagd. Schließlich betrat er sein Pseudoschlafzimmer und öffnete einen der Schränke. Er griff nach einer schwarzen Lederhose, einem schwarzen Hemd und einem weinroten Jackett. Diese Farben waren praktisch für die Jagd. Da er es gern unbeherrscht tat, ging auch mehr daneben. Magnus begutachtete nun sein Outfit in den verspiegelten Schranktüren. Endlich war er bereit! Lächelnd entblößte er sein blendendweißes Gebiss und fuhr mit der Zunge über die spitzeren, ein wenig längeren Eckzähne. Ein Kribbeln der Vorfreude breitete sich in seinem Bauch aus. Das Hungergefühl überkam ihn jedoch, was sehr unangenehm war. Magnus schwang sich in die Lüfte und im Nu stand er in einer einsamen Gasse der Stadt. Für einen Menschen hätte es ausgesehen, als wäre er an die Stelle gezaubert worden. Bis er in die Nähe von ihnen kam, bewegte er sich weiterhin zu schnell für sterbliche Augen, zwischen den Häusern hindurch. Sein Weg führte ihn zuerst zum Dom. Dort schlenderten noch viele Touristen herum und das Pulsieren ertönte in seinen Ohren. Dieser Rhythmus begleitete ihn durch die Straßen, wie Hintergrundmusik. Manchmal hörte er Gedanken, die auf ihn gerichtet waren. Die Frauen sahen ihm verstohlen nach und dachten, was für ein attraktiver Mann er war. Doch bis jetzt interessierte ihn keine. Normalerweise suchte er sich schon weibliche Opfer, aber er ließ trotzdem den Zufall entscheiden. Meistens ergab es sich irgendwie, dass er die Richtige traf. Ach ja, und er bevorzugte blutjunge Frauen. Teenager, nannten sie sich heute. Diese Vorliebe hatte er schon immer gehabt, von Anfang an. Heutzutage war das in ihren Kreisen schon fast verpönt. Viele tranken nur noch von Verbrechern. Ihn hat das Verbotene immer besonders gereizt. Damit hatte er sogar einmal seine große Liebe vertrieben.

Catherine, eine Neugeborene ihrer Art, war damals so bestürzt gewesen, weil er zwei Mädchen in seinem Bett getötet hatte, dass sie ihn Hals über Kopf verließ und sagte, sie könne nicht mehr mit ihm zusammenliegen, ohne dieses schreckliche Bild vor sich zu sehen. Na ja, sie war eben noch zu verhaftet mit ihrer sterblichen Moral gewesen. Alle Versuche, sie zurückzugewinnen, schlugen fehl. Sie liebte ihn zwar immer noch sehr, aber ihr Verstand verbot ihr zurückzukehren. Magnus tröstete sich schließlich damit, dass sie, eben doch nicht die Richtige für ihn gewesen war. Inzwischen stand er am Ufer des Arno, über eine Mauer gebeugt und blickte auf die Lichter der Fenster, die sich im Wasser spiegelten. Das Schicksal hatte sie vor einigen Jahren wieder vereint und diesmal blieben sie eine Zeit lang zusammen. Gemeinsam reisten sie in der Welt herum, trafen viele andere Unsterbliche, bis jeder doch wieder seine eigenen Wege ging..

Plötzlich horchte er auf. Drei junge Italienerinnen schlenderten plaudernd auf ihn zu. Sie unterhielten sich angeregt, wie Italiener das eben tun. Mit gestikulierenden Armen und Händen. Er sog kurz tief Luft ein, schürzte leicht die Oberlippe, um ihren Geruch aufzunehmen. Als seine Adern mit einem heftigen Zusammenkrampfen antworteten, lächelte er. Magnus wollte die drei Hübschen mit zu sich nach Hause nehmen. Erotische Spiele und trinken! Er setzte sein verführerisches Lächeln auf, als die Drei ihn fast erreicht hatten. Natürlich, stach ihnen der hochgewachsene Mann mit der hellblonden, wallenden Haarmähne sofort ins Auge. Die Mädchen hatten genau das richtige Alter, so achtzehn, neunzehn und bereits Erfahrung mit dem anderen Geschlecht. Auf irgendwelche unbeholfenen Anfängerinnen hatte er keine Lust. Nun sprach er sie freundlich an: „Ciao, meine Hübschen! Könnt ihr mir sagen, wo heute Abend, was los ist?" Das Mädchen mit den langen, dunklen Locken antwortete lächelnd: „Ciao." Sie betrachtete seine blauen Augen und meinte: „Möchtest du mit uns kommen?" Er gefiel ihr sehr. Auch ihre Freundinnen waren ganz von ihm angetan. „Ja, komm einfach mit. Wir gehen in einen Club", sagte das Mädchen mit den dunkelblonden Haaren. Die Dritte von ihnen hatte Schwarze, Kürzere und war schüchterner, als die anderen zwei. „Ich begleite euch gern", sagte er und folgte ihnen.

Er erfuhr ihre Namen. Angelina war die mit den Locken, Sophia hieß die Dunkelblonde und Petronilla die Schüchterne. Sie fragten, woher er käme und dass er für einen Ausländer so gut italienisch sprach. Denn nach seinem Äußeren war er eindeutig kein Einheimischer. Magnus antwortete wahrheitsgemäß, er stamme aus Schottland und lebe seit einiger Zeit in Florenz. Er hätte auf den Hügeln ein Haus und ob die drei Lust auf eine private Party hätten. Angelina und Sophia sagten sofort zu, versprachen sich ein erotisches Abenteuer mit diesem faszinierenden Mann, Mitte oder Ende zwanzig. Petronilla zögerte. Magnus bemerkte, dass sie ihm nicht traute und sie spürte die Gefahr. Manche Sterbliche hatten feine Antennen dafür. Auch ihre Freundinnen konnten sie nicht zum Mitkommen überreden. Sie wollte allein weiter und ging schließlich. Magnus blickte ihr noch nach, aber zwei würden auch genügen.

Er winkte ein Taxi herbei und sie stiegen ein. Auf der Rückbank näherte er sich vorsichtig Angelina, legte seine kühle Hand auf ihren nackten Schenkel. Er spürte, dass seine seidigen Finger sie erregten und sie ersehnte mehr. In ihren Gedanken spanten sie das Geschehen weiter. Seine Hand unter ihrem Kleid strich langsam den Schenkel hinauf, bis zu ihrem Höschen. Ihr Herzschlag begehrte auf und ihr Atem wurde schneller. Ihr intimes Parfüm strömte ihm entgegen und er ließ von ihr ab, um nicht in Rage zu geraten. Er fühlte ein Ziehen in den Lenden. Sein Organ hatte sich versteift. Die Lust musste noch warten, bis sie bei ihm Zuhause waren. Er lehnte sich wieder entspannt im Sitz zurück. Magnus achtete absichtlich nicht auf den Puls der jungen Frau, damit die Gier nicht erwachte. Das hob er sich für später auf. Doch ab und zu quälte ihn das Zerren seiner Adern. Sie forderten mit Nachdruck das Blut der Beiden. In seinem Alter war er erst fähig, solange mit ihnen zu spielen, wie er es vorhatte, bis er endlich trank. Als junger Unsterblicher hatte er der Gier nicht widerstehen können. Schon die Gegenwart vieler Menschen hatte ihn gequält, wenn er hungrig war.

Das Taxi hielt in seinem Hof, er bezahlte und die Mädchen folgten ihm ins Haus. „Schicke Bude! Wow!", sagte Angelina und blickte sich um. Sophia sah sich ebenfalls um und grinste. Magnus verschwand in der Küche und brachte eine Flasche Chianti mit ins Wohnzimmer, wo die zwei sich schon auf dem weißen Sofa breitgemacht hatten. „Ihr trinkt doch sicherlich einen Wein mit mir", sagte er, während er drei Gläser aus dem Schrank holte. „Gern. Du hast es sehr schön hier." Sophia lächelte ihn zärtlich an. „Danke", erwiderte er, entkorkte die Flasche und goss die Gläser ein. Magnus stieß mit ihnen an und nahm scheinbar einen Schluck. Er setzte zur Tarnung nur das Glas an die Lippen. Nach dem ersten Glas wurden die Mädchen ungeduldig. Sie sehnten sich nach seinen Berührungen und Magnus erfüllte gern ihre Wünsche. Er saß zwischen ihnen, küsste die eine und streichelte die andere. Sie waren sofort ergriffen von Hingabe.

Ohne zu zögern, ließen sie sich nach oben in sein Schlafzimmer führen. Magnus Vorfreude stieg. Er begann sich vor ihnen auszuziehen und Sophia und Angelina machten es ihm nach. Der Anblick seines athletischen, makellosen Marmorkörpers, brachte sie in Stimmung. Er legte sich nun auf das Bett nieder und wartete, bis die Beiden sich zu ihm gesellten. Diese heißen, vibrierenden Leiber an seinem zu spüren, war wundervoll. Er küsste zuerst die einen Lippen, dann die anderen, stieß seine Zunge hinein. Dann galt seine ganze Aufmerksamkeit, Sophia. Er schob sich auf sie, während sie bereitwillig ihre Schenkel öffnete. Oh ja, auf das hatte er gewartet. Ihr Duft, der ihm nun in die Nase stieg, machte ihn nur noch lüsterner. Er musste sich zügeln, durfte nicht grob in sie eindringen. Die Natur hatte ihn nämlich ganz gut ausgestattet und auch wenn er vorsichtig war, tat er manchen weh. Magnus nahm sie, schwelgte in Glücksgefühlen. Doch der Krampf seiner Adern meldete sich und es wurde schwerer zu widerstehen. Sie stöhnte auf vor Lust. Ihr pulsierender, heißer Körper lag unter ihm und die Gier stieg langsam hoch. Magnus leckte über ihre salzige Haut am Hals und ihre Lippen trafen sich abermals. Danach schmeckten die Sterblichen immer. Nach salzigem Schweiß und dem Eisengeruch des Blutes. Er ließ ihre Zunge in seinen Mund dringen und wollte nun von ihr kosten. Sachte biss er hinein und saugte daran. Die Hitze strömte in seinen Magen und sofort in jeden Teil seines Körpers. Er spürte, wie der heiße Saft jeden Winkel seines Leibes erreichte. Sophia empfand nur einen kurzen Schmerz, doch dann kam ein Wärmegefühl und es verstärkte ihre Erregung. Magnus Bewegungen waren sehr kraftvoll. Es elektrisierte sie. Der Hausherr fühlte Angelinas Lippen und Hände an seinem Rücken und an seinem Hintern. Sie streichelte ihn währenddessen. Magnus spürte seinen Höhepunkt näherkommen. Das war der Augenblick, an dem er die Beherrschung verlor und seinem Hunger endlich nachgeben konnte. Sophia schwelgte in ungeahnter Ekstase, erbebte unter ihm, ihre Lustschreie erstickt von seinem Mund, der immer noch ihre Zunge festhielt und trank. Ihr Puls raste, der Blutdruck stieg rapide an. Magnus genoss seine letzten Bewegungen und dann erzitterte sein Körper. Er riss knurrend die Kiefer auf und packte Sophias Kehle. Das war der Gipfel der Genüsse! Die Mischung aus sexueller Lust und die Befriedigung seines Tötungstriebes, war ein Erlebnis von berauschender Macht. Er spürte die kurze Anspannung ihres Körpers, als seine Zähne durch die Haut drangen.

Als Magnus sich Angelina zuwandte, lag Sophia erschlafft auf dem Bett. Er hatte seinem ersten Opfer nur so viel Blut geraubt, bis es starb. Dann endete nämlich sein Genuss. Der Reiz daran war das Pulsieren. Nun konnte er diesen Rausch ein zweites Mal erleben. Angelina würde er so viel nehmen, bis er satt war und er konnte sie schonungsloser töten. Bei Sophia musste er das Geschehen noch vor ihrer Freundin verbergen. Angelina dachte wirklich, sie würde nun erschöpft schlafen. Hitzig begann sie ihn zu streicheln und zu küssen. Sie knieten sich gegenüber auf dem Bett und Magnus zog sie eng an sich. Er war nun heiß vom frischen Blut, fast wie im Fieber. Deswegen erschien ihm ihr Körper nun nicht mehr so warm, aber es spielte keine Rolle. Sophias Blut hatte ihn wieder in Erregung versetzt, sein Organ reckte sich abermals in die Höhe. Angelina umfasste es anerkennend und rieb mit ihren warmen Fingern daran: „Wie hast du es am liebsten?" Magnus lächelte, streichelte und küsste ihre Brüste: „Dreh dich um dabei." Sie gehorchte. Diesmal entwich ihm schon ein Knurren, als er sich in sie schob. Er liebte diese warme, nasse Enge ihres Schoßes und das Pochen davon. Magnus unterdrückte sein Knurren, aber ihr hämmernder Herzschlag, nahm seine ganzen Sinne gefangen. Er hatte nur noch Ohren für diesen Rhythmus und die Gier in ihm wurde heftiger. Er krallte seine Finger fester in ihr Fleisch. „Du tust mir weh, Magnus. Hör auf!" Doch er dachte nicht im Entferntesten daran. Im Augenblick war er zu sehr in Stimmung. Er riss ihren Kopf an den Haaren zurück und schlug seine messerscharfen Zähne in ihre Ader. Angelina verkrampfte sich bei seinem Biss, griff panisch nach hinten in seine Haare und zerrte daran, um ihn von sich abzubringen. Absolut lächerlich, diese Gegenwehr der Sterblichen! Er könnte sie lässig zerquetschen. Seine Aufmerksamkeit galt vollkommen ihrem Blut. Warm und dickflüssig, rann es seine Kehle hinunter, während er weiter in sie stieß. Beide Körper, beide Herzen verschmolzen zu einem. Sie wehrte sich nicht mehr und dämmerte allmählich dahin. Magnus ließ von ihr ab und sie fiel auf die Bettdecke, bewegte sich vor ihm, wie in Zeitlupe. „Bitte verschone mich!", röchelte sie. „Zu spät! Du stirbst." Er legte sich neben ihr nieder, küsste ihre weichen Schenkel und grub seine Zähne hinein. Magnus fühlte, wie ihr Leben langsam entwich. Das Herz schlug immer schwächer und unregelmäßiger. Sie verlor schließlich das Bewusstsein. Magnus setzte noch einmal ab, um ihren Tod hinauszuzögern. Er löste sein Gebiss aus ihrem Fleisch und wandte sich der Stelle zu, aus der er am liebsten trank. In heutiger Zeit waren die Frauen dort, sogar fast kahl rasiert. Das erhöhte den Reiz! Dann senkte er genüsslich seine Zähne in ihren Schamhügel, als wäre es eine Frucht und sog so stark er konnte. Das Pulsieren erfasste ihn wieder, doch es wurde schnell schwächer und erstarb. In seinem Körper tobte es weiter. Das Blut pochte gegen seine Schläfen und diese bestimmte Befriedigung breitete sich in ihm aus. Sein pulsierender Körper sank neben ihre Leiche auf die blutige Decke und starrte nach oben in den Spiegel über dem Bett. Magnus kostete seine Gefühle vollkommen aus. Er betrachtete sein blutverschmiertes Gesicht und seine blutbespritzte Brust. Der Anblick des roten, glitzernden Saftes auf seiner hellen, matten Haut, entzückte ihn. Die toten Mädchen lagen rechts und links neben ihm. Angelina genauso blutverschmiert, wie er und Sophia fast unversehrt, außer ihrer kleinen Halswunde. Das Pochen in ihm verlangsamte sich jetzt, seine Brust hob und senkte sich nun nicht mehr so heftig und die Hitze in seinem Körper ließ nach.

Widerwillig machte er sich ans Aufräumen. Das war das Lästige an der Jagd. Dass man die Toten beseitigen musste, damit einem niemand auf die Schliche kam. Doch Magnus war gut dafür gerüstet. Er hatte sich einen Brennofen im Keller einbauen lassen, den er schon am frühen Abend eingeheizt hatte. Nun zog er die Leintücher von der Matratze, wickelte die Körper und das blutige Bettzeug darin ein und trug alles, wie einen großen Sack hinunter vor seinen Ofen, wo es komplett in den Flammen verschwand. Von den beiden Hübschen würde fast nichts übrigbleiben.

Magnus huschte schließlich hinauf ins Badezimmer, um die Spuren an ihm zu beseitigen. Er stellte die Dusche an und rieb sich das getrocknete Blut von der Haut. Nachdem er einen seidenen Morgenmantel übergezogen hatte, setzte er sich auf seine Terrasse, genoss die Nachtluft, den Sternenhimmel und die Lichter der Stadt unter ihm. Es war für ihn ein Abend gewesen, ganz nach seinem Geschmack. Blut, Sex und Gewalt! Er musste ihnen immer weh tun, zwangsläufig, weil er so unbeherrscht war. Zurückhaltung war noch nie seine Stärke gewesen. Ein leichtes Vibrieren erfasste seine Glieder und kurz darauf, stand seine Jessica am Geländer der Terrasse.

 

 

Meine Jagd in der nächsten Nacht verlief erfolgreich und ich kehrte danach gleich zu Magnus Villa zurück. Er saß, ebenfalls gesättigt, auf einem schmiedeeisernen Gartenstuhl, nur mit einem Morgenmantel bekleidet, auf der Terrasse und lächelte erfreut, als er mich erblickte. „Ciao, Jessica! Du hast dich zurechtgefunden, wie ich sehe." Ich ging zu ihm und küsste seine Lippen: „Klar. Kein Problem!" Dann fasste ich in seine Haare: „Sie sind ja feucht." Er erwiderte: „Ja, ich habe das Blut abgeduscht." Ich erinnerte mich wieder an Irland, wie verschmiert er dort im Gesicht gewesen war. Wahrscheinlich sah er bei sich zuhause noch schlimmer aus. Und ich wagte nicht daran zu denken, wie die Opfer zugerichtet waren. Vermutlich war es in Zukunft besser, wenn ich in diesen Nächten das Haus verließe. Ich wollte die Mädchen nicht sehen, die er anschleppte und später zerfleischt im Bett, oder ihre Schreie hören. Er küsste und umarmte mich leidenschaftlich und wir verfielen in eine innige Knutscherei. Magnus biss mir dabei in die Zunge und saugte daran. Das erregte mich jedes Mal sehr und noch mehr, wenn er seine auch öffnete und sein Blut in meinen Mund fließen ließ. Sobald ich von ihm trank, kamen die Bilder der Burg und der Frau mit dem kastanienbraunen Haar wieder. Der Name Magdalena schwirrte durch meinen Kopf. Sie war eine Sterbliche, dort oben auf dem Turm. Ein hellgrüner Schleier wehte im Wind und sie strahlte Magnus voller Glück an. Dann war er ihr ganz nah, küsste ihre warmen Lippen und lauschte ihrem Herzschlag. Er wartete auf seine erwachende Gier und flüsterte ihr altenglische Worte ins Ohr, die ich nicht verstand. Seine Lippen strichen über ihren Hals, ich fühlte das Pochen an ihnen und mit einem leisen Knurren, drangen seine Zähne durch die Haut. Ab da begann ein Taumel aus Ekstase, wie ich ihn selbst kannte und endete, damit, dass er selbst ziemlich ausgesaugt wurde. Er wollte es gut machen, ließ sie so viel von seiner Schlagader trinken, wie nur möglich, bis er sich schwach fühlte. Es kostete ihn alle Anstrengung, es ihr nochmals zu nehmen, aber er schaffte es und hielt sie danach erleichtert im Arm. Damit endete die Übertragung seiner Erinnerung. „Wer war diese Magdalena?", fragte ich scheinbar unwissend. Ich konnte ihm ja nicht sagen, dass ich seine Akte gelesen hatte, oder einen Teil davon. Magnus leckte zärtlich das Blut von meinen Lippen: „Meine Gemahlin. Ich heiratete sie nach christlichem Ritual und verwandelte sie danach. Sie existiert immer noch irgendwo und sie war meine erste große Liebe."

„Warum heiraten? Und hast du keine Sehnsucht nach ihr?" Er lächelte: „Sie wünschte es sich. Für mich bedeutete diese Religion nichts. Ich wuchs noch mit den alten Göttern auf. Nein, uns genügt es, zu wissen, dass es den anderen noch gibt."

 „Den keltischen Göttern?" Er nickte: „Ja. Als ich jung war, kamen die ersten Missionare nach Britannien. Später, als ich erwachsen war, beteten viele schon den Christengott an. Aber nebenher verehrten wir immer noch die alten Götter. Es hing vom Stammesoberhaupt ab, ob er zur neuen Religion übergetreten war." Ich fragte weiter: „Und wann wurdest du geboren?" Magnus zuckte die Schultern: „So nach Mitte des 9. Jahrhunderts. Ich weiß es nicht genauer. Ich war der Erstgeborene und schon immer ein Draufgänger gewesen. Ich wollte unbedingt ein Krieger werden und den Heldentod sterben." Er grinste und fuhr fort: „Tja, das hat mich letztendlich zur Unsterblichkeit gebracht. In einer Schlacht gegen die Nordmänner, die regelmäßig unser Land überfielen, geriet ich in ihre Gefangenschaft. Ich war nur leicht verwundet worden. Ein Messerstich in den Oberarm. Zwei weitere Krieger wurden mit mir, auf ihr Drachenboot gebracht und so begann die Fahrt in den Norden. Die übrigen Gefangenen waren noch auf dem Festland geopfert worden. Wir sollten ihrem Stammesgott, als Opfer dienen. Er bekäme nur die tapfersten und schönsten Krieger. Das entsprach nun gar nicht meinen Vorstellungen von einem heldenhaften Tod. Auf irgendeinem Opferstein abgestochen zu werden, wie ein Vieh. Wir drei hockten zwischen diesen furchteinflößenden Nordmännern im offenen, kalten Boot, aber sie behandelten uns gut. Wir bekamen genug zu essen, Dörrfleisch und in Salz eingelegter Fisch und Felle für die frostige Nacht. Einer von ihnen sprach ein wenig angelsächsisch, verpflegte unsere Wunden und erzählte über diesen Stammesgott. Dass er sehr mächtig und stattlich sei und von unendlicher Weisheit. Sie würden nachts schon seinen Ruf hören und somit wissen, dass sie bald zu Hause wären. Seine Stimme kam einfach in ihre Köpfe. Ich wurde neugierig auf diesen Gott, der körperlich zu sein schien, so wie der Mann erzählte. Wir erreichten endlich ihr Dorf und wurden in eines der Langhäuser gebracht. Dort wurden wir dann richtig gehegt und gepflegt von jungen, hübschen Frauen." Ich warf dazwischen: „Das hat dir sicher gefallen." Er lächelte: „Schon. Ich hatte ja nicht mehr lange zu leben und da wollte ich das noch ausnutzen. Ich weiß nicht, wer da wen, mehr wollte. Ich musste keine überreden. Große, willige Frauen mit langen, blonden Haaren. Wer konnte da widerstehen?" Ich tätschelte seinen Arm: „Schon gut."

„Die ganze Zeit über, waren wir in dem Langhaus. Ich bekam vom Dorfleben nichts mit, aber die Frauen, übrigens Sklavinnen, erzählten noch mehr über den Gott. Alle acht Nächte bräuchte er ein Menschenopfer und uns, würde nun die Ehre zu Teil werden, ihm unser Blut zu geben. Natürlich konnten sie nicht sagen, wie die Opferung ablief und so wusste ich nicht, was mich erwartete. Nach acht Nächten wurde der Erste von uns, in der Abenddämmerung geholt und natürlich kehrte er nicht zurück. Wir wussten nicht, was wirklich mit ihm geschehen war. Als dann, nach einer weiteren Woche, der Nächste gehen musste, war ich erleichtert, dass mir noch acht Tage blieben. Und die kostete ich noch mehr aus, als bisher. Ich stopfte mich mit Speisen voll, besoff mich mit Met und nahm jede Nacht eine andere Sklavin. Die bedauerten mein baldiges Verscheiden. Es wäre ein Jammer, dass ich für den Gott sterben müsste. Die Heilung meiner Verletzung war durch die fürsorgliche Pflege schon gut vorangeschritten. Ich spürte kaum noch Schmerzen im Arm. Doch das würde mir auch nichts mehr nützen. Ich versuchte, meine Ungewissheit über mein Schicksal zu mildern, indem ich die Frauen über den Gott ausfragte. Sie gaben mir gern Auskunft über ihn. Er wäre stark, wie zwanzig Männer, sehr schön und er wisse alles über mich. Er hätte bestimmt, dass ich der Letzte sein sollte. Diese Aussage verwirrte mich, aber die Frauen meinten, dass der Gott in die Herzen sehen könne und erkannte, wer gut und wer schlecht war. Das machte mich sehr neugierig auf dieses Wesen. Sie sprachen so ehrfürchtig und gut von ihm. Er war wohl keine rachsüchtige Gottheit. Als sie dann eines Mittags das Schwitzbad herrichteten, wusste ich, dass die Nacht gekommen war. Es war immer die gleiche Prozedur gewesen. So ein Dampfbad kannte ich vorher noch nicht, war aber nicht schlecht und sie rieben mich mit Kräutern ab und gossen kaltes Wasser über meine erhitzte Haut. Dann wurde ich noch mit aromatisiertem Öl eingerieben und bekam über meine Blöße einen Umhang aus weißem Fuchsfell umgehängt. Bei Sonnenuntergang eskortierten mich einige Krieger zu einem kleinen Boot, in dem drei Priester saßen. Sie trugen helle, lange Gewänder und murmelten etwas, als sie mich sahen. Inzwischen verstand ich ihre Sprache ein wenig und hörte heraus, dass ich des Gottes wirklich würdig wäre. Das Dampfbad hatte mich so aufgewärmt, dass ich nicht fror, trotz meiner Nacktheit unter dem Umhang. Die Priester ruderten mich zu einer kleinen vorgelagerten Insel. Dort begrüßten mich Symbole in Baumstämme geschnitzt und ein Pfad aus stilisierten Holzfiguren, führte zu einem steinernen Thron. Sie führten mich, bis ein paar Schritte vor den Thron und deuteten an, ich solle niederknien. Ich gehorchte und wartete gespannt auf das Erscheinen des Gottes. Als ich nur kurz den Blick senkte und wieder aufsah, saß er plötzlich da. Erschrocken zuckte ich zusammen. Den Priestern war es ähnlich ergangen, denn ein überraschtes Raunen ging durch ihre Mitte. Dieses Wesen wies ihnen mit einer Hand an, sich zu entfernen, was sie auch sofort taten. Ich hörte das Rascheln von Gras hinter mir, doch meine Aufmerksamkeit galt dem Gott. Ich war beeindruckt von seiner Erscheinung. Langes, rotblondes Haar, die blasse, matte Haut und sein ausgeglichener Gesichtsausdruck. In seinen Augen schimmerte es blau und er hatte lange, gebogene Fingernägel. Außer einem weißen Tuch um die Hüften, trug er nichts und so bewunderte ich auch seinen athletischen Körper. Die funkelnden Augen, oder die Nägel erschreckten mich nicht, denn ich wusste ja, dass er kein Mensch war. Es war ein Zeichen seiner Göttlichkeit. Meine Furcht vor dem Tod, war wie weggeblasen. Dann erhob er sich und forderte mich mit einer Geste auf, es ihm gleichzutun. Solange ich aufstand, war er plötzlich direkt vor mir. Das irritierte mich. Ohne die Lippen zu bewegen, sagte er, dass ich keine Angst haben solle. Im Hintergrund hörte ich das Platschen der Ruder und er legte mir seine kühlen Hände auf die Schultern. Wir sahen uns in die Augen und ich betrachtete, wie gebannt das Funkeln darin. Er zog mich näher an seine ebenfalls kühle, nackte Brust, strich mein Haar zurück und öffnete das Band meines Umhangs. Er fiel zu Boden und der Gott streichelte mit beiden Händen über meine Arme, meine Brust und meinen Bauch. Es verursachte ein wohliges Kribbeln überall und als das Wesen begann meine Wangen und meinen Hals zu küssen, regte sich etwas anderes. Meine Angst war weit entfernt. Ich fühlte seine zarten Lippen auf meinen und hörte seine Stimme im Kopf sagen: ‚Du bist wunderschön, mein Freund! Ich werde dich zu einem Gott machen, wie ich es bin. Du wirst ewig leben.‘ Ich ließ alles zu, was er mit mir tat. Ich war so berauscht von meinen Gefühlen und es spielte keine Rolle für mich, dass er den Körper eines Mannes hatte. Er war ein göttliches Wesen mit sehr irdischen Bedürfnissen und ich genoss es natürlich sehr." Ich lachte: „Typisch! Magnus verführt den Gott."

„Na, er hatte mich verführt, aber in gewisser Weise hat ihn doch mein Äußeres verführt. Er gestand mir, dass er mich sofort wollte, als er mich das erste Mal in dem Haus sah. Am Ende spürte ich den Schmerz am Hals und ich erstarrte zuerst vor Entsetzen, aber die einsetzende Erregung, während er saugte, entspannte mich wieder. Als ich im Sterben lag, drückte er meinen Mund an seinen blutenden Hals und ich trank. Immer gieriger und solange stürmten uralte Bilder auf mich ein, von Tempeln in der Wüste, Gelagen und vergossenem Blut auf Steinfliesen. Ich begriff, dass ich ein Wesen der Nacht werden würde, dass die Sonne mich tötete und dass ich das Blut der Menschen trinken müsste. Ich sog das ganze Wissen des Gottes in mich auf. Nachdem er mich von sich wegschob, fühlte ich wieder den scharfen Schmerz und den starken Sog. Ab da wurde es dunkel um mich. Ich erwachte in einer tiefen Felsspalte und schon das Herausklettern machte mir meine neuen Kräfte deutlich. Mühelos erklomm ich die steilen Felswände und oben angekommen erwartete mich der Gott. Er hockte im Gras und stand auf, als er mich sah: „Willkommen in der Götterwelt, Magnus! Du bist noch schöner geworden. Fast überirdisch!" Er reichte mir frische Kleider, denn ich war immer noch nackt und dann erklärte er mir noch mehr über mein neues Dasein. Er sagte auch, dass ich in der morgigen Nacht, mein erstes Opfer bräuchte. Leider verbrachte ich nur eine kurze Zeit bei meinem Schöpfer Eskild. Er erklärte mir, dass hier nur Platz für einen Gott war. Das sah ich ein und nachdem er mir noch gezeigt hatte, was ich als Neugeborener wissen sollte, verließ ich ihn. Tja, so begann meine Odyssee." Er hielt mich im Arm und wir standen am Geländer, um die Lichter der Stadt zu betrachten. „Du hast es wirklich schön hier", sagte ich. „Ich weiß jetzt schon, dass ich Italien immer lieben werde. Nur mit der Sprache hapert‘s noch. Ich war bis jetzt kaum unter Menschen, um sie zu lernen." Magnus küsste meine Wange: „Ich kann mit dir italienisch reden, wenn du willst. Dann lernst du es schnell." Ich war einverstanden und er begann sofort damit. Dann war er noch erotischer, wenn er diese melodische Sprache benutzte. Ach, Gott! Ich schmolz dahin, bei seinem „Ti amo", das er mir ins Ohr hauchte.  „Ma bella, Jessica. T'idolatro. Ti porto nel palmo della mano."

"Ich verstehe dich zwar nicht, aber diese Worte machen mich scharf. Nimm mich, sofort."

Magnus drängte sich an mich und flüsterte: „Es heißt: Ich vergöttere dich. Ich trage dich auf Händen." Ich öffnete den Seidenmantel, streichelte und küsste seine Brust: „Ich mag es, wenn du so schwülstige Sachen sagst." Er meinte: „Gehen wir rein! Mir ist nicht mehr so wohl hier." Ich nahm ihn an die Hand und führte ihn in das Speiseschlafzimmer. Er streifte sich vollends den Mantel ab und legte sich auf die abgezogene Matratze des Bettes. Magnus schien nur auf mein Tun zu warten. Er blickte mich erwartungsvoll an: „Na, was ist? Mach weiter, wo du aufgehört hast." Ich registrierte das komplett abgezogene Bett und fragte mich wieder, was hier wohl geschehen war. Dann stieg ich langsam aus meinem Kleid und gesellte mich zu ihm. Sein Anblick weckte immer sofort meine Begierde. „Komm, mein Hengst!", forderte ich ihn schließlich auf. Das brauchte ich nicht zweimal zu sagen. Magnus stürzte sich, wie ein Wolf auf mich, packte mit den Zähnen mein Genick, als er in mich stieß. Oh, wie wild er sich gebärdete. Und danach zitterte er noch Minuten später, am ganzen Körper. „Oh Gott, Liebes! Du hast mich wirklich fertig gemacht." Ich lächelte nur: „Schön, das freut mich." Er küsste mich und sagte: „Ich werde mich rächen."

Die zwei Nächte, bis zu meiner nächsten Mahlzeit, besichtigte ich in Ruhe die Stadt, mit meinem neuen Gefährten. Wir hatten auch schon meine Kleider aus dem Hotel abgeholt, da Cornelius und Jack abgereist waren. Jack hatte mir noch eine schriftliche Nachricht hinterlassen, in der er mir alles Gute wünschte, aber ich solle mich trotzdem vor Magnus in Acht nehmen. Ihm wäre er nicht geheuer und wenn er ehrlich war, hatte er sogar Angst um mich. Ich war froh, dass er mir nicht mehr böse war, wegen Cornelius. Aber wollte er mir Magnus absichtlich madig machen, oder wusste er mehr, als ich?

Florenz gefiel mir übrigens sehr. Überall greifbare Geschichte und des Öfteren ertappte ich mich dabei, an Cornelius zu denken, weil es seine Geburtsstadt war. Magnus passte das gar nicht: „Was denkst du immer noch an diesen Kerl? Genüge ich dir nicht?" Ich streichelte beruhigend seine Wange: „Er ist immerhin mein Schöpfer. Das kann ich nicht so einfach vergessen. Aber du weißt doch, dass ich dich liebe. Du bist der attraktivste, potenteste Mann für mich." Daraufhin lächelte er geschmeichelt und war wieder zufrieden. Er war wohl sehr eifersüchtig und ich wusste nicht, wie er auf einen Seitensprung reagieren würde. Obwohl, vielleicht war es ihm egal, wenn es nur um Sex ging. Bei Cornelius befürchtete er sicher, dass ich immer noch viel für ihn empfand. Nun, hier in Florenz würde ich nicht in Versuchung kommen, denn Magnus duldete nur Frauen in seinem Revier. Die Männer vertrieb er. Typisch Mann! Da fühlte er sich, wie der Pascha im Harem und sie waren natürlich alle scharf auf ihn. Er konnte sich bedienen und hatte das bisher auch hemmungslos getan. Ich bildete mir nicht ein, dass er es jetzt plötzlich bleiben ließ, wegen mir. So triebhaft, wie er war. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden. Magnus war, entgegen der Erwartung, ein sehr liebevoller Gefährte. Seiner Partnerin las er jeden Wunsch von den Augen ab. Nur im Bett war er sehr stürmisch und unbeherrscht, aber ich stellte fest, dass diese Raubtiernummer sehr erregend war. Es weckte ebenfalls das Tier in mir. Wahrscheinlich war unsere Spezies für diese Art der Liebe geschaffen, denn ich hatte dabei die heftigsten Orgasmen.

Wir gönnten uns einen entspannten Abend in einem Straßencafé am Piazza Della Signoria, um die Sterblichen zu beobachten. Wir saßen am Tisch, wie ein menschliches Liebespaar. Magnus hielt meine Hand, die auf dem Tisch lag und bestellte uns eine Karaffe Rotwein, als der Kellner kam. Mein Gefährte goss uns dann die Gläser ein und wir stießen an. Ich führte es, der Tarnung wegen, kurz an die Lippen und stellte es wieder ab. Die Geranien neben unserem Tisch waren ideal den Inhalt später unauffällig zu entsorgen. Mir fiel wieder seine neue Akte ein und ich sprach ihn darauf an: „Wie war das eigentlich damals, als du lange verschwunden warst? Antonio hatte davon gesprochen. Warst du im Koma?" Magnus seufzte: „Ja, leider. Ich war vierhundert Jahre alt, als mich ein sehr mächtiger Unsterblicher herausforderte. Er war fremd in Schottland. Ich kannte ihn nicht, aber mir war klar, dass ich unterliegen würde. Und ich glaubte, dass das Schicksal mich in meiner Unsterblichkeit eingeholt hatte. Dass es meine Bestimmung, als Krieger war, im Kampf zu sterben. Aber ich wollte noch nicht sterben und so floh ich, soweit ich damals in einer Nacht kam. Das war bis Sarajevo." Ich fragte weiter: „Und wie bist du wieder erwacht?" Er entgegnete: „Ein Forscherteam fand meinen ausgedorrten Körper und einer verletzte sich wohl an meinen Zähnen. Es reicht schon wenig Blut, um uns zu wecken. Nach meiner Auferstehung ging ich bald nach Amerika und kurze Zeit später erschien Catherine. Ich verbrachte einige Wanderjahre mit ihr und als sie nach Schottland zurückkehrte, ließ ich mich hier nieder. Ich lächelte: „Du hast dir wirklich einen schönen Platz ausgesucht. Ich genieße es!" Er nippte abermals am Wein: „Das sollst du auch. Es soll dir an Nichts fehlen." Mir fiel ein verliebtes Pärchen auf. Das erinnerte mich an meine sterbliche Zeit und mir erschien sie Lichtjahre entfernt. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen zurückzukehren. Die beiden waren in Flitterwochen, so wie ich es aus ihrem Gespräch heraushörte. Ein wenig wehmütig, dachte ich daran, dass mir eine leibliche Familie versagt bleiben würde. Ich fragte Magnus: „Hattest du Kinder in deinem sterblichen Leben?" Er zuckte die Schultern: „Ich weiß es nicht. Ich war nicht verheiratet, aber wahrscheinlich hüpften ein paar Bastarde von mir herum. Wenn ich nicht unfruchtbar war, sicherlich. Du kannst dir ja denken, dass ich kein Kostverächter war." Ich musste lachen: „Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen. Du warst unter den anderen Männern sicher so berüchtigt, dass sie ihre Frauen vor dir versteckt haben."

„Na, so schlimm war es nicht. Ich war ja als Krieger meistens unterwegs und nicht lange an einem Ort. Deshalb weiß ich auch nicht, ob eine Frau von mir schwanger wurde." Magnus als Vater konnte ich mir nun überhaupt nicht vorstellen. „Wie war es eigentlich kurz nach deiner Verwandlung? Hattest du da was mit Sterblichen? Ich frage so doof, weil ihr Männer noch so vier Tage danach, zeugungsfähig seid." Mein Gefährte zog die Augenbrauen zusammen: „Sind wir das?"

„Ja. Ich erfuhr es von einem Halbvampir, der so gezeugt wurde. Er hat viele Vampir-Eigenschaften, ist aber sterblich. Ich habe ihn bei Antonio getroffen." Magnus warf ein: „Ach, Silvio! Ich habe ihn auch kennen gelernt. Das war das erste Mal, dass ich so jemanden gesehen habe. Aber, um auf deine Frage zurückzukommen. Ich war anfangs zu sehr mit meinen neuen Fähigkeiten und meinem Blutdurst beschäftigt, dass ich diese Sache versäumt habe." Ich beobachtete abermals das Paar, das sich verliebt in die Augen sah und sich anlächelte. Ähnlich, war es bei Magnus und mir auch. Er sah mich genauso an und wir hielten Händchen über den Tisch. Dann blickte er ebenfalls zu ihnen hinüber, schmunzelte und meinte: „Ja, ja, diese Touristen. Zum Glück haben wir die meisten Orte nachts für uns allein. Komm! Gehen wir noch in den Boboli-Garten." Ich war einverstanden. Die Karaffe war fast leer, der Wein in den Blumen und mein Gefährte legte Geld auf den Tisch, um dann mit mir Arm in Arm, über die Piazza zu schlendern, bis wir außer Sichtweite von Menschen waren. Dann schnellten wir in die Luft und waren kurze Zeit später im Garten. Magnus legte sich auf die Wiese vom letzten Mal und sagte: „Ich komme öfters hierher, wenn ich allein sein will, oder meine romantische Stimmung habe." Ich kuschelte  mich an ihn und spielte mit seinen langen Haarsträhnen, zwischen den Fingern. Sie waren seidiger, als meine. Sicher, weil er älter war. Unsere Haare gingen mit der Zeit auch, durch Beanspruchung aus und dann sprossen Neue. Nur die Länge blieb so, wie bei der Verwandlung. Martin hatte erzählt, dass sogar unsere Zähne nachwuchsen. Ihm hatten die Wissenschaftler seine Eckzähne herausgeschnitten und innerhalb von zwei Nächten hatten sie die ursprüngliche Länge wieder. Pünktlich zur nächsten Mahlzeit. Unverwüstlich war unser Gebiss wahrscheinlich nicht und dann war es, gut zu wissen, dass die Zähne nachkamen. Wer will schon Jahrhunderte mit Zahnlücken rumlaufen? Nur Gliedmaßen bildeten sich nicht neu. Sie wuchsen allerdings wieder an. Antonio hatte es mir einmal mit seinem Finger demonstriert. Er holte ein großes Messer aus der Schublade in der Küche, legte seinen Mittelfinger auf die Arbeitsplatte und hackte ihn ab. Dann schob er ihn ein Stück von dem Stumpf an der Hand weg und der abgetrennte Finger zuckte, wie der abgeworfene Schwanz einer Eidechse. Sah richtig ekelig aus und noch mehr, als dann aus dem Finger und dem Stumpf die Adern herauskrochen, wie Würmer und ihr Gegenstück suchten. Hatten sich zwei Enden gefunden, wuchsen sie sofort zusammen und zogen den Finger schließlich an die Hand zurück. Am Ende sah man nur noch die rötliche Linie des Schnitts, der mit der Zeit auch noch verschwand. Ich glaube, als Sterbliche hätte ich bei dem Ganzen kotzen müssen. Amputationen hatten mich immer mit Grausen erfüllt und mein Kreislauf war dabei zusammengeklappt. Nur wenn ich sie im Fernsehen gesehen hatte. Im wahren Leben blieb mir der Anblick zum Glück erspart.

Mein Liebster zog mich auf sich und küsste mich. Seine Hände fuhren unter meine Bluse und er knetete meine Brüste. Als er sich auch an meiner Hose zu schaffen machte, löste ich mich von seinen Lippen und meinte: „So, so. Das ist also deine romantische Ader." Er grinste nur schelmisch.

 

 

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