8. Kapitel

Das Handy des Kommissars klingelte. Er holte es aus seiner Jackentasche. Es war keinesfalls ein neues Modell, doch es war noch funktionsfähig. Wer den Kommissar sprechen wollte, war der Arzt Joseph Greidt. Dieser klärte Kommissar Eichler über den Status des Patienten Victor Sander auf: „Herr Sander hat die ganze Zeit über die selbe Körpertemperatur von fünf Grad minus. Wir haben mit dem geheizten Raum und einem Heizstrahler versucht, ihn wieder auf Normaltemperatur zu bekommen. Doch es hat nichts gebracht. Von sich aus zeigt er auch keine Lebensfunktionen. Wir müssen ihn für tot erklären.“ „Er ist tot?“ Es folgte eine kurze Pause. „Dann sagen Sie dem Gerichtsmediziner Bescheid. Das kann auf keinen Fall ein natürlicher Tod gewesen sein. Ich setze mich dann mit ihm in Verbindung, wenn die Ergebnisse der Obduktion da sind“, meinte der Kommissar. „In Ordnung, ich kümmere mich darum“, meinte Herr Greidt. Darauf folgte wiederum eine kurze Pause, bis Kommissar Eichler sagte: „Danke, dass Sie mich informiert haben. Wir hören voneinander.“ Danach legte er auf.

'Wie kann so etwas nur passieren', fragte er sich. Nun würde erst einmal die Obduktion erfolgen. Die, so hoffte er, würde neue Erkenntnisse bringen. Er ging zum Büro der Kriminalpolizei. Dort wollte er seine Kollegen von der neuen Entwicklung unterrichten. Auf dem Weg dorthin klingelte wiederum sein Handy. „Guten Tag, hier ist Kommissar Eichler von der Kriminalpolizei. Was kann ich für Sie tun?“ „Ich wünsche ebenfalls einen guten Tag. Hier ist Frank Schneider, der Arbeitgeber von Victor Sander. Ich wollte mich bei Ihnen nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen erkundigen. Wissen Sie, Victor Sander war einer meiner besten Angestellten. Und wenn er jetzt für längere Zeit ausfällt, muss ich jemanden neues einstellen. Das ist wirklich nicht einfach – es gibt nicht viele solche Arbeitnehmer wie Herrn Sander.“ „Weshalb war er denn so ein guter Angestellter?“, wollte der Kommissar wissen. „Er war immer pünktlich auf Arbeit und hat seinen Job gut gemacht. Überstunden hat er gerne übernommen und Familienprobleme hatte er auch nie. Und jetzt, wo ich das so sage, fällt mir ein: Ich weiß gar nicht, ob Herr Sander noch Familie hat. Davon hat er ja nie gesprochen. Und ehrlich gesagt interessiert mich das auch nicht, wenn auf Arbeit alles seinen Gang geht. Wie geht es Herrn Sander eigentlich zurzeit? Bisher hat man noch nichts weiter von ihm gehört. Die Umstände sind bisher auch unklar. Das bereitet mir ein wenig Sorgen. Wissen Sie, wie so ein Ereignis dem Ruf des Unternehmens schaden kann? Vielleicht findet irgendein Ermittler heraus, dass Herr Sander zu viel gearbeitet haben soll. Natürlich stimmt das nicht, aber man weiß ja nie, was den Leuten von der Polizei so einfällt. Wie soll ich da bloß einen Ersatz für die Stelle von Herrn Sander finden?“ „Kein Ermittler lässt sich hier irgendetwas einfallen“, unterbrach ihn der Kommissar und legte auf.

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    Diese Geschichte ist wie müßiges Schlendern durch die Sonne, einen Weg entlang, an dessen Rändern lauter schöne Kleinigkeiten zu sehen sind. Und ich grinse die ganze Zeit. Dazwischen die kühle Sachlichkeit des sechsten Kapitels - es ist eine wunderbare Mischung.

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