8. September 1926

Durch meine neue Perspektive, konnte ich schon einiges neu zusammensetzen und andere Verbindungen, welche mir zuvor als plausibel erschienen, trennen. So bildete sich nach und nach ein Konstrukt, welches mich dazu geführt hatte, das Leben von Dante T. Paige zu analysieren. Ich studierte nun also ihn selbst, statt seinem geschriebenem.

Dante T. Paige wurde schon lange vor seinem Aufenthalt in der Nervenheilanstalt von dem Merkwürdigen, dem Abscheulichen und dem Okkulten angezogen.

Ich wusste schon durch seinen Lebenslauf und einem Großteil seiner Kriminalakte, die ich mir zwei Tage zuvor durch einen Studenten besorgen ließ dessen Vater eine gute Verbindung zum Polizeichef von Arkham hatte, dass er im Alter von 23 mehrmals im Polizeirevier festgenommen. Jedoch wurde die Kaution stets von seinem Großvater bezahlt. Er litt damals des Öfteren an unerklärlichen Wutausbrüchen. Dies wurde mir durch den Blick in seine Patientenakte offenbart, welche mir mein Freund Dr. Stevens bereitstellen konnte, da dessen Frau eine bedeutende Position in der Nervenheilanstalt Arkham einnahm und so Zugang zu den Patientenakten hatte.

Dante wurde mehrmals wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung angezeigt, doch sein Großvater bezahlte stets die Kaution – egal welche Höhe dieser Betrag auch hatte.

Am 3. Januar 1916 gab es jedoch ein besonders hohes Bußgeld. Sonst sind keine Aufzeichnungen von diesem Tag in den Akten zu finden. Als Grund wurde „Körperverletzung“ angegeben.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Geldstrafen nicht höher als vierhundert Dollar und somit dürften sie auch kein Problem für den Großvater Dantes gewesen sein. Jedoch belief sich die Strafsumme dieses eine Mal auf über 140.000 Dollar. Ich vermutete, dass der Großvater hiernach wohl irgendeine Gegenmaßnahme – wie eine Therapie oder ähnliches – gegen die Wutanfälle traf. Die Tatsache, dass hiernach kein Eintrag mehr in der Strafakte war und - laut Patientenakte - die Besuche in der Nervenheilanstalt häufiger wurden, bestätigte meinen Verdacht.

Nach ein paar Stunden hörte ich ein Klopfen an meiner Haustür und die, durch die Tür abgedämpfte, Stimme meiner Schwester, welche nach mir rief. Ich vergaß in meinem Forschungswahn, dass ich mir eine Ausrede für meine offensichtlich gefälschte Erkrankung und die Notwendigkeit nicht aus dem Haus gehen zu müssen, einfallen lassen wollte bevor sie auftauchen würde.

Ich räumte den Tisch, schob alle Akten schnell in eine Schublade und öffnete meine Haustür. Ich war noch nie allzu gut darin, meiner Schwester ins Gesicht zu lügen. Aus meinem Mund kamen dementsprechend auch nur wirre und unsinnige Versuche einen falschen Grund für meine nicht-Krankheit zu entwickeln. Schlussendlich gab ich auf und erklärte ihr die Lage. Ich erwähnte jedoch kein Wort von dem Fortschritt meiner Forschung oder den okkulten Details - wie das Al-Azif.

Ihre Reaktion war verblüffend gelassen. Sie betitelte mich lediglich scherzhaft als „Idioten mit schrägen Ideen“. Anscheinend war sie schon mit Vorfreude über die Zeit, die wir gemeinsam verbringen würden, gefüllt, dass sie meine Abschottung eher als Schert wahrnahm. Da mir ihre Einstellung so direkt in die Karten spielte, ging ich nicht weiter darauf ein und setzte mich mit ihr in die Küche um Belanglosigkeiten auszutauschen. Eine kleine Pause vom Denken, schien mir gerade sowieso wie gerufen.

Den Rest des Tages verbrachte ich im Gespräch mit ihr und schlief anschließend auf meinem Sessel ein, während ich ihr mein Bett im Schlafzimmer bereitstellte.

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Fairy Dust

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