Über den Nutzen von kleinen Zehen kann man debattieren. Aber man wird zu dem Schluss kommen, dass wir bis auf den großen Zeh, der uns zum Halten des Gleichgewichts dient, eigentlich keine weiteren Zehen brauchen. So kommt es wohl, dass die anderen, besonders der sogenannte "kleine Zeh" immer wieder auf der Suche nach Ersatzaufgaben sind, die ihr Dasein berechtigen. Geschützt, weil mittig, kommen Nummer zwei bis vier hauptsächlich freudige Ereignisse zuteil. Verwöhnt von bunten Nagellacken und oft weitgehend verschont von der gefürchteten Nagelbettentzündung gibt es auch kaum Konfrontationen mit agressiven, herumliegenden Gegenständen. Die einzige Gefahr, für die Nummer zwei bis vier noch prädestiniert sind, ist ein hartnäckiger Fuß-/Nagelpilz. Der kleinste von ihnen aber, liebevoll und bezeichnend "kleiner Zeh genannt, ist ein fürwitziges Kerlchen, das gerne mal im Weg steht. Besonders oft stellt er sich bei der Wahl der Schuhe quer: die tollsten Pumps im Sonderangebot werden vom kleinen Revoluzzer boykottiert, als wäre schiere Schadenfreude sein Hauptmotiv.
Schon in der Geschichte hackten sich Mädchen die Zehen ab, um den Prinzen zu heiraten!

Der Esszimmerstuhl, oder auch Sessel genannt, gehört zu Gattung der Möbelstücke. Er ist ein weitgehend dynamisches Kerlchen, was ihn von einer Bank oder einer Couch unterscheidet. Doch basierend auf dieser Dynamik, ist er auch oft an Stellen anzutreffen, an denen er nichts verloren hat. Oft zu weit weg von seinem Platz nahe dem Tisch, entwickelt er einen Freiheitsdrang, der bis zur Aggression führen kann. Man muss Konsequenz walten lassen und sollte ihn immer der Obhut des Esstisches übergeben, damit er sich geborgen fühlt.

In der freien Wildbahn gleicht das Zusammentreffen eines kleinen Zehs und einem Stuhlbein meist dem eines Yorkshireterriers und eines Rottweilers. Der kleine Zeh wirft sich fürwitzig mit voller Energie ans Stuhlbein. Der wehrt sich natürlich mit voller Wucht, wobei der Zeh dann eigentlich immer den Kürzeren zieht und manchmal einen Besuch in der Notaufnahme außer Frage stellt.

Gibt es eine Lösung für das Kompatibilitätsproblem?
Um ein Miteinander im Alltag zu erleichtern, bietet sich die Möglichkeit an, dem kleinen Zeh einen Maulkorb in Form von Hausschuhen zu verpassen. Der Stuhl sollte am Besten immer in seiner vertrauten Umgebung, zum Tisch gerückt, ruhen.

Comments

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    Du sprichst mir mit diesem Text aus der Seele. Ich bin so unglaublich tollpatischig, dass ich mir gefühlt einmal pro Woche den Zeh breche, gerne auch Nummer zwei bis vier... gute Besserung und viel Glück, dass schmerzhafte Zusammententeffen von Zehen und Möbelstücken ausbleiben ;)

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    Sehr erheitern - Lachen ist die beste Medizin :D - Gute Besserung. :)

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    Sehr lustig geschrieben, hast mich gut unterhalten! ;-)

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