Al Kēme

Nachtrag vom 07. Mai 2016

Das Experiment ist nun seit einer Woche zu Ende. Ich muss einfach teilen, was uns da widerfahren ist. Ich werde nun nach und nach die ganze Geschichte online stellen. Es tut mir leid Hannah :(

5. April 2016 - 12:00 Uhr

Ich möchte mich bei euch entschuldigen. Wir hatten Streit. Hannah will nicht mehr, dass wir diese Einträge hochladen, zumindest nicht, bis sich das Experiment entweder als Erfolg oder als harmloser Fehlschlag herausstellte.

Auslöser für diese Unstimmigkeiten war folgendes Gespräch über die Gesetzen der Alchemie, und darüber was wir hier eigentlich taten:

Als angehender Alchemist und Spagyriker wird man sich zunächst an Pflanzen versuchen: Man destilliert sie, mazeriert sie, kalziniert weiße Asche aus ihnen, stellt die ersten Tinkturen, Essenzen oder sogar Elixiere her...

Dies ist die sicherste Form der Alchemie, und perfekt für Neulinge geeignet, da ein Gebräu aus Salbei und Brennnesseln einen kaum töten oder krank machen wird, selbst wenn man es vollkommen falsch angeht.

Die nächste Etappe führt den aufstrebenden Alchemisten in die Welt der Edelsteine. Eine Heilsalbe aus Achat? Ein trinkbares Elixier aus Quarz? Hier braucht man schon wesentlich mehr Erfahrung, und es ist nicht immer ganz ungefährlich.

Erreicht man schließlich Meisterschaft, so kann man sich an Metalle wagen. Ein Heilmittel aus hochgiftigen Schwermetallen zu erzeugen, oder die Elemente zu transmutieren, kann schon allein durch das Einatmen der falschen Dämpfe tödlich enden.

Als ich Hannah heute davon erzählte, hielt sie einen Moment lang inne und fragte schließlich: »Pflanzen, Edelsteine und Metalle, das ist die Reihenfolge?«

Ich nickte. »Richtig«

Hannah wurde misstrauisch. »Aber welche Art von Alchemie betreiben wir dann hier? Den Stein der Weisen aus Blut herzustellen, das klingt nicht gerade, als würde es in eine der drei Kategorien fallen«

Ich lächelte gequält und überlegte, wo ich nur beginnen sollte. Es war an der Zeit, ihr von den Hierophanten von Kēm zu erzählen.

Es gibt viele Theorien, woher die Bezeichnung "Alchemie" ursprünglich stammte. Die für mich glaubwürdigste ist, dass es von "al kēme" kommtDer Altägyptische Name für Ägypten selbst lautete "Kēm" und "al kēme" bedeutete etwa soviel wie "aus Ägypten stammend".
Und die Ägypter, so erzählt man sich, waren es damals, die die Alchemie erfunden, sie perfektioniert... und sie letztendlich zu weit getrieben haben.

Ich bin der Überzeugung, dass selbst Dinge wie Einbalsamierung und vermutlich sogar der ursprüngliche Zweck der Pyramiden letztendlich auf die verlorene Alchemie von Kēm zurückzuführen sei.

»Angeblich gibt es eine verbotene Form der Alchemie, von der kein lebender Meister erzählen möchte. Die Arbeit mit Blut, Knochenmehl und anderen Körperteilen...«, begann ich schließlich zu erzählen. »Ich glaube zwar nicht, dass es stimmt, doch einmal habe ich eine Legende gehört, wie die exzessive Ausübung dieser verbotenen Kunst letztendlich sogar zum Fall des alten Ägypten geführt haben soll«

»Von was genau reden wir da?«, fragte Hannah. »Schwarze Magie? Totenbeschwörung? Voodoo?«

»Gar nicht mal so weit daneben«, antwortete ich zögerlich, wenngleich es etwas lächerlich klang. »Ich habe dir ja schon von der Wirkung der Alchemie auf die menschliche Seele erzählt... so ähnlich ist das hier. Manche der alten Hierophanten glaubten, sie könnten die Seele eines Menschen auf ewig binden, wenn sie nur seine gemahlenen Schädelknochen zu einem Elixier verarbeiteten.«

Hannah sah mich verstört an.

»Ich will ehrlich zu dir sein, Hannah.«, meinte ich, »Was wir hier vorhaben, das würde kein Alchemist, den ich kenne, auch nur im Ansatz gut heißen. Aber Newton hat...«

»Genug!«, antwortete Hannah. »Du weißt, ich glaube überhaupt nicht an die Alchemie. Klar, man kann damit Duftwässerchen und ähnliche Spielereien erzeugen, aber alles was darüber hinausgeht halte ich persönlich für unwissenschaftlichen Aberglauben.«

»Heißt das, du machst du immer noch mit?«

»Nur unter einer Bedingung: hör auf diese Berichte zu veröffentlichen, bis wir wissen was dabei herauskommt. Ich fühle mich nicht wohl dabei!«

»Okay... versprochen.«

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Meg Out

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