Albtraum

Yuu stand am Rande eines großen Steinfeldes. Vor ihm steckte sein Schwert im Boden und auf diesem stand ein Junge in perfekter Balance. Seine langen violetten Haare wehten im Wind und seine Ohren liefen spitz zu. Er trug ein schwarzes ärmelloses Top, einen weißen langen Rock, keine Schuhe und seine Arme wurden von Handschuhen bedeckt, die seine Schultern und Finger jedoch freiließen. Zusätzlich wuchsen zwei kleine Hörner aus seinem Kopf. Yuu wusste genau, wer er war. Der Dämon Asuramaru, der in seiner Klinge lebte und mit dem er einen Deal abgeschlossen hatte. Jeder, der in der ‚Japanischen Kaiserlichen Dämonenarmee‘ diente, besaß eine solche Klinge und in jeder schlummerte ein Dämon. Die geistig Schwachen wurden meistens von ihren Dämonen besessen und mussten nach dem Deal getötet werden. Yuus Team war eines der wenigen, in dem alle Mitglieder sie selbst geblieben sind. "Schön dich wiederzusehen", meinte Asuramaru grinsend und der Junge sah ihn misstrauisch an. Er durfte auf keinen Fall unachtsam werden, sonst würde der Dämon das unweigerlich für sich nutzen. "Was willst du?", fragte er knapp. Sein Gegenüber sprang von dem Schwert herab und stand nun genau vor ihm. Er war deutlich kleiner als Yuu, der Junge schätzte ihn auf etwa dieselbe Größe wie Krul, und seine Figur war so zierlich, dass man kaum annehmen würde, dass er ein gefährlicher Dämon war. Er erinnerte eher an ein zwölfjähriges Kind, ähnlich wie Krul es tat. Er sah ihn mit seinen roten Augen sauer an. "Erinnerst du dich noch, welchen Deal wir abgeschlossen haben?", fragte er ihn und Yuu erwiderte seinen Blick überrascht. "Ich sagte, ich würde dir meine Kraft leihen, damit du deine Familie vor den Vampiren beschützen kannst", frischte Dämon seine Erinnerung auf. "Aber wo bist du denn gerade? Oh, bei den Vampiren!", rief er und fasste sich übertrieben theatralisch an den Mund. "Das verstößt gegen unseren Deal mein Lieber. Sag mir also, warum ich deinen Körper nicht hier und jetzt übernehmen sollte." Yuu dachte angestrengt nach. Was er als nächstes sagte würde entscheiden, ober leben oder sterben würde. "Ich beschütze meine Familie immer noch", begann er vorsichtig. "Nur hat sich meine Definition für Blutsauger etwas geändert." Asuramaru kicherte. "Deiner Meinung nach sind es also die Menschen, die tatsächlich die Blutsauger sind?", fragte er ihn grinsend und entblößte seine spitzen Eckzähne, die ihm aus seiner Zeit als Vampir geblieben waren, bevor er an Hunger starb und ein Dämon wurde. Yuu nickte. "Äußerst gewieft, die Tatsachen so zu verdrehen", meinte der Dämon. "Aber reicht das, um mich zu überzeugen?" Er kam gefährlich nahe an Yuu heran bleckte seine Zähne. Der Junge blieb regungslos stehen. Er durfte jetzt keine Angst zeigen. "Ich denke schon", antwortete er ruhig und Asuramarus Augen leuchteten auf. "Das reicht!", ertönte da eine hallende Stimme hinter Yuu. Eine Stimme, die Yuu unter tausenden erkennen würde. "Halte dich zurück Asuramaru! Er hat dir einen guten Grund genannt!", befahl Omnix und der Dämon trat fauchend zurück. "Glück gehabt Yuu", meinte er. "Aber irgendwann wirst du einen Fehler machen und dann…" Er schleckte sich grinsend über die Lippen. Omnix trat nun in Yuus Sichtfeld, welcher sich noch immer nicht umgedreht hatte. Er wagte es nicht, dem Dämon den Rücken zuzukehren. Der Reinkarnitor beugte sich gefährlich nahe an eben jenen heran. "Du hast also wirklich bereits vergessen, wer du einst warst, ansonsten würdest du nicht so erpicht auf den Deal sein", meinte er leise. "Fragmente meiner Erinnerung sind zurückgekommen, seit ich bei Yuu bin, aber nichts genaues", antwortete Asuramaru. "Dann lass mich nun deine Erinnerung auffrischen, Ashera Tepes!" Asuramaru wich erschrocken zurück, als er diesen Namen hörte und die Landschaft verschwand plötzlich.
Yuu setzte sich erschrocken in seinem Bett auf. Er brauchte eine Weile, um zu erkennen, wo er war. Natürlich. Er war in Kruls Schloss, in Sanguinem. Omnix, der neben seinem Bett stand, sah ihn besorgt an. "Alles in Ordnung?", fragte das sternenübersäte Wesen ihn. "Du…du hast mich gerettet", flüsterte der Junge. Omnix setzte einen unschuldigen Blick auf. "Ich habe keine Ahnung, wovon du redest", antwortete er scheinheilig. "Komm bitte so bald wie möglich in den Thronsaal. Krul möchte dich sehen. Ach ja, bring auch dein Schwert mit." Mit diesen Worten verließ er Yuus Zimmer und war verschwunden. Der Junge blickte auf seine Dämonenklinge, die neben seinem Bett lag und schwach leuchtete. Das war kein Traum gewesen. Es war real. Er seufzte erschöpft. Hoffentlich hatte er jetzt wieder eine Weile Ruhe von seinem Dämon. Hastig stand er auf und machte sich bereit, um in den Thronsaal aufzubrechen.

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