Alice

Wenn du ein Krankenhaus betrittst, fühlst du dich Augenblicklich krank.
Der Geruch von Desinfektionsmittel, Angst und Tod liegt in der Luft und erinnert dich daran, wie ausgeliefert du als Patient bist.
Im Bett mit der harten Matratze liegend, an deinem Körper trägst du nichts, ausser der Unterwäsche und dem hässlichen Krankenhausnachthemd, das am Rücken offen ist und unfreiwillig viel preis gibt, was nicht für jedermanns Auge bestimmt ist. Du bist der Krankheit, mit all ihren hässlichen Gesichtern und den Ärzten ausgeliefert, die alles dafür tun, das die Gesichter wieder verschwinden.*Satz einbauen Dieser Teil erneuern!!!!
Doch viel zu schnell sitzt man wieder in den kahlen Räumen, hat den Krankenhausduft in der Nase, obwohl man ihn gerade erst losgeworden ist. Das piksen, befragen, hinlegen, Aufnahmen machen und auf das Resultat warten fängt wieder an. Weil ich ein Geschwülst über dem Knie habe und man herausfinden will, was es damit auf sich hat.
Weil ich seit meinem 5 Lebensjahr an Krebs leide, der immer und immer wieder kommt, egal wie stark die Chemo oder die Bestrahlung war, ein teil bleibt immer zurück und wartet nur darauf wieder zuzuschlagen.
Nachdem alle Untersuchungen beendet sind, werde ich zurück in mein Zimmer gebracht.
Meine Mutter sitzt wie ein häufchen Elend auf dem Stuhl und weint leise.
Sie sieht nicht auf, als ich vom Rollstuhl ins Bett klettere und meinen Kopf ins Kissen sinken lasse.
Doch kaum hat mein Kopf das Kissen berührt, klopft es an der Tür und einen blonde Schwester kommt mit einem Blutdruckgerät rein. «Ich muss den Blutdruck messen.»sagt sie in einem geschäftlichen Tonfall. Ich strecke den Arm aus und blicke aus dem Fenster, während die Schwester misst.
Sie notiert den Wert und verlässt ohne ein Wort mit mir, oder meiner Mutter zu wechseln das Zimmer.
Das ist typisch auf dieser Station. Zu viele Patienten die Versorgt werden müssen..... 
Ich starre an die weisse Deck, die Gedanken kreisen um ein Thema.
Was wenn es wieder Krebs ist? Was wenn ich wieder kämpfen muss?
Ich bin es leid diesen Kampf zu kämpfen, ich hab keine Kraft mehr.
Die Chemo, die jegliche Kraft aus dir saugt, dich Stunden über der Kloschüssel hängen lässt, die Haare.....
Die Bestrahlung die zusätzlich dazukommt, die ganzen Infusionen und Medikamente die du bekommst.
Aber wie soll ich das meinen Eltern beibringen, das für mich der Kampf vorbei ist, weil die Wunden zu tief sind? Ich drehe den Kopf zu meiner Mutter, die in der gleichen Position verharrt wie als ich ins Zimmer kam. Meine Mutter.Sie hat so viel für mich getan, so viele stunden an meinem Krankenbett gesessen und gehofft, das ich gesund werde, das der Krebs nie wieder kommt aber sie wurde so viele male enttäuscht, musste so viele weiter male hoffen, das ich wieder gesund werde.
Die helle Nachmittagssonne verschwindet nach und nach ohne das ich es merke, so sehr bin ich in Gedanken. Erst eine berrührung an meiner Schulter holt mich in die Realität zurück. « Das Abendessen ist da, was möchtest du trinken Alice?»fragt mich eine Krankenschwester. «Habt ihr Fanta?»frage ich. Das erste mal seit ich wieder zurück im Zimmer bin, hebt meine Mutter den Kopf. «Alice.»sagt sie in einem leisen, ermahnenden flüstern. Doch ich achte nicht auf sie und warte die Antwort der Schwester ab, die meine frage bejaht. «Alice nimmt ein stilles Wasser.»mischt sich meine Mutter ein. Wie immer. «Nein ich will eine Fanta!»widerspreche ich ohne meine Mutter anzublicken. «Frau Kreuler bitte wenn ihre Tochter eine Fanta will, soll sie eine bekommen.»schlichtet die Schwester. Meine Mutter will protestieren,  lässt es aber bleiben. 
Das essen lasse ich links liegen, ich trinke nur die Fanta. Als ich ausgetrunken habe drücke ich den Schwesterrufknopf. Es dauert ein paar Minuten bis endlich eine Schwester kommt. « Ja Alice?»sagt sie so freundlich wie möglich, aber der gestresste Unterton ist unüberhörbar. «Bringen sie meine Mutter in das Familienzimmer ich möchte gerne alleine sein.»sage ich. Meine Mutter schaut mich an, die enttäuschung über mein Entscheid, das sie im Familienzimmer schlafen muss, ist ihr ins Gesicht geschrieben, aber sie steht ohne ein Wort auf und folgt der Schwester aus dem Zimmer. Die Tür geht zu und kaum ist das Geräusch verklungen fallen mir die Augen zu.
Als ich aufwache ist es draussen noch dunkel. Das Handy auf meinem Nachttisch sagt, das es halb sieben ist. Ich möchte mich auf die andere Seite drehen und die halbe Stunde die zum schlafen bleibt bevor der Weckdienst kommt nutzen, aber ich bin hellwach. Die Luft im Zimmer ist warm und stickig und ich merke das ich frische Luft und bewegung brauche. Ich gehe zum Kleiderschrank und ziehe mich rasch warm an. Auf Zehenspitzen schlüpfe ich aus dem Zimmer und schliesse vorsichtig die Tür. Ich schleiche zu den Fahrstühlen und drücke auf den Knopf. Das pling des angekommenen Fahrstuhl, das bei all dem Trubel und Lärm am Tag untergeht, hallt laut in der Stille wieder. Ich gehe schnell in den Fahrstühl, drücke auf eg und ungeduldig auf den schliessknopf. Der Fahrstuhl fährt nach unten in die leere Eingangshalle. Es ist totenstill, die Rollos des Souveniershops und des Kiosks sind noch unten. Ich gehe nach draussen und atme tief die kühle frische Luft ein. Ich gehe ein stück durch den Park, geniesse die Stille und Einsamkeit. Nach ein paar Meter setze ich mich auf eine Parkbank. Ich denke über mein bisheriges Leben nach, von dem so viel im Krankenhaus stattgefunden hat. Ich denke an all die Stunden der schmerzen, der übelkeit der angst, der hoffnung und der enttäuschung. All die Stunden die ich in einem Bett lag während draussen die Sonne schien und die anderen Kinder spielten. 
Ich bin so in Gedanken versunken, dass ich die Zeit völlig vergesse. Eine Berrührung auf meiner Schulter reisst mich in die Realität zurück. Meine Mutter und eine schwarzhaarige Schwester stehen schnell atmend vor mir. «Alice was soll das verdammt. Was haust du einfach ab du solltest im Bett liegen.»sagt meine Mutter anklagend. «Ich brauchte frische ruft.»sage ich. Ich gehe Richtung Eingang und gemeinsam mit der Schwester und meiner Mutter kehre ich auf mein Zimmer zurück. Nach 5 Minuten kehrt die Schwester mit einem Frühstuckstablett zurück. Ich lasse es, bis auf den Kaffee unberührt stehen, wofür mich meine Mutter mit bösen Blicken  straft, obwohl sie selbst auch nur ein Glas Wasser trinkt. Ich bin mir nicht sicher ob es wegen des Kaffees oder des nicht essens ist. Kaum ist das Tablett weggeräumt klopft es an der Tür und ein Schar Ärzte betritt mein Zimmer. Dr. Stoffel mein Arzt seit der ersten Krebsdiagnose lächelt mich und meine Mutter an, aber es ist ein komisches, aufgesetztes lächeln und ich weiss was es bedeutet.« nun kommen wir gleich zur Sache. Alice die Ergebnisse der Untersuchungen haben ergeben das du Krebs hast. Nur dieses mal können wir nichts dagegen tun, der Krebs ist bereits zu weit fortgeschritten. Es tut mir sehr leid.»sagt Dr.Stoffel. Meine Mutter schnappt nach Luft und fängt an hemmunslos zu weinen während ich meinen Kopf in das Kissen zurücksinken lasse. «Wann darf ich  nach Hause? » frage ich die Decke, aber Dr. Stoffel versteht, dass die Frage an ihn gerichtet ist. «Morgen.»antwortet Dr.Stoffel. Ich nicke, aber meine Mutter mischt sich schluchzend ein.«Sie kann nicht nach Hause, sie muss hier bleiben.» «Nein ich gehe nach Hause wie Dr.Stoffel gesagt hat. Es bringt nichts, wenn ich hier bleibe.»erwiedere ich. «Alice hat recht, zu Hause ist sie besser aufgehoben für den moment.»sagt Dr. Stoffel und mit diesen Worten verlassen er und der Ärzteschar das Zimmer und lassen uns Allein. Mit der Tatsache der wir ins Auge blicken müssen. Ich werde sterben und es gibt nichts, was man dagegen tun kann.

Comments

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    sehr berührend!

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    Sehr schön und berührend aber natürlich schon tieftraurig! Toll geschrieben! 5/5

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    Wunderbar geschrieben, aber verdammt traurig. Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht :)

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    Wow, das beginnt ja schon mal richtig trostlos, und ich meine das als Kompliment. Du hast die Krankenhausatmosphäre von Anfang an echt gut eingefangen. Vor allem der letzte Satz bringt nochmal die ganze Hoffnungslosigkeit zum Ausdruck und zusammen mit dem Klappentext macht mich das Ganze wirklich neugierig, wie es denn nun weitergehen soll. Weißt du denn schon ungefähr, wie lange die Story am Ende sein wird? LG, Meg

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