Ich hatte einen Traum die letzte Nacht,

ich sah einen Fisch ohne Schuppenpracht.

Er hatte keine Farben auf sich,

warum wohl fragte ich selber mich.

Noch viele Fische schwammen umher,

sie alle hatten keine Farben mehr.

Ich dachte nach und begann zu fragen,

was nur will mir das Ganze sagen?

Plötzlich sass an einem Tische ich,

ein Bildband öffnete vor mir sich.

Ich sah Bilder der ganzen Welt erscheinen,

von vielen Menschen, Grossen und Kleinen.

All das war überreich an Farben,

sie tanzten vor mir in bunten Garben.

Ich wollte so gern all das wirklich sehn,

vielleicht würde ich dann Vieles besser verstehn.

Plötzlich trug mich meine Seele fort,

an einen unbekannten Ort.

Ich fand mich in den Bergen wieder,

der kalte Wind fuhr mir in die Glieder.

Überwältig drehte ich mich im Kreis,

ein einziges, leuchtendes Flächengegleis.

Die Berge funkelten in Silber und Weiss,

überall nur Schnee und Eis.

Ein Mann mit schwarzen Haaren und breitem Gesicht,

kam auf mich zu und grüsste mich.

Er fragte mich was ich hier bloss mache,

hoch auf des Himalajas Dache.

Ich sagte: „Ich reise nur durch die Welt,

mal sehen was mir am besten gefällt.

Noch ein paar Worte wechselten wir,

dann nahm der Mann wieder Abschied von mir.

Mit schnellen Schritten ging er an mir vorbei,

und dann hörte ich plötzlich seinen Schrei.

Er war in eine Gletscherspalte gefallen,

ich sah seine Hände in den Schnee sich krallen.

Sofort lief ich zu ihm hin,

um ihn schnell aus der Spalte zu ziehn.

In Träumen hat man viel mehr Kraft,

bald hatte ich ihn nach oben geschafft.

In diesem Moment drang eine Stimme an mein Ohr,

das Ganze kam mir seltsam vor.

 „Du hast dem Mann deine Hand geboten,

und wurdest so zum Friedensboten.

Ein Teil dieses Landes bist du nun,

da gibt es nur noch eins zu tun.“

 „Das Weiß-silber der Schneeberge schenke ich dir,

es soll werden zu deiner Zier.“

In diesem Moment sah den Fisch ich von Neuem,

und begann mich sehr zu freuen.

Er bekam eine silberne und weisse Schuppe,

direkt auf seines Rückens Kuppe.

Ehe ich es recht begriff,

fand ich mich wieder auf einem Schiff.

Ich fuhr über das weite Meer,

nur Schönheit war rund um mich her.

Das Meerwasser leuchtete grün und blau,

wie die schillernden Federn von einem Pfau.

In der Ferne konnte ich eine Insel sehn,

sollte ich dorthin wohl auch noch gehn?

Auf einmal sah ich vor mir ein Boot,

das schien zu sein in Seeesnot.

Zwei Leute mit einem Kleinkind sassen darin,

alles deutete auf einen Notfall hin.

Ich fuhr näher an sie heran,

und fragte ob ich ihnen helfen kann.

Sie sagten ihr Motor sei ausgegangen,

ich hörte in ihrer Stimme das grosse Bangen.

So sprach ich: „Steigt nur bei mir ein,

bald werdet ihr wieder zu Hause sein.“

Sie lachten mir dankbar ins Gesicht,

ihre Nationalität, die wusste ich nicht.

Bald erreichten wir das feste Land,

golden leuchtete der Sandesstrand.

In diesem Moment hörte ich die Stimme sagen:

„Auch hier hast du geholfen ohne zu Zagen.

Das Blaugrün des Meeres werde ich dir schenken,

das ist meine Art deiner Tat zu gedenken.“

Wieder sah ich den Fisch vor mir,

erneut geschah was mit dem Tier.

Eine blaue und grüne Schuppe tauchten auf,

gleich unterhalb an seinem Bauch.

Glück erfüllte mich dabei,

doch weiter ging die Reiserei.

Auf einer Sanddüne stand ich nun,

was sollte ich denn hier bloss tun?

Rund um mich nur goldgelber Sand,

bis zu des Horizontes Rand.

Nichts regte sich an diesem Ort,

er schien allein der stille Hort.

War ich hier wirklich ganz verlassen?

Nein, das konnte ich nicht fassen.

Nochmals blickte ich rundumher,

und erschrak darauf gar sehr.

Am Fusse der Düne ein Junge lag,

was wohl mit ihm geschehen sein mag?

Ich ging zu ihm hin und schaute ihn an,

sein Anblick man schwer beschreiben kann.

Sein Gesicht war voll von trocknem Sand,

seine Hände und der Kopf von der Sonne verbrannt.

Sofort griff ich nach der Wasserflasche,

welche ich hatte in meiner Tasche.

Ich gab ihm dann zu trinken davon,

und rief darauf: „Komm zu dir mein Sohn!“

Der Junge öffnete nun die Augen,

vor Freude konnte ich es gar nicht glauben.

Seine schwarzen Augen sahen mich glücklich an,

ein Blick den man nie vergessen kann.

Wieder sprach die Stimme zu mir:

„Du hast erneut geholfen hier.

Das Goldgelb des Sanddünen kriegst du nun,

so belohne ich dein Tun.“

Wieder sah ich den Fisch vor mir,

eine goldne und gelbe Schuppe bekam er zur Zier.

Langsam wurde es mir klar,

was hier geschah war wunderbar.

Immer mehr Farben bekam das Tier,

genau so sah’s auch aus in mir.

Leider konnte ich nicht lange warten,

zur nächsten Reise musste ich starten.

Als Nächstes in einem Wald ich stand,

was ich als angenehm empfand.

Im Schoss der Bäume fühlte ich mich frei und geborgen,

verflogen waren alle Sorgen.

Licht und Schatten gab es hier,

die vielen Grüntöne gefielen mir.

Auch Braun und Schwarz gab’s hier eine Menge,

an mein Ohr da drangen Vogelgesänge.

Auf einmal kam ein Kind auf mich zu,

sein Weinen durchdrang des Waldes Ruh.

Ich fragte mich: „Was kann da geschehen sein,

warum ist dies Mädchen so ganz allein?“

Ich nahm seine Hand in meine,

und fragte warum es weine.

Es sagte: „Ach je ich fürchte mich sehr,

ich finde meine Eltern nicht mehr.“

Der Kleinen musste geholfen werden,

das war die klarste Sache auf Erden.

Die Eltern waren dann auch bald gefunden,

erneut war ein Hindernis überwunden.

Es kam mir dann auch nicht komisch vor,

als die Stimme ein viertes Mal drang an mein Ohr.

Sie sprach: „Du hast einem Kind die Eltern zurückgegeben,

dafür schenke ich dir meine Segen.

Die Farben des Waldes male ich in dein Herz,

und mache damit keineswegs ein Scherz.

Nun schau dir den Fisch noch einmal an,

und überlege was er dir vermitteln kann.“

Als nun der Fisch erschien von Neuem,

begann ich mich mehr den je zu freuen.

Er hatte nun ein buntes Schuppenkleid,

und war eine richtige Augenweid.

Ich begann darüber zu sinnen,

wie konnte man all das zusammenbringen?

Die Stimme sprach erneut zu mir:

Weisst du was dies bedeutet hier?“

Ich dachte eine Weile nach,

bis ich erneut zur Stimme sprach:

„Farblos wie der Fisch bin ich gewesen,

bis ich half den Menschenwesen.

Bei allem Guten das ich habe getan,

nahm ich eine neue Farbe an.

Ich wurde ein Teil von der ganzen Welt,

ihre Farben waren mein Entgelt.

Wir alle sollten Gutes tun, denn

dann  wird unsre Seele ruhn.

Sonst bleiben wir immer farblos im Leben,

es wird keine Freude für uns geben.

Dabei wurde uns doch so viel gegeben:

Farben, die Freude, die Erde, das Leben!

Noch viele Reisen will ich machen,

und überall die Liebe entfachen.

Das ist mein Wunsch für alle Menschenkinder,

ich hoffe auch sie werden „Farbenfinder.“

Erneut hörte ich die Stimme sagen:

„Da gibt es nicht mehr viel zu fragen.

Du hast begriffen was ich meine,

weshalb ich deine Worte auch nicht verneine.

Doch eine Frage steht noch in deinem Gesicht,

willst du sie mir stellen nicht?“

 Ich staunte über diese Worte sehr,

wo nahm die Stimme bloss ihr Wissen her?

So sprach ich: „Gerne würde ich noch wissen wer du bist,

wenn das nicht etwas unverschämt ist.“

Die Stimme sagte darauf zu mir:

„Ich werde die Antwort geben dir.

Gehört hast du gewiss schon von mir,

alle Farben der Welt ich schenkte sie dir.

Doch das konnt‘ ich nur, weil ich die Welt selbst erschaffen habe,

und Sorge zu euch Menschen trage.

Ich möchte, dass ihr einander Liebe schenkt,

und nicht nur an euch selber denkt.

So wird eure Seele voll von Farben,

die ich euch will schenken in leuchtenden Garben.

So öffnet eure Herzen weit,

so wird zu eurem Freund die Zeit.

Eins sollt ihr sein mit der ganzen Welt,

die so viele Wunder für euch bereit hält.“

Dies war das Letzte was ich noch vernahm,

dann ich zurück aus der Traumwelt kam…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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