Aller Anfang ist schwer

Marc saß regungslos auf seinem Stuhl im Warteraum und starrte die Uhr an. Die Falten in seinem Gesicht wurden immer tiefer seit dem Verschwinden von Eniya. Er aß nur das Nötigste und beschränkte sein Trinken größtenteils auf Alkohol womit er versuchte die Einsamkeit die sich nach und nach mit ihm verbündete zu ertränken. Er hatte sich zurückgezogen von der Außenwelt und wollte für sich allein bleiben. Nur noch Norman schaute ab und an nach dem Rechten und versuchte ihm Mut zu machen, wurde jedoch meist durch Schweigen abgewiesen. Den Termin des Psychologen nahm er nur wahr weil er somit in Kontakt mit Hermann war. Hermann war Polizist und der einzige der auch nach Verjährung der Suche nach seiner Frau nach Anhaltspunkten suchte. Zumindest stellte er Artikel zur Verfügung die auch ohnehin der Öffentlichkeit zugänglich waren. Jedenfalls hatte er Hermann genau hier kennengelernt. Im Warteraum von Dr. Bertram wo auch er sich ab und an seelischen Rat holte. Außerdem kannte er Bertram von seiner Kindheit und es tat anscheinend gut einen Freund und Psychologen an seiner Seite zu haben. Auch heute erhoffte er sich ihn hier anzutreffen aber er war nicht da. "Marc Zimmer" rief die Schwester ihn auf. Er hatte nicht einmal bemerkt dass sie die Tür der Praxis geöffnet hatte um den nächsten Patienten aufzurufen. Er starrte kurz zu ihr rüber, stand auf und verließ die Praxis ohne sich um den zweiten Aufruf seines Namens zu kümmern.

Er lief die Straße entlang des Tabak- und Spiritosenladens und holte sich noch eine kleine Flasche Brandy die er vor Ort in einem Zug seine Kehle runter schaukelte und warf die leere Flasche in den Mülleimer gleich neben ihm. Er schaute in den Himmel wo nur vereinzelt Wolken zu sehen waren und sich vor dem klaren Blau einreihten. Es war ein angenehmer Tag und nur die frühen Stunden veranlassten, dass ab und an ein kühler Wind wehte. Er spielte mit dem Gedanken sich noch einen Brandy zu holen als er plötzlich erstarrte. Er konnte kaum fassen was wer da sah und wollte sich davon überzeugen aber er konnte sich nicht bewegen. Seine Beine hörten nicht auf ihn und sein ganzer Körper dachte nicht daran das zu tun was er nun gerne machen würde. "Eniya?" flüsterte er leise zu sich selbst. Er wusste nicht einmal ob er flüsterte oder ob auch das sich nur in seinem Gedanken abspielte. Auf der anderen Seite stand diese Frau. Schwarzes Haar und Eisblaue Augen. Sie war es ganz sicher, er würde seine Eniya doch sofort erkennen. Die Frau sah sich um und hob die Hand woraufhin ein Taxi vor ihr hielt. Er sah nur noch wie sie in das Fahrzeug stieg und es Richtung des Einkaufszentrum <Zeus-Center> fuhr und noch immer bewegten sich seine Glieder nicht. Erst als das Taxi schon längst verschwunden war drehte er den Kopf zur Seite und bemerkte Hermann. Der Polizist kam grade von seiner Sitzung mit Dr. Bertram und hatte ihn regungslos neben dem Kiosk bemerkt.

"Marc. Wenn du weiter so da stehst werfen die Leute dir noch Geld zu weil sie denken dass du einer von den lebenden Statuen bist die öfters am Marktplatz stehen. Nur dass du es viel besser kannst." Er lächelte Marc dabei zu und dennoch konnte er den Ausdruck der Besorgnis in seinem Gesicht nicht verbergen.

"Was ist los? Wieso warst du heute nicht bei Dr. Bertram? Du bist schon ewig nicht mehr da gewesen, es wird dir echt gut tun Marc." Er legte die Hand auf Marcs Schulter zog sie aber gleich wieder weg weil er sich nicht vorkommen wollte wie eine tröstende Mutter.

"Ich hab sie gesehen" zitterte es aus seinen Lippen. "Ich hab Eniya gerade gesehen" versuchte Marc nun überzeugend rüber zu bringen und schaute dabei Hermann fest in die Augen. "Bin ich jetzt verrückt geworden?" sagte er fast weinerlich und lies den Blick von Hermann nicht schweifen. Dessen Miene blieb aber unverändert. Anscheinend war er es schon gewohnt dass Marc jeden Tag eine Neue Eniya sieht. "Das geht nicht so weiter" entgegnete er ihm. "Du musst sofort zum Doc, komm ich bringe dich gleich hin. Du wirst sofort drangenommen wenn ich mit ihm rede." Er legte seine Hand auf Marc´s Rücken und schon ihn ein wenig Richtung der Praxis und Marc folge ganz langsam der Aufforderung. Wie ein Kleines Kind dass zu seiner ersten Impfung ging taumelte er Hermann hinterher und starrte dabei geradeaus. "Das geht so nicht weiter" stöhnte er hervor. "Das geht so nicht weiter" sprach er immer und immer wieder bis er am Eingang der Praxis stand und hoch blickte wo Dr. Bertrams Praxis zu sehen war. Er sah Hermann nochmal an und mit einer völlig unbekannten Entschlossenheit betrat er die Praxis.

               

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